logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerklärung
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Spielt die Frage nach einem gnädigen Gott heute noch eine Rolle?
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café im Foyer
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png 

 

 

 

Spielt die Frage nach einem gnädigen Gott heute noch eine Rolle? Drucken
Von Peter-Michael Voß (18.11.2012)

Predigt am 4.11.2012 in der Altstadt

Predigttext: Römerbrief 3, 21 – 28

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes / die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, / bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, / die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus / zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder / und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, / und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade / durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. …….

Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch wel­ches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, / sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, / dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, / allein durch den Glauben.

 

 

Liebe Gemeinde!

Dieser Abschnitt aus dem Römerbrief ist zur entscheidenden Aussage der Reformation geworden und damit Grundlage der Ev.-Luth. Kirche:

Die Rechtfertigung des Sünders aus Gnaden durch den Glauben an das Evangelium von Jesus Christus.

Es ist nur die Frage: Was fangen wir heute damit an? Ist das unsere Frage: Die Rechtfertigung des Sünders - oder: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?

Hinter der Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders aus Gnaden, die Martin Luther wieder in die Mitte des christlichen Glaubens gerückt hat, steckt ja eine ganz bestimmte Gottesvorstellung, von seinem Handeln und Wirken bei uns Menschen.

Deshalb ist es wichtig, sich darüber Klarheit zu verschaffen: Von welchem Gott reden wir eigentlich? Welche Vorstellung haben wir heute von Gott?

Haben Menschen überhaupt noch eine genaue Vorstellung von Gott? Und was erwarten sie von Ihm?

Zu Luthers Zeiten war es klar:

Der Mensch wusste sich Gott gegenüber verantwortlich mit seinem Leben. Dem Gott, der zur Rechenschaft zieht, dem strafenden Gott.

Diese Vorstellung hat die Kirche mit ihren Forderungen und Praktiken gefördert in einer Zeit, die ohnehin schon voller Angst und Schrecken war. Das hat die ganze Lebenseinstellung geprägt:

Wie finde ich einen gnädigen Gott, der mich verlorenen Menschen nicht ins Höllenfeuer sinken lässt?

Aber bestimmen diese Fragen noch heute unser Bewusstsein? Spielt Gott überhaupt noch eine Rolle?

Es scheint oft so, als sei die Frage nach Gott – oder wo Gott zu finden ist – und welcher Gott - als sei diese Frage überholt.

Selbst Fr. Nietzsches Entsetzen über den Gottesverlust des modernen Menschen ist nicht mehr aktuell. Ich denke an seine Erzählung von dem Mann, der am helllichten Tag mit einer Laterne auf den Marktplatz läuft und schreit, „Gott ist tot. Die Welt ist losgekoppelt und irrt und schwankt haltlos durch das Weltall.“ Aber die Menschen auf dem Marktplatz kümmert es nicht. Sie bemerken den Mann kaum, lachen oder gehen gleichgültig weiter.

Und doch werden wir die Frage nach Gott nicht los in unserem Leben. Es ist nur die Frage, in wieweit wir sie zulassen, oder ob wir sie aus unserem Bewusstsein hinausdrängen. In irgendeiner Form taucht sie ja wieder auf in den Umbrüchen des Lebens - ob wir nun spüren, dass Leistung und Fit- sein nicht alles sind, dass Auto, gutes Leben, Freunde und Ansehen nicht über eine innere Leere hinweg täuschen können, oder dass wir an Grenzen geraten, die uns traurig und hilflos machen.

Liebe Gemeinde,

Martin Luther ging es in diesen Situationen darum, wie wir von Gott reden und was wir von Gott zu erwarten haben:

Dass der barmherzige Gott uns seine Liebe schenkt und wir uns finden lassen und darauf unser Leben ausrichten - -

Martin Luther erzählte einmal ein Gleichnis:

Unser Leben ist wie eine Schifffahrt. So wie die Schiffsleute den Hafen vor sich haben, auf den sie zusteuern, dass sie dort sicher und ohne Gefahr sind, so ist uns die Ver­heißung des ewigen Lebens gegeben, dass wir in ihr einen Hafen haben, in dem wir sanft und sicher ruhen können. Weil aber unser Schiff schwach ist, große und gewaltige Stürme, Wetter und Wellen auf uns hereinbrechen und uns verschlingen wollen, so brauchen wir einen erfahrenen und geschickten Schiffsherrn und Patron, der das Schiff mit seinem Rat regiere und lenke, dass es nicht auf die Klippen aufläuft und absäuft und untergeht. Unser Schiffsherr aber ist allein Gott.

ER hat verheißen, dass er uns beistehen will, wenn wir ihn nur um Hilfe, Schutz und Schirm bitten. Solange wir diesen Schiffsherrn bei uns haben, gibt's keine Not, und wir kommen aus allem Unglück heraus, Wind und Wellen können uns nicht schaden und uns nicht verschlingen. Wenn aber die, die im Schiff sind, in der größten Gefahr mutwillig den Schiffsherrn über Bord werfen - der sie doch durch seine Gegenwart retten könnte-, dann wird das Schiff sinken. Und man sieht ganz klar, dass es zum Schiffsbruch nicht aus Verschulden des Schiffsherrn gekommen ist, sondern aus Verblendung derer, die im Schiff gewesen sind.

Dieses Gleichnis zeigt, was die Ursache unseres Unglücks und Elends ist und woher es kommt."

Ich denke, darin liegt auch das große Unglück unserer Zeit, dass die Frage nach Gott verloren geht:

die Frage, wer bin ich, was will Gott von mir und was schenkt er mir, spielen immer weniger eine Rolle.

Unbewusst - und wohl auch bewusst- werfen wir diese Fragen über Bord - aber damit auch den eigenen Maßstab zum Leben und Handeln.

Aber, wo uns Gott verloren geht, da ist auch das Antlitz des Menschen leer - wie sollte es auch anders sein, wenn der Mensch doch eigentlich zum Bilde Gottes geschaffen ist. Menschlichkeit geht verloren und die Rechte des Menschen werden mit Füßen zertreten.

Lassen Sie mich dieses ein wenig deutlich machen.

Wir hatten ein paar Beerdigungen aus unserer Kirche heraus zum Friedhof in Löhne-Obernbeck – ähnlich wie hier in Bad Oeynhausen in der Gemeinde Eidinghausen; mussten auf der Straße hinter dem Sarg hergehen. Ich habe es kaum erlebt, dass jemand von den Vorbeigehenden stehen blieb oder anhielt. Nein, vielmehr fuhren Autos, Radfahrer weiter, bogen kurz vor dem Sarg in die Straße, überholten den Zug oder rasten dem Leichenzug entgegen.

Sind wir so unempfindlich geworden?! Ich denke, dort wo Gott uns entschwindet, nicht mehr gefragt wird, da schwindet auch die Ehrfurcht vor den Toten und dem Tod. Ja, auch die Ehrfurcht vor den Menschen, dem Menschen in Leid und Trauer. Menschen sehen nur sich selbst, die eigenen Wünsche und Ziele.

Wo wir Gott über Bord werfen, werfen wir die Menschlichkeit mit über Bord - und umgekehrt! Ja, alle Schätze des Glaubens und des Lebens gehen mit verloren!

Diese Schätze aber wieder ins Bewusstsein zu heben, darum geht es, wenn wir als protestantische oder evangelische Christen und Christinnen an die reformatorische Erkenntnis Martin Luthers denken.

Mit dem Gleichnis von Luther ausgedrückt:

Der größte Schatz aber auf dem Schiff der Kirche, das durch die Zeiten fährt – so wie wir es in dem Lied vom „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ singen und dessen Steuermann und Schutzpatron Gott selber ist - der größte Schatz ist die Erkenntnis aus dem Römerbrief.

Wir haben den Text vom Lesepult gehört:

" Es ist kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist - ohne Gesetzes Werke - allein durch den Glauben."

Dahinter steckt die wichtige, für jeden wichtige Frage: Wie und wer bin ich vor Gott?

Bei der Beantwortung solcher Fragen hat mich der Teufel oft schon am Schlafittchen! (– wie es Luther ausdrücken würde).

Wie gern rede ich mir ein, die anderen seien genauso wie ich.

Doch es genügt nicht, wenn ich mir vorsage, dass auch die anderen versagt haben und dass sie nicht besser sind.

Es muss etwas passieren, was mir meinen Wert zeigt, unabhängig davon, ob jetzt hier oder dort ein paar Gramm mehr oder weniger draufgelegt werden. Es geht nicht darum, ob ich vor mir selber und vor den anderen Menschen bestehen kann. Es geht vor allem darum, ob ich vor Gott bestehen kann.

Wie sieht Gott mich an? Wiegt er meine Leistungen und meine Versäumnisse gegen­einander auf?

Das ist die Botschaft:

Mit dem Kreuz Christi hat Gott öffentlich bekannt gemacht: Ich habe beschlossen, dass der Mensch nicht mehr mit seiner Leistung stehen oder fallen soll. Seine Kirchlichkeit, sein religiöses Leben, seine bürgerliche Wohlanständigkeit oder sein sozialer Eifer - das alles ist für mich ohne Belang. Ich, der lebendige Gott, habe beschlossen, meine eigene Gerechtigkeit auf die Menschen zu übertragen, auf die Menschen, die bereit sind, dieses unverdiente Geschenk anzunehmen.

Die Menschen müssen nur begreifen, dass meine herzliche Zuneigung gratis zu haben ist. Niemand kann sie sich verdienen.

 

Davon spricht der Apostel Paulus, wenn er sagt: "Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist."

Das Wort 'gratis' hängt eng mit dem lateinischen Wort 'gratia' zusammen und 'gratia' heißt Gnade. Dass unser Gott ein gnädiger Gott ist, das hat die Reformation wieder entdeckt.

 

Niemand soll sagen, dass die Botschaft von Gottes Gnade dem Menschen unserer Zeit unverständlich bleiben muss. Immerhin lebt in uns allen eine Ahnung davon, dass alles was unser Leben schön und lebenswert macht, nicht machbar ist; es ist nur gratis zu haben. Wer sich das bewusst macht, kann den Apostel Paulus besser begreifen.

So ist das Evangelium die Antwort Gottes auf unseren Schrei nach Geborgenheit! Nach Zuwendung, nach Wertschätzung und Anerkennung.

Diese Botschaft, dieses Wort, das von Gott kommt, kann uns alle erreichen:

Ich nehme dich an, lieber Mensch, so wie du bist, ohne Bedingungen.“

Liebe Gemeinde,

Ich sehe aber auch, dass mit dieser Botschaft, die sozusagen vom Himmel kommt, ein Pro­blem verbunden ist: Wer sich lange Zeit ungeborgen und heimatlos gefühlt hat, kann nicht ohne weiteres mit Bibelworten getröstet werden. Sie hängen viel zu hoch über seinem Haupt, er kann sie nicht erreichen.

Es bleibt nur die Möglichkeit: Menschen müssen das Evangelium ins Leben hinein übersetzen und anderen sagen:

Ich bin bejaht, ich bin angenommen.

An den barmherzigen Gott kann ein Mensch dann glauben, wenn sich Gottes Barmherzigkeit auch im Verhalten der Christen widerspiegelt.

Und diese Wahrheit gilt auch:

Der Glaube entsteht, wenn Christen die Botschaft aus dem Römerbrief des Paulus in den Alltag übertragen. Der Glaube kommt aus der Predigt!

Wer sich geborgen fühlen kann, lebt - geradezu automatisch - anders: zuchtvoller, gelassener, freundlicher, zuversichtIicher und toleranter.

Ich bin davon überzeugt, unserer Welt und den Menschen kann nur geholfen werden durch gütige Herzen, die bereit sind, zu ermahnen und auszuhelfen.

Hüten wir uns davor, unseren Steuermann, von dem wir anfangs sprachen, über Bord zu werfen. Er kann uns auch verloren gehen, wenn wir die Schätze des Glaubens vernachlässigen oder vertun. – Amen.

1. Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit. Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr, / Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so Fährt es Jahr um Jahr. / Und immer fragt, man sich: Wird denn das Schiff bestehn? / Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?

Kehrvers: Bleibe bei uns Herr! / Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns Herr!

2. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, I liegt oft im Hafen fest, I weil sichs .in Sicherheit und Ruh I bequemer leben lässt. I Man sonnt sich gern im alten Glanz I vergangner Herr­lichkeit I und ist doch heute für den Ruf I zur Ausfahrt nicht bereit. I Doch wer Gefahr und Leiden scheut, I erlebt von Gott nicht viel. I Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, I er­reicht das große Ziel. Kehrvers

3. Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, I muss eine Mann­schaft sein, I sonst ist man auf der weiten Fahrt I verloren und allein. I Ein jeder stehe, wo er steht, I und tue seine Pflicht; I wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, I gelingt das Ganze nicht. I Und was die Mannschaft auf dem Schiff I ganz fest zusammenschweißt I in Glaube, Hoffnung, Zuver­sicht, I ist Gottes guter Geist. Kehrvers

4. Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, I fragt man sich hin und her: I Wie finden wir den rechten Kurs I zur Fahrt im wei­ten Meer? I Der rät wohl dies, der andre das, I man redet lang und viel I und kommt - kurzsichtig, wie man ist - I nur weiter weg vom Ziel. I Doch da, wo man das Laute flieht I und lieber horcht und schweigt, I bekommt von Gott man ganz gewiss I den rechten Weg gezeigt! Kehrvers

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
  • Gottesdienst
    28.10.2018, 10:00 Uhr
    mit Austellungseröffnung
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2018 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.