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"Die Rache ist mein", spricht der Herr Drucken
Von Lars Kunkel (28.08.2012)

Predigt zum Literaturgottesdienst "Adressat unbekannt"

Ein Brief. Nur ein Umschlag. „Adressat unbekannt.“ Nur zwei Worte, die ihre Wirkung erst ganz langsam und dann umso wirkungsvoller entfalten. Man braucht schon ein wenig Zeit, um zu begreifen. Es gab ja bereits einen Brief mit diesen Worten. Als Griselle tot war. Im Stich gelassen von Martin Schulse, ihrem ehemaligen Liebhaber und bestem Freund ihres Bruders.  Jetzt wieder ein Brief, dieses Mal an diesen Martin Schulse. „Adressat unbekannt.“ Man braucht wenig Phantasie, um zu wissen, dass er tot ist oder zumindest im KZ. Weil sein ehemals bester Freund Max sich gerächt hat. Indem er Briefe geschrieben hat, geheimnisvoll verklausuliert, die ihn, den aufstrebenden Nazi, bei der Zensur als jüdischen Kollaborateur erscheinen haben lassen. 
„Adressat unbekannt“. Mit diesen letzten Worten hat Kressmann Taylor keinen Punkt gesetzt, sondern einen Doppelpunkt.
Die Leserin, der Leser klappt das Buch aufgewühlt zu. Die Gefühle und Reaktionen sind unterschiedlich, sogar innerhalb einer Person.
Man spürt noch die Wut in sich über die Sätze Martins wie: „Die Juden lamentieren immer, aber ihr seid niemals tapfer genug zurückzuschlagen. Das liegt in der Natur des semitischen Charakters. Deshalb gibt es Pogrome.“ Wir alle spüren Wut auf diese ekelhaften Theorien, die den Opfern die Schuld geben. Auf die Täter, die ihre Opfer verhöhnen.
Auf diesen feigen, armseligen Martin, der die Freundschaft und die Geliebte verraten hat.
Vielleicht fühlt der eine oder andere auch Genugtuung. Fast schon Freude, Triumph. Endlich hat sich einer gewehrt. Endlich ist mal einer aus der Opferrolle ausgestiegen und hat den Spieß umgedreht. Wer will Max das verdenken? Wer kann ihn dafür verdammen? Wenigstens einmal ist der Böse bestraft worden. Das geschieht ihm recht. Ich kenne einige ganz aufrechte und anständige Menschen, die sagen: „Wenn einer meiner Tochter etwas antut, den bringe ich um.“
Keinem von uns liegt der Gedanke an Rache fern. Auch der Bibel nicht, die den Menschen manchmal besser kennt, als er sich selbst und sich darum ausführlich mit der Rache beschäftigt.

Im Alten Testament werden viele Rachegeschichten erzählt. „Rache“ ist dabei ein Wort der Rechtsordnung. Es geht also darum, dass ein erlittenes Unrecht vergolten wird.

Dass ein Täter bestraft wird. Allerdings, und das ist wirklich wichtig zu wissen, ist das Alte Testament ganz bestimmt nicht das Buch der Rache. Jeder kennt den Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Weitgehend unbekannt ist aber, dass mit dieser Regel eigentlich die Rache begrenzt und die Spirale der Gewalt durchbrochen werden sollte. Nur ein Auge für ein Auge und kein Sippenmord! Der Kreislauf aus Tat, Rache, noch größerer Rache, sollte begrenzt werden.


In der Rechtsordnung des Alten Testamentes ging es dann später darum, den Wert eines Auges zu ersetzen, also einen materiellen Ausgleich für das verlorene Auge zu schaffen.

So wurde der Schaden des Opfers wirklich ernst genommen und der Täter bestraft.
Von ganz entscheidender Bedeutung ist, dass sich schon im Alten Testament mehr und mehr der Gedanke durchsetzt, dass nur Gott allein Rache üben soll und darf, wenn die Gesellschaft nicht in Blut und Tod versinken soll. So heißt es im 5. Buch Mose (32,35):
„Die Rache ist mein, spricht der Herr.“ Ganz plastisch wird dieser Gedanke in der Geschichte von Kain und Abel. Kain tötet seinen Bruder, er wird von Gott zwar dafür bestraft, zugleich aber mit dem Kainszeichen versehen, das ihn vor der Blutrache schützt. Gott tritt dafür ein, dass die Rache begrenzt wird.


Nein, das Alte Testament ist kein Buch, das zur Rache aufruft, sondern andere Wege findet, indem es die Rache in Gottes Hand legt. Darum stehen die Aussagen im Neuen Testament dazu auch nicht im Gegensatz, sondern sind eine Zuspitzung der Alttestamentlichen Entwicklung. Wenn Jesus sagt: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“, warnt er damit vor der Gewaltspirale. Und Matthäus, der sich eigentlich noch als Jude verstanden hat, schreibt über Jesus, der Jude war: „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage Euch, leistet dem Bösen keinen Widerstand, liebt Eure Feinde!" Es geht nicht um romantische Liebe, sondern um eine bessere Ethik, die Selbstjustiz ablehnt und Rache und Vergeltung in Gottes Verantwortung stellt.
Es geht der Bibel also überhaupt nicht darum, Rache oder auch Vergeltung als solches zu verdammen oder ihre Berechtigung zu leugnen. Denn das hieße, das Leid herunterzuspielen. Die Opfer nicht ernst zu nehmen. Die Gewalt auszublenden. Der Gedanke, dass die Täter einfach so davonkommen, ist unerträglich.
Das wissen wir, das weiß auch Gott. Darum muss es ein Gericht geben. Im 2. Brief des Paulus an die Korinther steht: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse“.

Was immer Menschen anderen angetan haben, wird bei Gott nicht vergessen oder übersehen. Natürlich muss es auch innerhalb der menschlichen Rechtsordnung Strafen geben dürfen. Aber nicht an Leib und Leben. Kein Leben wird durch den Tod eines anderen Menschen ersetzt oder wiederhergestellt. Darum ist die Todesstrafe kein Ausweg, denn der Rächer verliert damit seine Opferrolle und wird selbst zum Täter.
Und darum könnte der Weg, die Rache Gott zu überlassen, wirklich ein Königsweg sein, der dem Wunsch nach Vergeltung folgt, ohne diese aber selbst ausüben zu müssen. Die Maßstäbe, die Gott im Gericht anlegen wird, können wir nur ihm selbst überlassen.
Gott ist gerecht, und er wird ein gerechtes Urteil fällen, und dazu könnte auch eine Strafe gehören, wie immer diese aussieht. Gott ist aber gerecht und gnädig, und darum kann ich mir nicht so richtig vorstellen, dass er einen Menschen für immer und ewig vernichtet.
Wenn uns hier in diesem Leben ein Mensch verletzt, uns etwas Schlimmes und Böses antut, wird am Ende jeder seinen Weg finden müssen, wie er mit erlittenem Unrecht umgeht. Allerdings wird auch jeder die Verantwortung dafür übernehmen müssen, vor sich selbst, vor den anderen Menschen, und auch vor Gott.
Wer weiß, vielleicht werden wir selbst zur Waffe greifen. Werden mit Schuld leben müssen und auf Vergebung bei Gott hoffen.

Vielleicht werden wir aber auch einen Psalm beten, nicht einen dieser schönen und lieblichen, sondern einen wie Psalm 94:


„Herr, du Gott der Vergeltung,
du Gott der Vergeltung, erscheine.
Der Herr ist mein Schutz,
mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht.“

Und wer weiß, vielleicht, ganz vielleicht, hoffentlich werden wir dann beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
 

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