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Es gibt keinen Ort, wo Gott nicht schon ist Drucken
Von Lars Kunkel (11.07.2012)

Predigt zu Psalm 139,5

fotolia_32150280_m.jpg„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Das wünschen wir uns so sehr. Es gibt so vieles im Leben, was uns verunsichert, was uns ratlos macht oder einsam. Nicht nur, weil das Leben insgesamt so komplex und kompliziert geworden ist, sondern weil wir uns immer ein bisschen fremd in dieser Welt fühlen, immer ein bisschen unverstanden, immer ein bisschen uneins mit uns selbst, den Menschen und der ganzen Welt. Dass Gott uns mitten darin umgibt, dass er seine schützende Hand über uns hält, ist ein wunderbarer Gedanke, gibt ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz, das wir alle ersehnen und  uns wünschen. Vor allem für unsere Kinder.
Kinder sind ganz besonders darauf angewiesen, beschützt zu werden. Für Eltern ist es normalerweise ganz selbstverständlich, dass sie ihre Hand über ihre Kinder halten, ihnen Halt geben und sie beschützen.
Gerade kleine Kinder brauchen, nachdem sie den Bauch der Mutter verlassen haben, der sie vollkommen umgeben hat, genau dieses Gefühl, dass sie von allen Seiten geborgen sind. Darum ist die Liebe der Eltern so etwas wie ein schützender Mantel, der die Kinder ganz und gar einhüllt.
Kleine Kinder finden das total klasse. Eine Zeit lang. Es dauert nicht lange, dann verkrümeln sich die Kinder in die hintersten Ecken des Wohnzimmers, um den CD Player zu demontieren oder knallen zornesrot die Kinderzimmertür zu. Und dann hängt da ein Schild: „Zutritt für Eltern verboten.“ Da muss man als Eltern ganz schön schlucken. Aber Kinder brauchen Abgrenzung, Privatsphäre, möchten sich abnabeln und müssen das auch, um selbständige und eigenständige Menschen zu werden.
Dieses Spannungsfeld aus Geborgenheit und Freiheit zieht sich durch die Eltern-Kindebeziehung genauso wie durch die Gott-Mensch-Beziehung. Geborgenheit kann allerdings auch zu einem Gefängnis entwickeln.
Wenn es im Psalm heißt: „Herr, du erforschest mich, du verstehst meine Gedanken von Ferne, du siehst alle meine Wege“ – dann kann das auch negative Gefühle auslösen. Gott als Gedankenleser und allezeit präsenter Kontrolleur, als religiöser „Big-Brother is watching you“?
Es soll ja vorkommen, dass Eltern ihren Kindern Angst machen mit dem Satz „Der liebe Gott sieht alles“. Pfiffige Kinder antworten darauf „Aber er verrät mich nicht.“
Wer so kontert, zeigt damit ein anderes Gottverständnis. Wer sich unter Gott einen zornigen Rächer vorstellt, einen angsteinflößenden Übervater, der nur darauf aus ist, die Tugendhaftigkeit der Menschen zu überwachen, kann bei dem Vers „Gott umgibt uns von allen Seiten“ nur Angst bekommen. Gott ist aber kein verlängerter Arm menschlicher Kleingeistigkeit oder moralinsaurer Endkontrolle. Wer an den Gott der Bibel glaubt, der weiß, dass dieser Gott vor allem von Liebe zu den Menschen geleitet wird. Das bedeutet noch lange nicht, dass Gott damit verniedlicht wird. Natürlich gehört Gerechtigkeit auch zu Gott, und weil Gott Gott ist, übersteigt er auch alles Menschenmögliche und lässt sich nicht fassen.
In Jesus Christus hat er sich jedoch gezeigt als ein Gott, der zu den Menschen geht, der sie annimmt, aufnimmt, liebt und Leiden und Sterben mit ihnen teilt. Gott fordert keine Taten, um uns dann mit seiner Liebe zu belohnen. Seine Liebe geht allem anderen voraus, ist ein Geschenk der Gnade und findet ihr schönstes Zeichen in der Taufe.
Und wer geliebt und getragen wird, der entwickelt selbst die Fähigkeit zu lieben, der entwickelt einen Sinn für Gerechtigkeit und denkt und handelt ganz gewiss nicht butterweich und beliebig.
Darum sind Geborgenheit und Freiheit kein Widerspruch, sondern Ergänzungen. Wir brauchen das Gefühl von Geborgenheit, das uns Sicherheit, Schutz und Trost gibt, um auf dieser Grundlage Freiheit zu entwickeln. Und wir brauchen die Freiheit, um die Geborgenheit als etwas Schönes zu empfinden und nicht als etwas, das uns abhängig, unselbständig machen und vereinnahmen will.
Vor diesem Hintergrund gewinnen die Psalmworte eine noch viel tiefere Bedeutung. Wenn es dort heißt: „Wohin soll ich fliehen vor deinem Geist“, dann ist das kein Ausdruck von Verfolgungswahn, sondern die feste und tiefe Überzeugung, dass es keinen Ort gibt, an dem Gott nicht schon ist. Dass es keinen Abgrund gibt, an dem Gott nicht schon auf uns wartet. Das ist mit das Größte und Schönste, was wir über Gott sagen können.
Denn es gibt Zeiten, an denen ich vor allem weglaufen und mich niemandem mehr zeigen möchte.
Das kann eine Krankheit sein, die aus der hübschen jungen Frau nach einer Chemotherapie ein Wesen macht, dass sich nicht mehr im Spiegel ansehen und sich keinem mehr zeigen will. Ein alter Mensch, der nicht mehr mithalten kann und sich für seine Vergesslichkeit schämt. Oder ein Kind, das sich blamiert fühlt, weil es immer noch nicht so gut lesen kann wie die anderen in der Klasse. Ich denke aber auch an Erfahrungen von Schuld, in die wir uns so tief verstrickt haben und daran zu ersticken drohen. Oder an Lebensphasen, in denen wir uns selbst nicht mehr verstehen, uns verachten oder hassen, verurteilen oder abwerten. Zeiten der Depressionen, in denen wir unser Leben wegwerfen wollen, wie der Psalm ausdrücklich thematisiert. „Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtet wie der Tag.
„Du bist da, Gott“, haben wir gesungen. Auch und gerade in den Zeiten des Leidens, der Schmerzen und des Todes ist Gott da. „Führe ich gen Himmel, so bist Du da. Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.“ Nichts ist Gott fern. Keiner von uns ist Gott fern. Gott sei Dank.
Es ist gut, das unseren Kindern mitzugeben. Um sie zu starken Kindern zu machen, die Vertrauen in Gott und in ihre Eltern haben. Dazu ist es aber erst einmal nötig, diese Haltung selbst zu gewinnen, sich daran zu erinnern: Ich bin getauft, ich bin ein geliebtes Kind Gottes, und wohin ich gehe, Gott geht mir. Man kann das kaum begreifen. Und so heißt es ja auch im Psalm „Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch.“ Ich glaube, man muss das auch nicht begreifen, weil Gott uns schon längst ergriffen hat und wir uns darauf nur noch einlassen müssen. Und durch Gottes Heiligen Geist kann das geschehen. AMEN

Pfr. Lars Kunkel
Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt



 

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