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Predigt zur Harmonie (Ausstellung Bengel) Drucken
Von Administrator (18.06.2012)

Predigt zur Eröffnung der Ausstellung

„Suche nach göttlicher Harmonie“

Kunstausstellung mit Arbeiten des deutsch-spanischen Künstlers BENGEL

 

 

Liebe Gemeinde!

Am Anfang war die Harmonie. Nein, so ganz stimmt das nicht. Das Buch „Genesis“ erzählt uns, dass am Anfang eigentlich „Tohuwabohu“ war, das totale Chaos, Wüste und Leere weit und breit. Aber das Chaos war nicht zuerst da, denn der Geist Gottes schwebte schon darüber. Zur gleichen Zeit. Gott erschafft die Welt nicht aus dem Nichts, der Geist Gottes ordnet das Chaos, harmonisiert die Urgewalten, so dass Gott nach jedem Schöpfungstag ein Fazit ziehen kann: „Und siehe, es war sehr gut.“ Alles ist wohlgeordnet und wunderbar aufeinander abgestimmt. Die Vielfalt ist groß, das Leben bunt, und alles hat seinen Platz. Auch der Mensch. Er lebt im Paradies in vollkommener Harmonie mit sich selbst und vor allem mit Gott.

 

Dass die Welt durch die göttliche Harmonie bestimmt wird, war nicht nur die tiefe Überzeugung der Theologen des Schöpfungsberichtes. Vielmehr zieht sich dieser Gedanke durch die Geistes- und Naturwissenschaftsgeschichte wie ein roter Faden. Der Physiker und Theologe Johannes Keppler sah die Welt als Gottes vollkommene Schöpfung an. Er machte sich auf Spurensuche. Keppler entdeckte zahlreiche Naturgesetze und nannte in seinem Werk „Harmonice mundi – Weltharmonik“ die Geometrie den „Widerschein Gottes“ in der Welt.

Die nach ihm benannten Kepplerschen Gesetze beschreiben den geordneten Lauf der Planeten.

 

Der Leitgedanke der Ordnung und rechten Proportion beseelte Genies wie Leonardo da Vinci oder Albert Einstein und findet sich in der Mathematik, Astronomie und Kunst. Und immer liegt dem der Gedanke zugrunde, dass Gottes Geist seine Spuren hinterlassen hat. Ob nun der Satz des Pythagoras, der goldene Schnitt oder die elliptischen Kreise der Planeten um die Sonne – in allem spiegelt sich göttliche Harmonie als ein Abbild des paradiesischen Zustandes, von dem die Genesis auf den allerersten Seiten der Bibel erzählt.

 

Allerdings: Das Paradies ist verloren. Fast von Anfang an gibt es Misstöne im Paradies. Die Schlange stellt die Harmonie zwischen Mensch und Gott in Frage und trifft damit den Nerv des gerade geschaffenen Menschen, der der Harmonie wohl doch nicht so ganz traut. Und so sündigen Adam und Eva in trauter Eintracht und essen den Apfel vom verbotenen Baum. Darauf ist es mit der süßen Harmonie vorbei. Jetzt kommen bittere Zeiten auf die Schlange, den Menschen und auch auf Gott zu.

 

Aber lassen Sie uns dem doch heute auch mal eine positive Seite abgewinnen.

Während die paradiesische Harmonie zwar schön, aber auch sehr bewegungs- und spannungslos ist (oder soll man sagen: „langweilig“?), setzt die Disharmonie zwischen Mensch und Mensch (die beiden schämen sich) und zwischen Mensch und Gott (der Mensch schämt sich vor Gott) letztlich faszinierende Kräfte frei. Der Mensch  erlangt Erkenntnis  und Moralität, er strebt nach Weisheit und Wissen und wird zum Menschen, wie wir ihn heute kennen, mit Arbeit, Anstrengung, Rückschlägen und Schmerzen, aber auch Liebe, Leidenschaft und mit einer Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Er selbst ist nie makellos, immer der Endlichkeit unterworfen und doch immer in Bewegung. Gott sorgt für den Menschen, dem er nicht nur Kleidung geschenkt, sondern auch ein brennendes Herz.

 

Darum kann man die Geschichte zwischen Gott und Mensch, von der uns das Alte Testament erzählt, auch als eine immerwährende Suche nach der Erneuerung der Harmonie zwischen Gott und Mensch verstehen. Der Mensch ist auf der Suche nach Gott und Gott immer wieder auf der Suche nach seinem Menschen. Beide brennen vor Liebe und Sehnsucht nacheinander, schließen Bünde miteinander, sind gemeinsam unterwegs, manchmal fast eins, manchmal geheimnisvoll und verborgen verbunden.

Der Mensch hofft immer auf die vollkommene Gegenwart Gottes in der Welt und Gott auf einen vertrauensvoll glaubenden Menschen.

 

Doch so recht finden die beiden nicht zueinander. Wir kennen das aus der Liebe des Menschen zu einem anderen Menschen. Keiner ist jemals ganz und ewig mit dem Gegenüber vereint. Und auch der einzelne Mensch ist nie ganz eins mit sich und der Welt. Und doch ist die Disharmonie, die Spannung zwischen den Getrennten und doch Liebenden immer wieder der Antrieb für das menschliche Streben, die schöpferische Kraft, die Kunst, die Theologie.

 

Und auch Gott findet sich nicht mit der Disharmonie ab. Er sendet seinen Sohn in diese Welt, in dem Gott und Mensch eins sind in einer göttlichen Harmonie, die wir nicht begreifen können und die alles Fassbare übersteigt. Jesus Christus kommt in diese Welt voller Ängste und Sorgen, Krankheit und Leid, Schmerzen und Sterben. Er kommt in eine Welt, in der der Mensch dem Menschen entfremdet ist, in der der Mensch sich selbst nicht versteht und nicht sein Gegenüber und noch weniger Gott. Er kommt mitten hinein in die Disharmonie, in die Trennung, in die Ungerechtigkeit und Verlorenheit dieser Welt. 

 

Jesus wendet seine ganze Kraft und Leidenschaft auf, um für die Menschen die Nähe Gottes spürbar und erfahrbar werden zu lassen. Jesus Christus entlarvt „scheinheilige Harmonisierungen“ all derer, die sich mit den Disharmonien arrangiert haben. Die sich ihre Systeme geschaffen haben, um Gott zu besänftigen. Um sich Gott wohlgefällig und wohlgesonnen zu machen. Jesus streitet sich mit den Selbstgerechten, den Selbstzufriedenen, den Harmoniesüchtigen. Jesus durchkreuzt Idylle und Idealisierungen. Das fängt schon mit der Krippe an, in der ein Gotteskind im Stall geboren wird. Menschen haben immer wieder versucht, aus dem Stall in Bethlehem ein harmonisches Bild zu machen, romantisch, wohlklingend, weichgespült. Doch spätestens am Kreuz ist damit Schluss.

 

Die Barmherzigkeit, die Liebe, der Gottessohn, alles das muss leiden und sterben. Ein Gottessohn am Kreuz sterbend, das ist der unüberbietbare  Ausdruck der Disharmonie. Der Gottessohn am Kreuz sterbend, das ist aber auch Gottes Bekenntnis zu dieser Welt. Er rückt damit alles in ein neues Licht.

 

Gott teilt die Disharmonie, das Leiden, den Schmerz, die Gottesferne. Gott heiligt die Disharmonie, indem er sie zu seiner Sache macht und sie damit überwindet.  

 

Als Mensch begreife ich: Dort, wo mein Leben fern jeder Harmonie ist, wo ich schuldig, unvollkommen, makelbesetzt bin, schief und krumm und hässlich und unausgeglichen und ausgegoren, dort ist Gott.

 

Doch mehr noch: Mit der Auferstehung beginnt eine neue Schöpfung. Gott ordnet mit seinem Heiligen Geist das Chaos aus Verlassenheit, Einsamkeit und Schmerz. Eine neue Genesis beginnt in diesem Moment. Gott überwindet die Trennung zwischen Gott und Mensch, zwischen Mensch und Mensch und lässt neues Leben entstehen. Das ist das Vorzeichen einer neuen Harmonie, die noch ganz und gar im Werden ist, aber doch Spuren hinterlassen hat, in der Hoffnung, im Glauben, in der Liebe.

 

Schauen wir in die Welt, was sehen wir? Wunderbare Harmonie einerseits, die Proportionen einer Schnecke, einer Pyramide, eines DNA-Stranges, die Hand eines Neugeborenen, ein Baum und sein Blatt in Kongruenz, Atome, die sich in Molekülen zusammensetzen und „Du und Ich“ werden. Wir sehen aber auch die andere Seite, das Zerbrochene, Verletzte, Zerriebene und Gequälte. Das erste mögen die Zeichen der göttlichen Harmonie in dieser Welt sein, das zweite ist die Bürde unseres Lebens, die Gott jedoch geteilt hat.

Mit dieser Spannung werden wir leben müssen bis zu dem Tag, an dem Gott diese Welt ganz und gar durchdringen wird.

 

Erinnern wir uns: Am Anfang war die Harmonie, und am Ende wir die Harmonie sein. Und dazwischen leben wir: Geliebt und herausgefordert, uns auf die Suche nach der göttlichen Harmonie zu machen – in der Natur, in der Kunst, in der Musik -  voller Sehnsucht und doch auch ganz geborgen, oft entgeistert, aber nie vom guten Geist verlassen, der Leben schenkt und neues Leben schafft.

 

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

 

Pfr. Lars Kunkel

 

 

 

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