logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginSitemapImpressum
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Engel – es müssen nicht Männer mit Flügeln sein
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café im Foyer
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png 

 

 

 

Engel – es müssen nicht Männer mit Flügeln sein Drucken
Von Petra Henning (16.11.2010)

Predigt zur Thomasmesse

_dsc7221.jpg„Engelspuren“ in Text und Musik haben uns bereits mit auf den Weg genommen – hin zum Thema Engel. Und ich bin mir sicher, eine eigene Einstimmung haben Sie auch schon mitgebracht, denn Engel sind doch irgendwie gar nicht mehr wegzudenken aus unserem Alltag. „Engel haben Hochkonjunktur“ heißt es im Katalog zum Projekt „Engel in der Stadt“, das wir heute eröffnen. Ja, in Werbung oder Dekoration, in Büchern, Liedern und Texten begegnen sie uns in vielfacher Form, und das bei weitem nicht nur zur Adventszeit.

Nun ist es natürlich möglich, darüber die Nase zu rümpfen und über Kitsch und Versicherungsmarketing zu schimpfen. Wir können uns aber auch auf die Suche machen und danach fragen, wofür Engel stehen und ob wir als Christinnen und Christen dieses Feld so einfach den Bereichen der Werbung, Dekoration und Esoterik überlassen sollten.

Um es vorweg zu nehmen: ich finde, wir sollten das nicht tun!

Für Anselm Grün sind Engel „Bilder der tiefen, bleibenden Sehnsucht nach Hilfe und Heilung, die nicht aus uns selber kommt.“ Dieser Einschätzung möchte ich mich anschließen. Und ich folgere daraus, solche Bilder und – die Engel also – nicht einzubeziehen in unseren Glaubensalltag und diese Sehnsucht nicht ernst zu nehmen, würde bedeuten, die Augen gegenüber gemachten Erfahrungen und ausgedrückten Gefühlen vieler Menschen zu schließen.

Wir Menschen haben offenbar eine tiefe Sehnsucht danach, dass es jenseits unseres Alltags etwas gibt, was uns im Leben und im Tod umfängt. Und viele haben auch den Wunsch nach Verbindung mit einer Sinnhaftigkeit, die über unser Weltgefühl hinausreicht. Religion bietet Texte, Symbole, Werte und Wege an, Verbindung – Bindung zu bekommen. Engel sind eins davon.

Von guten Mächten wunderbar geborgen. So bekennen es seit eh und je die, die mit Gottes Möglichkeiten rechnen. In der Bibel haben sie manchmal Namen, wie Michael, Raphael und Gabriel. Manchmal sind sie aber auch namenlos, geradezu flüchtig, erscheinen aus dem Nichts und entschwinden wieder.

 

Im Leben kommen sie uns manchmal als Schutzengel daher. Erlebnisse dieserart haben sicher viele von Ihnen schon selbst gehabt. Situationen, in denen Sie dachten: da hatte ich aber einen Schutzengel!! Oder in denen das jemand anderes zu ihnen sagte.

Ich hatte grad diese Woche  eine solche Situation im Straßenverkehr, als ich als Linksabbiegerin in die Werster Straße trotz – so dachte ich – sorgfältigem Gucken einen Wagen von links übersah, der dann aber geistesgegenwärtig reagierte und so den Zusammenstoß verhinderte. Das war für mich ein Moment, wo es mir durch und durch ging und in mir blitzte auf: da hat dein Schutzengel aber ganze Arbeit geleistet!

 

Ein anderer Aspekt wird durch einen der eher verborgenen Sätze im Neuen Testament deutlich: Jesus hat von den Kindern geredet und seiner großen Zuneigung zu den Kleinen. Und dann warnt er davor, die Kleinen zu verachten. Denn: „Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ Das heißt: Jedes Kind hat einen Engel in der unsichtbaren Welt, einen Schutzengel mit direktem Zugang zum himmlischen Weltregiment. Vielleicht liegt es auch daran, dass Kinder viel mehr von dieser verborgenen Welt wahrnehmen.

Von einer Kollegin, die in der Kinderhospizarbeit tätig ist, weiß ich von einem kleinen Mädchen, die unheilbar krebskrank war. Um sie herum war jene gedrückte Stille, die oft eintritt, wenn der Tod naht. Aber sie saß in ihrem Bett und sagte nur: „Hört ihr das denn nicht, ich höre schon die Engel im Himmel singen.“

Ich höre schon die Engel im Himmel singen!

Jesus hat nie zu den Kindern gesagt: Werdet bloß endlich erwachsen, damit ihr vollwertige Menschen werdet. Er hat vielmehr zu den Erwachsenen gesagt: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nie verstehen, nie ergreifen, nie für euch erfassen, was Gott euch schenkt. Nicht das Kindische, aber diese Fähigkeit zu sehen und zu vertrauen meinte er.

 

Zweierlei ist mir and dieser Stelle wichtig festzuhalten:

 

Erstens:

Engel, wie sie uns begegnen, und wie sie uns in der Bibel gezeigt werden, „müssen nicht Männer mit Flügeln sein“. Sie sind weder zwangsläufig pausbäckig wie die Putten, noch sind sie immer geflügelt. Auch wenn sich diese Vorstellung durchhält bis zur geflügelten Jahresendfigur aus DDR-Zeiten. Engel können in jeder möglichen Gestalt erscheinen: unsichtbare Boten Gottes, die den Straßenverkehr für kurze Zeit unterbrechen, Gestalten aus hellstem Licht, unscheinbare Helfer – ja, ein Autofahrer, der im richtigen Moment hellwach ist und reagiert oder auch ein Mensch, der einem anderem zum Engel wird, indem er einfach da ist und mit aushält, was so schwer auszuhalten ist.

Nicht auf die Gestalt kommt es an!

Immer aber sind es Wesen, die etwas mit Gottes Fürsorge zu tun haben. Der Engel ist stets ein Zeichen für Gottes reiche Möglichkeiten, unser Leben zu erhalten und zu fördern. Und über eines bin ich mir sicher: Oft haben wir es nicht einmal bemerkt, dass uns ein Engel beistand und Schaden von uns fernhielt. Engel – das ist auch der Unfall, der nicht passierte. Das ist der Baum, der nicht umfiel. Das ist die Entscheidung, die ich dann doch richtig getroffen habe oder der Moment, wo sich mir etwas in den Weg stellt, das mich hindert zu tun, was ich eigentlich unbedingt tun will.

Also: durchaus nicht nur „Männer mit Flügeln“.

 

Und zweitens:

Vielleicht grummelt es jetzt schon bei diesem und jener. Denn jedem, der von wunderbarer Rettung erzählt, könnte einer widersprechen, der Schlimmes erlebte, ohne dass ein Engel zur Stelle war. Das Kind, das missbraucht wurde. Der Mann auf den Schienen, den keiner aufhielt: „Personenschaden zwischen Bad Oeynhausen und Löhne“ heißt es dann! Wo waren sie denn da, die himmlischen Helfer? Da gibt es wohl niemanden, der darauf eine Antwort hätte!

Auch die Engel beantworten diese notvolle Frage nicht! Die Engel heben nicht auf, dass es in dieser Welt so zugeht. Sie machen kein Ende mit der Ungleichheit, dass die einen bewahrt werden und andere nicht.

Und doch kommen wir wenigstens noch einen Schritt weiter: Dietrich Bonhoeffer schrieb sein Gedicht von den guten Mächten gerade nicht, weil er etwa erfahren hätte, er würde freigelassen. Ihn holte kein Engel aus dem Gefängnis und kein himmlischer Bote mit flammendem Schwert trat dazwischen, als die Nazis ihn hinrichteten. Um ihn herum eine zerbombte und zerstörte Stadt. Und Bonhoeffer wusste das! Er sah sich geborgen und getragen auch mitten im Leid, mitten in der Not und Todesnähe. Gerade da: Von guten Mächten wunderbar geborgen. In einem der letzten Briefe, Ende Dezember 1944 schreibt er an seine Verlobte, wie sehr ihn ein Lied tröstet, das manche von Ihnen vielleicht noch aus Kindertagen kennen:

„Abends wenn ich schlafen geh,

14 Engel um mich stehn,

zwei zu meinen Häupten,

zwei zu meinen Füßen,

zwei zu meiner Rechten,

zwei zu meiner Linken,

zwei, die mich decken,

zwei, die mich wecken,

zwei, die mich weisen

zu Himmels Paradeisen.“

Das ist es: nicht vor allem Bösen bewahren die Engel Gottes, aber noch im Schwersten stehen sie zur Seite, trösten, halten, stützen und stärken – und am Ende geleiten sie hinüber in das Licht Gottes. So erlebte es das kleine Mädchen im Hospiz, so glaubte es Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis. So können auch wir es einbeziehen in unser Leben.

Von guten Mächten wunderbar geborgen.

Ich bin davon überzeugt: Spuren der Engel leuchten in jedem Lebenslauf immer wieder auf. Nicht jeder möchte sie wahrnehmen, aber sie wirken!

Wir sind moderne Menschen. Wir kommunizieren mit Hilfe von E-Mails, SMS und Internet von jedem Ort der Welt. Wir sichern unzählige Daten auf DVDs, CDs und Festplatten. Doch wir sind auch Verunsicherungen ausgesetzt. Wir spüren, dass wir auch in einer Zeit großer Veränderungen leben. Wir fragen uns manchmal, was ist wichtig in unserem Leben? Und oft ist unsere Seele voller Sehnsucht nach spiritueller Erkenntnis, nach Begleitern, die noch den Durchblick haben.

Die Engel helfen uns, wenn wir denn offen dafür sind, zur inneren Gewissheit: da ist einer, der dich kennt, der dich liebt und der dich durch dein Leben in hellen und dunklen Tagen begleitet. Da ist einer, der seinen Engeln befohlen hat, dich auf allen deinen Wegen zu behüten.

Bleibt uns, zu schauen, wie wir Engel hinein lassen in unser Leben.

Eine Möglichkeit dazu hat Martin Luther uns in seinem Abendsegen gegeben, mit dem ich schließen möchte:

Luther formuliert:

Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen

Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

Amen – so sei es!

 

Allerdings heute noch nicht so ganz schnell, sonst würden Sie die Eröffnung der Ausstellung „Engel in der Stadt“ verpassen. Und das wäre schade!

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2018 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.