logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerklärung
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Heilig nur durch Gott
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café im Foyer
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png 

 

 

 

Heilig nur durch Gott Drucken
Von Lars Kunkel (18.10.2010)
 

Eine Predigt über Heiligkeit, Scheinheiligkeit und die Ehe

Ich kann mich noch gut an den Herbst 1987 erinnern. Damals begann ich mein Studium in Bielefeld Bethel. Ich war sehr gespannt und neugierig darauf, wie es sein würde, mit vielen anderen Christen zusammen zu studieren und zu leben. Ich hatte damals die Erwartung, dass es dort ein bisschen anders zugehen würde als z.B. in der Schule. Leben in einer christlichen Gemeinschaft, das klang für mich nach  Rücksicht, Nächstenliebe, Vertrauen. Und dann zog ich in mein kleines Zimmer im Studentenwohnheim direkt neben der Kirchlichen Hochschule ein und wurde von meinem Zimmernachbarn ironisch grinsend mit den Worten begrüßt: „Willkommen auf dem Heiligen Berg.“

In „Heilig“ und „Heiligung“ klingt beides mit: einerseits die Sehnsucht nach einem anderen Leben, das sich positiv von dem unterscheidet, was wir sonst erleben und oft genug auch erleiden an Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Selbstsucht. Aber andererseits auch das Streben nach Perfektionismus und moralischer Untadeligkeit, die den einen über den anderen erhebt und an dem wir fast immer scheitern.

Paulus erinnert uns in seinem Brief an die Thessalonicher daran, dass Heiligung nichts ist, was aus uns Menschen heraus kommt. Heiligung ist nicht das Ergebnis eines Bemühens um einen tadellosen Lebenswandel.  Ich werde kein Heiliger durch mein Verhalten, Gott selbst heiligt mich. Paulus spricht uns sogar schon als Heilige an. Gerade für uns Protestanten klingt das immer verdächtig. „Ich bin doch kein Heiliger!“, rufen wir erschreckt und empört. Aber wir sind es doch! Nicht durch unser Tun, sondern durch unser Sein.  Paulus erinnert uns lediglich an etwas, das wir durch Gott längst geworden sind. Gott heiligt uns, indem er durch Jesus Christus eine Beziehung zu uns aufgebaut hat. Das bewahrt uns davor, uns durch unsere Glaubenswerke und guten Taten selbst heilig machen zu wollen. Das bewahrt uns aber auch vor Scheinheiligkeit durch die sinnlosen Versuche, nach außen gut da zu stehen.

Gott ist kein Sitten- und Tugendwächter, der uns alles verbietet und von uns verlangt, dass wir auf alles Schöne verzichten. Gott ist kein Spaßverderber. Gott macht uns zu Menschen, die so leben, wie sie eigentlich angelegt sind und wie es ihnen guttut.

Er spricht damit eine Sehnsucht in unsan. Wir sehnen uns danach, geliebt und respektiert zu werden. Wir wünschen uns so sehr, dass wir in Würde leben können und es gerecht zugeht und wir daran mitwirken. Diese Lebenssehnsucht spricht Gott in uns an, indem er uns heiligt und uns daran erinnert, dass ich und mein Gegenüber heilig sind. Weil wir zu Gott gehören und Gott zu uns.

Paulus greift zwei Beispiele auf, die in der Hafenstadt Thessaloniki  besonders gegenwärtig sind: Den verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität und den gerechten Handel. Und beide Themen sind heute noch genau so aktuell.

Sexualität ist eine gute Gabe Gottes und nichts, was in sich in irgendeiner Weise sündig oder unheilig ist. Sie ist von Gott gegeben und der Mensch darf sich daran erfreuen. So wie die Heiligkeit eine Sache der respektvollen Beziehung zwischen Mensch und Gott ist, kommt es auch in der Sexualität darauf an, das Gegenüber nicht als ein Objekt zu verstehen, das lediglich benutzt und dann weggeworfen wird. Wir sind Ebenbilder Gottes und mit Gott verbunden durch Christus, und was zu Gott gehört, ist heilig.

Das macht den Menschen kostbar, das erfordert Respekt vor dem anderen. Er gehört mir nicht, sondern ist mir anvertraut und das gilt in allen Lebensbereichen: in Freundschaften, Partnerschaften, Ehen, Familie und Gesellschaft. Unzucht zu meiden, wie es Paulus nennt, heißt Sexualität zu leben, die den anderen liebt und schätzt. Zweifellos gibt es eine Gier im Menschen, die durch immer neue Erfahrungen und ein „immer mehr“ versucht, dem Leben immer mehr abzugewinnen. Doch ob damit auch das Glück steigt, ist mehr als fraglich.

Paulus spricht weiterhin auch das Verhalten zur anvertrauten Frau und heute müssen wir auch ergänzen: zum anvertrauten Mann, an. Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus das Ehegebot sogar noch verschärft. Jesus wendet sich gegen die zeitbedingte Praxis, dass Männer, und zwar nur Männer, sich scheiden lassen durften und Frauen so in den Ruin gestürzt wurden. Unser Bild von Ehe und auch ihre Funktion als Wirtschaftsgemeinschaft hat sich verändert. Ehen werden heute bei uns auf freiwilliger Basis geschlossen und können auch wieder aufgehoben werden.

Wir leben heute nicht mehr in einer Zeit, in der man sich nicht mehr scheiden lassen darf, und das ist auch gut so.

Die Kirche und ihre Moralvorstellungen haben viel Leid über Menschen gebracht, die auf Gedeih und Verderb lebenslang einander ausgeliefert waren. Man durfte sich nicht trennen, um den Schein zu wahren.  Menschen sind daran zerbrochen und Familien unglücklich geworden. Es gibt gute Gründe, eine Beziehung zu beenden, und auch das gehört zu der Würde, die Gott uns schenkt.

Vielleicht gibt es aber manchmal auch einen sehr leichtfertigen Umgang mit Partnern, die ausgetauscht werden, wenn sie nicht mehr dem persönlichen Ideal und den manchmal doch etwas zu hohen Erwartungen entsprechen.  Und so nötig eine Scheidung manchmal ist und verantwortungsvoll gestaltet wird, erleben die Partner und Kinder dies nicht als Ideal, sondern eher als einen notwendigen Schritt. Ob aber nun in einer Ehe oder am Ende einer Ehe: Jeder Mensch hat das von Gott geschenkte Recht, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Das ist keine moralinsaure Forderungen, sondern etwas, das wir uns im Grunde doch alle für ein gutes und gelingendes Leben wünschen.

Zur Heiligung gehört ein Umgang miteinander, der im Partner Heiligkeit sieht und ihn mit Ehre und Respekt behandelt.

Auch im Bereich Finanzen und Handel lassen sich diese Gedanken verdeutlichen. Heiligung meint hier, in dem Handelspartner wirklich einen Partner zu sehen, statt ihn auszubeuten. Immer mehr haben zu wollen um jeden Preis und den anderen dabei auszubeuten, missachtet nicht nur die Ebenbildlichkeit des anderen, es macht auch nicht glücklich und zufrieden. Auch Konsum auf Kosten anderer, die Gier, immer mehr zu wollen, verfehlt ein Leben, wie Gott es sich gedacht hat.  

Dass Gott uns heiligt, bedeutet hingegen, so zu leben, wie es uns als Menschen wirklich entspricht. Heilig zu sein heißt, sein Leben aus der überfließenden Liebe zu führen, die Gott selbst in uns angelegt hat und so sich selbst und dem anderen erst gerecht zu werden. Oft wird behauptet, dass ein solches Leben der Selbstverwirklichung dem Menschen widerspricht. Dazu muss man sich aber erst einmal darüber verständigen, was das „Selbst“ eines Menschen eigentlich ausmacht.

Aus christlicher Sicht gehört zu diesem „Selbst“ sicher die Freiheit, die Heiligung abzulehnen. Aus diesem Grund erinnert Paulus die, die ja eigentlich schon heilig sind, nochmal an ihre Heiligung durch Gott. Die wirklich spannende Frage ist aber, ob zum „Selbst“ des Menschen Gier, Habsucht und Machtmissbrauch gehören, die der Mensch verwirklichen soll, um wahrer Mensch zu sein und sein Selbst zu verwirklichen. Oder ob es nicht die wahre Selbstverwirklichung ist, wenn ein Mensch die Heiligung durch Gott annimmt, indem er sich selbst und seine Mitmenschen als Geschöpfe Gottes versteht, denen er in Würde und Achtung begegnet. Nochmals: Gott will uns nicht verbiegen und uns nichts verbieten, sondern zu einem Leben führen, das aus Fülle und Erfüllung gelebt wird, statt aus unstillbarer Gier. Zur Selbstverwirklichung gehört auch Freiheit, aber ich meine, dass die Heiligung durch Gott uns frei macht, weil wir nicht mehr darin gefangen sind, unserem Leben immer mehr hinzuzufügen.

Allerdings wissen wir alle, dass keiner vor Versuchungen sicher ist. Wenn wir am Ende unseres Lebens oder auch schon in diesem Moment Bilanz ziehen, werden wir sehr wahrscheinlich erkennen, dass wir hinter diesen Anspruch zurückfallen, aus Gottes Gnade und Fülle zu Leben. Wir sind keine Heiligen in dem Sinne, dass unser Leben perfekt ist. Doch wir können getröstet sein. Gottes Liebe zu uns schließt immer auch die Vergebung ein.

Das bewahrt uns vor jeder Scheinheiligkeit. Gott vergibt uns und schenkt uns immer wieder einen neuen Anfang. Das setzt die Kraft und Fähigkeit in uns frei, Untreue und eigennütziges Verhalten zu vergeben, anderen Menschen, aber auch uns selbst, und aufzuatmen in Hoffnung und Zutrauen allein auf Gott, der uns heiligt und will, dass wir leben können: in Treue und Verlässlichkeit, aber auch in unserem Scheitern und dem Neuanfang.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.


 

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
  • Gottesdienst
    28.10.2018, 10:00 Uhr
    mit Austellungseröffnung
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2018 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.