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Den Aufbruch wagen (Predigt) Drucken
Von Lars Kunkel (17.07.2006)

Iwegem Leben müssen wir immer wieder aufbrechen. Die Geburt, die ersten Schritte des Kindes, die Wahl eines Berufes - wir stehen im Leben immer vor Neuanfängen. Mal ist der Aufbruch freiwillig, dann wieder werden wir gezwungen Neues zu Beginnen. Gottes Weg mit Abraham zeigt und, worauf er beim Aufbruch ankommt. 

Gen. 12,1-4a: Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.

Liebe Gemeinde,

ob das ein Predigttext für Ostwestfalen ist? Denen sagt man ja nach, dass sie nicht so gern aufbrechen, sondern ziemlich an der Scholle kleben. Es ist wirklich erstaunlich, wie oft hier drei und manchmal vier Generationen unter einem Dach wohnen. Aber das diese Menschen deshalb keine Aufbrüche kennen, stimmt natürlich nicht. Denn im Leben müssen wir immer wieder aufbrechen, ob wir wollen oder nicht.

 

Eigentlich bedeutet Leben immer im Aufbruch leben. Der erste Aufbruch im Leben ist die Geburt. Wir verlassen den kuschelig warmen Bauch der Mutter und brechen auf in eine Welt, die den meisten Babys zuerst ziemlich unbehaglich erscheint.

Der erste Aufbruch unseres Lebens beginnt mit einem empörten Schrei. Und trotzdem müssen wir aufbrechen. Wer nicht aufbricht, kann sein Leben nicht entdecken.

 

Aufbrüche und Neuanfänge ziehen sich immer durch unser Leben. Die ersten unsicheren Schritte des Kleinkindes sind ein Aufbruch. Zum ersten Mal haben wir die Möglichkeit, eine Richtung einzuschlagen und Neues zu entdecken. Die Wege in den Kindergarten und die Schule sind Aufbrüche.

 

Oft werden wir nicht gefragt, ob wir aufbrechen wollen oder nicht. In den 50er Jahren herrschte in Deutschland eine große Aufbruchstimmung. Die Menschen waren sehr motiviert, es zu etwas zu bringen. Sie bauten sich etwas auf, und dabei veränderte sich vieles. Aber es gab auch Kontinuitäten: Wer damals eine Arbeit suchte, fand nicht selten eine Lebensstellung. Mein Vater hat nach seiner Lehre bei Thyssen gearbeitet, und wir haben in einer Wohnung in der Nähe des Werkes gewohnt. Wer heute einen Job findet, muss oft den Wohnort wechseln, umziehen, sich vielleicht wieder eine neue Arbeit suchen, wieder umziehen mit der Familie. Er muss beweglich bleiben und sich auch selbst immer weiterentwickeln. Neues lernen und oft genug neu anfangen.

 

 

 

Es gibt viele Aufbrüche, in denen die Freude über das Neue überwiegt. Wenn wir etwa selbst ein Kind bekommen, wenn wir uns freuen über eine neue Liebe, die gerade erst begonnen hat oder über einen neuen Arbeitsplatz.

 

Manche Aufbrüche im Leben erleben wir aber zunächst als einen Zusammenbruch oder einen Abbruch. Dann spüren wir mehr den Verlust in diesem Bruch als das Neue, das dahinter liegen könnte. Wenn eine Ehe zerbricht und ein Mensch nach einer Scheidung gezwungen ist, sich ein neues Leben aufzubauen, ist das oft sehr schwer. Oder wenn eine Freundschaft zerbrochen ist oder es ganz schlimm kommt, und ein Mensch stirbt. Wenn wir jemanden verlieren, der ein fester Teil unseres Lebens war. Dann fühlen wir im Aufbruch eher den Schmerz, der darin liegt.

 

Im Grund ist jeder Aufbruch ein Bruch im Leben. Das, was war, ist nicht mehr. Vertrautes geht mir verloren und ich bin verunsichert. Und die Zukunft liegt noch vor mir und ist mir vollkommen ungewiss. Ein Aufbruch ist ein Moment, in dem ich genau auf der Grenze stehe. Es gibt kein Zurück mehr und der Schritt in die Zukunft erfordert viel Mut. Mut zu neuem Leben.

 

Ganz genau so wird es Abraham ergangen sein, der auch an einer Schwelle steht. Die Familie Abrahams ist keine Nomadengesellschaft mehr.

Sie war zwar "umgezogen", nämlich von Ur in Chaldäa nach Haran, aber dort hatten sie nun schon lange gelebt und waren sesshaft geworden. Abrahams Frau Sarah konnte keine Kinder bekommen. Er hätte dort in der alten Heimat eine andere Frau aus seiner Sippe nehmen können, um Nachkommen zu haben. Aber er wählt einen anderen Weg.

 

Er hört die Aufforderung Gottes, das Vaterland zu verlassen, seine Verwandtschaft und das Elternhaus hinter sich zu lassen. Das alles ist Vertrautes und Sicherheit. Etwas, das Abraham jeden Tag sehen und anfassen kann.  Auf der anderen Seite steht die Verheißung Gottes, ihm neues Land zu schenken und viele Nachkommen dazu. Das alles kann Abraham nicht sehen und anfassen. Es ist mehr eine Vision, eine Zukunftssicht. Abraham weiß, was er verlieren wird, sein Gewinn ist ein Wagnis.

 

Und dieses Wagnis geht er ein. Dafür gibt es einen guten Grund: Es ist Gott, der ihn zum Aufbruch auffordert, und es ist Gott, der ihm etwas Neues verheißt.

 

Gott ist das Bindeglied zwischen dem Vertrauten und dem unbekannten Neuen. Gott steht mit Abraham an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Abraham weiß aus der Vergangenheit, dass er Gott vertrauen kann. Alles, was er kennt, hat Gott ihm geschenkt.

Warum sollte dieser Gott ihm nicht auch in Zukunft beistehen?! Abraham kann deshalb Gott vertrauen und das Wagnis zum Aufbruch eingehen.

 

Diese Grunderfahrung des Menschen mit Gott wird sich dann übrigens durch das weitere Alte und Neue Testament ziehen. Gott lässt Israel durch die Wüste ziehen, begleitet sein Volk dabei aber und hält seine Versprechen. Gott wird manchen Propheten berufen, deren Leben sich radikal verändert, aber er wird ihnen beistehen und Gutes bewirken. Auch die Jünger im Neuen Testament werden sich einem Jesus anschließen, der ihr Leben radikal verändern wird. Doch auch er wird bei ihnen sein, auch wenn der Weg steinig und die Zukunft im Moment des Aufbruchs noch ungewiss sein wird.

 

Die Erfahrung des Glaubens zeigt, dass Menschen immer wieder aufbrechen wollten und mussten. Gott verspricht uns nicht, dass alles so bleibt, wie es ist. Er ruft uns zum Aufbruch und zur Veränderung. Aber er weiß auch, dass nur der aufbrechen kann, der auch etwas hat, das Bestand hat. Ich kann Veränderungen nur angehen und überstehen, wenn auch etwas bleibt, das mir sicher ist.

 

Abraham konnte den Schritt zum Aufbruch nur wagen, weil er wusste, dass Gott mit ihm geht. Der beständige und treue Gott ist mit ihm in die Zukunft aufgebrochen, ein Gott, mit dem er schon gute Erfahrungen gemacht hatte.

 

Der Aufbruch gehört zu unserem Leben, es gibt kein Leben, das immer bleiben kann, wie es ist. Darin liegt Trost für die, die aufbrechen wollen, deren Leben sich verändert und die sich auf Neues freuen. Und Freude für die, die etwas ändern wollen. Darin liegt aber auch Angst für die, die jetzt glücklich und zufrieden sind und ihr Leben so behalten wollen, wie es im Moment ist.

 

Doch wenn wir aufbrechen, brauchen wir auch Beständiges. Ein Kind lernt seine ersten Schritte an der Hand seiner Eltern. Manchmal sagen Menschen, ich bin aufgebrochen und habe alles hinter mir gelassen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Vielleicht haben Sie vieles hinter sich gelassen, aber sich haben auch immer etwas mitgenommen, sonst wäre ihr Aufbruch zum Zusammenbruch geworden.

 

Und auch jeder weitere Aufbruch in meinem Leben ist nur dann erträglich, wenn etwas bleibt. Das können Eltern oder Freunde sein, die mir erhalten bleiben. Irgendwann wird dann aus dem Vertrauen, das andere mir geben, dann auch Selbstvertrauen.

 

Erst recht im Vertrauen auf Gott kann ich die Aufbrüche in meinem Leben wagen, denen ich im Grunde ohnehin nicht ausweichen kann, wenn ich leben will. Ich kann nicht ewig stillstehen, das wäre kein Leben. Ich kann aber auch nicht haltlos aufbrechen. Das wäre zerstörend. Ich kann nur aufbrechen, wenn etwas bestehen bleibt.

Und umgekehrt, nur wenn ich Veränderungen durchlebe, bleibt der Grund bestehen. Gerade das mag seltsam klingen. Vor allem für die, die lieber stehen bleiben wollen. Warum kann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist?

 

Das möchte ich Ihnen mit zwei Beispielen erklären: Wenn ich älter werde, muss sich die Beziehung zu meinen Eltern wandeln, ich muss mich lösen und selbst weiter entwickeln, damit die Beziehung zu meinen Eltern Bestand hat. Bliebe ich als Erwachsener von meinen Eltern so abhängig wie ein kleines Kind, ich würde verkümmern. Oder eines Tages in eine gewaltige Rebellion gegen meine Eltern treten, die nicht selten mit einen Bruch der Beziehung enden wird.

 

Und ich muss mich im Glauben weiterentwickeln, damit er mein tragendes Fundament bleiben kann. Wer als Erwachsener noch so glaubt wie als Kind, wird diesen Glauben vielleicht irgendwann als für das gegenwärtige Leben bedeutungslos über Bord werfen. Weil Gott nicht in den Wolken wohnt und die Entstehung der Welt länger als sieben Tage gedauert hat. Wer hier keine Entwicklung im Glauben zulässt und keinen Aufbruch, wird es schwer haben als Erwachsener, echt und aufrichtig auf Gott zu bauen.

 

Auch Abraham musste mit Gott aufbrechen und Gott mit ihm, damit der Gott Abrahams zum Gott für alle Menschen werden konnte.

Damit wir heute hier in dieser Kirche etwas davon erfahren können, dass Gott uns immer wieder aufbrechen lässt und in jedem Neuanfang mit uns geht.

 

In diesem Glauben liegt viel Kraft: Für die, die wirklich etwas Neues wagen wollen für ihr Leben oder auch in unserer Kirchengemeinde. Darin liegt viel Trost für die, deren Leben sich verändern wird. Darin liegt Hoffnung für die, die jetzt noch an der Schwelle stehen und noch nicht weit sehen können. In diesem Glauben liegt aber eine Mahnung, beweglich zu bleiben. In unserem Leben, in unserem Handeln und Denken, in unserer Gemeinde und Kirche.

 

Aufbrüche können schön und schrecklich sein und oft beides zugleich. Leben bleibt aber immer Aufbruch, das ist sicher. So sicher wie der Segen, den Gott uns mitgibt. Damit aus jedem neuen Aufbruch neues Leben wächst.

 

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

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