logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginSitemapImpressum
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Sünd' ist vergeben
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café im Foyer
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png 

 

 

 

Sünd' ist vergeben Drucken
Von Lars Kunkel (16.08.2010)

Predigt zum 11. Sonntag nach Trinitatis

_dsc7312.jpg
Das Nagelkreuz in der Auferstehungskirche. Die Vergebung Gottes setzt in uns Taten frei
„Gott ist einsam geworden: Es gibt keine Sünder mehr!“. Mit diesem Satz hat Paul Schütz ironisch auf den Punkt gebracht, dass „Sünde“ unmodern geworden ist. Wer sagt heute noch über sich, dass er ein „Sünder“ sei? Na gut, ab und zu kommt der Begriff noch vor. Wenn man die Reste vom Mittagessen in den Biomüll gibt, ist das eigentlich eine Sünde, aber nur eigentlich. Und dann lese ich auch schon mal in der Zeitung, dass sich ein Schauspieler einen sündhaft teuren Porsche gekauft hat. Im Großen und Ganzen ist der Begriff Sünde aber doch aus dem täglichen Erleben der Menschen des 21. Jahrhunderts verschwunden – oder etwa doch nicht? Schuldig fühlen sich jedenfalls viele.
Gerade wir Menschen heute sind bestens informiert über die Zusammenhänge in der Welt. Wir wissen heute genau, wie die Dinge zusammenhängen. Uns allen ist zum Beispiel die furchtbare Ölkatastrophe vor der Küste Amerikas noch lebendig in Erinnerung. Die Schäden für die Umwelt sind noch gar nicht absehbar. Mag sein, dass wir uns über die Profitgier der Ölkonzerne echauffieren, doch dabei vergessen wir unseren eigenen Anteil.
Wir lieben unsere Autos und unsere Mobilität und tragen somit unseren Teil dazu bei, dass Ölreserven auch noch an den unzugänglichsten Stellen erschlossen werden. Und wenn ich mal wieder ein T-Shirt für 2,99 Euro gekauft habe, dann ahne ich doch, dass irgendwo auf der anderen Seite der Welt jemand dafür gearbeitet hat, dem es nicht so gut geht wie mir. Übrigens ist das auch oft bei Markenartikeln zu viel höheren Preisen nicht anders. Allein schon durch unser relativ komfortables Leben sind wir in Schuld verstrickt. Das zu erkennen ist unangenehm, und man möchte so wenig wie möglich daran erinnert werden. Mag sein, dass man diese Zusammenhänge noch gut ausblenden kann.
Aber was passiert mit der Schuld, die ich in meinem persönlichen Umfeld auf mich lade? Wenn ich einen ganz gewöhnlichen Tag in meinem Leben Revue passieren lasse, fallen mir viele Situationen ein, in denen jeder von uns ungerecht war und anderen Menschen etwas schuldig geblieben ist.
Wir alle haben ein Gespür dafür, dass wir schuldig werden.
Ich kenne viele Menschen, die sich selbst nicht vergeben können, dass sie sich nicht genug um ihre Eltern gekümmert haben. Die sich nicht vergeben können, dass sie ihren Partner vernachlässigt haben. Und es gibt viele Menschen, die anderen nicht vergeben können. Wie viele Beziehungen scheitern daran, dass es keine Vergebung gibt. Wie viele Menschen graben sich seelisch ein oder schneiden Beziehungsfäden ab, weil man sich nicht vergeben kann.
Vielleicht hören wir das Wort „Sünde“ auch deshalb nicht gerne, weil wir uns kein schlechtes Gewissen machen wollen. Es gab ja Zeiten, in denen die Kirche den Menschen ihre Sündhaftigkeit vor Augen geführt und gehörig Angst vor der Strafe Gottes gemacht hat. Das hatte viel mit der Machterhaltung der Kirche zu tun. 
Doch wo nicht von Sünde geredet wird, sondern nur von Schuld, kann auch keine Sündenvergebung gepredigt werden. Das ist fatal. Denn wir Menschen des 21. Jahrhunderts erliegen infolgedessen oft dem Wahn, dass wir alles aus eigener Kraft wieder geraderichten können.
Wir glauben an die Machbarkeit des Lebens und sehen es als unsere Verantwortung an, die Brüche im Leben selbst wieder in den Griff zu bekommen. An diesem Anspruch kann man aber nur scheitern und versucht deshalb zu verdrängen. Glücklich und frei macht das nicht, in einigen Fällen macht es uns sogar krank. Es geht um die Frage, wie wir mit den Brüchen des Lebens umgehen, mit Schuld und Scheitern, wie wir es faktisch erleben.
Darum finde ich den heutigen Predigtext so wohltuend, auch wenn uns dort unser Sündersein vor Augen geführt wird. „Wie tot macht uns die Sünde“, hören wir im Brief an die Epheser. Das ist keine Drohung, sondern klingt wie ein Klagelied über die Sünde. Wir werden daran erinnert, was wir sind und wo wir auch als Christen herkommen. Gut hören können wir dies aber nur, weil gleich im nächsten Atemzug von der unendlichen Liebe Gottes und Barmherzigkeit erzählt wird, mit der Gott uns liebt und zwar so, wie wir wirklich sind, auch als Sünder. Eine heiße Liebe ist das, die Luther mit einem glühenden Backofen vergleicht. Gott ist kein Rächer, der uns für unsere Verfehlungen bestraft und stramm stehen lässt.
Er sieht uns an, wie wir sind, kennt uns auch in unseren verborgensten Winkeln und – liebt uns durch und durch. 
Man kann das am besten mit Eltern vergleichen, die ihr Kind lieben, egal, was es auch macht. Ein Kind, das weiß, dass es von seinen Eltern bedingungslos geliebt wird, muss seine Fehler nicht unter den Teppich kehren. Es muss nichts verschweigen und versuchen, alles selbst auszubügeln. Ein Kind, das geliebt wird, hat so viel Vertrauen in seine Eltern, dass es sich nicht verstellen muss, weil es Angst hat, dann nicht mehr geliebt zu werden. Gibt es etwas Schöneres für Eltern, als wenn ihr Kind zu ihnen kommt und sich ihnen anvertraut? Und ist es nicht für Kinder wirklich befreiend, wenn es zu seinen Eltern kommen darf ohne die zersetzende Angst, bestraft zu werden oder sogar die Liebe entzogen zu bekommen?
Gottes Liebe und Gottes Vergebung helfen uns, lebendig zu werden. Wir müssen uns nicht verrenken und verstellen, sondern dürfen bekennen, wie wir sind. Wir dürfen uns als ganzen Menschen erkennen, weil das Schuldigwerden zum Menschen dazu gehört. Wir dürfen unsere Grenzen aussprechen und können sie anerkennen. Damit gibt Gott uns unsere Würde zurück.
Schuld einzugestehen macht uns nicht mehr klein, sondern groß. Wir brauchen nicht mehr dauernd mit uns zu hadern und wir brauchen auch keine Angst vor Gott zu haben.
Nun ist es ja nur menschlich, dass wir immer wieder in das alte Denken zurückfallen. Es fällt uns oft schwer, auf Gottes Liebe und seine Barmherzigkeit zu vertrauen. Im Epheserbrief hören wir: Wir waren in der Sünde wie tot, jetzt sind wir in Christus lebendig. Es ist die Taufe, die den äußeren Wendepunkt markiert und an die wir uns immer wieder erinnern können. Wir sind getauft, der Wandel ist bereits vollzogen. Wir sind die geliebten Kinder Gottes.
In diesem Gottesdienst werden wir zwei erwachsene Frauen taufen, die mitten im Leben stehen. Sie haben sich informiert, was Glauben bedeutet und wollen heute den Schritt gehen, sich in der Taufe mit Jesus zu verbinden. Meistens taufen wir ja Kinder, um damit deutlich zu machen, dass die Gnade Gottes und seine Liebe ein reines Geschenk sind, das wir uns nicht mit irgendwelchen Leistungen erwerben können. Aber auch für die Erwachsenen bleibt die Taufe ein Geschenk, auch wenn sie sich bewusst zu diesem Schritt entschieden haben.
Sich an die Taufe zu erinnern ist gerade in den Momenten wichtig, in denen wir doch wieder ins Schwanken geraten und zweifeln, ob wir wirklich von Gott geliebt sind. Die Taufe besiegelt, dass das Alte hinter uns liegt und wir neue Menschen geworden sind. Menschen, die Fehler machen und schuldig werden, die aber dennoch nicht ungeliebt und verstoßen sind. Das ist Leben, das ist Befreiung, und darin liegt auch eine neue Perspektive, unser Leben zu gestalten.
Und Lebensgestaltung ist eine Folge der Sündenvergebung. Es wäre ja sehr oberflächlich, wenn wir uns darauf zurückziehen würden, dass uns die Sünden vergeben sind und wir nun machen können, was wir wollen oder eben auch gar nichts tun. Weil Gott uns liebt, dürfen wir Fehler machen, wir dürfen uns irren und notfalls sogar schuldig werden. Das bewahrt uns vor Zaudern und Zögerlichkeit und setzt im Gegenteil den Mut und die Liebe in uns frei, gute Werke zu tun. Wir können uns im Umweltschutz organisieren und auf die eine oder andere Autofahrt verzichten. Wir können uns Zeit nehmen für die Menschen, die uns brauchen. Wir können Produkte kaufen, die zu fairen Preisen angeboten werden.
Wir werden dadurch nicht die Welt retten und wir werden dadurch auch vor Gott keine Verdienste erwerben. Und wir werden auch nie perfekt sein und immer alles richtig machen. Diesem Anspruch sind wir auch gar nicht mehr ausgesetzt. Gute Werke erwachsen nach reformatorischem Verständnis ganz allein und automatisch. Luther hat dazu ein einfaches, aber einprägsames Bild verwendet, als er sagte, dass ein guter Baum ganz automatisch gute Früchte bringt. Der Baum macht sich nicht selbst gut, und er hat beim Fruchtbringen auch keinen Gewinn vor Augen.
Die Sünde lässt uns wie tot sein. Und darum müssen wir über die Sünde reden. Gottes Gnade erweckt uns zu neuem Leben. Und so wird aus dem Klagelied über die Sünde ein Lobgesang auf Gottes unermessliche Liebe.
AMEN!
 
 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2018 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.