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„Wo die Liebe wohnt …" Drucken
Von Petra Henning (10.06.2010)

Predigt über 1. Joh 4, 16-21

2.jpgLiebe ist das Gebot (a a a g f d’) – so klang es sofort in meinen Ohren, als ich den Predigttext für den heutigen Sonntag gelesen habe. Mit diesen Worten beginnt der Schlusschor des Poporatoriums „die 10 Gebote“, bei dem ich im Januar diesen Jahres in der Dortmunder Westfalenhalle mitgesungen habe. Dieses gemeinsame Singen mit über 2500 Sängerinnen und Sängern war für mich nicht nur ein musikalisches Highlight, sondern auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art.
Ganz besonders aber war und bin ich fasziniert davon, wie Dieter Falk und Michael Kunze es geschafft haben, die 10 Gebote derart stimmig mit dem Liebesgebot zu verbinden. Moses und seine Frau Ziporah singen zum Schluss: „Wir brauchen nur Liebe. Alles was wir sehen, vergeht, wir sind nur Staub, vom Wind getrieben. Doch: Liebe ist in unser Herz geschrieben.“ Liebe als 11. Gebot – wir wunderbar! Und wie schlüssig und nahe liegend!
Beschwingt und angerührt von Worten und Musik gingen Akteure wie BesucherInnen in den Alltag zurück – und viele hatten sicher für eine Zeitlang die Schlussmelodie als Ohrwurm dabei.
Die Liebe als Klang in uns, Liebe als Impuls für unser Leben, als Basis oder auch als Fest, Liebe als Gebot. All das würde passen.
Unser heutiger Predigttext bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Gott ist die Liebe – ein Bekenntnis des alten und des neuen Testaments. Darauf vertrauen wir heute wie damals, vielleicht manchmal gegen allen Trend oder gegen alle Zweifel.
„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ geht der Text weiter. „Wir brauchen nur Liebe“ hat Michael Kunze es kurz und knapp formuliert.
Wie richtig das ist! Eigentlich auch ganz einfach, könnte man auf den ersten Blick denken. Ist Liebe doch die Kraft, die es schafft, dass Menschen heil durch’s Leben gehen. Ein Kind, das sich geliebt weiß, nimmt eher eine positive Entwicklung. Liebe kann die Schubkraft sein für kreative Lebensgestaltung, kann auch die Kraft geben, Schweres auszuhalten. Liebe bewirkt, dass Schmetterlinge in den Bauch gezaubert werden und ein Gefühl entsteht, als könne man die ganze Welt umarmen.
Und doch ist diese Liebe nicht per se göttlich und schon gar nicht gleichzusetzen mit Gott. Die Feststellung Gott ist die Liebe können wir nicht mathematisch einfach umkehren. Die menschliche Liebe ist nicht gleich Gott. Sie ist vielmehr eine abhängige Größe und sie kann auch nicht alle Probleme lösen. Sie ist Gabe Gottes an die Menschen. Wir haben diese Gabe und wir dürfen sie leben und uns dabei auf Gottes Hilfe verlassen.
Doch es zeigt sich auch: Liebe ist nicht nur lieb. Auch Gottes Liebe nicht. Lieben heißt nicht, alles durchgehen lassen, heißt nicht, alles ist gut oder wird gut.
Liebe heißt, wohlwollend aber ehrlich auf sich, auf andere und auf Situationen zu schauen.
Liebe – ein großes Thema.
Ich möchte es heute einmal ganz konkret auf Ereignisse der letzten Tage beziehen. „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ In dieser Woche haben wir viele Beispiele, die unter diesem Aspekt angeguckt werden könnten. Drei habe ich mir herausgepickt.
Zuerst einmal „Unser aller Lena“, die Gewinnerin des european song contest 2010. Sie ist nun everybodys Darling, wird von ganz Deutschland geliebt, ja manche behaupten sogar von ganz Europa. Sicher, es war eine tolle Sache mit diesem Sieg und eine unvorstellbare Euphorie an vielen Orten in Deutschland, besonders in Hannover. Und doch frage ich mich, wie viel ist diese Liebe wert? Was will die Begeisterung, die der jungen Frau entgegen schlägt, ausdrücken? Ich habe selbst gemerkt, wie auch ich mitgerissen wurde in der Freude, ähnliche Gefühle wie zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurden wach. Es war ja auch schon vom Sommermärchen 2010 die Rede. Dass solche Stimmungen entstehen können ist auch toll! Das sei festgehalten – um nicht falsch verstanden zu werden. Aber es ist eine Momentaufnahme, die kostbar ist, aber auch schnell verflogen. Und Sommermärchen haben auch Schattenseiten.
„Lasst uns einander lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“, was heißt das für Lenas Situation? Die Bewährungsprobe für Lena kommt doch erst noch. Von wie viel wirklicher Liebe wird sie getragen? Gibt es auch Menschen in ihrer Nähe, die ihr helfen, den Sieg richtig einzuordnen und auf dem Teppich zu bleiben. Menschen, die nicht nur den Star sehen, sondern vor allem den Menschen Lena? Ich wünsche Lena zumindest sehr, dass sie nicht nur die Liebe um ihres Erfolges willen spürt, sondern ganz viel Liebe entgegen gebracht bekommt um ihrer selbst willen. Und dass sie sich – wenigstens ab und an – getragen weiß von Gottes Liebe! Ich wünsche Lena, dass sie angenommen wird von anderen Menschen mit ihren Stärken aber vor allem auch mit ihren Schwächen. Dass sie Begleiter findet, die ihr ein ehrlicher Spiegel sind und dadurch helfen, dass sie sich immer wieder erden kann, so möchte ich das mal nennen.
Ein zweites Beispiel aus dieser Woche:
Bundespräsident Köhler. Er trat am Montag von seinem Amt zurück. Von einem Amt in dem er vermutlich auch geliebt werden wollte und auch wurde. Nur, ein solch hervorgehobenes Amt bringt es ganz schnell mit sich, dass nicht alle einen lieben. Und die Möglichkeit, jemandem sprichwörtlich auf die Füße zu treten, ist da besonders schnell gegeben. Ein Bundespräsident ist eine öffentliche Persönlichkeit und alles, was er sagt, wird an seiner Stellung gemessen. Und schließlich werden bei einem derart prominenten Menschen Fehler schneller offenbar, als vielleicht bei „Otto Normalverbraucher“, schon mal überhaupt in dieser medialen Welt. Doch darf ein Bundespräsident deswegen keine Fehler machen? Selbst wenn wir mal annehmen, Herr Köhler hätte nicht zurück treten müssen und ihm vielleicht anlasten, dass er sich zu sehr  hat kränken lassen, ist genau solches Verhalten nicht auch menschlich? Dünnhäutig und verletzlich wirkte Herr Köhler bei seinem Abgang. Sichtlich tief getroffen. Warum kann das nicht auch erst einmal so respektiert werden, egal wie man zu dem Politiker Köhler steht. Da kann ein Mensch augenscheinlich nicht mehr, konnte auch nicht ertragen, was man ihm unterstellt hatte. Das mag überzogen gewesen sein in der Reaktion, doch bedarf es doch einer differenzierten Betrachtung und nicht gleich wieder eines schnellen Urteils. Für jeden Menschen sind die Grenzen des Aushaltbaren anders. Für Herrn Köhler war augenscheinlich das Fass übergelaufen mit dem, was er zu seinen Äußerungen lesen und hören musste.
Ich hoffe, Herr Köhler hatte Berater an seiner Seite, die an dieser Stelle Liebe in der rechten Weise gelebt haben und ihm Rückendeckung, Ermutigung, aber auch menschlich ehrliche Rückmeldung gegeben haben. Mit etwas mehr Zeit wäre es meiner Meinung nach dann auch vielleicht möglich gewesen, die Kränkung im Amt zu verarbeiten. Für Herrn Köhler war die Lösung allerdings eine wörtliche Lösung aus dem Amt. Die Kränkung muss er nichtsdestotrotz nun auch als Mensch noch verarbeiten. Dazu sei ihm Gottes Begleitung gewiss!
Was es jedoch viel mehr als Berater für Herrn Köhler gebraucht hätte, ist etwas anderes. Und da sind wir meines Erachtens auch an dieser Stelle beim Thema: „lasst uns einander lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“. Horst Köhler hätte ein Vertrauen darin gebraucht, dass es in unserer Gesellschaft sein darf, Fehler zu machen und einem die Möglichkeit gegeben wird, Missverständnisse zu klären – auch in einem  hohen Amt. Doch eine Fehlerkultur haben wir nicht wirklich in Deutschland, schon im Kleinen nicht! Da gelingt es im Großen dann wirklich nur sehr selten. Frau Käßmann scheint mir eines dieser seltenen Gegenbeispiele zu sein.
Ich bin überzeugt davon, dass niemand von uns auskommt ohne Fehler, Lieblosigkeiten, Verletzungen und Ungerechtigkeiten. Und zwar in beiden Rollen nicht: als Opfer und als Täter.
Zweierlei ist mir dazu wichtig:
Grundlage ist die Liebe Gottes! Notwendig ist es, sich immer wieder diese Liebe Gottes klar zu machen.
Zu wissen, er liebt uns, so wie wir sind, ist die wichtige Voraussetzung dafür, sich überhaupt einzugestehen, ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Unzulänglichkeiten und Fehlern, ja letztlich mit Schuld zu sein und auch sein zu dürfen. Und muss klar sein, dass wir uns noch so anstrengen können, wir werden doch nicht in der Lage sein, uns so zu verhalten oder auszudrücken, dass wir niemanden anderen verletzen oder uns missverständlich äußern könnten.
Eine Folgerung ist die Bereitschaft, einander das Fehlbar- und Verletzbarsein zuzugestehen. Oder anders ausgedrückt: wir Menschen müssen lernen, Missverständnisse aufzuklären und mit Fehlern umzugehen, müssen an einer Fehlerkultur bauen! Und zwar beständig und stetig, denn ich glaube, das ist kein Prozess, der irgendwann fertig ist. Und wir müssen immer wieder lernen, einander zu vergeben, so wir Gott uns vergibt. Ein drittes Beispiel aus der letzten Woche, ein Beispiel aus der Arbeit der TelefonSeelsorge und daher haben Sie davon natürlich nichts in den Medien gesehen oder gelesen. Aber zu unserem TS-Alltag gehört es schon.
Eine junge Anruferin, die in der letzten Zeit vermehrt bei uns anrief. In zumeist starker Lautstärke und mit zunehmender Aggression schilderte sie ihre Sorgen. Sie wollte Gehör finden am Seelsorgetelefon. Doch das war aufgrund ihrer aggressiven Stimmung gar nicht leicht.
Auch Seelsorgerinnen und Seelsorger, ob nun ehrenamtlich oder professionell, das spielt dabei keine Rolle, sind nicht immer in der Lage, solchen Menschen gerecht zu werden – Aggression kann eben schnell auch das Gegenüber ärgerlich machen. Doch in jedem Falle lohnt es, sich zu fragen, woher die Aggressionen kommen. Und diese Frage zu stellen gehört zur Haltung in der Arbeit der Telefonseelsorge.
So wurde bei dieser Anruferin dann schließlich deutlich, welch große Ängste sie hat und dass es viele Situationen gibt, die sie in Panik versetzen. Dies zu wissen, macht nicht alles plötzlich einfach, aber es ermöglicht einen neuen Blick und einen anderen Umgang. Und es macht deutlich, dass es nicht hilfreich ist, die eigenen Aggressionen auszuleben. Das würde die Situation für die Anruferin nur verschlimmern. Die eigenen Gefühle und Gedanken gilt es begleitend zu bearbeiten, in der Gruppe, in der Supervision und Reflexion. Bezogen auf die Anruferin kann aber die Suche nach einem möglichen Zugang zu diesem Menschen in dieser konkreten Notsituation beginnen. Erhellend ist, wie viel ruhiger sie sein kann, wenn ihre Angst und Panik ernst genommen und ein beruhigender (nicht aber beschwichtigender) Umgang versucht wird. Wobei natürlich trotzdem auch darauf zu achten ist, dass nicht die eigene Seele zu Schaden kommt.
Unser Thema „lasst uns einander lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ hat also auch mit einer Lebenshaltung zu tun. Einer Haltung, die immer wieder dazu einlädt, genauer hinzugucken, die ermutigt, äußere Aktionen zu hinterfragen und nicht gleich auf das Offensichtliche zu reagieren. Eine solche Haltung macht auch möglich, Vorurteile zu überprüfen bevor sie zu Urteilen werden. Das gilt schon im alltäglichen Miteinander, das gilt aber ganz besonders auch in Krisensituationen, in denen manches anders verläuft als normalerweise. Kopf und Herz müssen dabei zusammen arbeiten.
„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
„Lasst uns einander lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“
Wir sind geliebt von Gott, geliebt von dem, der selbst die Liebe ist. Wir sind angenommen um unserer selbst willen, so wie wir sind.
Und wir sind aufgefordert einander zu lieben, sind aufgefordert die empfangene Liebe weiter zu geben.
Lassen Sie uns das immer wieder an den verschiedensten Stellen in unseren Alltag übersetzen.
Wir werden Überraschendes entdecken, da bin ich mir sicher.
Vor allem aber werden wir spüren, dass von dem Satz „Wir brauchen nur Liebe“ eine Menge Kraft ausgeht, denn: Liebe ist von Gott in unser Herz geschrieben.
Eigentlich wäre es jetzt schön, wir könnten zusammen den Schlusschor aus dem Oratorium singen, aber das müssten wir dann doch ein wenig üben. Und ich glaube, damit würden wir den Zeitrahmen sprengen.
Doch mit dem Taizélied „Wo die Liebe wohnt …“ haben wir im Gesangbuch eine gute Alternative – und das sogar mehrstimmig. Ich fände es schön, wenn wir diesen Vielklang der Liebe miteinander schaffen.
So sei es – Amen!
Pfarrerin Petra Henning
Leiterin TelefonSeelsorge Ostwestfalen
 

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