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Einer für alle Drucken
Von Lars Kunkel (08.05.2010)

Predigt am Sonntag Rogate / Wahlsonntag in NRW

kerzen.jpg„Da hilft nur noch beten!" So denkt sich mancher angesichts der politischen Großwetterlage in Deutschland und Nordrhein-Westfalen am Tage der Landtagswahl. Mag sein, dass auch der eine oder andere Politprofi in diesen Tagen sehr religiös wird und um einen positiven Ausgang für seine jeweilige Partei betet. „Lieber Gott, gib uns die absolute Mehrheit, damit wir nicht in die Verdammnis der Opposition geführt werden."

Ich denke aber bei dem Satz „Da hilft nur noch beten!" an die Menschen, die sich große Sorgen um die Situation unseres Landes und seine Zukunft machen und zugleich den Glauben an die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik verloren haben. Ob sie nun wirklich glauben, dass ihr Gebet die Steuer- oder Bildungspolitik zum Guten führt, sei einmal dahingestellt. Aber selbst in diesem Stoßgebet erkennen wir noch ein Bewusstsein dafür, dass Menschen auch hier an ihre Grenzen kommen und Hilfe von Gott erbitten. Beten heißt ja, auf jemanden zu hoffen, der mehr vermag als wir Menschen. Und man darf und muss vielleicht sogar deshalb für die Obrigkeit beten.

Allerdings warnt uns der Predigttext heute davor, „die da oben" und „uns hier unten" auseinander zu trennen. Bitte, Fürbitte und Danksagung, also das gesamte Beten, soll für alle Menschen geschehen, inklusive Obrigkeit. Allen soll geholfen werden. Der Timotheusbrief weitet damit den Kreis derer, für die gebetet werden soll, auf die gesamte Menschheit aus. Nicht, um die Gebetsanliegen und die Menschen, für die wir beten, in eine allgemeine und unüberschaubare Masse zu versenken, sondern um wirklich keinen auszuschließen und im Gebet die Trennung zwischen mir und den anderen zu überwinden. Im Gebet für alle Menschen erfahre ich, dass ich ein Teil des Ganzen bin genauso wie die Obrigkeit, die Menschen da oben, die politische Verantwortung tragen. Wenn man mitbekommt, wie die Parteien sich im Ringen um die Macht bekämpfen, fühlt man sich oft ohnmächtig und kann wütend werden. Doch darüber dürfen wir nicht vergessen, dass dort Menschen handeln, die ihrem Gewissen und guten Absichten folgen und doch zugleich auch menschlich sind und an ihre Grenzen stoßen. Politiker und Politik sind nicht wesensmäßig anders als du und ich in unseren Handlungsfeldern.

Und umgekehrt: Wir alle sind Teil der Gesellschaft und gestalten diese mit. Ob wir nun aus Angst oder aus Hoffnung handeln, aus Egoismus oder Nächstenliebe - wir bestimmen das Klima in unserer Gemeinde, unserer Stadt und unserem Land mit.

Was soll man also beten für die Obrigkeit? Wenn das Gebet nur die Fortsetzung unserer individuellen und sich zugleich widersprechenden Wünsche wäre, würden wir unsere Selbstsucht letztlich nur auf das Gebet projizieren. „Ich möchte, dass die Steuern gesenkt werden", „Ich möchte mehr Geld in den Kassen der Kommunen". So geht es ja nun nicht.

Den Schlüssel zu einem angemessenen Gebet auch im politischen Bereich liefert uns der Timotheusbrief gleich mit.  Wir sollen für alle beten, damit allen geholfen werde und alle erlöst werden durch die Erkenntnis der Wahrheit. Und diese Wahrheit ist, dass Jesus Christus sich für uns zur Erlösung gegeben hat.

Erlösung kommt durch Jesus Christus. Das ist eine wichtige Wahrheit mit Signalwirkung auch für die Obrigkeit.

Eine Obrigkeit, die sich selbst als Erlösung versteht, bekommt zerstörerische Züge. Erlösung und Heil können nicht durch Menschen bewirkt werden. Durch keine Obrigkeit und nicht durch uns. Erlösung kommt nur durch Gott, der uns um unserer selbst willen annimmt und liebt. Der uns befreit von der Sorge, immer alles zu machen und alles richtig machen zu müssen. Als Mensch vor Gott stehe ich immer mit leeren Händen da. Trotzdem ist unser Handeln nicht beliebig, sondern ist für Christen durch das Vorbild Jesu bestimmt. Dazu gehört es, sich für alle Menschen einzusetzen, Armut zu bekämpfen und für Gerechtigkeit einzutreten. Und doch werden wir immer alle auch scheitern und Fehler machen, auch die Obrigkeit und die Menschen, die politische Macht ausüben.

Beten könnte man also für diese Menschen, dass sie ihre Macht verantwortlich leben. Nicht orientiert an parteipolitischen Interessen und Erhaltung der Macht, sondern in der Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

So gesehen, darf man darum beten, dass die Obrigkeit mehr gegen Kinderarmut tut, mehr Bildungsgerechtigkeit schafft und verantwortlich mit Energie und Ressourcen umgeht.

Aber ebenso wichtig ist es auch, dafür zu beten, dass Menschen mit Verantwortung ihre Grenzen erkennen und bereit sind, Fehler einzugestehen. Ein großer Teil der Politikverdrossenheit und der Wut bei den Bürgern kommt doch daher, dass Fehler und Irrtümer vertuscht und verdrängt werden. Denken Sie etwa an die Missbrauchsskandale in jüngster Zeit. Wie wohltuend wäre ein frühzeitiges Eingeständnis von Schuld und Versagen gewesen. Im Interesse der Opfer, aber auch im Blick auf die Glaubwürdigkeit. Ein Beispiel für einen besseren Umgang mit Fehlern hat uns Margot Käßmann gezeigt, deren konsequenter Rücktritt zwar von vielen bedauert, deren Glaubwürdigkeit aber zugleich höchste Anerkennung bekommen hat. Für eine politische Obrigkeit, aber auch für jeden einzelnen von uns wäre zu erbitten, einen mutigen und offenen Umgang mit Fehler zu gewinnen, statt übereinander herzufallen und Schwäche eines anderen gleich wieder für die eigene Überheblichkeit zu nutzen.

Jedem ist klar, dass in der Politik wie auch in unserem Leben oft mit harten Bandagen gekämpft wird. Doch wer betet, zeigt damit ja auch, dass er unzufrieden ist und aus seinem Glauben heraus bereit ist, sich nicht einfach mit den Gegebenheiten abzufinden.  

Wer so betet, soll ein ruhiges und stilles Leben in Frömmigkeit und Ehrbarkeit führen. Diese Formulierung im Timotheusbrief ist verfänglich, weil sie leicht missverstanden werden kann. Es geht nicht darum, sich durch das Gebet die Obrigkeit gewogen zu machen, sie sich vom Hals zu halten oder das Gebet als einen Ersatz für die eigene Verantwortung zu sehen. Es geht um etwas anderes. Frömmigkeit meint im Griechischen „Ehrfrucht vor dem Bereich des Göttlichen" und meint damit gerade die Verantwortung, die ein Beter wahrnimmt. Und die „Ruhe und Stille" zielt ja gerade auf die Bitte um ein Leben in Sicherheit und Frieden, in dem Menschen ohne Angst leben können und den nötigen Raum zur Entfaltung bekommen.

Beter sind Täter und keine Zuschauer. Das ist schnell erklärt.

Zunächst einmal hilft das Gebet vielen Menschen, die vor einer wichtigen Entscheidung stehen, den Kopf klar zu bekommen und sich auf einen Weg zu besinnen, den sie vor Gott verantworten können. Gerade Menschen, die intensiv um den Frieden bitten, erkennen, was zu tun ist und sind auch bereit dazu. Denken Sie nur an das Friedensgebet, dass jeden Freitag hier in der Kirche stattfindet. Die Menschen in dieser Gruppe beten und setzen sich zugleich auch aktiv für Frieden und Versöhnung ein.

Der Satz vom Anfang „Da hilft nur beten" bekommt nun eine ganz andere Bedeutung. Das Gebet ist nicht die letzte Rettung, wenn nichts mehr hilft, sondern steht im Grunde eher am Anfang: Das Gebet um die richtige Entscheidung, um die Wahrnehmung von Verantwortung, um die Kraft, Fehler machen zu dürfen und einzugestehen, sollte eher als erstes kommen und das Handeln bestimmen. Dann ist das Gebet die Keimzelle unseres Handelns und nicht der letzte Ausdruck von Enttäuschung und Resignation.

Wir Menschen vergessen es zu gerne, dass einer sich für alle gegeben hat.

Dass Jesus Christus alle Menschen zur Wahrheit führen will, ob nun ganz oben in den Schaltzentralen der Macht oder eben bei uns. Für Gott gibt es diese Unterscheidung ohnehin nicht. Vor ihm stehen wir alle gleich da ohne Ansehen der Person. Und darum mahnt uns der Predigttext vor allen Dingen Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung zu tun. Ja, auch die Danksagung gehört dazu. Denn über alles Klagen und Jammern vergessen wir viel zu oft, wie gut es uns in unserem Land trotz manchen Widrigkeiten geht. Wir leben in Frieden, zumindest grundsätzlich auch finanziell gesichert, und mit einem immer noch vorbildlichen Gesundheitssystem.

Das Gebet verbindet uns miteinander und uns alle mit Gott. Es erinnert uns an unsere gleiche menschliche Bedürftigkeit, aber auch an unsere gemeinsame Hoffnung. Es gibt uns Raum zur Besinnung und setzt Taten in uns frei. Beten können wir, weil sich einer für alle zur Erlösung gegeben hat.

Das ist die Erkenntnis, zu der Gott uns im Gebet führen will. Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

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