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Ostern - und dann? Drucken
Von Lars Kunkel (11.04.2010)

Was kommt eigentlich nach Ostern? Mit dem Osterfest haben wir den Sieg des Lebens über den Tod gefeiert und damit wohl den wichtigsten Punkt unseres menschlichen Daseins berührt. Ostern geht es um all das, was unser Leben im tiefsten Innersten berührt.
Wir feiern Ostern, dass unser Leben nicht im Tod enden muss, weil Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Wir feiern Ostern, dass der Graben zwischen Gott und Mensch geschlossen wird. Wir feiern, dass Christus lebt und wir mit ihm.
Ostern geht es um die lebenswichtige Frage, was unser Leben und Glauben bedeuten, angesichts der Endlichkeit, in der wir leben, und der Unvollkommenheit unseres Lebens. Da muss die Frage schon erlaubt sein, was nach Ostern kommt. Sie muss sogar gestellt werden. Was kommt jetzt? Fallen wir zurück in den Alltag, ernüchtert wie nach manchem großen Fest, das langsam verklingt?

Der Predigttext für den heutigen Sonntag Quasimodogeniti sprüht vor Freude und Dankbarkeit darüber, dass mit Ostern etwas Neues begonnen hat. Hören wir Worte aus dem 1. Petrusbrief in einer Übertragung von Jörg Zink.

[TEXTLESUNG 1. PETRUS 1,3-9]

Gerühmt sei Gott. Am Anfang steht der überschwängliche Dank an Gott, der uns ein neues Leben schenkt. Gott macht uns zu neuen Menschen, er schenkt eine lebendige Hoffnung. Nicht durch uns ist das Wunder entstanden, nicht wir selbst haben uns neu erschaffen. Einzig und allein durch Gott ist das geschehen. Das ist wirklich herrlich und schön. Denn wie oft meinen wir, dass alles Große im Leben nur durch uns hervorgebracht wird. In diesem Denken verhaftet quält uns unsere eigene Unzulänglichkeit und Schwäche. Krampfhaft sorgen wir uns im Leben darum, etwas gut zu machen oder etwas wieder gut zu machen, etwas zu erarbeiten und zu schaffen und kommen doch immer wieder an unsere Grenzen. So wenig, wie wir uns selbst gebären können, sondern unser biologisches Leben als Geschenk empfangen, so wenig können wir unser Leben wirklich neu erschaffen, so sehr wir an uns arbeiten, uns entwickeln und reifen wollen oder unsere Fehler auszubügeln versuchen. Christlicher Glaube ist keine Anleitung zum Glücklichsein und keine Rezeptur, mit der wir durch Selbstüberwindung und seelische Reinigung zu besseren Menschen werden. Ostern ist eine Absage an jeglichen Versuch, uns selbst zu besseren Menschen zu machen.
Ostern ist ein Geschenk Gottes an uns, der uns befreit von jedem verzweifelten Versuch der Selbsterlösung.

Auf die Frage, was nach Ostern kommt, lautet die erste Antwort also: der Dank. Gerühmt sei Gott. Es tut uns gut, diesen Dank Gottes bewusst zu sprechen, zu leben und davon zu singen. Gerade in unserer Zeit, in der so viele Menschen unsicher sind und Angst haben. Jeden Tag hören wir Schreckensmeldungen in den Nachrichten, die uns langsam aber sicher die Lebensfreude und Hoffnung zerstören. Viele Menschen haben eine Haltung des Wartens und Abwartens eingenommen. Viele sind von der Politik enttäuscht, die es einfach nicht schafft, die großen Themen und Probleme offen anzugehen. Ob Afghanistan oder Armutsbekämpfung – irgendwie scheint es nicht weiterzugehen.

Oder nehmen Sie das Klima hier in unserer Kurstadt. Wirtschaftkrise und schwindende Steuereinahmen reißen riesige Löcher in den Haushalt. Und da liest man dann in der Zeitung eine sogenannte Liste der Grausamkeiten, mit der den Bürgerinnen und Bürgern zaghaft nahe gebracht wird, dass wir in Zukunft auf einiges werden verzichten müssen.
Im Internet darf man abstimmen, ob das Märchenmuseum, das Lehrschwimmbecken oder die Freiparkzeiten abgeschafft werden.  Es ist ja leicht, anonym irgendetwas zu streichen, das einen selbst scheinbar nicht betrifft. Aber wo steckt das Ziel, die Vision, die Hoffnung für die Zukunft? Denn auch wenn Einsparungen sicher notwendig sind, muss der, der sparen soll, ein Ziel haben. Sonst kann es leicht passieren, dass sich eine umfassende Resignation und vielleicht sogar Depression breit macht, in der am Ende entweder jeder nur noch an sich denkt oder gar nicht mehr zu denken bereit ist.

Ostern ist die Auferweckung derer, die tot sind oder sich wie tot fühlen. Ostern ist der Aufstand des Lebens und der Hoffnung gegen allen Augenschein. Ostern trotzt allen Sachzwängen und Strukturzwängen. Denn Gott hat die Sachzwänge des Todes und die Logik der Selbstsucht durchbrochen. Die Hingabe Jesu am Kreuz und das Geschenk des neuen Lebens durch Gott ist zum Zeichen geworden dafür, was Leben wirklich bedeutet.
Und so erinnert der Petrusbrief nicht nur an das wunderbare Geschenk, dass Gott uns gemacht hat. Er rühmt Gott nicht nur, er führt uns auch vor Augen, dass die Osterfreude Auswirkungen auf unser Leben und Handeln hat.

Wenn Christen sich einmischen, versucht man sie oft als weltfremd und nicht zuständig abzuwerten. In einem Gespräch über die Kinderarmut, als darum ging, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt leben und doch so wenig für bessere Bildungschancen und eine bessere Kinderbetreuung getan wird, hörte ich von einem Gegenüber den Satz: „Herr Pfarrer, wir sind doch alle erwachsen“. Das Gegenüber, selbst wohl im Laufe der Jahre desillusioniert,  wollte damit wohl sagen, dass der Traum von einer gerechteren Welt irgendwie kindisch ist. Als Erwachsene sollten wir uns wohl mit den Gegebenheiten, den vielen komplexen Faktoren und gewachsenen Ordnungen abfinden müssen. Christen sind jedoch nicht kindisch, sondern Quasimodogeniti, also wie die neugeborenen Kinder Gottes. Und als solche treten sie für das Leben ein. Sie haben Hoffnung für diese Welt und setzen sich auch dort für eine Welt ein, die doch so unverbesserlich zu sein scheint.

Wenn wir uns heute fragen, was nach Ostern kommt, dann lautet die Antwort darauf: Christen tragen ihre Hoffnung in die Welt hinein. Sie können trösten, weil sie selbst getröstet sind. Sie glauben an das Leben, wo die Welt uns einreden will, dass alles verfällt.
Sie stehen auf, weil Christus auferstanden ist und manchmal Unmögliches geschehen kann. Vielleicht sogar öfter, als man denkt. Dabei sind Christen durch ihren Glauben nicht betriebsblind oder der Welt enthoben. Christen werden nie vergessen, dass am Anfang von Ostern das Kreuz steht, das Leiden, Schmerz und Zweifel mit sich bringt. Im Petrusbrief lesen wir, dass Fragen und Zweifel dazugehören. Das muss sogar so sein, hören die ersten Christen, die in einer Zeit des Umbruchs und einer beginnenden Christenverfolgung leben. Doch der Osterglaube setzt diesen Mächten die Hoffnung und die Freude entgegen.

Darum müssen Christen, darum muss die Gemeinde Jesu Christi etwas wagen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Gemeindeleitung der Altstadtgemeinde sich entschieden hat, in diese Auferstehungskirche zu investieren. Es geht mit dem Umbau unseres Kirchvorraums zwar auch um nötige Sanierungsmaßnahmen. Es geht aber genauso auch darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich in gastfreundlicher und fröhlicher Atmosphäre treffen. Der Eingangsbereich soll heller und freundlicher werden und etwas ausstrahlen von der Gastfreundschaft Gottes.
Es soll ein Raum entstehen, an dem Menschen noch besser miteinander ins Gespräch kommen und mehr über den Glauben erfahren können. Mit der Angst im Nacken kann man so ein Projekt nicht angehen. Wären Kreuz, Leid und Untergangsstimmung das, was Christen leitet, könnten wir nur noch Bestehendes verwalten und allgemein darüber jammern, dass Kirche und Gemeinden sparen müssen und es langsam abwärts geht. Die Kraft von Ostern schafft Visionen und Optimismus, setzt Kraft und Mut frei, und den brauchen wir mehr denn je in unserer Zeit.
Was Ostern geschehen ist und nach Ostern kommt, richtet sich gegen den Trend des „Klein-Klein“ und Rückzuges. Ostern drängt ja geradezu hinaus in die Welt, fordert eine offene Kirche, die mitten in der Stadt ihre Stimme erhebt und zur Begegnung mit anderen Christen einlädt. Für mich ist sehr ermutigend zu sehen, welche Energie dieses Projekt schon jetzt in der Gemeinde freisetzt. Wieviele Ideen entstehen und wie viele Menschen sich einsetzen und das Projekt unterstützen, und es dürfen auch ruhig noch mehr werden. Die Gemeinde Jesu Christi lebt von Menschen, die nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern ihren Glauben fröhlich und mutig leben.

Ich könnte Ihnen so viele weitere Beispiele geben von Menschen, die ihren Glauben hier in Bad Oeynhausen mutig leben. Mutig nicht, weil sie verfolgt werden wie die Christen zur Zeit des Petrusbriefes, sondern mutig, weil sie als Kinder Gottes gegen Resignation und Erstarrung leben und handeln. Unser Kampf gegen Kinderarmut und für eine warme Mahlzeit durch das Ev. Familienzentrum geht weiter. Die Frauenhilfe darf in diesem Jahr auf ihr hundertjähriges Bestehen blicken und sich dankbar darüber freuen, dass viele Generationen von Frauen gemeinsam mehr über ihren Glauben erfahren wollten und diesen gemeinsam gelebt haben. Freitag für Freitag trifft sich das Friedensgebet, um unermüdlich für den Frieden zu beten und aktiv etwas dafür zu tun. Man kann alle diese Beispiele als weltfremd und naiv belächeln. Christen setzen gegen dieses mitleidige Lächeln das Osterlachen, das Gott uns schenkt. Denn gegen Angst und Erstarrung hat Gott das Leben gesetzt. 
Nach Ostern fängt das Osterleben für uns erst richtig an.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.

 

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