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Das Unvollkommene annehmen Drucken
Von Lars Kunkel (08.04.2010)

Osterpredigt über 1. Korinther 15,1-11

ostern2009.jpgOstern ist der Anfang des christlichen Glaubens. Seit Menschen erfahren haben, dass Jesus lebt, haben sie nicht aufgehört, von diesem Wunder zu erzählen. Sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass mit Jesus etwas Neues begonnen hat. Sie haben sich nicht unterkriegen lassen von all denen, die mit guten Argumenten oder grausamer Gewalt versucht haben, die Hoffnung auf die Auferweckung Jesu zu zerstören. Sie haben angefangen, ihre Erinnerungen an Jesus genau zu erzählen und aufzuschreiben. Daraus sind die Evangelien entstanden, Berichte über die Geburt Jesu kamen hinzu, Geschehnisse aus seinem Leben, Worte, an die Menschen sich erinnerten und deren Sinn sie jetzt viel besser verstanden. 

Ganz am Anfang des christlichen Glaubens stand nicht Weihnachten, sondern ein Bekenntnis, das Paulus heute in seinem Brief an die Korinther zitiert: „Jesus ist gestorben für unsere Sünden, er ist begraben worden, er ist auferstanden, er ist gesehen worden.“  Paulus legt viel Wert darauf, die Geschwister in Korinth an dieses Bekenntnis zu erinnern. Er muss sie wohl daran erinnern, dass er ihnen dieses Bekenntnis in genau dieser Form gepredigt hat und sie dadurch selig geworden sind.
An diesem Bekenntnis darf nichts verändert werden, sonst wären sie vergeblich gläubig geworden.

Paulus mahnt die Korinther sozusagen zur Rechtgläubigkeit, und das wohl aus gutem Grund. Die Korinther hatten den Glauben, den Paulus ihnen gebracht hatte, zwar sehr gerne angenommen. Doch in der Hafenstadt Korinth gab es reichlich religiöse und philosophische  Strömungen, die die Botschaft des Apostels zu verändern drohten. Man kann nur ahnen, was dort gedacht wurde. Wahrscheinlich meinte man, dass Jesus entrückt wurde, statt wirklich begraben und gestorben zu sein. Vielleicht dachte man im hellenistischen Sinne, dass sich die unsterbliche Seele vom toten Körper getrennt hat. In beiden Fällen wäre Jesus dann nicht wirklich gestorben. Der Tod wäre nicht mehr so schrecklich, wäre höchstens noch eine Episode am Ende des Lebens. Für Paulus steht und fällt der christliche Glaube aber damit, dass Jesus wirklich tot war und begraben wurde. Alles andere nimmt dem Osterglauben seine Tiefe, weil es dem Tod den Ernst nimmt. Und so ringt Paulus mit den Korinthern um den wahren Glauben und bekämpft die Irrlehren.


Die Korinther reden nicht so gerne vom Tod. Sie denken lieber positiv. Vielleicht stehen sie uns damit näher, als uns bewusst ist. Vielleicht feiern wir auch lieber fröhlich Ostern, als Karfreitag auf uns wirken zu lassen, der als düster und ernst empfunden wird. Aber im Leben haben wir keine Wahl. Wir sind vom Tod umgeben, und das auf vielfältige Weise. Kürzlich sagte jemand mit scherzhaftem Ton an meinem Geburtstag zu mir, dass ich jetzt ja auch schon die Hälfte `rum hätte. Richtig witzig fand ich das nicht. Wir sehen den Tod lieber als eine abstrakte Größe, die uns nicht betrifft.

Doch der Tod steht nicht einfach nur als Schlusspunkt des Lebens. Er ist nicht wie der letzte Vorhang nach einem schönen Bühnenstück. Er schreibt auch das Drehbuch unseres Lebens mit. Denn unsere Endlichkeit bestimmt unser ganzes Leben und macht Angst. Wir spüren, dass unsere Kraft begrenzt ist, dass unsere Möglichkeiten weniger werden. Wir machen Fehler, die wir nicht mehr korrigieren können und wir spüren, dass wir Dinge verpasst haben, die wir nicht mehr nachholen können. Unsere Unvollkommenheit geht mit unserer Endlichkeit einher. Wir erkennen, dass unser Leben immer ein Fragment bleibt, ein unvollendetes Werk.
Wahrhaben wollen wir das oft nicht.

Und wie bei den Korinthern gibt es heute einige moderne Wege, mit der Endlichkeit umzugehen. Ich finde es manchmal rührend, mit welcher Verbissenheit Männer mittleren Alters im Fitnessstudio um die Gestalt eines Adonis kämpfen. Oder wie Frauen mit Cremes manchmal mit einer gewissen Selbstironie gegen die Fältchen kämpfen. Ganz harmlos ist das im Gegensatz zu den Botoxspritzen und anderen medizinischen Tricks, um möglichst lange jung zu sein. Ist das Fit-und-Fun-Denken vielleicht eine moderne Irrlehre, um die Sterblichkeit nicht in das Leben hinein zu lassen? Kinder werden schon früh auf Leistung getrimmt, damit sie möglichst viele Chancen nutzen können und es vielleicht sogar zu etwas Ruhm bringen, der, wenn er schon nicht unsterblich macht, so doch etwas Bleibendes schaffen soll.  Soziale Netze im Internet ermöglichen es, in kürzester Zeit sehr viele Kontakte aufzubauen. Jeder kennt jemanden, und so ist man nie ganz vergessen. Bizarrerweise bleiben die Spuren unseres Lebens auf den Googleservern wahrscheinlich länger erhalten als im Gedächtnis unserer Lieben. Und ganz im Ernst:
Vielleicht ist der Glaube an eine unsterbliche Seele oder zumindest an eine Wiedergeburt irgendwie weniger todesbehaftet und somit bequemer als der christliche Glaube, der uns so überliefert wird: Christus ist wirklich tot. Er wird wirklich begraben. Und er wird wirklich auferweckt.
Paulus will nicht, dass an dieser Botschaft etwas verändert wird. In all ihrer Radikalität, Sperrigkeit und unvorstellbaren Größe.

Christus war tot. Nur dadurch ist es möglich, dass Gott unseren Tod teilt. Er kennt die Angst vor der Endlichkeit, die Gefühle von Beklommenheit und Verzweiflung im Angesicht der Begrenztheit unseres Lebens. Was wäre das für ein Gott, der uns wirklich sterben lässt und selbst den Tod nur virtuell erlebt? Wären dann Ostern und die Predigt von der Auferstehung nicht wirklich vergeblich? Jesus wird wirklich begraben, aber er wird auch auferweckt, und erst und nur dadurch hat Gott den Tod besiegt. Er ist nicht mehr das Ende. Wir müssen uns nicht mehr mit aller vergeblichen Kraft dagegen wehren, dass unser Leben endlich ist. Wenn Christus lebt und wir mit ihm, dann bestimmt nicht mehr die Angst vor dem Nichts unser Leben, sondern unser Leben wird gewürdigt und gesegnet durch Gott.
In seiner ganzen Schönheit, aber auch in seinem Scheitern, in unserem schöpferischen Handeln, aber auch in unserer Schwäche. In unserem fröhlichen Lachen und unserem ängstlichen Weinen. Alles darf sein, alles gehört dazu. Weil unser Leben nicht einfach endet, können wir Stück für Stück lernen, das Unvollkommene in unserem Leben gelten zu lassen, es vielleicht sogar zuzulassen und möglichweise sogar lernen, es anzunehmen und zu lieben. Ostern lässt die Hoffnung in uns blühen, dass unser Leben sich nicht in dem erschöpft, was wir an Bedrohung und Zerstörung des Lebens wahrnehmen. 

Ostern meint die Kraft zu leben, auch wenn dieses Leben vergänglich ist. Ostern gibt uns das Lachen und die Freude in einer Welt, in der so vieles uns quält. Ostern macht uns hoffentlich sogar ein bisschen übermütig gegenüber dem Leben und dem Tod. Ostern befreit, weil wir unser Leben mit seinen Fehlern und unerfüllten Träumen leben können, ohne Bitterkeit um Verpasstes und Vertanes. Ostern lässt uns singen und springen, auch wenn unser Leben immer nur Fragment bleibt, ein Splitterstück unserer Ideale im Angesicht der Ewigkeit. Ostern ist so glaubwürdig, weil es uns einen Blick auf die Realität unseres Lebens eröffnet.

Und so setzt Paulus alles daran, dass Ostern nicht aufgeweicht wird in bunten Ostersträußen und Frühlingsgefühlen. Wenn Ostern in der Freude über die blühende Osterglocke aufgeht, ist die Predigt von der Auferstehung vergeblich. Ostern geht es um die wahre Kraft zum Leben in der Endlichkeit, um die Auferweckung Christi, der tot und begraben war. Ostern ist kein Phantasie und kein innerliches Geschehen, Ostern ist ein Phänomen in der Geschichte zwischen Mensch und Gott.

Christus ist gesehen worden, schreibt Paulus, und er führt eine Kette von Zeugen an, an deren Ende er selbst steht. Wir können den Auferweckten nicht sehen, wir können im Sinne heutiger exakter Naturwissenschaft nichts beweisen, aber wir können hören auf die ersten Zeugen. Hören auf die unerhörte Botschaft der Auferstehung. Und sehen, wie diese Botschaft weitergegeben wurde. Aus dem alten Bekenntnis vom Christus, der gestorben, begraben und auferweckt wurde, ist eine Botschaft, ein Evangelium geworden, das heute von vielen Millionen Christen gehört wird.

Maurice Chevalier, ein französischer Chansonsänger schrieb: „Es gibt unzählige Menschen, die sich nach Unsterblichkeit sehnen – die aber nicht wissen, was sie an einem verregneten Sonntag anfangen sollen.“

Ostern gibt der Sehnsucht eine Perspektive. Ostern hat Menschen ermutigt und staunen lassen, über den Lebensmut in ihnen. Durch die Kraft von Ostern haben Menschen ihr Leben und Sterben nicht verdrängt, sondern aktiv begonnen, ihr Leben zu leben. Auch im Einsatz für eine gerechtere Welt. Im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit. Und in der Freude an jedem Sonntag. So hat Ostern Geschichte geschrieben. Vom Anbeginn des christlichen Glaubens bis zum heutigen Tag.
Und der Friede Gottes, der höher steht als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN:


 

 

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