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Ist Glaube ein Wettkampf? Drucken
Von Lars Kunkel (31.01.2010)

Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten einen Lebenslauf schreiben. Wahrscheinlich haben Sie damit Erfahrungen. Einfach ist das nicht. Ein gutes Foto und eine ordentliche Aufmachung entscheiden manchmal in wenigen Augenblicken darüber, ob der Personalchef den Bewerber zum Gespräch einlädt.

Darum muss man sich gut überlegen, was man in einen Lebenslauf schreibt. Ausbildung, Berufserfahrung, Hobbys – all das muss möglichst positiv und überzeugend dargestellt werden. Und auch wenn das Leben noch so viele Umwege mit einem gegangen ist und nicht jede Station ein Glanzpunkt war: Im Lebenslauf muss man sich auf Erfolge und seine Leistungen konzentrieren, weil man ein Ziel erreichen möchte.

Zielorientiert denkt auch der Apostel Paulus in dem Predigttext für den heutigen Sonntag. Er feuert die Christen in Korinth an, zu laufen und den Sieg zu erreichen. Mit diesem Bild vom Wettlauf konnten die Korinther viel anfangen, denn in Korinth fanden die Isthmischen Spiele statt, die fast so bedeutend wie die Olympischen Spiele waren.  Es gab musische Wettkämpfe im Theater, Pferderennen im Hippodrom und ein Stadion für den Wettlauf.
Dem Sieger wurde ein Kranz verliehen, er und seine Familie ernteten Ruhm und Ansehen. Wer hier gewinnen wollte, musste hart trainieren. 
Paulus und seinen Hörern stehen sportliche Wettkämpfe vor Augen, als er den Christen in Korinth zuruft: „Strengt euch an! Trainiert euren Körper, seid bereit zum Verzicht. Nur so holt ihr den unvergänglichen Siegerkranz. Der Weg des Glaubes ist ein Wettlauf.“

Was zu einem Trainer in der Kabine vor dem großen Spiel passt, hört sich bei Paulus doch sehr ungewohnt an. Wir kennen ihn doch als jemanden, der uns immer wieder leidenschaftlich verkündet hat, dass der Glaube allein ein Gnadengeschenk ist und alles Heil und Leben für uns Menschen allein durch Christus kommt. Gerade für unsere protestantischen Ohren klingt es fast skandalös, dass da in Glaubenssachen ganz offen zum Siegen durch Bestleistungen aufgerufen wird.

Gerade als evangelische Christen, als Protestanten, legen wir viel Wert darauf, dass es nicht menschliche Leistungen sind, die uns Gottes Liebe einbringen.

Wir haben schon viele Predigten gehört, in denen das Leistungsdenken und die Ellenbogenmentalität der modernen Gesellschaft beklagt und in eingängigen Bildern die bitteren Folgen der Leistungsgesellschaft geschildert wurden. Gehört schon. Aber was ist das für ein Glaube, der sich auf das Hören beschränkt?
Im Grunde haben wir doch ein recht verkrampftes Verhältnis zu Leistung. Dem Leistungsdenken können sich die meisten von uns jedenfalls nicht entziehen. Kirchen und Gemeinden strengen sich an, mit abwechslungsreichen Angeboten attraktiv zu sein. Auch Pfarrer müssen  und wollen etwas leisten. Und wer sonntags gehört hat, dass er eigentlich um seiner selbst willen wertvoll ist, kämpft ab Montag wieder mit darum, zu den Besseren zu gehören.
Paulus ist da viel unbefangener. Und das hat seinen guten Grund. Er ist ganz durchdrungen von der Erfahrung, dass Gott uns liebt. Er weiß, dass Gott für uns eintritt und unsere Taten dafür keine Bedeutung mehr haben. Er lebt aus der Befreiung von allem Leistungsdruck, es Gott recht machen zu wollen. Immer und immer wieder betont er, dass Gott uns beschenkt. Dass Gott barmherzig ist. Dass Gott wunderbare  Freiheit schenkt.

Der Grund, auf dem Glaube steht, der Grund, auf dem das ganze Leben steht, ist von Gott gelegt. Diese Erfahrung bleibt nicht folgenlos, sondern setzt uns Menschen in Bewegung, geht durch unser Herz und Hirn.

Paulus spornt dazu an, den Glauben glaubwürdig zu leben:
dass wir sagen und leben, was wir glauben. Dass mehr von unserem Glauben im Leben sichtbar wird. Glaube will ja auch gelebt und getan und weitergegeben werden. Und das ist eine Tat, etwas, für dass wir uns anstrengen müssen. Und es ist gut evangelisch, den Glauben zu leben.

Wie gut tut es Menschen, wenn wir ihnen beistehen. Wenn wir sie ansehen, wie Jesus uns ansieht. Wenn wir anderen davon erzählen, dass sie geliebt und angenommen sind und das auch vorleben, in dem wir selbst offen und warmherzig auf andere Menschen zugehen. Und wie segensreich ist es, anderen von unserer Hoffnung zu erzählen. Dass neues Leben dort entsteht, wo alles am Ende zu sein scheint. Dass wir uns dafür einsetzen, dass diese Welt lebenswert bleibt und an vielen Stellen sogar erst wird.
Ebenso wichtig ist es, dass wir etwas für uns selbst tun. Für unseren Glauben. Wir können entscheiden, ob wir Gott suchen wollen oder nicht. Ob wir beten. Ob wir in der Bibel lesen. Ob wir uns Zeit nehmen für das Gespräch mit Gott. Wir sind es doch, die entscheiden, ob wir anderen helfen, ob wir in die Kirche gehen. Das alles ist harte Arbeit, das erfordert Training und Disziplin, dass kostet Kraft und Mut. Darum ist der Vergleich mit den Isthmischen Spielen in Korinth sehr passend. Glauben bedeutet auch, zu laufen und zu kämpfen gegen Trägheit, Faulheit, Müdigkeit, Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und den inneren Schweinehund, der uns immer wieder einreden will, dass es ja nicht auf unsere Taten ankommt und das süffisant lächelnd als guten Protestantismus etikettiert.

Es gibt einen entspannteren Umgang mit Leistung.  Gott will keine Helden. Kein Mensch soll sich überfordern. Keiner muss seinen Wert beweisen.
Doch den Glauben leben sollen wir schon. Und es ist gut, sich dafür anzustrengen und mit jeder Faser seines Lebens dafür einzutreten. Der Glaube stellt uns auf einen Weg, den wir selbst gehen müssen. Glauben heißt dann auch, Verantwortung zu übernehmen. Glauben heißt, für eine Gemeinschaft einzutreten.
Und das mit aller Kraft und Leidenschaft, die Gott uns geschenkt hat. 

Ich stelle mir noch einmal vor, wir würden unseren Lebenslauf schreiben, aber dieses Mal für Gott. Wir können jetzt ganz ehrlich sein, weil wir „die Stelle“ schon haben. Wir sind ja schon Kinder Gottes.

Wieder schreiben wir auch die Erfolge hinein. Aber dazwischen, wo sonst die peinlichen und schamvollen Lücken sind, würde jetzt einiges stehen. Zum Beispiel etwas von den schlaflosen Nächten vor der Prüfung, die wir dann doch gut bestanden haben. Wir könnten etwas schreiben über die Momente, in denen wir kein Vertrauen mehr hatten in uns und in Gott.

Wir schrieben hinein,  wie klein wir uns manchmal fühlen. Aber auch die Erfolge würden jetzt viel genauer beschrieben. Wir würden erklären, dass wir uns angestrengt haben und auch manches zu verdanken haben. Wir würden erzählen, dass wir manchmal plötzlich ganz viel Mut hatten und wir im Moment einer Prüfung so überraschend ruhig waren.

Wir würden erzählen von den Eltern und Freunden, denen wir viel zu verdanken haben. Von dem Glück und den Zufällen, die plötzlich gar nicht mehr als so zufällig erscheinen, weil wir mit einem Mal einen roten Faden in all dem erkennen, was unser Leben ausmacht. Fast immer fügen sich ja auch die einzelnen Stationen eines „normalen“ Lebenslaufes zu einem Gesamtbild. In diesem speziellen Lebenslauf würde man ebenfalls eine Gesamtlinie erkennen.

In Händen hätte man den Lebenslauf eines Menschen, der sich ganz bestimmt auch anstrengt, der etwas bewegen will, sogar etwas leisten möchte. Und der doch im Vertrauen lebt, dass Anfang und Ziel des Lebens schon von Gott vorweggenommen sind, auch wenn sein Leben auf krummen Bahnen und in Sackgassen verläuft.

Ein Lebenslauf dokumentiert den Lauf unseres Lebens, die Lebensbahn, auf der wir Jesus Christus nachfolgen, von Geburt über die Taufe bis zum Tod und zum Leben bei Gott. Auf diesem Weg folgen wir Christus, der uns schon lange entgegengekommen ist. 

Dazu das Lied: Nun, komm der Heiden Heiland

 

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