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Gott hat Mitleid Drucken
Von Lars Kunkel (20.01.2010)

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"Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden", rät Paulus der Gemeinde in Rom. Mag sein, dass die Situation in Rom für viele Christen wirklich nicht leicht war. Doch was uns in den letzten Tagen an Nachrichten aus Haiti erreicht, übertrifft in vielem unsere Vorstellung von Leid und Schmerz. Böse Erinnerungen werden wach an den Tsunami vor 5 Jahren. Wieder sehen wir die Bilder von verzweifelten Menschen, von Verwüstung ganzer Landschaften.

Wieder hören wir davon, dass es die Ärmsten am schlimmsten getroffen hat, weil sie in Gebieten siedelten, die als besonders gefährdet galten. Die Zahlen der Opfer steigen ins Unvorstellbare. Die Welt ist erschüttert. Doch sie ist auch bereit zu helfen. Wir haben das Mitgefühl doch noch nicht verlernt, auch wenn wir durch die Medien immer wieder mit grausamen Bildern konfrontiert werden. Mitgefühl zu empfinden, ist eine der vornehmsten Empfindungen, ein Zeichen unserer Menschlichkeit.
Wie sieht es aber eigentlich mit Gottes Mitleid aus?

Ereignisse wie jetzt in Haiti lassen die Frage in uns aufsteigen, wo Gott in solchen Momenten ist. Ist es wirklich so naiv zu fragen, warum Gott solche Unglücke zulässt, in denen Tausende von Menschen sterben, verwundet werden, ihr Zuhause verlieren?
Eine ehrliche Antwort darauf zu finden, ist sehr schwer, fast unmöglich, und immer werden Ereignisse wie jüngst in Haiti eine Anfrage an unseren Glauben sein. Wir müssen erkennen, dass Gott auch immer etwas Fremdes, Unverständliches und Rätselhaftes an sich hat. Nur so nehmen wir unseren Glauben und die leidenden Menschen ernst. Was also kann man überhaupt sagen?
Einige Prediger in den USA haben sich dazu verstiegen, solche Unglücke als ein Zeichen für den Zorn Gottes zu sehen. Und in jedem von uns steckt noch ein Rest unseres Kinderglaubens, dass Gott böse Menschen bestraft. Doch das ist falsch.
Von solchem Denken ganz frei ist der Apostel Paulus, der im Römerbrief gleich im ersten Kapitel sehr deutlich macht, dass jeder Mensch, eigentlich die Menschheit, Sünder ist. Jeder auf seine Art. Keiner ist frei davon, jemals gegen den Willen Gottes verstoßen zu haben. Jeder Mensch versucht, sich durch seine Taten selbst gerecht zu machen und jedem fehlt nicht selten das Vertrauen auf Gott. Jeder müsste von Gott bestraft werden, aber niemand, nochmals ganz deutlich niemand wird persönlich bestraft: Leid und Unglücke sind keine persönliche Strafe Gottes, es gibt keinen Zusammenhang zwischen unserem Tun und unserem Ergehen. Kindern hat man oft gesagt, dass der liebe Gott kleine Sünden sofort straft.
Mit Sätzen wie diesen hat man (nicht nur) Kindern Angst gemacht. Doch dieser Satz ist vollkommen falsch.
Der große Theologe Paulus sieht eine viel grundsätzlichere Ursache für die Leiden in dieser Welt. Im achten Kapitel des Römerbriefes erklärt er uns, dass die ganze Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen ist. Wir sind zwar gerettet, schärft er uns ein, doch auf Hoffnung. Das bedeutet: Wir leben in einer Welt, die ganz bestimmt keine heile Welt ist. Wir leben nicht im Paradies, in dem alles im Einklang mit Gott steht, sondern in einer Welt, in der wir die Trennung zwischen Gott und Mensch bitter spüren. Wir sitzen nicht geborgen auf dem Schoß der Vaters, sondern sind in der Welt unterwegs. Wir haben Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten, aber wir leben auch in einer Welt, in der Menschen Böses tun und in der es Unglücke, Krankheit und Katastrophen gibt. Das Leben ist zerbrechlich und gefährdet und das viel mehr, als wir wahrhaben möchten, mehr als wir glauben wollen und mehr als wir es je zu erleben hoffen. Man mag sich wünschen, dass wir beschützt werden und dies mag auch immer wieder geschehen. Und doch zieht Gott nicht einfach die Fäden dieser Welt.
Wir sind gerettet, doch wir hoffen noch auf die Erlösung dieser Welt. Das Heil steht noch aus.
Irgendwann wird es so sein, dass Gott sein Werk vollendet und wir frei werden von allem Leid. Das mag sein, wenn wir in Gottes Ewigkeit eintreten, das wird sein, wenn Gott eines Tages die ganze Welt erlösen wird, doch ich nehme an, davon sind wir noch weit entfernt.

Doch auch wenn die Welt nicht heil ist, heillos sind wir ganz gewiss nicht. Gott hat einen Weg gewählt, uns Menschen Mensch sein zu lassen, ohne uns uns selbst zu überlassen. Dazu musste er in Jesus Christus selbst Mensch werden und alles teilen, was uns Menschen das Leben so schwer macht: Einsamkeit, Verlassenheit, Enttäuschung, Schmerz und Tod. Nicht allmächtig ist Gott in dieser Welt aufgetreten, auch wenn wir uns dies manchmal wünschen mögen. Ohnmächtig ist er uns entgegengetreten. In der Krippe als verwundbares Kind, dass auf menschliche Fürsorge angewiesen ist. Als Mann, der für die Armen und Schwachen eingetreten ist und dabei sein eigenes Lebens aufs Spiel gesetzt hat. Als Gottverlassener am Kreuz, der mit einem letzten Quäntchen Glaubensmut sein Leben in Gottes Hand legt. Als Sterbender und gestorbener Jesus, dessen Tod jedoch von Gott ins neues Leben verwandelt wurde.


Das glauben und hoffen wir Christen, dass Tod und Verderben am Ende doch nicht siegen, und doch können wir nicht leben und handeln allein in der Hoffnung auf ein Jenseits. Und um hier leben zu können und um glauben zu können, kann ich mir keinen anderen Gott vorstellen als den, der am Kreuz alle Qual dieser Welt selbst erlebt hat. Der mit den Leidenden leidet und an der Seite der Verzagten und Fragenden steht. Nicht über den Dingen, sondern ganz nah an unserer Seite.

Gott hat Mitgefühl. Er leidet mit, und auch im größten Leid ist er uns immer noch nahe. Mehr wohl nicht, aber eben auch nicht weniger, und das ist allemal besser als ein Gott, der über allen Dingen steht. Unser Gott ist ein Gott bei uns und für uns. Und weil wir Gottes Ebenbilder sind, haben wir unser Mitgefühl von ihm geerbt. Sein Mitgefühl und Mitleiden ist unser Mitgefühl und Mitleiden in dieser Welt.

Gott weint mit den Weinenden wie wir. Darum sind wir nicht verlassen. Darum helfen wir anderen. Und wir glauben, dass Gott am Ende alles zum Guten wenden wird. Wir glauben, dass Gott mit uns durch diese Welt geht, durch die traurigen und verzweifelten Zeiten, aber eben auch durch die schönen und schöpferischen Momente.
Mit Jesus Christus leben heißt bewusst leben und Freude und Leiden wahrzunehmen und mitzuerleben, heißt Mitgefühl zu empfinden.

In diesen Tagen weinen wir mit den Weinenden. Aber wir lassen uns nicht verbittern und entmutigen. Wir freuen uns über die Hilfe, die jetzt geschieht. Wir freuen uns mit jedem Menschen, der wie durch ein Wunder doch noch gerettet wird. Wir glauben, dass Jesus nahe ist und Gott die Welt erlösen wird. Und wir glauben, dass nichts und niemand bei Gott verloren geht. Niemals. 

In diesem Glauben können wir weinen mit den Weinenden, aber auch lachen mit den Lachenden. Wir leben unser Leben mit Spannungen und Widersprüchen, wir erleben Geburten und Beerdigungen, Hoffnung und Trauer. Eine Spannung, die Jesus Christus mit uns geteilt hat. Gott gibt uns den Mut, durch das Leben zu gehen und Kraft, das Leben zu gestalten. Und Gestaltung meint in diesen Tagen Mitgefühl und Solidarität.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

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