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Das ganze Leben ist Gottesdienst Drucken
Von Lars Kunkel (20.01.2010)

Ein Glaube ohne Opfer - Predigt zu Römer 12,1-3

kirche02.jpgSeit Anfang des Jahres zeigt die Frauenzeitschrift „Brigitte“ keine Magermodels mehr. Stattdessen werden dort Mode und Frisuren jetzt von Frauen präsentiert, die mitten im Leben stehen. Zwar wird auch bei ihnen hier und da ein wenig mit dem Computer retuschiert, doch soll es darum gehen, Frauen und Mädchen keine falschen Vorbilder mehr zu zeigen. Damit verbunden ist auch eine Kritik an dem Schlankheitswahn der Modeindustrie, der Millionen von Frauen und Mädchen einredet, dass ihr ganz normaler Körper immer noch zu dick ist.

Durch solche falschen Vorbilder wird der Körper fast zu Tode gehungert, der Leib geopfert auf dem Altar der Eitelkeiten und der Sehnsucht nach Anerkennung. Die Rituale auf den Laufstegen, die Verehrung von Spitzenmodels, der Verkündigungsanspruch der Modepäpste und die Fangemeinde tragen Züge einer barbarischen Religion. Die Modeindustrie ist nur ein Beispiel einer Welt, die trotz aller Aufgeklärtheit ihre Opfer verlangt. Es gibt viele andere: Um die Leistungsfähigkeit in Beruf oder Ausbildung zu steigern, greifen immer mehr ganz normale Durchschnittsmenschen zu Psychopharmaka. Stress und Leistungsdruck gehen an die Nieren, in die Knochen oder ans Herz.

Der Leib wird geopfert, um erfolgreich sein zu können oder wenigstens mithalten zu können. Alle diese Opfer haben gemeinsam, dass sie dem Leben etwas Gutes abringen wollen: mehr Sinn, mehr Erfolg, mehr Anerkennung, mehr Liebe. Doch der Preis ist hoch.

Auch der Apostel Paulus redet heute vom Opfern des Leibes. Doch dieses Opfer ist lebendig, es bleibt am Leben. Darin unterscheidet es sich von den angesprochenen modernen Opferriten, grenzt sich aber auch von allen anderen Menschenopfern ab.

Kein Mensch darf um Gottes Willen geopfert werden oder sich selbst aufopfern. Das muss man sich gut merken. Denn auch in der Kirche gab es Zeiten, in denen es als Ideal galt, dass ein Mensch sich aus seinem christlichen Glauben heraus aufopfern sollte. Es galt als christliche Tugend, die eigenen Wünsche und Lebensziele zu opfern. Von den Menschen forderte man Selbstaufopferung und Selbstaufgabe. Aber auch selbst gönnte man sich wenig an eigenen Wünschen und Willen. Und das hat sich lange in den Köpfen und Herzen der Menschen festgesetzt. Vor allem Frauen haben ihr eigenes Leben oft für die Pflege von Angehörigen oder die Ansprüche des Mannes oder der Familie geopfert.

Das Opfer, von dem Paulus spricht, hat hingegen nichts Selbstzerstörerisches. Ein lebendiges Opfer zu erbringen ist der Aufruf, uns mit unserer ganzen Person,  mit Haut und Haar Gott hinzugeben. Unser ganzes Leben, unsere ganze Person Gott sozusagen zu weihen, ohne uns jedoch dabei zu verlieren und selbst aufzugeben.

Im Hintergrund steht dabei die Frage,  worauf wir unsere Lebensenergie aufwenden und auf welches Ziel hin wir leben. Im Grund ist diese Frage eigentlich sogar schon entschieden, wir müssen jedoch hin und wieder daran erinnert werden - freundlich erinnert werden, dass wir getauft sind und unser Leben längst eine Richtung hat.

Hier wird ein Bezug zu Kapitel 6 des Römerbriefes deutlich, in dem Paulus von der Taufe spricht. Durch die Taufe werden wir zu neuen Menschen, die jetzt ganz mit Christus verbunden sind. Damit ändert sich unsere Lebensorientierung. Durch Gottes Heiligen Geist, den wir in der Taufe geschenkt bekommen, werden wir zu neuen Menschen, und das ist kein innerlicher Vorgang, sondern etwas, das unser Leben wirklich spürbar verändert. 
Denn es macht ja wenig Sinn, die Taufe einfach über sich ergehen zu lassen, ohne (später) danach zu fragen, was es bedeutet, zu Christus zu gehören. Und manchmal müssen wir eben daran erinnert werden, was Gott uns schenkt an Leben und Liebe, damit wir unser Leben wieder neu ausrichten können.

Das Ziel dieser Hingabe mit Leib und Seele wird nun durch einen zweiten Begriff näher erklärt, der auf den ersten Blick auch etwas seltsam klingt: Die Hingabe beschreibt Paulus als „vernünftigen Gottesdienst“.

Gemeint ist mit diesem etwas sperrigen Begriff ein Gottesdienst, der ein Gottes-Dienst im wahrsten Sinne des Wortes, der „Sinn-voll“ ist und bedeutet: sich von Gott dienen zu lassen und ihm zu dienen, in Kontakt mit dem Heiligen zu kommen und damit etwas Neues zu entdecken. Vernünftig ist das nur, wenn sich dieser Gottesdienst durch das ganze Leben zieht.

Es gibt auch unvernünftige Gottesdienste, in denen Glaube und Leben auseinander fallen. Dafür möchte ich zwei Beispiele nennen:
Ich kann mich noch gut an einen Freund erinnern, der in einem kleinen Dorf aufwuchs. Der Glaube lag ihm eigentlich sehr am Herzen, und doch hatte er später für viele Christen nur Verachtung übrig. Seine Kritik war: „Am Sonntag gehen sie in die Kirche und beten, bitten um Vergebung und hören fromme Worte. Die übrige Zeit betrügen und lügen sie, wie es nur geht.“ 
So soll es nun gerade nicht sein. Eine Abspaltung des Gottesdienstes vom übrigen Leben bringt den Gottesdienst in Verruf, ist heuchlerisch und macht den Gottesdienst und den Glauben sinnlos. Denn wenn mich das, was ich im Gottesdienst erfahre, wirklich berührt und mich wirklich persönlich angeht, wird dies auch mein Handeln und meine Haltung zum Leben außerhalb des Kirchgebäudes bestimmen. Glauben und Handeln gehören zusammen.

Die Verbindung von Gottesdienst und Leben zeigt sich aber auch darin, dass der Gottesdienstbesuch ein Teil des christlichen Lebens ist.
Ich treffe hin und wieder Menschen, die meinen, dass man nicht dauernd in die Kirche rennen muss, um ein guter Christ zu sein. Man kann kaum anders, als dem zuzustimmen und müsste doch nachfragen, was einen guten Christen eigentlich ausmacht.
Ob diese Menschen sich im Alltag wohl ganz besonders vorbildlich verhalten und so viel Kraft aus ihrem einsamen Glauben schöpfen, dass sie die Besinnung und den Austausch mit anderen Christen nicht nötig haben? Um mir das vorzustellen, reicht meine Phantasie nicht aus.

Paulus erinnert uns daran, dass Glauben und Handeln zusammengehören. Dass der Gottesdienstbesuch am Sonntag Gottesdienst ist und das christliche Handeln im Alltag ebenso Gottesdienst ist. Paulus nennt es vernünftig, den Besuch des Gottesdienstes in der Kirche - mit seiner Spiritualität, seinen Gebeten und der Besinnung in der Gemeinschaft  - im Alltag fortzusetzen und eine Balance zu finden zwischen dem Gottesdienst am Sonntag und dem Leben als Gottesdienst.
Wie könnte das aussehen?
Der Gottesdienstbesuch schenkt uns eine Stunde, in der wir innehalten und unser Leben vor Gott stellen. Eine Zeit, in der wir auf andere Gedanken kommen und motiviert werden, uns nicht der Welt gleich zu stellen. Nicht etwa, weil wir uns für etwas Besseres halten. Paulus mahnt hier eher zu einer realistischen Selbsteinschätzung. In dieser einen Stunde am Sonntag erleben wir, was Gnade und Barmherzigkeit bedeuten. Für manche mag das nach Untätigkeit klingen, doch das Gegenteil ist der Fall.
In dieser Stunde sammeln wir Kraft und werden daran erinnert, dass wir aus Gottes Liebe leben und unser Leben sinnvoll und wertvoll ist. Und diese wunderbare Erfahrung nehmen wir mit in den Alltag und sehen ganz anders auf unser Leben. Wir tun nicht mehr das, was man eben tut und denken nicht mehr das, was man eben denken muss. Wir setzen uns nicht mehr der Welt gleich, unter der wir viel zu oft selbst leiden. Wir werden vernünftig.
Die Vernunft hilft uns, zu prüfen, was wirklich dem Leben dient. In unserem Alltag sind wir gefordert, für das Leben und die Menschlichkeit einzutreten. Ich denke an das Beispiel vom Anfang, wo es darum ging, sich einem Schönheitsdiktat zu unterwerfen. Wenn wir durch Gottes Wort im Gottesdienst hören, dass Gott uns wunderbar schön geschaffen hat, dann müssen wir das auch unseren Kindern weitersagen und vorleben. Dann müssen wir dafür eintreten, dass jeder Mensch einzigartig ist. Wenn wir im Gottesdienst eine Gemeinschaft erfahren, dann geht es im Alltag darum, diese Gemeinschaft auch fortzusetzen. Die Fähigkeiten und Gaben im anderen zu entdecken und zu erkennen, dass jemand anders sein kann als ich und trotzdem genauso wertvoll und wichtig.
Und eine christliche Ethik zu leben, die der Frage auf den Grund geht, was dem Leben dient, ohne sich in kleinlichen Moralforderungen zu verlieren. Dann werden wir für andere Menschen da sein, ohne uns selbst aufzuopfern. Wir brauchen Gott nicht mehr gnädig zu stimmen. Wir müssen uns nicht selbst aufgeben, um etwas wert zu sein und uns zufrieden ins Gesicht sehen zu können. Die Hingabe mit Haut und Haar an den Gott, der uns liebt und an die Menschen, die uns brauchen, zerstört uns nicht, sondern lässt uns leben. Voller Freude und Dankbarkeit und doch für andere Menschen. Das ganze Leben als Gottesdienst lässt uns zu Menschen werden, die aufrichtig und ehrlich leben und glauben.

Paulus erinnert uns sehr ernst: „Stellt Euch nicht der Welt gleich!“ Oft genug werden werden wir daran scheitern.  Glaube und Leben wird bei uns immer wieder auseinanderfallen. Doch Gott sei Dank hängt daran nicht unter Heil, sondern an Gottes Barmherzigkeit. Einer Barmherzigkeit, die wir im Gottesdienst erfahren, weil Gott uns dient. Einer Barmherzigkeit, aus der heraus wir voller Freude und Dankbarkeit Gott dienen und den Menschen. 
Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

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