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Der Wirt, der nicht "Nein" sagen konnte Drucken
Von Lars Kunkel (25.12.2009)

krippenbild_mit_text.jpgWeihnachtspredigt

Die Heilige Nacht erzählt uns davon, dass Gottes Sohn in diese Welt einzieht. Doch bis es soweit ist, dass er wirklich bei uns wohnen kann, sind einige Hindernisse zu überwinden. Davon erzählt eine wunderbare und wahre Geschichte, die sich vor einigen Jahren zugetragen hat.
Mit einer Gruppe von Kindern wurde ein Krippenspiel für den Heiligen Abend eingeübt. Schon die Proben waren zauberhaft. Die Engel waren in schöne weiße Gewänder gehüllt und sangen glockenhell ihr „Friede sei mit Euch.“ Die Hirtenkinder spielten mit kindlichem Ernst die bärbeißigen Gesellen draußen auf dem Felde. Maria und Joseph waren stolz auf ihre Hauptrolle und füllten sie mit frohem Herzen aus. Es wäre sicher ein ganz normales Krippenspiel geworden, wenn der Junge, der den ersten Wirt spielen sollte, nicht  ausgerechnet am Heiligen Abend vom Heiligen Geist ergriffen worden wäre.

Anders kann ich mir bis heute nicht erklären, was dann passierte. Wir hatten seinen kleinen Auftritt gut geprobt.  Er sollte Maria und Joseph abweisen wie der zweite Wirt auch. Erst der dritte Wirt sollte dann den Stall anbieten.
Wir hatten dem ersten Wirt genau erklärt, wie er diesen unfreundlichen, hektischen und geldliebenden Herbergsvater spielen sollte.
Joseph sollte zunächst sagen: „Meine Frau ist schwanger und bekommt bald ihr Kind. Hast du noch einen Raum für uns.“ Und der erste Wirt sollte antworten:  „Nein, da könnte ja jeder kommen!“ Nur ein Satz.

Endlich kam der Heilige Abend. Die Kirche war gut gefüllt. Das Krippenspiel begann hoffnungsvoll, auch wenn der Pfarrer und die Darsteller wie immer ziemlich aufgeregt waren. Aber daran kann es nicht gelegen haben. Maria und Joseph zogen in die Kirche ein. Joseph mit dem sorgenvollen Gesicht eines Mannes, der für jemand anderen verantwortlich ist, ein Mensch, der es gut meint und sich bemüht und der doch auch überfordert und hilflos ist. Ich glaube, so mancher Mann konnte sich an diesem Abend in ihm wiederfinden. Maria spielte sehr überzeugend diese junge Frau, die am Ende ihrer Kräfte ist. Ganz nach Plan gingen die beiden auf das erste Wirtshaus zu.

Joseph sagte seinen Satz, und in seiner Frage lag so viel Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit. Unser erster Wirt  hätte jetzt nur seinen einen Satz sagen müssen.
Aber er schaute Joseph nur an, musterte ihn ganz genau und wurde blass. Er sagte – nichts -, wir alle hielten den Atem an. Wenigstens ein „Nein“, das hätte schon gereicht. Die anderen tuschelten ihm seinen Satz zu. Doch der Wirt starrte das junge Paar an, und ich glaube, für einen Moment hatte er vergessen, dass alles nur ein Spiel war. In diesem Moment sah der kleine Junge die echte Not der Menschen vor ihm. Und er spürte auch, dass mit diesen beiden Menschen Gott mitging. Warum sollte man kein Mitleid haben? Und warum sollte man dem Jesuskind keinen Platz anbieten?  Und so geschah es: Statt des immer wieder eingeübten Satzes krächzte der kleine Wirt  nur: „Ja, es ist noch ein Zimmer frei, kommt halt rein!“ Manch einer hoffte, sich verhört zu haben, aber der kleine Kerl hatte es einfach nicht übers Herz gebracht, die kleine Gottesfamilie abzuweisen.

Mir wird diese Begebenheit immer in Erinnerung bleiben, weil sie anders ist als die übliche Geschichte.  Das Drehbuch der Welt erzählt sonst eher Geschichten der Abweisung, eben genau so, wie der Wirt sich im Krippenspiel normalerweise hätte verhalten müssen. Üblicherweise läuft es so ab: Der Wirt schlägt nach Plan die Tür zu und lässt keinen rein. So geht es eigentlich in der Welt zu.
Dabei müssen alle diese abweisenden Wirte keine bösen Menschen sein, ich glaube, sie könnten einer von uns sein. Bestimmt sogar. Die Gründe dafür, warum der Wirt in den Krippenspielen so abweisend sein muss, hat uns die Weihnachtsgeschichte verschwiegen, aber wir können es uns ja denken. Wir kennen das ja.

Vielleicht ist ihm einfach alles zu viel geworden so wie auch wir oft genug an das Ende unserer Kräfte kommen, gerade jetzt an diesem Abend. Vielleicht war er auch ganz mit sich selbst beschäftigt, hatte Sorgen um die eigene Existenz und nichts übrig an Kraft für andere. Oder er hat sich mit seiner Frau gestritten und war noch so wütend, dass er einfach eine Tür zuschlagen wollte. Indem der Wirt die Tür zuschlägt, bleibt nicht nur der Gottessohn außen vor.

Viel schlimmer ist, dass er sich selbst eine Tür zuschlägt. Offene Türen braucht nicht nur der Gast, sondern auch der Gastgeber. Der bekommt bei geschlossener Tür nichts mit von dem Heil, von der Liebe und dem Glanz, der mit dem Jesuskind verbunden ist. Könnte man den Wirt fragen, warum die Tür oft zubleibt, vielleicht würde er auch antworten:
„Das Drehbuch hat es so verlangt. So ist die Welt nun einmal, und so bin ich eben.“  Wahrscheinlich kann man das dem Wirt nicht einmal vorwerfen.

Doch Gott überlässt uns nicht unserem Unheil und der Dunkelheit. In der Heiligen Nacht übernimmt Gott die Regie und ändert die Geschichte.

Gott will zu uns kommen, und er findet seinen Weg auf ungewöhnliche und überraschende Weise.
Und sei es, dass ein kleiner  Junge in einem Krippenspiel die Tür öffnet, weil er ein barmherziges Herz geschenkt bekommt. Das ist ein Beispiel, ein Zeichen dafür, dass Weihnachten das Beste in uns wecken kann: unsere Menschlichkeit. Nicht nur Gott wird an Weihnachten Mensch, wir werden es auch. Heilig wird diese Nacht, weil sie unser Leben verändern kann. Wir werden zu mitfühlenden Menschen, weil Gott mit uns mitfühlt: unsere Freude, unsere Sehnsucht, unser Leid und unsere Enttäuschungen.  Wir werden zu Menschen, die ihre Ängste und ihre Müdigkeit überwinden und Gott die Tür öffnen.

Wir werden zu Gastgebern Gottes, dem wir es wert sind, bei uns einzuziehen.
Auch in die dunklen Ecken des Herzens, in die engen Kammern unserer Seele, in die Ställe und Strohhütten unseres Handelns. Dieses Wunder der Weihnacht ist das größte Geschenk. Manchmal reicht ein Satz,  um die Welt zu ändern. Ein Satz wie Gottes „Fürchte Dich nicht“. Manchmal reicht ein Wort, wenn ein „Nein“ zu einem „Ja“ wird.

Ich komme noch  einmal zurück zu unserem verunglückten Krippenspiel, das wohl das glücklichste war, dass ich je erlebt habe. Nachdem schon der erste Wirt Maria und Joseph ein schönes Zimmer angeboten hatte, hatten die anderen Wirte keine Aufgabe mehr. Wen sollten sie jetzt noch zurückweisen? Also gingen sie mit zu Maria und Joseph und freuten sich über das Gotteskind. Sie waren irgendwie sogar erleichtert, dass sie sich unbeschwert mitfreuen durften. Die Engel sangen an diesem Abend so schön wie nie zuvor, weil der Friede auf Erden schon begonnen hatte. Die Hirten waren wie immer sprachlos, die Weisen aus dem Morgenland fanden kaum noch einen Platz und waren etwas durcheinander und gaben ihre Geschenke statt dem Jesuskind dem Wirt, der nicht „nein“ sagen konnte.

Der Einfach nicht „nein“ sagen konnte, weil Gott aus ganzer Liebe „ja“ gesagte hatte, zu ihm und zu Dir und zu mir.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


 


 

 

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