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Predigt zu den Seligpreisungen Drucken
Von Lars Kunkel (11.11.2009)

Wer wäre nicht gerne selig? Auch ohne ganz genau zu wissen, was dieses Wort „selig“ bedeutet.  Jeder ahnt, dass selig zu sein etwas sehr Schönes ein muss. Ein seliges Lächeln, ein seliges Schläfchen, mit „Selig sein“ verbinden wir tiefes Glück, Ruhe, Geborgenheit. Jeder wäre gerne selig, aber wie schafft man das? Vielleicht mit den Seligpreisungen?
Wir sind es so gewohnt, in den Bestsellerlisten Bücher zu finden, die Titel tragen wie „Die Anleitung zum Glücklichsein“ oder „Die 10 Wege zum Glück“, dass uns die Seligpreisungen auch erscheinen wie ein Rezept zur Seligkeit, zur Glückseligkeit. Du musst barmherzig sein, dann wirst Du selig. Du musst sanftmütig sein, dann wirst Du selig, Du musst Leid tragen, dann wirst du selig. So verstanden wären die Seligpreisungen ein Katalog von Ratschlägen auf dem Weg zur Seligkeit, den wir nur noch erfüllen müssen. Nur noch?

Gerade dieses ewige „Müssen“ ist so unselig, denn darunter leiden wir doch alle. Der Tag fängt morgens schon an mit Überlegungen, was wir alles tun müssen. Achten sie einmal darauf, wie oft Sie einen Satz oder Gedanken mit „Ich muss noch …“ beginnen.

Was muss ich tun, um einen gnädigen Gott zu finden? Vor dieser Frage stand Martin Luther zu Beginn seines Wirkens als Reformator.
Und die Antwort darauf ist die große Wende in Luthers Leben und der Beginn der Reformation. Luther gewinnt durch genaues Lesen der Bibel die Erkenntnis: Es kommt nicht auf uns an, auf unser Tun und Müssen. Gott nimmt uns an aus reiner Gnade. Er schenkt uns seine Liebe. Er schenkt uns alles; etwa auch die Seligkeit?
Wenn man die Seligpreisungen genau liest und darüber nachdenkt, merkt man bald, dass wir sie als Anleitung zum Seligwerden missverstanden hätten. Manchmal machen uns die drückenden Alltagserfahrungen blind für das Evangelium Gottes. Doch die gute Nachricht Gottes sagt ja nicht, was alle Welt ohnehin schon weiß, sondern schafft etwas Neues, das Gott sei Dank ganz anders ist.
Im Matthäusevangelium steht nicht, „Selig bist du, WENN du dies und das tust.“ Dort steht: „Selig SIND, die so und so sind.“ Statt einer Zumutung, liegt in den Seligpreisungen ein Zuspruch. Darum heißen sie ja auch Seligpreisungen, weil Menschen als selig gepriesen werden, die sanftmütig sind, die barmherzig sind oder Leid tragen.
Die erste und damit wichtigste Seligpreisung ist: Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich. Gemeint ist damit weder, dass wir dumm sind, noch dass wir keinen Glauben hätten. Aber in Wirklichkeit sind wir alle tief im Innersten geistlich arm, weil wir vor Gott nichts haben, was wir vorweisen könnten. Gott allein ist Gott und der Mensch sein Geschöpf.


Wir können etwas über Gott erfahren, unser Glaube kann sogar wachsen, und doch stehen wir vor Gott immer mit leeren Händen da. Was wir haben oder sind, kommt in Wirklichkeit allein von ihm. Es ist vielleicht sogar gerade die wichtigste Erkenntnis des tiefsten Glaubens, dass wir immer geistlich arm sind, immer auf dem Weg und immer Empfangende. „Wir sind Bettler. Das ist wahr!“. Diese Worte stammen von Martin Luther und sind als seine Lebensbilanz auf dem Sterbebett überliefert. Wir sind Bettler vor Gott.
Wir sind  geistlich arm. Und das preist Jesus als selig. Den seligen geistlichen Armen gehört das Himmelreich. Nur geistlich Arme haben offene Herzen für das Himmelreich, weil sie sich etwas schenken lassen können. Weil sie auf der Suche sind und noch auf etwas hoffen, was über dieses unselige „Du muss dies und das tun, um glücklich zu werden“ hinausgeht. Die geistlich Armen sind noch offen für das Himmelreich, weil sie sich danach sehnen und sie nichts anderes ablenkt.
Die weiteren Seligpreisungen sind nähere Ausführungen und beschreiben noch konkreter, wie die Menschen sind, denen das Himmelreich gehört. Selig sind Menschen, die Leid tragen. Niemand wird durch Leid selig. Niemand soll leiden, um selig zu werden. Aber ich frage Sie: Gibt es einen unter Ihnen, der kein Leid trägt? Der nicht gerade jetzt an einen Menschen denkt, der leidet? Der nicht selbst an etwas leidet? Selig sind Sie. Und Sie sollen getröstet werden. Indem Gott da ist, indem Leid mitgeteilt und so geteilt wird.
Trost meint ja nicht die Abwesenheit von Leid, sondern das Gefühl, auch im Leid geborgen und gehalten zu sein.
Sanftmut, Friedfertigkeit, Gerechtigkeitssinn, Barmherzigkeit: Jeder hat wohl andere Eigenschaften. Man muss nicht sechs oder sieben Mal selig gepriesen werden und sich deshalb in jeder Seligpreisung wiederfinden. Eine reicht.
Jesus verbindet die Seligpreisungen mit einer Verheißung, die nicht nur als Paar der jeweiligen Eigenschaft zugeordnet werden kann, sondern in der Summe auch eine Beschreibung des Himmelreiches sind. Dass Leidtragende getröstet werden, Sanftmütige die Erde besitzen und der Hunger nach Gerechtigkeit gestillt wird, ist eine sehr schöne Beschreibung dessen, was das Reich Gottes ist. Vollendet wird dies durch Gott selbst, aber auch jetzt schon ist etwas davon da. Weil Gott uns seligpreist, weil Seligkeit von Gott kommt. Nichts anderes meinen die Seligpreisungen. Und das ist auch die grundlegende Erkenntnis der Reformation.

Daher ist es ein großes Missverständnis, wenn wir meinen, dass die Reformationen oder die Reformen in der heutigen Zeit seligmachend sind. Dies gilt auch und gerade für Reformen in der Kirche. Schon seit Jahren stehen wir in einem umfassenden Veränderungsprozess. Die Bevölkerungszahl sinkt drastisch, die Kirche wird kleiner. Und auch die Anforderungen an eine moderne Kirche haben sich verändert.
Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass alle Menschen zur Kirche gehen und zur Gemeinde gehören. Längst ist nicht mehr jedem klar, welche Bedeutung der Glaube für unser Leben hat. Reformen sind also nötig, daran zweifelt kaum noch jemand. Wir müssen etwas tun. Doch manch einer erliegt der Versuchung, den christlichen Glauben in eine moralische Ecke zu schieben. So könnte man auch die Seligpreisungen leicht umdeuten als eine Art Verhaltenskodex. Sehr einfach könnte man so dem Wunsch vieler Menschen nach Orientierung entsprechen.
Der heutige Predigttext erinnert uns daran, dass allein Gott Seligkeit schenkt, und zwar allen voran denen, die geistlich arm sind. Und diese Seligkeit ist ein wunderbares, unvorstellbar schönes Geschenk. Und wer selig ist, wer fröhlich und hoffnungsvoll ist, wer Visionen hat und an die Zukunft glaubt, der wird Reformen vornehmen und dabei andere Veränderungen anstoßen als der, der aus Angst und Zaghaftigkeit meint, etwas ändern zu müssen.

Seligkeit bleibt nicht folgenlos. Mit seligem Lächeln selig schlafen ist keine christliche Haltung. Seligkeit ist wie ein Kraftstrom, der Mut und Glauben freisetzt, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.
Seligkeit ist ein Zipfel vom Himmelreich in uns.
AMEN.

 

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