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Wer wagt, gewinnt! Drucken
Von Lars Kunkel (11.11.2009)

Predigt über die Ehe

Ein junges Paar ist gerade aus der geschmückten Limousine ausgestiegen. Die Braut im schönsten Kleid, der Bräutigam stolz und aufgeregt zugleich. Wie ein Königspaar ziehen sie in die Kirche ein, die Orgel spielt, die Gäste staunen. Wenig  später steht das Brautpaar im Altarraum, die Liebenden reichen sich die rechte Hand, auf die der Pfarrer die seine legt und dann spricht: „Was Gott der Herr zusammengefügt hat, das soll der Mensch  nicht wieder scheiden.“
In diesem Moment wird es ernst. Vorher haben sie einige Bibelstellen gehört und versucht, trotz der Aufregung einigermaßen zu singen. Mit betont kraftvollem „Ja“ haben sie sich das Eheversprechen gegeben. Doch jetzt, in diesem Moment, in dem sie Hand in Hand den Lebensbund schließen, spüren sie die ganze Tragweite des Geschehens. Ihre Ehe soll lebenslänglich bestehen bleiben. Gott hat sie zusammengefügt, der Mensch soll daran nichts mehr rütteln.

Der Bund der Ehe ist keine Laune, keine wohlwollende Absichtserklärung. Es geht  um einen Bund, an dem Gott beteiligt ist. Schleicht sich da für einen kurzen Moment ein kleiner Schatten in den Blick der Liebenden? Oder hat da irgendjemand unter den anwesenden Gästen gerade überschlagen, ob die Ehe der beiden da vorne zu den 40% gehören wird, die früher oder später geschieden wird?

Szenenwechsel

Wir befinden uns in Judäa jenseits des Jordans. Das Volk ist in Scharen zusammengelaufen, um Jesu Lehren zu hören, die immer mehr Anhänger finden. Plötzlich steht ein Thema im Raum, das ganz offensichtlich von großem Interesse ist: „Darf ein Mann sich von seiner Frau scheiden lassen?“.  Wir kennen die Scheidungsrate der damaligen Zeit nicht. Doch klar war jedem, dass es sogar ziemlich einfach war, sich scheiden zu lassen. Alle wussten damals, dass die Frau mit einem Scheidebrief vom Mann entlassen werden durfte,  wenn dieser etwas Schandbares an ihr fand, und das wurde manchmal recht großzügig ausgelegt.  Im wörtlichen Sinne des Gesetzes darf man sich also scheiden lassen.

Für Jesus ist die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen, nicht der Normalfall, sondern der Härte des Herzens geschuldet. Wir Menschen sind nicht perfekt, sondern oft schwach. Was wir uns vorgenommen haben, gelingt uns nicht immer. Das ist in allen Lebensbereichen so, auch in der Ehe.

Es gibt sicher viele Gründe, warum des Menschen Herz in einer Ehe hart und kalt wird. Ehen werden ja fast immer in bester Absicht, also mit einem weichen und warmen Herzen geschlossen. Aber manchmal sind Menschen noch nicht wirklich reif für eine feste Bindung. Manchmal zerbricht etwas im Laufe der Jahre. Es kommt auch vor, dass einer sich weiter entwickelt und der andere nicht, und so die gemeinsame Basis verloren geht.
Ein anderes Mal hat einer so mit sich selbst zu tun, dass er den anderen aus dem Blick verliert. Und oft werden die persönlichen Probleme und Verletzungen, die man schon mit in die Ehe einbringt, im Laufe der Zeit am anderen abgearbeitet. Und manchmal heiraten auch Menschen, die im Grunde nicht zu einer Beziehung fähig sind.
Es gibt einfach Ehen, die unerträglich werden, trotz allem redlichen Bemühen. Und dafür muss es einen Ausweg geben. Man darf sich also scheiden lassen.
Klar, dass die Möglichkeit der Scheidung auch schon immer ausgenutzt wurde. Dass vor allem Männer ihre Frauen aus nichtigen Gründen verlassen haben, weil sie ihrer überdrüssig geworden sind. Doch aus dem Ausweg „Scheidung“ soll kein Königsweg werden.
 
Jesus geht es nicht darum, eine juristische Diskussion zu führen, was erlaubt und was verboten ist. Jesus geht es um den inneren Sinn der Ehe, und den findet er in der Schöpfungsordnung. Der Mensch ist das Ebenbild Gottes und von Anfang an auf Gemeinschaft angelegt. Mann und Frau sind beide ein Abbild Gottes, sie haben die gleiche Würde und den gleichen Wert, sie sind zwei gleiche Seiten Gottes und aufeinander bezogen und zueinander hingezogen. Ein Mensch alleine ist einsam und leer und ruhelos. Im Menschen gibt es die Suche nach dem anderen, nach der Freundin und dem Freund, nach der Begleiterin, dem Gegenüber, der Ergänzung und der Vereinigung. So groß ist diese Sehnsucht, dass der Mensch die Eltern verlässt, um mit einem anderen Menschen diese ganz besondere Einheit zu erfahren, die ihn erst vollkommen zum Menschen macht. Ein Fleisch werden, nennt die Bibel diese Vereinigung zweier Menschen im seelischen und körperlichen Sinne. Wo die Sehnsucht im Herzen und die erotische Anziehung ihr Ziel finden, spüren Menschen unendliches Glück.

Doch das Glück ist zerbrechlich. Deshalb braucht die Liebe einen besonderen Schutzraum. Zwei Menschen müssen sich aufeinander verlassen können. Sich beistehen, wenn der andere in Not ist, geduldig sein und auch vergeben können. Auch in der Beziehung zwischen zwei Menschen bleiben wir eben nur Menschen, die Fehler machen, die sich verrennen, die treulos und lieblos, zornig und selbstsüchtig sein können. Darum versprechen Menschen sich, die Ehe in guten und eben auch in bösen Tagen zu führen.

Auch die beste Ehe ist nicht immer der Himmel auf Erden.  Ehe ist Glück, aber Ehe ist auch Arbeit. Sie ist der Raum, in dem zwei Menschen zueinanderstehen, sich auseinandersetzen, sich begleiten und miteinander ringen, sich versöhnen und lieben. Die verbindliche Beziehung von Mann und Frau ist kein Gefängnis, sondern schenkt Freiraum und Weite, weil man etwas hat,  das man sich verlassen kann. Weil man sich in der Ehe einfach mal fallen lassen kann. Weil nicht täglich alles immer neu errungen und erarbeitet werden muss. Davon befreit die Ehe.
 So hat Gott die Schöpfung angelegt und gedacht. Im Blick hatte er dabei natürlich nicht die Ehe im heutigen Sinne. Wo Liebe verantwortungsvoll gelebt wird, ist die Bindung gottgewollt, geliebt und geschützt. Das gilt auch für tiefe Liebesbeziehungen unter gleichgeschlechtlichen Partnern, deren eheähnliche Gemeinschaften oft eher im Verborgenen geführt werden.
Das Besondere an der Ehe im Gegensatz zu einer Freundschaft ist die besondere Verbindlichkeit, weil Menschen sich freiwillig versprechen, beieinander zu bleiben und dafür auch etwas zu tun. Gott will, dass Menschen sich lieben und zueinander finden, denn er ist ein Freund der Liebe.

Szenenwechsel

Wie sind wieder bei dem Paar in der Kirche. Eben haben sie sich die Hände gereicht und gehört: „Was Gott der Herr zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht wieder scheiden.“ Doch es bleibt nicht einfach nur bei diesem Vorsatz. Das Paar kniet nieder und empfängt den Segen Gottes. Das ist wichtig, denn wir Menschen brauchen Gottes Beistand und hoffen darauf, dass Gott mit in der Ehe ist. Dass er das Paar in ihrer Absicht stärkt, eine gute Ehe zu führen. Dass er Kraft gibt, für den Schritt aufeinander zu, für die Geduld und Ausdauer, für die Vergebung und die Liebe. Und wer weiß, vielleicht gehört dieses Paar nicht zu den 40%, die sich scheiden lassen, sondern zu den immerhin restlichen 60%, deren Ehe Bestand hat. Bestimmt wird auch dieses Paar Krisen erleben. Hoffentlich wird es dann kämpfen und den anderen nicht wegwerfen wie einen alten Lappen. Hoffentlich wird es sich daran erinnern, was es alles Gutes erlebt hat und wie viel sie schon gemeinsam erfahren haben. Bestimmt wird das Paar erleben, dass ihre Ehe sich verändert. Die Ehe ist kein Hollywoodfilm, in dem die Paare immer attraktiv und charmant sind. Vielleicht spüren sie aber immer noch etwas von dem Feuer, dass sie einst zueinander geführt hat. Und vielleicht merken sie auch, dass ihre Liebe sich verändert. Vielleicht müssen sie sich auch einiges verzeihen und vergeben. Gott wird ihnen beistehen.

Auch dann, wenn es anders kommt und ihre Ehe zerbricht. Unser Glaube misst sich nicht an unseren Erfolgen, sondern an dem Maß, mit dem wir auf Gottes Vergebung vertrauen können. „Gott schützt die Liebenden“, heißt es bei Simmel so schön pathetisch kitschig. „Gott ist bei denen, die zerbrochenen Herzens sind“, sagt die Bibel und trifft damit viel eher das, was wir wirklich brauchen. Und trotzdem! Mag sein, dass die Ehe und jede andere verbindliche Liebesbeziehung ein Risiko ist. Aber wer liebt, wagt etwas, und wer wagt, gewinnt.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN!

 

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