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Segnen statt Sündigen ? (Predigt) Drucken
Gottesdienst - Predigten
Von Lars Kunkel (09.07.2006)

1. Pertus 3,8ff // 4. Sonntag n. Trin. // 9. Juli 2006

Auferstehungskirche Bad Oeynhausen

 

lichstpur 

"Eine jeder trage die Last des anderen, so werdet Ihr das Gesetzt Christi erfüllen". Diese Worte aus dem Galaterbrief mahnen zu Geschwisterlichkeit und Solidarität. "Segnen statt Sündigen!" könnte daher die Überschrift über den 4. Sonntag nach Trinitatis sein. Aber greift diese These nicht zu kurz? In dieser Predigt erfahren Sie mehr.

Predigttext: Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. 9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt. 10 Denn «wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. 11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. 12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun» (Psalm 34,13-17). 13 Und wer ist's, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? 14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; 15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen

 

Liebe Gemeinde.

 

 

„Segnen statt Sündigen“. Hätten es zur Zeit der ersten Christen eine Zeitung gegeben mit einer Meldung zum Predigtext auf Seite 1, das wäre die Überschrift gewesen. „Segnen statt Sündigen“ und darunter die Zeile: „Christen müssen sich entscheiden!“

 

 

Neugierig geworden hätte ich ein Exemplar gekauft und dann den Anreißer auf der Titelseite weiter gelesen. „Segnen ist besser als Böses tun. Petrus fordert: Seid brüderlich. Neue Belege aus dem Alten Testament beweisen These: Wer gute Tage sehen will, soll Gutes tun.“ Ich blättere weiter und lese die ganze Meldung auf Seite drei. Hier gibt es einige Hintergrundinfos: Aha, Petrus richtet seine Worte an eine Gemeinde, die unter Verfolgung leidet. Im Zusammenhang mit diesen Bedrohungen scheinen einige Christen sich mit Worten und Taten zu wehren. Das scheint dem „Herrn Petrus“ nicht zu gefallen. Vor allem beklagt er aber, dass das Klima in der Gemeinde durch den Druck von außen langsam vergiftet werde. Die Brüder und Schwestern seien unbarmherzig geworden, mitleidslos und hochmütig. Es ist ein raues Klima entstanden, in dem es sich nicht mehr gut leben lässt. Wir Christen hier und heute leben in einer anderen Situation. Wir dürfen unsere Religion frei leben. Wenn wir unbarmherzig werden und mitleidlos, dann hat das andere Gründe. Das Prinzip ist jedoch damals wie heute gleich. Wenn Menschen sich unter Druck gesetzt fühlen, kehrt das ihre schlechten Seiten hervor.

 

Segnen oder Sündigen! Ich will Ihnen ein paar Beispiele nennen. Die Kirche kämpft in der heutigen Gesellschaft gegen ihren Relevanzverlust an. Wir treffen auf Leute, die fragen, warum es die Kirche gibt und was der Glaube bringen soll. Ein Segen wäre es, mit diesen Menschen zu reden und geduldig auf sie einzugehen. Doch manch einen Christen setzt diese Frage so unter Druck, dass er solche Menschen abwertet, weil er sich persönlich beleidigt fühlt. Das ist unbarmherzig. Das ist eine Sünde. Oder denken Sie an die Spardiskussion in der Kirche. Jetzt wo alle vom Sparen in der Kirche reden, geraten manche ebenfalls sehr unter Druck. Da müssen wir schwer aufpassen, dass wir nicht unsolidarisch werden. Dass wir nichts Schlechtes über andere Personen, Gemeinde und Aufgabengebiete reden, damit dort zuerst gespart wird. Dass wir nicht Aufgaben oder Tätigkeiten in der Gemeinde, die vorerst nicht so erfolgreich sind, einfach streichen. Und dass wir selbst nicht in Verbitterung oder Mutlosigkeit verfallen. Auch das ist Sünde. Ein Segen wäre es, fröhlich und voller Vertrauen unsere Gemeinde und Kirche zu bauen. Und auch auf der persönlichen Ebene gibt es diesen Mechanismus, der uns Scheltworte und böse ungeschwisterliche Sätze sagen lässt.

 

un-erreichtWer das Gefühl hat, unterdrückt zu werden, wird leicht aggressiv gegen andere. Wer seinen Ärger runterschlucken muss, sucht sich andere Wege, seinem Zorn Lauf zu lassen. Wer andere herabsetzt, fühlt sich oft selbst klein gemacht und wertlos. Wer zynisch wird, ist oft verzweifelt und fühlt sich ohnmächtig. Und wer über andere herzieht, hat oft selbst das Gefühl, zu kurz zu kommen und nicht genug beachtet zu werden. Auch das ist Sünde. Ein Segen wäre es, aus der Fülle zu leben und barmherzig zu sein. Segnen statt Sündigen! Wie geht das aber nun?

 

In dem Petrusartikel mit der Schlagzeile „Segnen statt sündigen“ lese ich weiter: „Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge.“ Dieser Satz klingt nach einem Patentrezept. Es klingt auf den ersten Blick bestechend zu sagen: das Klima verändert sich, wenn ich nicht über Andere herziehen, sondern vielmehr das Gute eines Menschen herausstellen. Wer Gutes säht, wird Gutes ernten, keine Frage. Und trotzdem gefällt mir diese Überschrift „Segnen statt Sündigen“ immer weniger. Dieser Satz baut neuen Druck auf. Ich soll immer gut und richtig sein, aber wie soll ich das machen? Daran muss ich doch scheitern. Ich kann mich doch im Leben nicht wirklich selbst entscheiden, ob ich A oder B wähle, Sünder oder ein Segen bin. Und selbst wenn ich es schaffen würde, immer das Gute zu tun, wäre das nicht selbstgerecht. In dem Bericht über die Aussagen von Herrn Petrus finde ich viel zu viel Werkgerechtigkeit.

 

„Sündigen statt Segnen.“ Das Thema ist spannend, denn wer wünscht sich nicht, ein Segen zu sein. Eine Lösung habe ich in dem Zeitungsartikel aber nicht gefunden. Nachdenklich lasse ich meinen Blick über meine Zeitung auf dem ersten christlichen Jahrhundert wandern und lese dort unter „Vermischtes“ einen kleinen Artikel über eine Taufe. Ein kleines Kind wurde dort getauft mit der Taufe zu Vergebung der Sünde. Das klingt schon ganz anders: Sünden schaffe nicht ich ab, Sünde wird vergeben. Warum sind die guten Nachrichten in den Zeitungen immer so versteckt und klein? In der Bibel stehen sie ganz groß. In der Taufe erfahren wir das große Ja Gottes zu uns. In der Taufe wird dieser Kreislauf aus „ich bin klein und mache andere klein“, aus „ich fühle mich ungeliebt und zeige andere mal, wie stark ich bin“ durchbrochen. Ganz aktuell können wir das heute in diesem Gottesdienst erleben, in dem wir ein Kind taufen. Sein Taufspruch aus Psalm 23, Vers 6 lautet: Gutes und Barmherzigkeit werden mit folgen mein Leben lang und ich werden bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

 

Damit habt Ihr, liebe Eltern, einen wirklich mutigen Taufspruch voller Zuversicht und Hoffnung ausgewählt. Wer sich Gott ganz anvertraut, der bekommt von ihm einiges geschenkt. Gott nimmt uns so an, wie wir sind. Mit unseren Stärken und dem, was uns von anderen positiv unterscheidet, aber auch mit unseren Schwäche und Fehlern. Eltern können gut begreifen, was es bedeutet, ein Kind wirklich zu kennen, es so zu sehen, wie es ist, uns damit unendlich zu liebe. Ganz genau so sieht Gott uns an. Er kennt uns mit allem, was uns ausmacht und er sagt zu uns: Genauso so, wie ihr seid, seid ihr richtig und von mir geliebt. Gutes und Barmherzigkeit werden mit folgen mein Leben lang. In diesem Satz liegt die Zuversicht, dass von dem, der sich von Gott angenommen weiß, Gutes und Barmherziges ausgehen wird. Weil er groß ist, weil er geliebt wird, weil er geborgen ist und weil er vertrauen kann. „Und er wird bleiben im Hause des Herrn“ heißt: Nichts kann ihn von Gott vertreiben. Gottes Zusage bleibt bestehen: Wenn ich Gutes tue und Geschwisterlich bin, und selbst wenn ich Böses tue oder einfach nur Fehler mache. Gott sieht uns gnädig an, ganz egal, wie wir uns selbst ansehen und wie andere uns beurteilen. Gott setzt mich nicht weiter unter Druck, er befreit mich.

 

„Segnen statt Sündigen“. Ich bin mal wieder auf eine typische Überschrift reingefallen, als ich mir diese Zeitung gekauft habe. Denn so simpel sind die Alternativen nicht. Es gibt keine zwei Wege, zwischen denen ich mich entscheiden kann oder muss, den Weg des Guten oder des Bösen. Einerseits bleibe ich immer Sünder, ich werde immer wieder Fehler machen und auf alles mögliche Vertrauen, nur nicht auf Gott. Das kann ich mir frei eingestehen, weil ich vor Gott nichts zu verbergen brauche. Er quält mich nicht mit Forderungen, er schenkt mir Gnade und Liebe. Er sieht mich nicht als Sündern an, sondern als sein geliebtes Kind. Ein Kind braucht den Schutzraum der Liebe, um Fehler zu erkennen und zu bekennen. Kinder, die unter Druck stehen, dürfen keine Fehler machen und versuchen, sie zu vertuschen. So gibt es keine Entwicklung des Kindes zum Guten. Im Schutzraum der Liebe Gottes erkenne ich, wie ich wirklich bin und stehe ganz offen vor Gott. Und indem ich dort so stehe und Gott mich mit seinen Augen ansieht, verändere ich mich wirklich: Ich werde solidarischer, ich werde barmherziger und geduldiger mit mir und den anderen. Ich vergelte nicht mehr Böses mit Bösem und sinne nicht auf Rache. Ja, ich kann vergeben. Ich kann mich annehmen, und ich kann andere annehmen, weil ich selbst angenommen bin.

 

Wer das Leben liebt und gute Tage sehen will, der vertraue auf Gott und lasse sich von ihm alles schenken. Dann wird er sich verändern und damit wir die Welt sich ändern. Ein solcher Mensch wir dann auch zum Segen für andere. Durch ihn hindurch strömt die Kraft Gottes auf andere Menschen. Ein Segen kann ausgesprochen und zusagt werden, ein Segen kann aber auch in unseren Taten liegen. Das betrifft die Eltern, die ihrem Kind Möglichkeiten eröffnen, das betrifft die Lehrenden, die ihren Schülern Horizonte erschließen, das betrifft die Nachbarn, die sich beistehen, die Freunde, die sich helfen, und das betrifft unser Zusammenleben in den Gemeinde und es betrifft mich selbst in meinem Wachstum als Christ zu Christus. Und es betrifft sogar meinen Umgang mit denen, die mir böses Wollen. Mit der Taufe ist der Anfang gemacht. Es liegt an uns und es liegt an Ihnen, liebe Taufeltern, ihrem Sohn den Weg zu weisen zum Leben als Christ. Darin haben Sie ja schon Erfahrung. Der Bruder des Täuflings ist ja schon ein Bibelexperte, vielleicht auch, weil er im Kindergarten regelmäßig zu den Gottesdiensten geht und eine Bibel besitzt, aus der Sie ihm vorlesen. „Segen statt sündigen“, ich lege die Zeitung jetzt weg. Die Nachricht hat sich erledigt und ist alt. Gottes gute Nachricht bleibt aktuell und lebendig. Sünder können zu einem Segen werden. Die Schlagzeile muss so lauten. „Als Sündern segnen.“ Das wäre ein spannender Artikel.

 

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

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