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Das Fenster der Auferstehungskirche Drucken
Von Peter-Michael Voß (08.06.2009)

Predigt Trinitatis 2009  /

_dsc7205.jpgHeute am Trinitatis-Fest soll das große, wunderbare Altarfenster, das Gottfried von Stockhausen vor 63 Jahren mit dem Wiederaufbau unserer Auferstehungskirche geschaffen hat, im Mittelpunkt stehen. Ich erfreue mich jedes Mal daran, wenn ich in die Kirche komme und auf dieses herrliche und erhabene Fenster blicke. Es spricht zu mir, dem Betrachter, es durchatmet den Kirchraum mit seinen Farben, mit seinen Bildern.
Ich möchte den Predigt-Text mit hinein nehmen in die Betrachtung des Fensters. Jesaja wird im Tempel, am Altar, in den Bann Gottes gezogen. Er erfährt Gott als den herrlichen und unfassbaren Gott, der alle seine kleinen menschlichen Vorstellungen und Gedanken zerschlägt. Er erfährt ihn als den, der alle Grenzen und Festlegungen sprengt; als den Unfassbaren und auch Erschreckenden. Aus dem Bericht des Jesaja ist noch das heilige Erschrecken zu spüren, das ihn ergriffen hat. Der Theologe Rudolf Otto sprach 1917 in seinem Buch „Das Heilige“ von dem „tremendum et fascinosum“, dem Zittern und Staunen in der Gottes-Begegnung, der Gottes-Erfahrung. Gott ist nicht nur der „liebe“ Gott. Hier wird die innerste Erschütterung spürbar, die deshalb auch mit dem „Fürchte dich nicht“ verbunden ist. Das hören wir immer wieder aus der Bibel, wo Gott dem Menschen begegnet: „Fürchte dich nicht“.

Von dieser Größe und Erhabenheit Gottes, die alles menschliche Fassungsvermögen übersteigt,
möchte unser Altarfenster erzählen:
Der Erdkreis und der Himmel Gottes, die Güte und Kraft Gottes, die alles umschließt und sein Geist, der alles durchwirkt – das sehe ich in dem Fenster.
Der Erdkreis unten im Fenster – grün.
Der Himmel, der alles zusammenhält  - hellblau.
Der unnahbare geistige Bereich, der Heilige Geist, der Geist Gottes – oberer Halbkreis in gelb-orange.
Und mitten drin, gehalten, von einer Mandorla umschlossen  -  die Auferstehung Christi.
Von einer solchen Hoffnung auf den lebendigen Gott singen auch viele Psalmen.
Wir stimmen deshalb mit der Schola den Psalm zum Osterfest an:
Psalm 118, 24-28 Halleluja

Trotz aller Lebendigkeit und Schönheit der Schöpfung bleibt Gott un-nahbar, heilig. Niemand durfte das Allerheilige des Tempels betreten. Jesaja erfährt die Nähe Gottes und ist bis ins Innerste erschüttert, doch er kann Gott selber nicht schauen.
Ähnliches wird von Mose erzählt: Er möchte auch Gott schauen, doch unmittelbare Gotteserfahrung ist für uns Menschen nicht möglich. „Mein Angesicht kannst du nicht sehen. Kein Mensch wird leben, der mich sieht“, ist Gottes Antwort.
Doch Gott schauen - das bleibt ein tiefes Verlangen des Menschen.
Gott schauen - das möchten auch wir, wenn wir bis zum Hals in einer Lebenskrise stecken.
Dieser Wunsch steigt auf, wenn alles unsicher wird um uns herum, wenn wir von Sinnlosigkeiten bedrängt werden, wenn uns sozusagen Gott zu entschwinden droht und andere fragen: Wo ist denn nun dein Gott?

 Mose, der so fragt,  muss sich in einer Felsspalte verbergen und die Augen abwenden. Unmittelbares Schauen wäre tödlich. Wenn ich Gott in die Augen schaute, - „ich müsste stracks vergehen wie Wachs in Feuershitze“.
Auch wenn uns das direkte Schauen nicht möglich ist, so spricht doch aus den Sätzen, die Mose von Gott erzählt, eine tiefe Glaubenserfahrung: „All meine Güte will ich vor deinem Angesicht vorübergehen lassen. Ich will meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin, dann erst will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir hersehen, denn mein Angesicht selbst kannst du nicht sehen.“
Wir Menschen dürfen das Vorübergehen Gottes in unserem Leben erfahren, aber nicht vorher sehen. Zu schauen gibt es Gottes Güte und Herrlichkeit nur im rückblickenden Hinterherschauen. Erst im Nachhinein werde ich entdecken, wo Gott in meinem Leben nahe war und Spuren seines Segens zurückgelassen hat.
Von dieser Unmöglichkeit, Gott direkt zu schauen, aber Ihn doch zu spüren, seine Nähe zu wissen oder zu hören oder zu erfahren, Ihn zu glauben - davon spricht auch unser Fenster:
Alles, was in diesem Fenster erzählt wird,
der untere Erdkreis – der Himmel - und die Sphäre des Geistes Gottes - das Geschehen der Auferstehung und die anderen Bildgeschichten werden zusammengehalten durch das blaue, in hellblau gehaltene Rund.
Blau ist zum einen die Farbe des Himmels, erst recht des Himmels Gottes.
Blau ist aber besonders die Farbe des Glaubens.

Ich habe mich lange gefragt, was die vielen kleinen Perlen bedeuten könnten. (Vielleicht sagen manche, das sei nur ornamentale Gestaltung) Ich sehe die vielen kleinen orangefarbenen Perlen wie einen Vorhang, der uns den Himmel Gottes ahnen lässt, aber Gott selbst nicht sehen lässt
Der Tempel-Vorhang hat auch das Allerheiligste des Tempels verborgen gehalten.
Im Matthäusevangelium wird berichtet, dass um die neunte Stunde, als Jesus am Kreuz verschied, der Tempelvorhang von oben bis unten zerriss.
Das hat symbolische Bedeutung. Jesu Tod am Kreuz betrifft das ganze Weltgeschehen und hat fundamentale Bedeutung für das Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen.
Es ist unfassbar und doch tritt Gott aus seiner Heiligkeit, aus seiner Verborgenheit heraus. Sein Handeln wird in unserer Welt sichtbar in diesem Jesus Christus, der am Kreuz stirbt. Jesus der Christus, der Sohn Gottes leidet unseren Tod, erleidet unsere Gottesferne, ruft und betet am Kreuz den Psalm: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er nimmt auf sich, was uns von Gott trennt – unsere Schuld.

Das Besondere an unserem Altar-Fenster ist, dass es darstellt, wie Gott aus der Unnahbarkeit, seinem heeren Schweigen heraustritt, sichtbar wird, in unsere Welt so eintritt, dass wir Ihn wahrnehmen können. Es wird deutlich, wie Gott mit uns spricht.
Wir sehen drei ganz konkrete Geschichten, Bilder heraustreten: die Geburt Christi, die Kreuzigung Jesu und in der Mitte die Auferstehung unseres Herrn – die Wirklichkeit, in der Gott uns Menschen mit seiner Liebe entgegentritt.

Die Psalmen haben dem Geschehen die Deutung gegeben und  der Glaube hat in ihnen eine Sprache gefunden.
Schauen wir auf das Bild und hören das Gebet der Maria.

Das Magnificat (Meine Seele erhebt den Herren…)
wird von der Schola gesungen

Maria war eine Gott suchende Frau. Sie hat sich dem Geist Gottes geöffnet. Sie hat ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt. Das war ihr nicht Last, sondern zur Freude. Der Glaube ist für sie beglückend.
Ja, Gott hebt das Niedrige auf und stößt die Gewalthaber vom Thron! In diesem Psalm zeichnet sich der Weg ab, den sie mit Gott gehen will, auf dem Gott in ihr Leben – und auch in unser Leben - treten will. Es ist der Weg Jesu Christi. Er ist vorgezeichnet – und doch unfassbar. Er erscheint zunächst als ein auswegsloser Weg, niedrig und kümmerlich, gottfern – so wie der Psalm 22 es hinaus schreit, - den Jesus am Kreuz betet.
Psalm 22 wird angestimmt

Aber das sollen wir doch begreifen: es ist ein Schrei Christi an unserer Seite. Gott bleibt auch im Sterben und im Tod an unserer Seite. Das ist die Botschaft, mit der Gott in unsere Welt tritt.
Wir begreifen und glauben diese Zusammenhänge von der Auferstehung Christi her. Deshalb ist die Auferstehung aus dem Grab - mit dem verkün-digenden Engel – im Fenster so zentral dargestellt.
Wir sollen diese neue Wirklichkeit begreifen:
Dass mit Jesu Tod und mit unserer Schuld und unserer Gottesferne nicht alles aus ist, nicht alles sinnlos war, was wir leben und sind.
Diese Wirklichkeit steht im Mittelpunkt unseres Glaubens, unserer Hoffnung -  diese Erfahrung haben die Jünger gemacht. Der Himmel Gottes will sich über jedem und jeder von uns öffnen. Gott will durch seinen Geist lebendig machen, Leben schenken.
Deshalb ist das ganze Fenster  eingerahmt von Lebensbäumen links und rechts, die auf dieses Wirken Gottes hinweisen.
Dass uns der lebendige Gott so umgibt, so entgegentritt, mag uns erschrecken. Aber er hat sich ganz konkret in unser Leben eingemischt, in der Geschichte der Menschheit gezeigt.

Ja, liebe Gemeinde, es mag erschrecken, dass der Geist Gottes uns von der Geburt bis zum Tode umgibt. Aber nur der Weg Christi und der Glaube an Ihn und seine Auferstehung können vor Gott bestehen, nur auf diesem Weg wird uns sinnvolles Leben, ewiges Leben geschenkt.
Im Übrigen sind die Jünger, die dieses begriffen haben, nicht gleich in lauten Jubel ausgebrochen, sondern waren erschreckt, haben ihre abgrundtiefe Schuld vor Gott erkannt.
„Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch“, sagt Petrus, als ihm aufgeht, dass der Mann, der ihn am helligten Tag zum Fischfang hinausgeschickt hat, nur Gott selber sein kann.
Er ist kein Theologe, sondern ein einfachen Mann, der mit beiden Beinen auf der Erde steht, der um den Kampf im Leben weiß und am Morgen oftmals vom Fischen nach Hause fährt in dem Bewusstsein, dass alles umsonst gewesen war.
Sünde ist für ihn nicht dieses oder jenes Vergehen, die kleinen Betrügereien.
Sünde, damit bezeichnet er sein ganzes Leben, die Einsicht, nicht hier an diesem Ort, ja überhaupt nicht im Leben mit Gott gerechnet zu haben.
Darin gleicht er dem Jesaja, der – nachdem er durch den Engel entsühnt ist – Gott antworten kann: „Hier bin ich, sende mich.“
Es mag sein, liebe Gemeinde, dass auch wir vom Geist Gottes tief bewegt sind, erschrocken über uns selbst und doch dankbar und befreit durch die große Auferstehungshoffnung und Seine Zusage, uns nahe zu sein  -- Dann dürfen wir getrost (wie es Martin Luther sagt) unsere Schuld, unsere Verzweiflung, unsere Traurigkeiten auf Ihn werfen, der für uns am Kreuz starb.
Wir blicken oben auf das Altar-Fenster:
Die Schola singt: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. – Christe, du Lamm Gottes,
der du trägst die Sünd der Welt …
Amen.

 

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