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Trost und Wahrheit Drucken
Von Lars Kunkel (25.05.2009)

Predigt zum Sonntag Exaudi

logo_lasst_uns_nicht_haengen_285x228.jpgTrost und Wahrheit brauchen wir heute noch ganz genau so wie die Christen in der Zeit des Johannesevangeliums. Die Wirtschaftskrise, die Klimakrise, die Bevölkerungskrise, es gibt vieles, was uns heute tiefgreifend verunsichert. Wahrscheinlich könnte man mehr als eine Predigt damit füllen, alle gegenwärtigen Krisen zu nennen. Und gerade wenn über Krisen geredet wird, wird auch über die Wahrheit gestritten.

Nehmen wir als Beispiel die Kinderarmut. Unter dem Motto „Lasst uns nicht hängen“ hat unsere Landeskirche eine Kampagne gegen Kinderarmut gestartet. Die Altstadtgemeinde ist mit dabei. Vielleicht haben Sie die Fahne auf dem Weg zur Kirche gesehen. Kinder haben eine Resolution mit Forderungen nach dem verfasst, was Kinder aus Kindersicht brauchen.

Wir waren vor kurzem mit über hundert Kindern in der Stadt, um mit Liedern und Aktionen auf das Thema aufmerksam zu machen. Ist es nun die Wahrheit, dass Kinder arm sind in unserem Land? Ich erinnere mich an einen älteren Mann, der den Kindern sehr giftig entgegnete, dass es ihnen doch heute sehr gut gehe. Er habe damals viel größere Armut erlebt. Das ist ganz bestimmt so. Allerdings zählt Deutschland heute zu den reichsten Ländern dieser Welt, und da ist es wahrhaftig ein Skandal, dass so viele Kinder am Existenzminimum leben müssen. Wenn die Freunde ins Kino gehen, bleiben sie zu Hause. Und wenn Kindergeburtstag gefeiert wird, lädt man keinen ein. Oder feiert extra groß im Schnellimbiss, damit nicht auffällt, wie es wirklich aussieht. Experten und Politiker können stundelang darüber reden, was Armut ist und wer daran Schuld hat. Wahrscheinlich wäre es sogar schwer, hier in dieser Kirche auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wahrheit ist für uns Menschen immer relativ, viel zu viele Kriege wurden im Kampf um die vermeintliche Wahrheit und den Irrtum des anderen geführt. Und trotzdem ist die Wahrheit manchmal auch ganz einfach. Allein in Bad Oeynhausen leben 960 Kinder von Hartz IV und sind arm.
Und auch wer mehr hat, ist immer noch arm. Das sind die Fakten und das ist Wahrheit – eine von den vielen Wahrheiten, denen man kaum ins Auge sehen mag. Finanzkrise, Klimakrise etc. Manchmal möchte man lieber den Kopf in den Sand stecken.
Die Wahrheit allein reicht nicht. Die Wahrheit ohne Trost ist manchmal kaum auszuhalten. Ich stelle mir einen schwerkranken Menschen vor. Er kann die Wahrheit über seinen Zustand wohl nur dann aushalten, wenn er gleichzeitig auch Trost bekommt. Durch die Hoffnung auf Linderung. Oder durch das Gefühl, in einem solchen Moment nicht verlassen zu sein, weil ein Mensch seine Hand hält, oder getröstet durch den Glauben daran, dass Gott da ist. Die Wahrheit ohne Trost ist unerträglich.
Darum mutet Gott uns keine Wahrheit zu ohne Trost. Darum ist der Geist der Wahrheit auch zugleich der Tröstergeist. Der Trost Gottes liegt in der Zusage: „Ich bin bei Dir!“ Das ist die Zusage Jesu für die Christen zur Zeit des Johannesevangeliums. Und dieses Versprechen gilt für uns heute noch ganz genau so. In der Krise, in dem Chaos, in der Angst vor dem Morgen und vor den eigenen Grenzen gilt diese feste Zusage an uns. Durch Gottes Heiligen Geist ist Gott da. Dieser Geist gibt darin Zeugnis ab von Gott, der uns nahe ist.
Ich kann die Wahrheit über die Welt und die Wahrheit über mich nur ansehen und aushalten, wenn mich Gott an die Hand nimmt. Wenn Jesus die Hand auf meine Schulter legt und wir gemeinsam hinsehen. Das ist Trost. Und Trost ist es auch zu wissen, dass Gott eines Tages die Welt zu ihrem Ziel führen wird.
Am Ende aller Tage wird Gottes Reich vollendet sein, und dann werden Friede und Gerechtigkeit herrschen. Dieser Glaube will uns trösten und nicht vertrösten. Vertrösten hieße: jetzt alles nur aushalten und darauf warten, dass irgendwann alles gut wird. Vertrösten hieße, sich abfinden mit dem, was ist, und Unrecht und Ungerechtigkeit einfach zu ertragen. Doch Gott will uns nicht vertrösten, sondern trösten. Und es ist tröstlich zu wissen, dass die Rettung dieser Welt nicht in meiner Verantwortung liegt. Das wäre mir eine Nummer zu groß, und dann würde ich lieber gar nichts mehr tun oder zerbrechen unter dem Druck. Es ist tröstlich für mich, dass ich nicht Gott sein muss. Und es ist vor allem tröstlich, dass in all meinem Tun Gott bei mir ist und mir Kraft gibt.

Und so verändert der Trost wieder meinen Blick auf die Wahrheit. Erst konnte ich die Wahrheit nur ertragen, wenn ich auch getröstet bin. Jetzt wird aus dem Trost eine neue Wahrheit, indem ich noch klarer hinschaue. Indem ich nicht mehr durch die Brille meiner eigenen Sorgen und Nöte und meiner Angst blicke. Indem ich die ersten Schritte tue und selbst aktiv werde. Am Beispiel der Kinderarmut heißt das für mich auszuloten, was machbar ist und was nicht. Was ich leisten kann und worum ich nur bitten kann. Unser Evangelisches Familienzentrum bietet viele Möglichkeiten. Kinder werden betreut, Eltern und Familien beraten und auch mit Sachleistungen unterstützt. Der nächste Schritt wird sein, das Essen in den Kindertageseinrichtungen für ärmere Kinder so günstig wie möglich anzubieten.
Dass ist natürlich nur ein Beispiel dafür, wie aus dem Trost eine neue Wahrheit wird. Und wie der Geist uns dahin bringt, Zeugnis abzulegen von Gott. Das Prinzip lässt sich übertragen auf vieles andere. Auch auf meine persönliche Situation, meine eigene Krise. Trost und Wahrheit sind wie Geschwister, wenn es um das Leben in Gottes Hand geht.
Der Tröstergeist setzt in uns die Kraft frei, etwas von unserem Glauben zu zeigen. Von der Hoffnung, die wir für die Welt und für jeden Menschen haben. Der Geist bewirkt, dass Christen nicht alleine sind, sondern in einer Gemeinschaft stehen, die zusammen etwas bewirkt. Allein in unserer Gemeinde arbeiten über hundert Ehrenamtliche daran, etwas für andere zu tun. Es sind die zupackende Hand oder die zum Gebet gefalteten Hände, die helfen. Es ist die Spende von Geld oder Zeit, die Gutes bewirkt. Es ist vor allem aber die Glaubenshoffnung, die uns zu fröhlichen Menschen macht.
Nein, liebe Brüder und Schwestern, wir werden die Welt nicht retten. Aber wir werden auch nicht tatenlos zusehen. Jesus hilft uns, die Wahrheit anzusehen. Und er ist auch die Kraft in uns im Kampf für eine bessere Welt. Und hier wird jeder gebraucht: die Alten mit ihren Erfahrungen, ihrer Geduld und Weisheit. Und auch die jungen Leute mit ihrem Optimismus und Tatendrang und ihrem Gespür für Unrecht. Und auch die dazwischen.  
Es ist der wunderbare Geist Gottes, der Gott bezeugt und wirksam werden lässt in uns. Und es ist der Geist Gottes, der uns zu Zeugen macht, indem er uns in Bewegung setzt. Anders als die ersten Christen werden wir für unseren Glauben nicht verfolgt.
Wir haben viel mehr Möglichkeiten, die wir nur nutzen müssen. Bedroht werden wir vor allem durch Hoffnungslosigkeit und unseren eigenen Unglauben. Durch Müdigkeit und Traurigkeit. Durch Überforderung und Unbescheidenheit. Darum bitten wir Gott um seinen Heiligen Geist, der uns mit Leben und Kraft erfüllt. Den Geist des Trostes und der Wahrheit. Möge Gott seinen Heiligen Geist auf uns legen. AMEN.



 


 

 

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