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Zweifler sind willkommen Drucken
Von Lars Kunkel (22.04.2009)

07-03-11_denkerstirn_123463.jpgDürfen Christen zweifeln? Der Jünger Thomas hat gezweifelt, und das hat ihm den Namen „der ungläubigen Thomas“ eingebracht. Sind Zweifel aber wirklich Unglaube? Dass eine Geschichte des Zweifels auch eine Geschichte des Glaubens sein kann, davon hören wir im Johannesevangelium.
Zum Zeitpunkt, als die Erzählung vom zweifelnden Thomas einsetzt, war Jesus bereits gekreuzigt worden und auferstanden und hatte sich dann seinen Jüngern gezeigt.
Erst hatten sie große Angst gehabt, doch die war einer noch viel größeren Freude gewichen. Jesus war auferstanden. Und sie hatten ihn erkannt. Alle hatten ihn gesehen. Nur einer war nicht dabei: Thomas.

Als die Jünger ihm von Jesus erzählen, freut er sich nicht. Er stellt sich quer, verhält sich anders, als man von einem braven Jünger erwartet hätte. Er sagt trotzig: „Niemals werde ich das glauben, wenn ich nicht selbst die Abdrücke der Nägel sehe und meine Finger in seine Wunden legen kann. Ich will ihn anfassen. Mit eigenen Händen. Ihr könnt mir viel erzählen, ich will es selber sehen!“
Thomas hat Zweifel und sagt sie laut. Wie einfach hätte er sich in die Reihe der folgsamen weißen Schäfchen stellen können. Einfach Ja und Amen sagen. Aber nicht dieser Thomas.
Heute wird unter Christen nicht immer so selbstbewusst und offen gezweifelt. Konfirmanden sagen zwar noch mit pubertärem Charme sehr deutlich ihre Meinung über den biblischen Schöpfungsbericht. Ihre Zweifel an einer Weltschöpfung in sieben Tagen äußern sie ganz offen. Vielleicht hoffen sie, de Pfarrer damit ein wenig zu provozieren. Doch meistens ergeben sich erst auf diesen übrigens völlig berechtigen Zweifeln gute Gespräche über den Glauben, die Schöpfung und die Naturwissenschaft. Zweifel sind ein Zeichen von Interesse und ein Ausgangspunkt für gute Gespräche.
Aber später wird es schwieriger.
„Muss ich alles glauben, was in der Bibel steht?“, fragen Menschen manchmal ganz, ganz leise. Sie haben Angst, negativ aufzufallen und vielleicht nicht mehr dazu zu gehören. Sie schämen sich vielleicht sogar ein bisschen. Oft fühlen sie sich auch unverstanden.
Deutlicher von den Zweifeln reden Menschen außerhalb von Kirche und Gemeinde. Sie haben sich manchmal von der Kirche abgewandt, weil sie gezwungen wurden, alles wörtlich zu glauben. Und eines Tages haben sie sich dann gesagt: „Ich denke, also bin ich – hier falsch!“ Darf man in der Kirche nicht denken und kritisch seine Meinung sagen? Darf man nur außerhalb der Kirche zweifeln?
Thomas zweifelt mittendrin! Und doch hat er vielleicht auch das Gefühl, gleichzeitig außen vor zu stehen. Er hat den Eindruck: Die anderen haben mir etwas voraus. Sie wissen mehr. Sie haben schon mehr erlebt. Und er steht hinten an. Er war nicht da, als alle einen Schritt weiterkamen.
Vielleicht kennen Sie selbst auch dieses Gefühl, dass die anderen Ihnen etwas voraus haben. Vielleicht meinen Sie auch: Die anderen können glauben, die wissen schon alles, die sind Christen wie im Bilderbuch.
Thomas lässt sich davon nicht beirren: Er will etwas Echtes, und dafür ist er bereit, etwas zu wagen, etwas zu verlangen, zu suchen und zu riskieren.
Das macht den Zweifel so wichtig für den Glauben. Menschen, die Zweifel haben, sind beweglich und bereit, etwas zu entdecken.
Das unterscheidet diesen Zweifel allerdings von dem akademischen Zweifel. Diesem hochnäsigen, kalten „alles besser Wissen“. Diesem sarkastischen „alles Zerpflücken“ und zugleich nichts Eigenes riskieren.
Bei dem Zweifel nach Art des Thomas geht es um alles:  Dieser Zweifel ist es, der einen Mensch überhaupt erst einmal Fragen nach Gott und dem Sinn des Lebens stellen lässt. Und da bekanntlich nur der eine Antwort erhält, der überhaupt fragt, ist Zweifel ein notwendiger Anfang eines jeden Glaubens
Der zweifelnde Thomas ist somit ein suchender Thomas. Und er bekommt eine Antwort.
Eine Woche, nachdem Jesus allen anderen Jüngern bis auf Thomas erschienen war, kommt Jesus erneut zu den Jüngern. Vielleicht ist die Atmosphäre unter den Jüngern gereizt. Jetzt wird Christus diesen aufmüpfigen Thomas doch wohl endlich mal auf den richtigen Kurs setzen.
Doch Jesus reagiert anders. Er nimmt Thomas Ernst und er nimmt ihn an. Thomas darf mit seinen Händen Jesus berühren und die Nagelmale und die Wunden legen. Dann sagt Jesus: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Erst auf dieses Wort hin bekennt Thomas und sagt:
„Mein Herr und mein Gott!“ Und dann erklärt Jesus noch einmal, dass Thomas durch das Sehen und Anfassen gläubig wurde, aber alle die selig sind, die glauben, ohne zu sehen.
Und damit meint er uns. Schließlich können wir Jesus weder sehen noch anfassen. Und trotzdem sollen wir glauben?

Auch hier ist der Zweifel überraschenderweise der Schlüssel. Denn weil der Zweifel uns zu Suchenden macht, öffnet er uns für Erfahrungen des Glaubens und führt uns zu Orten und Momenten, in denen wir Gott begegnen. Manchmal nennt man das spirituelle Erfahrungen. Im Kern geht es darum, sich zu öffnen, sich einzulassen. Ich könnte Ihnen jetzt viele Geschichten und Begebenheiten aus meinem Leben erzählen. Von der Abtei Hildegardis in Rüdesheim, einem Heiligen Ort, an dem man sich Gott plötzlich näher fühlen kann als anderswo. Oder von schönen Gottesdiensten, aus denen ich verändert und befreit und gestärkt gegangen bin. Von neuen Wegen, die sich in scheinbarer Aussichtslosigkeit geöffnet haben. Von alten Menschen am Krankenbett, deren unerschütterlicher Glaube mich tief beeindruckt und angerührt hat.
Und übrigens auch von den theologischen Diskussionen mit Freunden, die manche geistige Tür für mich geöffnet haben.

Ich könnte Ihnen viel erzählen, aber das Besondere an Erfahrungen ist, dass man sie selber machen muss. Es ist etwas anderes von Erlebnissen zu hören oder zu lesen oder sie selbst zu machen.
Und bestimmt haben Sie einige Erfahrungen gemacht. Erfahrungen müssen wir auch selbst machen.

Ein Glaubender, der alles weiß, alles für richtig hält, alles durchschaut, alles beantworten kann, ist ein Glaubender, der sich für Gott selbst hält. Und das ist bekanntlich die größte Sünde. Weil es immer einen Unterschied geben wird zwischen Mensch und Gott. Deshalb ist der Zweifel auch nicht nur eine Vorstufe zum Glauben, der Zweifel gehört immer auch zum Glauben dazu.

Zweifel sind bei Gott willkommen und sie sind geliebt. Zweifler sind auch in unserer Gemeinde willkommen. Wir feiern in unserer Gemeinde die Thomasmesse, einen spannenden Gottesdienst für Zweifelnde, Suchende und andere gute Christen. Ja, sie haben richtig gehört: Auch zweifelnde Christen sind gute Christen.

Das stärkt alle, die sich aufgrund ihrer Zweifel klein und abgewertet fühlen. Gottesdienste wie die Thomasmesse, aber auch viele andere Erfahrungsmöglichkeiten ermutigen uns alle zum Denken und Nachdenken, zum Fragen und Diskutieren mit anderen gerade auch in der Kirche. Der Zweifel warnt uns davor, mit frommen Sprüchen und Kalenderblättchen andere in die Ecke zu stellen. Es fordert uns auf, gemeinsame Erfahrungsräume zu schaffen und im anderen weder den Dumm-Naiven noch den überlegenden Allwissenden zu sehen.

Zweifel sind gut und wichtig, weil Sie uns beweglich machen und uns dazu bringen, Fragen zu stellen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Genau dazu ruft Jesus uns ja übrigens auf, wenn er sagt: Kehrt um und glaubt an die gute Nachricht, dass Gott Euch liebt und annimmt. Auch zu dieser Umkehr kann uns übrigens der Zweifel führen, der mit der Frage danach und dem Zweifel daran beginnt, ob es im Leben noch etwas anderes gibt, einen Sinn, einen Zusammenhalt des Ganzen, ein Ziel. Ohne diese Fragen gibt es kein Evangelium für uns. Und das heißt für heute: Jesus nimmt die Zweifler an. 
AMEN!

 

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