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Was macht, dass ich so fröhlich bin? Drucken
Von Lars Kunkel (13.04.2009)

Osterpredigt 2009
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Ich sehe ihn noch vor mir, diesen Mann Anfang 80. Er sagte zu mir: „Das wird mein schwerster Weg morgen“. Lange hatte er seine kranke Frau gepflegt und war dabei manchmal bis an die äußerste Grenze seiner Kraft gegangen. Er erzählte mir von seiner Jugend, von gefährlichen Wegen im Krieg, von Gefangenschaft und Todesangst.

So viele leidvolle Situationen hatte er schon erlebt. Wie oft hatte er sich gefragt, was morgen kommen würde. Wie oft hatte er sich in seinem Leben aufgemacht mit zitternden Knien und klopfendem Herzen. Doch jetzt stand dieser gestandene Mann vor dem schwersten Schritt in seinem Leben, dem Weg zur Beisetzung seiner Frau.

Auch die drei Frauen -  Salome, Maria und Maria -  machen sich auf den Weg, ihrem schwersten, an das Grab Jesu. Auch hinter ihnen liegt eine bewegte Zeit. Der Retter Jesus war zu ihnen gekommen und hatte ihnen das Reich Gottes gebracht. Gerade auch ihnen, den Frauen. In der Nacht sprachen sie miteinander: „Erinnert ihr euch noch an die Frau aus Syrophönizien?  Ihr Töchterlein war sehr krank. Erst wollte Jesus ihr nicht helfen, weil sie keine Jüdin war. Doch dann überzeugte ihn ihr Vertrauen und er machte ihr Kind gesund.
Oder erinnert ihr euch noch an die blutflüssige Frau, die ihres ganzes Vermögen an die Ärzte verloren hatte? Sie berührte nur sein Gewand und er sagte zu ihr: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“ Meine Tochter!? Er sah in ihr ein Kind Gottes. Und gerade die Kinder liebte  er. Er segnete sie und heilte sie. Erinnert ihr Euch noch an die Frau, die das kostbare Salböl über ihm ausgoss als Zeichen ihrer Liebe?“
Voll Trauer und Schmerz beschlossen die Frauen in jener Nacht, sich ebenfalls mit Salböl auf den Weg zum Grab zu machen. Das Öl steckten sie am Morgen ein, doch die Trauer machte sie auch so kopflos, dass sie nicht mehr an den großen Stein dachten, der vor dem Grab lag. Wer wälzt ihn weg? Von den starken Männern ließ sich hier keiner blicken. Sie hatten Jesus verraten, verleugnet und sich jetzt verkrochen. Männer trauern anders. 

Das Markusevangelium beschreibt das, was nun geschah, im Telegrammstil: drei traurige Frauen. Sonnenaufgang. Großen Stein vergessen. Großer Stein schon weg. Jüngling in Weiß. Entsetzen. Botschaft: Jesus ist auferstanden. Bitte weitersagen. Frauen aber unter Schock, rennen weg. Schweigen.

So stellt man sich Ostern eigentlich nicht vor. Aber vielleicht ist das gerade die Herausforderung: die alten und ersten Erzählungen in der Bibel  auf uns wirken zu lassen, statt unsere Vorstellungen von Frühling und Lebenserwachen in Ostern hineinzutragen.

Dass der Weg für die Frauen zum Grab hin nicht leicht ist, damit hätten wir wohl gerechnet. Der Weg zum Grab ist wohl meistens so. Aber dass der Weg vom Grab weg sogar noch mehr Entsetzen auslöst, das ist schon mehr als erstaunlich. Es kommt in dieser alten Ostererzählung aber sogar noch merkwürdiger: Mit den entsetzt weglaufenden Frauen hat das Markusevangelium früher einmal geendet. Das Evangelium, die gute Botschaft, endet mit Schrecken und Schweigen.

Das schien späteren Generationen zu anstößig, zu mehrdeutig und missverständlich. Und so wurden noch elf Verse ergänzt, in denen die Frauen dann doch alles erzählen und Jesus dann den Jüngern erscheint. Mit einem klaren und fröhlichen Ende sollte das Evangelium enden, meinten die ersten Christen.

Wahrscheinlich geht es uns da ganz ähnlich. Auch wir wünschen uns Ostern als ein klares, positives und überzeugendes Ereignis.
Vielleicht wäre unserer Osterfreude sogar noch fröhlicher, wenn es einen Beweis für die Auferstehung gäbe. Wenn Jesus uns leibhaftig begegnen würde und wir ganz sicher wären, dass Jesus lebt.

Wenigstens möchten aber auch wir Menschen heute nicht mit Schrecken und Weglaufen an Ostern enden. Auch wir ergänzen die Geschichte der Auferstehung, um sie für uns tragfähiger und konkreter zu machen. Und so suchen wir nach Deutungen, die uns helfen, Ostern besser zu verstehen. Möglichkeiten gibt es viele. Wir schauen auf die ersten Zeugen, die erfahren  und gespürt haben, dass  Jesus lebt. Wir denken an den festen Glauben der ersten Christen, die bereit waren, alles für ihren Glauben zu riskieren. Mich überzeugt es, dass der Osterglaube von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Und so suchen wir Ostern auch in uns, und manche von uns haben die Erfahrung gemacht, dass neues Leben manchmal gerade dort beginnt, wo wir es schon längst nicht mehr erwartet hätten.

Richtig erlebbar wird Ostern auch in der Osternacht, in der wir die Wendung vom Tod zum Leben sehr sinnlich erfahren können und vielleicht sogar ein wenig dabei schaudern und berührt sind.
Und doch kehren meine Gedanken immer wieder zurück zu den entsetzen Frauen am Grab. Ihr Schrecken, ihr Staunen, ihr Entsetzen liegt für mich am dichtesten am eigentlichen Kern von Ostern: an diesem unglaublichen Ereignis, das so sehr unser Denken und unsere Erfahrungen durchbricht, dass wir wirklich nur vollkommen erschüttert darauf reagieren können.

Wenn die Frauen am Grab in ein fröhliches Osterlachen ausgebrochen wären, das wäre mir verdächtig vorgekommen. Zu schön, um wahr zu sein. Künstlich und aufgesetzt. So sind Menschen nicht, so überwindet niemand seine Trauer. Dass Ostern bei den Frauen erst mit Verspätung wirkt, macht sie glaubwürdig. Das Jesus wirklich auferstanden ist, kann doch nur einen Schock auslösen. Die Bibel beschreibt selbst auch, dass die Menschen Zeit brauchten, um zu begreifen und sich zu freuen.


Im zweiten und jüngeren Schluss des Markusevangeliums  wird Jesus beim gemeinsamen Essen erkannt. Diese Erfahrung wird in der Bibel sehr oft beschrieben. Immer sitzen die Jünger zu Tisch und Jesus ist bei ihnen. Doch das erkennen sie erst in dem Moment, als er mit Ihnen das Brot bricht. Und so ist es bis heute. Wenn wir das Heilige Abendmahl feiern, ist  Jesus Christus bei uns. Manche Menschen spüren das hautnah. Das Abendmahl hat Jesus uns geschenkt, damit wir seine Nähe spüren können. Darum ist jedes Abendmahl auch ein Osterfest.
Trotzdem: Trauer braucht ihre Zeit. Wie die Frauen erst einmal schweigen, können wir nicht einfach einen Schalter umlegen und uns Karfreitag schon „Frohe Ostern“ wünschen. Je tiefer wir die Tiefe des Todes erfahren haben, desto länger brauchen wir bis zum Osterlachen. Aber umso so froher wird es sein.

Ich möchte Ihnen, liebe Gemeinde, noch einmal kurz von dem alten Mann erzählen. Monate später traf ich ihn auf dem Friedhof wieder.
Wieder war er auf seinem Weg zum Grab. Er brachte seiner Frau einen Strauß Osterglocken. Eine kleine Träne schimmerte in seinen Augen, als wir miteinander redeten.
Aber auch ein Lächeln. „Von dort oben sieht sie mich jetzt und sagt: ‚Sei doch nicht traurig, ich bin doch da!‘“

Woher kommt die Hoffnung im Leben? Wie ist es möglich, dass wir in dieser Welt immer wieder auf das Leben hoffen? Ostern ist für mich in solchen Momenten wirklich wahr. In Momenten, in den Sieg des Lebens über den Tod spüren. Ostern ist die geheimnisvolle Kraft, die uns Hoffnung gibt und Fröhlichkeit und wohl auch das Singen gegen den Tod.

Hans Dieter Hüsch hat diese wunderbare österliche Zuversicht in wunderbare Worte gefasst:

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich


Ich bin
vergnügt
erlöst befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit


Hanns Dieter Hüsch


 

 

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