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Immer im werden Drucken
Von Antje Eltzner-Silaschi (21.07.2008)

Predigt für den 6. S. n. Tr. 1. Petrus 2, 2-10

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einigen darüber, warum eigentlich in der Kirche alle am liebsten hinten sitzen. Das ist ja eine Erfahrung, die ich in allen Kirchen mache, in denen ich predige: Die ersten zwei Reihen bleiben fast immer frei, außer, wenn eine Taufgesellschaft da ist. Ein wenig scherzhaft sagte einer: Vielleicht ist es ja die Angst vor der feuchten Aussprache des Pfarrers. Oder vor Mundgeruch. Vielleicht hört dann der Pfarrer ja, dass ich nicht singen kann. Oder ich kann unauffälliger die Kirche vorzeitig verlassen, wenn mir danach ist. Vielleicht gibt es ja eine Scheu vor dem Heiligen. Oder man hat verinnerlicht, dass man sich nur nach vorne setzt, wenn man dazu aufgefordert wird, wie in der Schule, wo die Störenfriede vorne sitzen müssen. Oder man hat seinen Stammplatz, an den man sich doch gewöhnt hat. Tja, warum nur sitzen die meisten Menschen in Kirchen hinten? Eigentlich ist das kaum zu erklären, jedenfalls nicht mit Vernunftgründen. An einer Rangordnung dürfte es jedenfalls nicht liegen, denn wir sind als Getaufte doch alle Glieder der Gemeinschaft der Heiligen, so wie wir es im Glaubensbekenntnis immer aussprechen. Gemeinschaft der Heiligen - davon spricht der Predigttext des heutigen Sonntags aus dem 1. Petrusbrief, der mit vielen Bildern die Gemeinschaft der Heiligen und was sie ausmacht, beschreibt:


2 Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil,

3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.

4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.

5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«

7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist,

8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Liebe Gemeinde, beim Lesen des Textes entstand vor meinem geistigen Auge ein Haus. Nicht irgendein Haus, sondern ein Tempel. Nur Priester dürfen in diesem Tempel das Allerheiligste betreten. Ihr Amt ist der Schlüssel für diesen Tempel. Und dann wandelt sich das Bild. Der Tempel öffnet sich für uns. Wir haben den Schlüssel zum Allerheiligsten mit der Taufe bekommen. Mehr noch: Wir werden selbst zum Tempel, erwählt und heilig. Das ist mehr als  der priesterliche Vorgang jemals sein konnte. Nicht nur, dass wir Zugang zum Heiligen bekommen, sondern selbst zum Heiligen werden. So erklärt der 1. Petrusbrief die Taufe und taucht damit mitten ins Zentrum unseres christlichen Glaubens und Lebens ein. Wenn der das nur nicht so kompliziert formulieren würde! Wer soll das denn verstehen? Vielleicht macht ja das den räumlichen Abstand in der kirchlichen Sitzordnung aus, dass uns manches, was an Bibeltexten zur Sprache kommt, uns heute so fern und fremd vorkommt. Was sind das für Worte, die doch nur im kirchlichen Raum noch ausgesprochen werden, Worte wie: Heil, auserwählt, Gott wohlgefällig - das sind doch besondere, herausgehobene Worte in einer Sprache, die heute keiner im Alltag spricht. Da haben Sie Recht. Und genau das ist auch die Erfahrung der Hörerinnen und Leser des Textes damals, als dieser Petrusbrief in Umlauf kam. Die Christen erlebten sich als Fremdkörper in ihrer Gesellschaft. Sie waren eine verfolgte Minderheit, die mit ihrem christlichen Glauben im Alltag aneckte und gefährdet war. Manch einer wird sich überfordert und zerrissen gefühlt haben. Das, was ihren Glauben ausmachte, erlebten sie in ihrer Umwelt als etwas, was in den Alltag nicht reinpasste. Auch in ihrem Alltag wird es Menschen mit Machtstreben und Ellenbogendenken gegeben haben, die sich nicht einen Deut um christliche Nächstenliebe scherten. Und dann gab es eben auch die, die den Christen bewusst Schaden zufügen wollten, weil sie nicht dem Idealbild der damaligen Gesellschaft entsprachen, nicht in der Religionsausübung, nicht in der Verehrung des Kaisers und nicht in den Wertvorstellungen, der Ethik. An diese Christen wendet sich der 1. Petrusbrief, er will Trost und Orientierung geben. Und er malt ihnen gleichzeitig mit vielen Bildern vor Augen, wie christliche Gemeinschaft aussehen kann, wenn sie gelebt wird.

Alles fängt an mit der Taufe, die uns egal in welchem Alter wie ein neugeborenes Kind erscheinen lässt. Was braucht ein neugeborenes Kind? Es braucht die Muttermilch, die Zuwendung der Mutter, dann kann es wachsen, langsam hineinwachsen in die Gemeinschaft der Familie. Es wird allmählich lernen, zwischen sich und der Mutter zu unterscheiden, Ich und Mutter zu sagen, später immer selbständiger werden, eines Tages auch Verantwortung für sich und andere übernehmen. Das ist gemeint, wenn der Text von der Milch spricht, die wir geschmeckt haben. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist - im Abendmahl werden wir immer auch an diese Milch erinnert, die wir in der Taufe mit Gottes freundlichem Entgegenkommen geschmeckt haben. 

Liebe Gemeinde, von Martin Luther wird berichtet, dass er in schwierigen Situationen und in innerer Not auf den Tisch vor sich mit Kreide schrieb: Ich bin getauft! Daraus hat er immer wieder Kraft geschöpft. Stellen Sie sich das doch einmal für sich selber vor. Sie stehen vor einer schweren Prüfung und haben einen Spickzettel in der Tasche mit der Aufschrift: Ich bin getauft. Oder sie liegen mit jemandem im Streit und der zieht einen Zettel aus der Tasche: Ich bin getauft! Du auch? Würde diese Erinnerung etwas verändern? Oder würde es mitleidige verständnislose Blicke geben? Zumindest wäre Erstaunen oder Verblüffung groß, vielleicht würde sich dann auch manches lösen, mit einem verstehenden Lächeln. Aber eins ist doch auch klar: Man redet heute nicht so offen über so etwas persönliches wie den Glauben oder die eigene Taufe.  Ich bin getauft - dieses Bekenntnis war ein Öffentliches, wirkte sich aus im Allgemeinwesen, und es hat die Menschen vor 2000 Jahren in große Schwierigkeiten bis hin zur Bedrohung des Lebens gebracht. Wir Heutigen müssen solche Bedrohung nicht mehr fürchten, jedenfalls nicht im sogenannten christlich geprägten Abendland. Und dann kommt doch noch der Grundsatz der Reformation ins Spiel, der vom Priestertum aller Gläubigen spricht, also geradezu dazu auffordert, den Glauben zu bekennen und zu bezeugen.  Und doch halten wir es eher mit der vornehmen Distanz aus Angst anzuecken.

Das mit dem Anecken steckt ja auch drin in unserem Text. Da ist vom Stein die Rede, der zum Stein des Anstoßes werden kann. Aber es gibt auch andere Steine. Lebendige Steine und den Stein, der zum Eckstein wurde, nämlich Christus. Im 1. Petrusbrief werden all diese Steine zusammengeführt: die Steine des Anstoßes, der Eckstein und die lebendigen Steine - aus all diesen Steinen hat Gott einen ganz besonderen Tempel gebaut, der immer noch im Werden, immer noch im Entstehen ist, einen Tempel, der sich ständig verändert, weil die Steine wir Menschen sind, die sich immer wieder neu einen Platz suchen.

Liebe Gemeinde, als ein solcher Tempel sind wir hier heute zusammen gekommen, aus verschiedenen Lebensbereichen, aus unterschiedlichen Altersgruppen, mit unterschiedlichen Belastungen, die wir zu tragen haben. Aber eins eint uns: Wir sind getauft! Und doch stellen wir uns die Frage: Wo ist eigentlich mein Platz in diesem Mauerwerk? Was hält mich, wen trage ich, fühle ich mich eigentlich wirklich zugehörig oder suche ich noch? Oder gehöre ich zu denen, auf deren Schultern fast die halbe Last des Gewölbes liegt? Wie stabil ist dieser Tempel aus lebendigen Steinen eigentlich, wenn er doch aus so vielen lebendigen Steinen zusammengesetzt ist? Kann das eigentlich halten, wenn die Zögernden und Forschenden, die Traurigen und die Lustigen, die Traditionsbewussten und die Erneuerer zusammenhalten sollen? Genau auf diese Frage antwortet der 1. Petrusbrief: Einer ist es, der das Ganze zusammenhält: Das ist der Eckstein, Christus, der kostbare Stein, an dem wir durch die Taufe zusammengehalten werden. Solange ihr euch dessen immer wieder bewusst seid, so lange wird dieser Tempel Bestand haben. Solange wird dieser Tempel ein Tempel voller Leben und voller Freiheit sein.

Ein Christ ist immer im Werden - so hat Martin Luther es formuliert. Wir sind nie fertig. Denn wir sind getauft, lebendige Steine im Haus Gottes, Priester und Tempel zugleich. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.



 

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