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Und wenn das Ende nahe ist? Drucken
Von Lars Kunkel (21.07.2008)

Predigt zum 9. Sonntag n. Trinitatis

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Quelle:Pixelio
Das Ende aller Dinge ist nahe. Ein solcher Satz war für die Christen um 90 nach Christus herum eine ganz vertraute Vorstellung. Sie rechneten damit, dass das Reich Gottes, das mit Jesus Christus angefangen hatte, bald vollendet würde und das Ende dieser Welt bevorstünde. Die zunehmenden Christenverfolgungen, das gefährliche Leben der Christen, Armut und die misstrauischen Blicke der Nichtchristen prägten das Bild.
Das Ende aller Dinge ist nahe. Heute, über 1900 Jahre später, ist dieser Satz uns eher fremd. Ein konkretes nahes Ende der Welt erwarten lediglich bestimmte Sekten.

Die wenigsten Christen rechnen damit, dass die baldige Ankunft Christi kurz bevor steht. Sicher: wohl jeden beschleicht hier und da manchmal das beunruhigende Gefühl, dass diese Welt endlich ist. Klimaveränderung, Kriege, Bevölkerungsexplosion und immer knapper werdende Ressourcen nähren die Angst vor einem globalen Ende. Das hat es immer gegeben. Eingetreten ist das Ende bisher nicht.
Die Welt ist begrenzt. Aber das ist weit weg und sehr abstrakt. Viel wichtiger ist zumindest für mich, dass mein Leben begrenzt ist. Nichts besteht ewig für mich. Alles, was ich um mich herum sehe, erlebe, anfassen kann, ist vergänglich. Alles, was ich fühle, was ich liebe, was mir Angst macht oder mich ärgert, hat keinen ewigen Bestand. Das sind Fakten, darüber braucht man nicht zu diskutieren, und da gibt es auch nichts zu glauben oder deuteln. Das Ende aller Dinge ist nah, die Frage ist höchstens noch: Wie nah?
Ich frage mich: Wie gehen wir damit um? Können wir mit dem Bewusstsein des Endes aller Dinge überhaupt zurechtkommen?  Oder wollen wir das lieber nicht hören, weil der Gedanke doch zu sehr Angst macht? Der Weg des Petrusbriefes fasziniert mich, je länger ich darüber nachdenke.
Das Ende aller Dinge führt hier nicht zu einem egoistischen Ausleben persönlicher Wünsche oder zu einem lebenssüchtigen Ausnutzen aller Möglichkeiten. Und vor allem nicht zu einer Weltflucht. Aus dem Wissen um das Ende aller Dinge erwächst hier eine Weltverantwortung, die sich in ganz konkretem Verhalten ausweist. Vier Punkte nennt der Petrusbrief.

1. Seid nüchtern und verständig. Dazu gehört es, den Dingen ihren rechten Platz zu geben. Wir Menschen ringen um so Vieles. Wir wollen Dinge besitzen, wir wollen Dinge für die Ewigkeit sichern. Wir streben nach Erfolg, nach Besitz, nach Gütern. Doch wie wenig gelingt es uns gleichzeitig, innezuhalten und das zu genießen, was wir haben. Verständig wäre es, was wir haben, zu würdigen und bewusst zu erleben. Es zu schätzen, ja, aber doch nicht zum einzigen Lebensinhalt zu machen.

Nüchternheit bedeutet auch, sich selbst nicht zu überschätzen.
Das eigene Leben, die eigenen Taten und die Bedeutung des persönlichen Lebens nicht für zu weltwichtig zu halten. Nüchternheit meint, die Gaben und das Gute zu genießen, das schon, aber Gott die Ehre zu geben für das, was wir haben und sind. Wir müssen lernen Loszulassen. Das wäre eine echte Befreiung aus allem, was uns so abhängig macht. Und abhängig sind wir von viel zu vielem. Wie gelassen könnten wir doch sein, wenn wir allen Dingen den gebührenden Platz einräumen? Könnte das die gute Nachricht, das Evangelium der Begrenztheit und Endlichkeit unseres Lebens sein und aller Dinge drumherum?

2. Eine Folge der Endlichkeit ist die Liebe, zu der der Petrusbrief angesichts der Endlichkeit aller Dinge mahnt. Worauf kommt es an, wenn das Leben nicht unendlich ist? Was dann noch zählt, ist die Menschlichkeit. Das gute Leben unter Brüdern und Schwestern. Wie befreiend kann es sein, im Hier und Jetzt zu leben und untereinander liebend zu sein. Einander anzunehmen, barmherzig zu sein, das Gute im anderen zu sehen. Für andere Menschen da zu sein. Ihnen freundlich entgegenzukommen. Solidarisch zu sein.

3. Und auch gastfrei zu sein. Für die Christen von 1900 Jahren lag darin eine äußerste Herausforderung. Es brachte Gefahren mit sich, in Zeiten der Verfolgung andere Christen bei sich aufzunehmen. Und viel zu teilen gab es auch nicht. Wie gut ist es, angesichts der Endlichkeit aller Dinge nicht am Eigenen zu kleben, sondern auch mal etwas an andere abzugeben, ohne das Gefühl zu haben, dann alles verloren zu haben, wofür man so hart gearbeitet und gekämpft hat. Warum merken wir eigentlich nicht, wie sinnlos das an-etwas-Kleben und Festhalten-wollen ist angesichts der Endlichkeit aller Dinge? Gastfrei heißt hier übrigens auch fremdenfreundlich zu sein. Ich lebe im Hier und Jetzt und liebe mein Leben, und ich gebe Dir gerne etwas, weil ich nichts für ewig konservieren kann. So zu leben wäre traumhaft schön.

4. Und einander dienen sollen wir, weil oder obwohl alle Dinge endlich sind. Wenn alles sowieso zu Ende geht, dann ist doch auch alles egal, könnte man meinen. Im Gegenteil, sagt die Bibel. Gott hat uns Gaben gegeben, diese Welt zu gestalten und füreinander da zu sein. Menschlichkeit und Nächstenliebe zu zeigen, dort, wo ich es kann in aller Begrenztheit und Endlichkeit. Das bewahrt uns vor dem Anspruch, die Welt retten zu müssen. Diese Weltretter sind so verbissen und wirken so gezwungen.

Bewahrt werden sollen wir aber auch vor der gleichgültigen Selbstsucht. Der Petrusbrief sagt: Die Dinge sind endlich. Also heißt es: Gaben einsetzen, wo es möglich ist, mit Freude an der Schöpferkraft und Kreativität und Lust am Gestalten. Das meint auch die Hilfe und den Einsatz für meinen Nächsten. Weil wir nicht ewig Zeit haben, sollen wir die Zeit nicht verplempern. Luther übersetzt: Seid gute Haushalter der guten Gnade Gottes. Wir sagen heute nicht mehr Haushalter, sondern sind gewohnt, das Wort „Ökonomen" zu verwenden. Haushalter ist die deutsche Übersetzung des griechischen Ökonomen. Seid also gute Wirtschafter, gute Haushalter, gute Ökonomen. Geht ökonomisch mit der Gnade Gottes um, die Euch so reich beschenkt. Macht etwas aus Euch und Euren Gaben, setzt sie ein zum Guten, aber bleibt auch nüchtern und denkt daran, dass es Gnadengaben Gottes sind und Ihr nicht die Retter und Herren der Welt. Sondern nur ihre Haushalter. Aber auch nicht weniger.

Diese Visionen des Petrusbriefes haben für mich etwas sehr Bezwingendes. Sie rufen zu einer Umkehr vertrauter Sichtweisen und Gewohnheiten hin zu einer neuen Sichtweise. Und sie sind darin wirklich sehr brisant. Für unser Leben, das wir ja irgendwie eingerichtet haben. Aber auch in Bezug auf das Handeln der Gemeinde. Wie oft fehlt es alles in allem an Gelassenheit, Nüchternheit und Gottvertrauen.

Ganz verkürzt könnte man die Botschaft des Predigttextes so zusammenfassen: Nehmt Euch doch bitte um Himmelswillen nicht so furchtbar wichtig. Bleibt lieber auf dem Boden. Seid nüchtern, strengt Euren Kopf an, seid liebend und gastfrei und dient einander. Gestaltet die Welt, das lohnt sich immer, denn das Leben ist kostbar. Lebt den Moment.  Doch maßt Euch nicht an, das Schicksal der Welt zu bestimmen.

Vielleicht denken Sie jetzt: Das ist hart und vielleicht auch ein bisschen sehr theoretisch. Ich halte dagegen: ich kenne ein paar Menschen und Schicksale von Menschen, die deutlicher als ein durchschnittlicher Mensch erfahren mussten, dass ihr Leben ab einem bestimmten Zeitpunkt begrenzt sein wird. Durch die Diagnose einer Krankheit etwa. Und was haben diese Menschen getan? Sie haben bewusst gelebt. Sie haben sich ganz ihre Grenzen eingestanden. Und doch haben sie sich äußerst liebevoll anderen zugewandt. Sie haben ihre Türen geöffnet für andere Menschen, und wie seltsam: Teilweise schon recht geschwächt haben sie noch Gutes für andere bewirkt. Vielleicht auch, indem sie einiges an Gottvertrauen, Gelassenheit und Zuversicht auf andere Menschen ausgestrahlt haben.

Die Endlichkeit aller Dinge. Seufzen wir darüber und verdrängen wir? Schweigen wir und gehen wir zum Alltag über? Oder sind wir klar und präsent? Erkennen wir die Endlichkeit aller Dinge? Sind wir guter Dinge, selbst wenn alle Dinge ein Ende haben?

Alle Dinge haben ein Ende. Und die Worte Ende und Ziel sind im Griechischen dasselbe Wort. Alle Dinge haben also ein Ende und alle Dinge haben ein Ziel. Ein solcher Glaube müsste uns äußerst gelassen und froh machen. Ein solcher Glaube müsste uns ganz und gar lebendig machen mitten im Leben.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.
 

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