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In die Tiefe gehen Drucken
Von Lars Kunkel (30.06.2008)

„Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet."

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In die Tiefe der Seele gehen Quelle: Pixelio
Petrus sagt das müde und resigniert, er weiß, wovon er spricht. Fischen bei Nacht ist kein Segeltörn im Sonnenschein. Seit Kindheit an fährt Petrus hinaus auf den See. Er hat das Fischen von seinem Vater gelernt und der hat es von seinem Vater. Jeder in der Hüttensiedlung ist Fischer. Und jeder kennt jemanden, dem die bösen Fallwinde das Boot zum Kentern gebracht haben.
Manch einer wird bis heute vermisst. Fischen ist harte Arbeit, Tag ein, Tag aus. Leben kann man davon kaum. Die Preise fallen, der Druck wird täglich mehr. Wie lange wird das noch weitergehen?

„Wir haben die ganze Zeit gearbeitet!"

Viele sagen diesen Satz müde und resigniert und sie wissen, wovon sie sprechen. Arbeiten ist kein Spaziergang im Sonnenschein. Wie viele haben sich krumm gelegt für den Betrieb? Die Überstunden mitgenommen, weil das Geld dringend gebraucht wurde. Tag ein, Tag aus.

Geschuftet bis zum Umfallen. In den Betrieben. In den Familien. Was ist davon geblieben? Die Firma ist verkauft oder pleite. Die Gesundheit ruiniert. Der Druck war einfach zu groß. Und die Kinder sind längst aus dem Haus. Und wer noch Arbeit hat, der muss jetzt doppelt ´ran. Kostendruck und Effizienzsteigerung nennen die Bosse das. Will heißen im Klartext: Mehr arbeiten, mehr Stress. Das trifft alle.  Den Arbeiter am Band, die Sekretärin am Computer, den Lehrer vor der Klasse, die Pastorin, den Manager in seinem Designerbüro. Wofür das alles? Die Kinder leben ihr eigenes Leben. Man ist so leer, so ausgezehrt, so ausgebrannt. Selbst der eine oder andere Erfolg tröstet nicht hinweg über die Frage, was das Ganze soll. Hinweg über die schleichende Depression und die vage Erkenntnis, dass auch die schönste Effektivität und die höchste Produktivität eines Tages fragen lassen:

Was ist Lebensqualität? Die Antwort steht aus. Das macht Menschen müde, das macht Menschen krank.


„Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet. Was sollen wir denn noch tun?"


Jesus steigt ins Boot des Fischers Simon. Er redet nicht über das Wetter. Er bleibt nicht an der Oberfläche. Er fragt nicht, wie es geht. Jesus weiß es doch sowieso alles. „Fahre hinaus, wo es tief ist", sagt Jesus. Ob Petrus ahnt, worum es wirklich geht? Oder ist er nur der müde Fischer, der jetzt noch mal hinaus soll? Soll er sich wieder hinausquälen an den Ort sinnloser Mühen? Gerade soviel Kraft ist da, um zu widersprechen. „Wir haben doch die ganze Nacht gearbeitet, wir können nicht mehr." Doch etwas stimmt ihn um. Warum ändert er seine Meinung? Spürt er, dass dieser Jesus anders ist als die Bosse,  die immer wieder verlangen hinauszufahren, weil die Quote erfüllt werden muss? Die immer noch mehr verlangen? Jesus ist einer, der die Leere und Müdigkeit im Blick des Fischers wahrgenommen hat. Und der nichts Unmenschliches fordert. So einem könnte man vertrauen, auf diese Worte hin könnte man sich fallen lassen.

„Auf Dein Wort hin!". Simon fährt dahin, wo das Wasser tief ist. Und damit fährt er auch in die Tiefe seiner Seele, in den Abgrund seiner selbst.


Was sollen wir denn noch tun?"


Müde Menschen brauchen jemanden, dem sie vertrauen. Vielleicht ist es ein Arzt oder Therapeut, bei dem ich mich angesehen fühle, aber nicht durchschaut. Vielleicht kann ich mich einer Pfarrerin anvertrauen oder einem Menschen, der mein Schicksal teilt und mit dem ich reden, wirklich sprechen kann. Auch in Jesus begegnet mir so einer, der mich durch und durch kennt. Mit meinen Stärken, meiner Power, meinem Optimismus. Aber auch mit meiner Schwäche. In Jesus begegnet mir einer, der sich noch längst nicht abgefunden hat. In Jesus treffe ich einen, der will, dass ich lebe und Kraft bekomme wie ein junger Adler. Dass ich wieder emporsteigen kann in die Höhe.


Aber erst muss ich in die Tiefe gehen. Ich muss noch einmal dahin, wo alles anfing. Wo ich müde geworden bin. In meine Familie, in der ich mich aufgerieben habe. An meinen Arbeitsplatz. In meine Wohnung. „Hab keine Angst", sagt Jesus.  „Ich gehe mit. Du musst nicht einfach noch mal anfangen und alles wiederholen, aber Du musst dahin, wo Du müde geworden bist. In den Abgrund deines Lebens. Dort, wo Du versucht hast, alles am Laufen zu halten. An den Ort, wo Du enttäuscht wurdest. Du musst noch mal `ran, aber mit mir, mit Gott. Ich helfe Dir. Ich helfe Dir loszulassen. Auch den Wunsch, alles allein zu schaffen. Du wirst dort in der Tiefe Deinen Grund finden." Jesus sagt: „Ich verspreche Dir nichts. Fahr hinaus!"


Und das Wunder geschieht.


Die Netze des müden Fischers werden voll. So voll, dass sie fast zerreißen. Gott schüttet seine Gnade über Simon, dass es nur so überquillt. Aus allen Poren und Ritzen fließt sie über ihn. Das ist doch nicht normal für einen kleinen Fisch wie Simon. So große Gaben! Das ist verrückt. Das ist nicht logisch. Das ist wunderbar und so erschreckend schön. So schön, dass man es nicht fassen kann. Und nicht glauben kann.

„Herr, gehe weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!" Wer so viele Fische im Boot hat, erkennt in ihnen das Geschenk Gottes. Was für ein klarer Moment. Was für eine Offenbarung.

Der verzweifelte Mensch, der an sich und an allem zweifelnde Mensch. Erkennt die Gnade Gottes und geht zu Boden. Das muss man erst mal verdauen. Das muss man erst mal verarbeiten. Da kriegt man Angst. Simon geht auf die Knie. Aber da will Gott ihn nicht lassen.


Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.


Gnade ist kein Selbstzweck. Gott bleibt nicht beim Effekt. Jetzt muss etwas passieren. Jetzt ist er wieder hergestellt, der Simon. Jetzt hat er neuen Mut, Elan, Optimismus und will fischen, fischen, nur noch fischen. Man könnte ihn jetzt einspannen als Chef der Fischerflotte. Man könnte ihn zurücksetzen an seinen Platz. Er ist ja jetzt gesund an seiner Seele. Also, auf den Platz, Simon, und hübsch funktionieren?


Gott arbeitet mit Netzen, aber er ist kein Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Fischen sollst Du, Petrus, aber keine Heringe. Jetzt bist Du ein Menschenfischer. Und wie paradox: So zu fischen heißt nicht Einfangen, sondern Freiheit Schenken.



„Von nun an wirst du Menschen fangen!"


Das ist kein Befehl und kein Wunsch, sondern eine Feststellung, eine Tatsache. Von nun an wird Simone Petrus einer sein, zu dem die Menschen gern kommen. Sie wollen etwas hören von der Erfahrung dieser Nacht. Als der Fischer mit dem Gottessohn dorthin fuhr, wo es tief ist. Und wie die Netze voll wurden. Simon Petrus ist jetzt einer, in dessen Leben, Reden, Denken und Fühlen die Menschen Gott erkennen. Gottes Gnade, Gottes Liebe. Simon Petrus ist jetzt einer, in dessen Nähe die Menschen aufatmen. Ein Menschenfischer ist er geworden, der andere anlockt, anzieht, für Gott gewinnt, weil eine geheimnisvolle Kraft von ihm ausgeht. Eine Energie, die Gott in ihm freigesetzt hat und die auf andere ausstrahlt.


„Auf Dein Wort hin fahre ich hinaus, wo es tief ist!"

Darin liegt der Schlüssel für unsere Lebensfragen. Sich öffnen für die Einladung Jesu, die an uns ergeht, und sich aufzumachen. Wir können dort finden, was wir hoffen und ersehnen.


Und wir werden zu den Menschen, die wir in Gottes Augen sein können. Keine kleinen Fische mehr, sondern Menschenfischer. Durch Gottes große Gaben.


Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.


Predigttext zum Kurparkgottesdienst

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth 2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken. 8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.







     

 

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