logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerklärung
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Die Freundschaft
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café im Foyer
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png 

 

 

 

Die Freundschaft Drucken
Von Lars Kunkel (30.06.2008)

Predigt zum Literaturgottesdienst über "Die Glut"

„Einen Freund kannst du töten, die Freundschaft aber nicht.“ Ein starker Satz. Und das Resümee eines alten Mannes, dem diese Worte wohl nicht als Floskel zuzurechnen sind. Ein Satz, der Widerspruch auslöst. Eine Aussage, in der immer noch die Glut glimmt, zu der das Feuer der leidenschaftlichen Freundschaft zwischen dem alten General Hendrik und seinem Freund Konrad zerfallen ist.
Hendrik war nicht immer der harte General. Er war einmal ein zartes Kind, das diszipliniert wurde. In dem feinfühligen Freund Konrad findet er vielleicht etwas von der weichen Seite, der anderen Seite, die in ihm selbst getötet wurde. Henrik und Konrad lernen sich als Kinder kennen und sind sehr bald so eng miteinander verbunden, dass sie fast wie eine Person wirken. Unzertrennliche Freunde. Suchen wir im Gegenüber etwas von den verlorenen Seiten in uns? Henrik und Konrad ziehen sich gegenseitig an und werden bald eins: „Die Hendriks“. Und mir kommt der Satz aus dem Buch Genesis in den Sinn: „Sie werden dann nicht zwei sein, sondern EIN zusammengehöriger Leib!“ In der Bibel werden diese Worte bezogen auf Mann und Frau.
Doch dieses Gefühl der unzertrennlichen Einheit ist nicht auf die Ehe oder die Beziehung zwischen Mann und Frau beschränkt. So etwas gibt es auch in Freundschaft zwischen Männern und oder zwischen Frauen. Es geht bei diesem „Eins-sein“ weniger um eine körperliche Verbindung. Sandor Marai schreibt: „Vielleicht gibt es in der Tiefe einer jeden menschlichen Beziehung ein Fünkchen Eros“. Und um richtig verstanden zu werden ergänzt er: „Für den Eros der Freundschaft braucht es den Körper nicht … der würde eher stören als erregen.“
Es geht bei dieser Freundschaft nicht um offene Homosexualität. Es geht um eine Freundschaft, die so eng und tief ist, dass man sagen kann: „Ich liebe meinen Freund!“ Oder es zumindest sagen möchte und es nicht wagt, aus Angst in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden. Manchmal begegnet man einem Menschen, Mann oder Frau, mit dem man sich Seelenverwandt fühlt. Weil man sich so ähnlich ist. Oder oft, weil der andere das Alter-Ego ist, das zweite Ich.
Die Bibel beschreibt, dass der Mensch das Ebenbild Gottes ist. Das heißt dann aber, die Fähigkeit Freund zu sein und Freundschaft zu finden, liegt in Gott selbst. Es hat uns mit dieser Fähigkeit nach seinem Bilde geschaffen. Der Mensch ist ein Wesen, das auf den anderen hin angelegt ist. Auf eine Beziehung, auf ein Gegenüber, auf einen Mitmenschen, der mein Freund ist.
Und am intensivsten empfindet man das noch in der Jugend. Konrad und Henrik werden als Kinder Freunde. Als Kind kann man sich ganz hingeben. Kinder haben noch nicht diesen nüchternen Blick. Und so übersehen Henrik und Konrad die ersten Anzeichen der Verschiedenheit. Vielleicht auch, weil Liebe blind macht. Sicher aber, weil das Gefühl einen wirklichen Freund zu haben, beschützt werden soll.
Doch es kommt anders. Henrik muss entdecken, dass die verschiedenen Herkünfte, der eine arm der andere reich, ein Gift sind, das langsam zersetzend wirkt. Konrad ist arm, aber stolz. Er nimmt kein Geld. Henrik ahnt später: Er nimmt keine Almosen, weil er alles will. Auch Hendriks Frau Kristina, die sich im Laufe der Jahre in dem kalten Schloss immer unwohler war und die durch ihre musische Art vieles mit Konrad gemeinsam hatte. Konrad nimmt seinem Freund die Frau. Und er verschwindet ohne ein Wort. Doch die Glut brennt weiter. Die Glut der Liebe, die Glut der Rache und die Glut des Hasses.
Vielleicht hätte man ahnen können, dass zwischen den beiden Freunden etwas nicht stimmt. Hinterher ist man immer klüger. „Du hast mich immer gehasst“, sagt der General über Konrad. „Du wolltest anders sein, in meiner Welt leben“. Das ist die eine Seite der späten Erkenntnis. Der General muss aber auch erkennen, dass sein musischer Freund Konrad ihm im Grund immer schon überlegen war. Macht über ihn hatte, ihn vielleicht sogar fein verachtet hat. Ja, hinterher kann man analysieren und psychologisieren und sagen, dass man hätte wissen müssen, dass es so kommt. Hätte, würde, hinterher. Das sind Worte des Nachdenkens und Betrachtens, aber eben nicht der Liebe und der Freundschaft.
Und dieses Nachdenken setzt meistens erst in späteren Jahren ein. Der General Hendrik sagt: „Wir müssen ertragen, dass unsere Sehnsüchte in der Welt kein vollkommenes Echo haben. Wir müssen ertragen, dass die, die wir lieben, uns nicht lieben. Man muss Verrat und Treulosigkeit ertragen.“
Vor allem diese Sätze sind es, die am meisten zu denken geben. Dieses „Ertragen müssen“ hat für mich zwei Richtungen. Zum einen die persönliche Eben. Und da kann man sehr berechtigt fragen: Muss ich es wirklich ertragen, dass ich verraten und verkauft werde von meinem besten Freund?
Die Antwort ist nicht einfach. Schnell kann man antworten: „Nein, das lasse ich mir nicht bieten. Ich diskutiere das aus oder ich rechne ab, ich trenne mich.“ Das mag eine Reaktion auf den Schmerz sein. Aber eine Reaktion ist keine Aktion. Ich kann mich dadurch ja nicht vor schmerzvollen Erfahrungen und Enttäuschungen bewahren. Der Preis dafür wäre zu hoch, hieße er doch, überhaupt keine Bindung, keine Freundschaft einzugehen. Niemand, der Freundschaften eingeht, der etwas riskiert, der fühlt, der liebt, wird sich vor dem Schmerz und dem Verrat abschirmen können.
Denn dieser Satz „Man muss Verrat und Treulosigkeit ertragen“ hat ja noch eine Tragweite, die über mein persönliches Empfinden hinausgeht. Als Mensch muss ich ertragen, verletzt zu werden. Das ist der Preis für die Liebe. Schön ist das nicht, aber es ist das, was wir in dieser Welt vorfinden. Man kann das bedauern oder nicht.
Durch die Schöpfung ist der Mensch auf Freundschaft angelegt, weil der Schöpfer selbst Freund ist. Der Mensch ist zur Freundschaft geschaffen, er braucht das Gegenüber, er sucht den anderen, er tastet sich heran, er versucht vertrauen zu schenken. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei!“, aber: Er wird auch enttäuscht. Kaum härter als in diesem Moment, wo eine wirklich innige Freundschaft einschläft oder durch Verrat stirbt spüren wird, dass diese Schöpfung eine gefallene Schöpfung ist.
Im Paradies mag es die vollkommene Einheit gegeben haben zwischen Gott und Mensch und zwischen Mensch und Mensch. Der Mensch, der ganz eins war mit sich, war wir ein Kind, wie in einer träumenden Unschuld. Hier gab es nur das Einsein. Die vollkommene Verbindung.
Doch das Paradies ist ein verlorener Zustand. Ein Ideal noch vor allem Leben, das wir als Menschen kennen und wirkliches Leben nennen. Wir sind bildlich gesprochen eher im Zustand der Vertreibung aus dem Paradies, im Zustand der Trennung und des Verlassenseins. Und immer auf der Suche nach dem verlorenen Paradies.
Die Freundschaft ist eine Annäherung an das Ideal. Wie ein sich Herantasten an das, was Verbindung zwischen Menschen sein kann. In der Freundschaft strahlt die Wärme und Liebe und die Geborgenheit auf, die wir seit dem Verlassen des Paradieses, des göttlichen Ursprungs, vermissen. Es gibt eine seltsame Parallel. Der Mensch im Paradies ist wie das Kind, das die Vollkommene Einheit und Geborgenheit erlebt. Der Mensch nach dem Paradies ist wie der Erwachsene, der nun ernüchtert auf sein Leben schaut und sich wieder auf die Suche nach dem Ursprung macht.
Deshalb müssen wir in der Freundschaft zwar auch Verrat und Schmerz erleben, weil die Freundschaft etwas Menschliches ist. Und so ist, wie wir als Menschen leben und erleben können. Etwas, das immer und immer wieder auch menschlich allzumenschlich ist, also mit Fehlern, Sünden und Verrat behaftet ist.
Doch zugleich ist die Freundschaft das Beste, was wir haben. Weil wir in ihr das erfahren, was Menschen sich schenken können. Weil wir in ihr Geborgenheit, Nähe, Trost und Paradies finden unter den Bedingungen der Existenz. Und weil wir in der Freundschaft ahnen, wie Gott uns ansieht.
Etwas Besseres als die Freundschaft kann es deshalb nicht geben. Auch wenn wir verletzt werden. Daran kann man nichts ändern. Das kann man nicht beseitigen. Man kann lernen, damit umzugehen. Vielleicht durch die Vergebung. Wenn wir Verrat und Brüche in der Freundschaft erleben können und uns dann auch noch vergeben können, gehen wir mit unseren Freunden gemeinsam ein Stück weiter hin zu diesem Zustand im Paradies.
Und doch: Die Sehnsucht in uns, nach der vollkommenen Einheit wird bleiben. Die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, nach Vertrauen und reiner Freundschaft wird uns immer leiten. Sie kann wie eine Glut sein, die uns antreibt. Wie eine Kraft, die uns am leben hält und antreibt. Die Sehnsucht lebt und macht lebendig.


 

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
  • Gottesdienst
    28.10.2018, 10:00 Uhr
    mit Austellungseröffnung
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2018 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.