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Wie geht Glück? Drucken
Von Lars Kunkel (17.05.2008)

Predigt und Fürbitten zum Literaturgottesdienst "Emmas Glück"

„So geht Glück!“ Mit diesem Slogan wirbt eine Zeitschrift. Und sie verspricht damit eine Antwort auf die Frage, die alle Menschen angeht: Wie werde ich glücklich? Denn jeder Mensch möchte glücklich sein. Das verbindet uns alle. Ich habe schon viele Menschen getroffen, die nicht reich sein wollten. Oder die nicht unbedingt erfolgreich sein wollten. Aber glücklich sein wollten sie immer oder waren es sogar.
Jeder Mensch möchte glücklich sein, aber jeder versteht etwas anderes unter Glück. Was ist also Glück? Und wann ist ein Mensch glücklich? Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Begeben wir uns also auf Spurensuche nach dem Glück und schauen wir uns dazu Emmas Glück an.

Emmas Glück entwickelt sich mit der Zeit. Auf ihrem Bauernhof zusammen mit den Schweinen lebt sie im Dreck und ist erst einmal zufrieden. Die sie quälende Familie und vor allem der sadistische Großvater sind tot, und das gibt ihr Frieden. Daher kommt die Zufriedenheit. Viele Menschen behaupten, dass Zufriedenheit ihnen reicht. Glücklich ist, wer vergisst, heißt es in der Operette. Und so schön die friedliche Zufriedenheit ist, es gibt doch noch eine Steigerung. Und das richtige Glück kommt für Emma erst mit Max.

Der fällt ihr vom Himmel in den Schoß. Glück ist eben auch Glückssache, ein Zufall, eine Wendung des Schicksals. Man wird kaum vermuten, dass ein Autounfall ein glücklicher Zufall ist. Und doch gibt es manchmal ein Glück im Unglück. Etwas beginnt mit einem Unglück, und daraus wird Glück. Glück machen wir nicht, Glück widerfährt uns. Glück lässt sich nicht planen. Glück ist Geschenk. Und Glück macht dankbar.

Aber Glück ist auch Arbeit. Wer zum Beispiel für eine Aufführung geprobt hat, die am Ende zu einem Erfolg wird, ist glücklich. Wer sich ein Ziel gesteckt hat und dafür trainiert hat, ist am Ende glücklich. Glück hat also auch etwas mit Anstrengungen zu tun. Trotzdem führt längst nicht jede Anstrengung zum Erfolg. Emma strengt sich an. Sie geht taktisch vor in der Begegnung mit Max. Sie lässt ihm Zeit, und sie lässt sich auf ihn ein.

Glück braucht ein Gegenüber. Man kann sicher auch für sich alleine glücklich sein. Vielleicht, wenn man durch einen schönen Wald spaziert. So wie Emma ihr Leben auf dem Hof lebt, zufrieden. Doch dann kommt ein Mann hinzu. Der ist mehr als ein Ersatz für das Glück spendende Mofa. In Max begegnet sie einem Menschen, der ganz anders ist als sie. Doch über Missverständnisse und Streit hinweg findet sie in ihm einen Menschen, der für sie da ist. Der für sie kocht. Der ihr zuhört. Emmas Glück verändert sich von einer Zufriedenheit über einen Glücksmoment zu einem tiefen Gefühl. Durch das gemeinsame Glück. Durch das Gefühl des Angenommenseins. Glücklich ist, wer geliebt und angenommen ist.

Jetzt bedeutet Glück für Emma, die Vergangenheit loszulassen. Sie erzählt Max alles von sich und ihren Verletzungen, und sie kann nun loslassen. Alles, was sie an die Vergangenheit erinnert, wird nun verbrannt. Glück bedeutet also auch, die Schatten der Vergangenheit zu verlieren und nicht mehr am Alten zu kleben. Glück heißt Loslassen und hinter sich lassen können. Menschen erleben dies, wenn eine Therapie abgeschlossen ist und die Verletzungen der Kindheit nicht mehr quälen. Glück entsteht, wenn Menschen Trauer überwunden haben und sich neu dem Leben stellen können. Deshalb gehören auch Glück und Mut zusammen. Nicht nur, weil das Glück mit den Mutigen ist, sondern weil ein glücklicher Mensch mutig wird und etwas wagt. Das erleben wir an Emma und auch an Max.

Und Glück ist ein Moment, aber was für einer. Ein Mensch kann lange zufrieden sein, man kann vielleicht auch über einen Menschen sagen, er sei ein glücklicher Mensch, vielleicht, weil Glück auch etwas mit unserer Prägung zu tun hat. Doch das echte Glück erleben wir in einem Glücksmoment. In diesem Moment hat ein Mensch die größte Angst, dass sich etwas verändert.

Glück ist der Moment, über den Faust sagen würde „Verweile doch, du bist so schön.“ Oder Nietzsche dichtet: „Alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!“. Der Glücksmoment ist der Augenblick, in dem die Zeitbahn des Lebens, die Dauer, unwichtig wird. Der Moment, in dem es kein Gestern und kein Morgen mehr gibt und wir ganz in der Gegenwart leben.
Ein Moment, in dem wir lebendig sind und für den es sich gelohnt hat zu leben. Ein Moment, mit dem im Herzen wir sogar sterben könnten. Vielleicht sollte niemand leben und sterben müssen, ohne diesen besonderen Moment erlebt zu haben.

In der Bibel, in der es doch so sehr um das Leben geht, kommt das Wort Glück kaum vor. In den Seligpreisungen kommt das Wort „glückselig“ vor. Doch Jesus ist kein Hans im Glück und Gott kein Glücksbringer, und doch kann Glaube glücklich machen.

Und das gerade, weil in der Bibel nicht das Glück, sondern das Heil im Mittelpunkt steht. Was dieses Heil ist, lässt sich ganz einfach so sagen: Gott liebt den Menschen und nimmt ihn an. Und alles, was wir in „Emmas Glück“ über das Glück erfahren haben, passt ganz genau auf diesen Glauben.

Glaube ist Geschenk. Niemand kann sich selbst zum Glauben bringen durch eifriges Bücherstudium oder angestrengtes Nachdenken. Glaube fällt einem in den Schoß, er ist ein Geschenk Gottes.  Aber Glaube ist auch Arbeit.
Mit dem Glauben muss man sich auch beschäftigen und sich damit auseinandersetzen, was es für mich persönlich heißt, dass Gott mich liebt. Mühe kann es auch machen, dieses Geschenk überhaupt zuzulassen und anzunehmen. Menschen, die sich nicht für wert halten, glücklich sein zu dürfen, können oft auch nicht annehmen, dass sie von Gott geliebt sind.

Deshalb ist Glaube auch Entwicklung. Man hat den Glauben nicht, er entwickelt sich vielleicht von einem Kinderglauben zu einem erwachsenen Glauben, vielleicht auch durch manches dunkle Tal voller Zweifel und Fragen hindurch. Deshalb ist Glaube auch so lebendig.

Glaube braucht immer auch ein Gegenüber. Nicht nur Gott, sondern auch Menschen, mit denen wir gemeinsam glauben. Glaube und Glück werden mehr, wenn sie geteilt werden. Und wenn Glück meint, dass wir uns angenommen und geliebt fühlen, dann ist es der Glaube, der genau das meint und so glücklich macht.

Glaube bedeutet aber auch Loslassen. Er befreit uns von der ewigen Sorge darum, unser Leben selbst meistern zu müssen.
Von der manchmal quälenden Frage, was aus unserem Leben wird und welchen Schritt wir als nächsten unbedingt gehen müssen, um unserem Leben einen Wert zu geben.

Der Großvater in „Emmas Glück“ verkörpert die Hölle. Mit grausamer Lust zerschmettert er die nutzlosen, wertlosen Vögel. Dem gegenüber stehen die Worte Jesu, die Emma lernt und die den Himmel auf die Erde bringen:  „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Das sind Worte Jesu aus der Bergpredigt und vielleicht so etwas wie eine Anleitung zum Glücklichsein.

Glaube und Glück bleiben jedoch Momente. Glück und Glaube sind kein Dauerzustand, den wir festhalten können. So wie der Glücksmoment alle Zeit des Lebens anhält und den einen Moment zur Vollendung des Lebens macht, so ist auch der Glaube ein Augenblick der Ewigkeit, in dem ich erfahre: Ich bin geliebt. Und dann zählen nicht mehr Ferrari und Mexiko. Sondern nur noch eins: Ich bin geborgen im Leben und im Tod und befreit von aller Sorge um mich. Geht so Glück?
AMEN.
 
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