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Hoffnungslos religiös Drucken
Von Lars Kunkel (15.04.2008)
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Menschen sind religiös. Über 70% der Menschen glauben an die Macht des Gebetes.
Quelle: Pixelio.de

„Die Menschen sind hoffnungslos religiös." So hat es mal jemand im Scherz gesagt, aber im Kern stimmt es doch. Fast jeder Mensch hat etwas, an das er glaubt. Stille Stoßgebete vor Klassenarbeiten, Horoskope am Frühstückstisch, tiefste Frömmigkeit.

Gibt es überhaupt einen Menschen, der nicht zumindest mit einer höheren Macht rechnet? Einem Schicksal, einem Gott? Klaus Peter Jörns hat in seinem spannenden Buch „Die neuen Gesichter Gottes" sehr genau untersucht, was Menschen glauben. Betrachtet man erst einmal die großen Religionen und die vielen kleinen Alltagsaberglauben, fast wird einem schwindelig ob der Vielzahl an Spielarten der Religion und dessen, was geglaubt wird. Es gibt keinen einheitlichen Glauben.

Immerhin glauben mehr als 70% der Menschen an Gott. Doch viele christliche Glaubensinhalte sind vielen Menschen nicht mehr vertraut oder nicht mehr geheuer. Für nur noch ein Viertel von ihnen ist Jesus Christus ein Name Gottes. Auch ein Drittel der Pfarrer können dieses zentrale christliche Dogma nicht mehr glauben. Unter den Christen gibt es zahlreiche verschiedene Auffassungen darüber, was Auferstehung bedeutet und ob es nicht doch eher eine Art Wiedergeburt ist. Ich staune manchmal, was Menschen so alles glauben und vermischen.


Manche macht das wütend. Es regt sie auf, dass kaum noch jemand fundiertes Bibelwissen hat. Dass die Menschen nicht mehr wissen, wie man sich in einer Kirche oder beim Abendmahl verhält.

Manche haben Angst, weil sie die Zukunft der Kirche und des christlichen Abendlandes gleichermaßen vor dem Ende sehen. Manche sind auch traurig oder verunsichert.

Wo findet man Hilfe und Kraft? Ist es ein Ausweg, auf die eigene Tradition zu pochen und seine Insel im sonntäglichen Gottesdienst zu suchen, wo man Gleichgesinnte zu treffen hofft? Ist es Trost, sich in kleinen Zirkeln der eigenen Rechtgläubigkeit zu versichern? Wohl kaum.

Hat nicht Jesus uns dazu aufgerufen, das Evangelium in alle Welt zu bringen? Doch was tun, wenn es entweder nicht gehört werden will und oder einfach nicht verstanden wird?

Die abscheulichste Antwort auf solche Erwägungen sind die Glaubenskriege, die übrigens auch heute im Namen Jesu geführt werden.

Was also tun, wenn wir erkennen:

Menschen sind hoffnungslos religiös. Sie spüren, dass es noch etwas geben muss, sie suchen und streben mit sehnsüchtigen Herzen, sie glauben oder möchten glauben, dass es noch etwas mehr im Leben gibt als nur das, was vor Augen ist. Die grundsätzliche Religiosität ist das eine, aber was dann geglaubt wird, ist der zweite Schritt. Und um beides geht es in der wunderbaren Areopagrede des Paulus, von der uns Lukas in der Apostelgeschichte erzählt.

Paulus führt uns darin vor, wie es gehen kann. Mir kommt es dabei heute weniger darauf an, was er sagt, als vielmehr, wie er es sagt.

Etwas Gutes muss man auch auf gute Weise sagen. Sonst glaubt einem keiner. Das Evangelium kann man nur evangeliumsgemäß verkünden. Wie macht Paulus das also?

Er geht in die Stadt Athen, eine pulsierende Großstadt, in der Meinungen und Lebensansichten bunt aufeinander treffen. In der ganz unterschiedliche Menschen zusammenleben. Er schlendert durch die Straßen, scheinbar ziellos, er lässt sich treiben mit den Menschenströmen. Er streift durch die dunklen und hellen Viertel. Und er nimmt neugierig alles um sich herum wahr. Er hört die Stimmen und Stimmungen, hört die Diskussionen, er schaut sich die Geschäfte und Auslagen an, und er staunt über die prächtigen Tempel in der Stadt. Ohne Vorurteile - und deshalb ganz offen -  nimmt er auch das religiöse Leben wahr. „Ich bin umhergegangen", sagt er, „und habe Eure Heiligtümer gesehen." Die Göttertempel, die Konsumtempel, die verborgenen Orte des heimlichen Rausches in den dunklen Straßen, Zentren der Macht und die vielen religiösen Angebote.

Doch er wendet sich nicht angewidert ab und flüchtet in die Synagoge, er sucht das Gespräch mit den Menschen auf der Straße. Er redet mit, er diskutiert, er ist aktiv. Hier wird auch mal gestritten und mit Worten gekämpft. Hier wird gerungen und gesucht, gehört und überzeugt. Man spürt die Lebendigkeit des Glaubens. Schließlich geht es um etwas. Nicht nur um Philosophie und Dichtung, Theorie und die rechte Lehre. Es geht darum, was unser Leben trägt, was unsere Werte sind, worauf wir unsere Hoffnungen setzen. Es geht um alles - um das ganze Leben.

Paulus redet nicht von Lehrpult und Kanzel, erst einmal spricht er auf Augenhöhe mit den Menschen. 

Dann erst kommt der große Auftritt auf dem Areopag, dem berühmten Platz des Denkens und des Austausches in Athen. Vor ihm stehen jetzt zahlreiche gebildete Athener. Paulus hat einen Tempel für den „unbekannten Gott" entdeckt. Dieser Tempel wird für ihn zum Zeichen für die religiöse Sehnsucht der Athener, für die Sehnsucht nach Erfüllung und Sinn im Leben. Und alles, was er von den Athenern erfahren hat, verurteilt er nicht schnell als Irrweg. Er nimmt es im Gegenteil auf. Wir sind religiöse Menschen - das verbindet uns. Das ist unsere Gemeinsamkeit - die Sehnsucht und der Glaube. Und gerade das bringt uns auch heute den anderen Menschen so nah.

Es kommt darauf an, zu den Menschen zu gehen, zuzuhören und zu lernen. Sich ohne Vorurteile und Besserwisserei zu informieren. Was fasziniert Jugendliche? Warum lesen Menschen ihr Horoskop? Was glauben eigentlich Moslems genau? Und woran glauben meinen Mitbrüder und Schwestern?

Das ist der erste Teil der Rede auf dem Areopag. Sie knüpft an die Religiosität der Menschen an. Wahrscheinlich hat Paulus bis hier hin zustimmendes Gemurmel gehört.

Doch jetzt kommt Teil zwei.

Paulus argumentiert für seinen Glauben. Er knüpft an das an, was er wahrnimmt, doch er setzt sich zugleich auch davon ab.

Er ist offen und achtsam für andere und kennt zugleich die Wahrheit und Tragfähigkeit seines eigenen Glaubens. Er redet ganz konkret davon, worin Sinn und Ziel seines Lebens liegen. Was er glaubt und hofft.

Er redet davon, dass Gott sich nicht irgendwie gezeigt hat, sondern in Jesus Christus. Der unbekannte Gott hat einen Namen: Jesus Christus. Er redet von der Auferstehung Jesu als der grundlegenden Hoffnung. Der Osterglaube unterscheidet seinen Glauben von dem der Athener, den christlichen Glauben von allen anderen Religionen. Wir leben und weben und sind in einem Gott, aber der hat ein Gesicht in Jesus Christus. Dieser Gott schafft das Leben und erhält es, er vergibt Sünden und überwindet den Tod. Man kann sich viele Gesichter von Gott malen wollen, Gott hat sich in Jesus Christus selbst ein Gesicht gegeben.

Das kann man wissen und muss trotzdem andere nicht abkanzeln. Genauer: Wer das weiß, wird andere nicht brüskieren. Paulus nimmt mit Respekt wahr, er benennt Verbindendes und drückt sich nicht vor den Unterschieden. Paulus ist deshalb kein Fanatiker. Er weiß, dass seine Wahrheit und sein Glaube und sein Gott sich ihren Weg von selbst bahnen.

Er zwingt niemandem seinen Weg auf, aber er riskiert etwas. Er hat Vertrauen in seine Sache und deshalb ein weites Herz.

Und die Reaktionen der Menschen sind ganz unterschiedlich. Einige lachen. Das tut weh und das kränkt, aber das ist nun einmal das Risiko, wenn man Farbe bekennt. Einige andere sagen sinngemäß: „Darüber müssen wir noch mal reden!". Warum nicht? Im Gespräch zu bleiben ist doch das Wichtigste. Paulus bleibt gelassen und unverkrampft. Und einige andere schließen sich ihm sogar an. Damaris und Dionysos werden namentlich benannt. Von ihnen wird man noch einiges gehört haben.

Was Paulus sagt und wie er es sagt, stimmen bei ihm überein. Er redet von der Liebe Gottes, und er tut dies mit Feingefühl und Respekt. Er spricht vom Gott für alle Menschen, und er sucht die Spuren dieses Gottes bei den Menschen. Er predigt den Gott, der über allem steht, und spielt sich dabei nicht auf. Er redet von der Freiheit des Glaubens, und er lässt den Menschen die Freiheit.

Er predigt einen Gott, der uns zu den Menschen sendet, und er geht. Er predigt den Frieden Gottes und lässt damit Gottes Frieden auf Erden wahr werden.

„Gehet hin in alle Welt!"? Diesen Auftrag nimmt unsere Gemeinde ernst. Durch die Literaturgottesdienste und die Thomasmesse, durch die Kulturarbeit und Konzerte, durch die offene Kirche und den Besuchsdienst, durch die Jugendarbeit und vieles mehr. Und das ist gut so!

Eine Gemeinde hat heute mehr denn je den Auftrag, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Und ihnen dabei „auf´s Maul zu schauen", wie Luther fordert, ohne ihnen dabei jedoch nach dem Mund zu reden. Eine Kirche im Elfenbeinturm oder Kämmerlein bleibt nur bei sich selbst und wird sich darin verlieren. Jeder und jede von uns kann einen Beitrag dazu leisten, etwas weiterzugeben, ins Gespräch zu kommen, Glauben zu leben und vor allem: zuzuhören.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

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