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Männer munter machen Drucken
Von Lars Kunkel (31.03.2008)

Predigt zum Sonntag Quasimodogeniti 


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Evangelium und Milch machen munter
Quelle:
www.pixelio.de

Milch macht müde Männer munter! Diesen herrlichen Werbespruch aus den 50er Jahren mit den 5Ms vergisst man nicht so schnell. Und deshalb kam er mir beim Nachdenken über den heutigen Sonntag sofort in den Sinn. Denn auch heute geht es um Milch und um müde Männer.

Müde geworden sind die Männer Israels im Babylonischen Exil. Sie haben keinen Mut mehr. Sie fühlen sich verlassen von dem Gott, von dem sie viel erwartet hatten. Sie glaubten, dass dieser Gott ihnen immer Kraft geben würde, dass er Israel zu Ansehen und Stärke führen würde. Sie waren einmal Feuer und Flamme und doch - jetzt waren SIE nur noch ausgebrannt.  

Wer ausbrennt, der hat einmal gebrannt, weiß man heute. Haben die Männer aus Israel vielleicht so etwas wie ein religiöses Burnout? Einige Anzeichen sprechen dafür. Wer viel verlangt, perfektionistisch ist, große Erwartungen hat, sich vielleicht sogar für unangreifbar hält, ist in Gefahr. Und die Israeliten hatten große Erwartungen: Sie hofften darauf, dass ihr Gott sie zu dem Glanz des Reiches Davids zurückführen würde. Stattdessen kam das Exil, die Vertreibung aus der Heimat und dem Tempel als zentralem Merkmal des Glaubens und der Gegenwart Gottes. Jetzt im Exil waren sie nur traurig und müde und krank vom Schmerz und depressiv. Müde und ausgebrannt sind die Männer Israels.  

Wie kann diesen Müden und Matten neue Kraft gegeben werden? Eine Kraft, mit der sie sich emporheben wie Adler?

Jesaja knüpft an den Grundlagen an und erinnert an die Schöpfung. „Schaut genau hin und seht die gewaltige Schönheit der Natur. Das alles hat Gott gemacht. Und jeder einzelne ist mit Namen bekannt."  

Erinnern an die Quellen des Lebens. Das ist ein Wirkstoff auch gegen ein religiöses Burnout und geistliche Depression. Alles, was ist, kommt von Gott und alles, was lebt, ist Gott bekannt.

Dieses Mittel wirkt auf doppelte Weise. Zum einen ist es Ermutigung. Als Geschöpf Gottes gesehen zu werden meint ja: „Du bist wichtig, du bist bei Gott bekannt, er hat dich geschaffen und verlässt dich nicht." Dieser Glaube macht die Müden munter, und er bewahrt uns vielleicht sogar davor, mutlos und matt zu werden.

Sehr wichtig ist das für alle Menschen, die etwas bewegen wollen, die sich nicht abfinden, die etwas gestalten und auf den Weg bringen. Und für die Menschen, die wir heute neu in ihren Dienst im Presbyterium einführen. Voller Erwartung stehen sie vor ihrem neuen Amt.


Sie möchten etwas bewegen wie so viele Menschen mit ihnen und vor ihnen in der Gemeinde und anderswo.  Jesajas Worte an die müden Männer Israels sind hier ganz aktuell für alle Männer und Frauen, die ihren Dienst tun, die engagiert sind, die etwas tun wollen.

Die Worte Jesajas sollen ermuntern und befähigen, aber auch warnen. Denn mit jedem Engagement sind auch immer Gefahren verbunden. Nämlich dann, wenn wir meinen, dass alles an uns hängt. Wenn wir uns als Person nicht mehr von der Arbeit abgrenzen können. Wenn wir immer mehr tun, um Lücken zu schließen aus der Angst heraus, die Kirche und die Gemeinde oder unsere Arbeit könnte nicht gut genug sein.

Geschöpf Gottes zu sein, heißt aber: Du bist Geschöpf und nicht Schöpfer. Du musst nicht perfekt sein, aber Du bist es auch nicht. Du, Mensch, hast Deine Grenzen, und die zu erkennen ist heilsam.

Für alle Menschen mit Ambitionen und Engagement und vor allem für unsere neuen Presbyter heißt das: Verlangt viel, aber nicht zu viel.

Nicht von den anderen und nicht von euch selbst. Seid beharrlich, aber nicht starrsinnig, seid fordernd, aber überfordert nicht, Denkt daran, dass nicht alles an euch hängt. Setzt euch mit ganzer Kraft und mit allen Mitteln dort ein, wo Gott euch hinstellt. Aber denkt auch daran, dass Ihr nicht alles alleine schaffen müsst. Tut euren Dienst in dem Bewusstsein, dass Brüder und Schwestern für euch da sind und dass Gott mitgeht. Heute verabschieden wir Presbyter, aber von ihren Erfahrungen und Kenntnissen können wir alle weiter lernen und uns beraten lassen. Wir stehen nicht vor einem Wechsel im Presbyterium, sondern vor einer Stabübergabe durch Menschen, die Großes geleistet haben und dabei bestimmt auch ihre Erfahrungen mit Rückschlägen und Ermüdungen gemacht haben und doch immer wieder aufgestanden sind.

Milch macht müde Männer munter. Wie passend ist es da doch, dass der heutige Sonntag müde Männer und Milch zusammenbringt. Dieser Sonntag heißt Quasimodogeniti nach dem Antiphon, also der Psalmantwort, und die heißt an diesem Sonntag: „Wie neu geborene Kinder nach Milch, so seid begierig nach dem unverfälschten Wort Gottes! Halleluja. (nach 1. Petr 2, 2a).

Das Wort Gottes, das Evangelium, ist die Milch, die müde Männer und Frauen munter macht.  Die Zusage, dass Gott uns erschaffen hat, dass er uns Kraft gibt und dass er uns vergibt, wenn wir Fehler machen und uns wieder aufhilft.


So wie ein Kind begierig nach Milch ist, so sollen wir begierig nach dem Wort Gottes ein. Die große Frage ist jetzt nur noch, wie wir das auf uns anwenden können. Denn was bei einem Kind selbstverständlich ist, müssen wir Erwachsenen oft wieder mühsam lernen. Einfach ist das nicht.

Von Dietrich Bonhoffer wird berichtet, dass im Jahre 1930 ein befreundeter französischer Mitstudent sich wünschte: Ich möchte ein Heiliger werden! Als aufrechte Protestanten winken wir dabei ab. Nein, Heilige wollen wir nicht sein. Aber gut. Wer möchte nicht weiter kommen im Glauben? Wer möchte nicht Glauben in die Tat umsetzen und Vorbild und glaubwürdig sein?  Wer Christ ist und wessen Herz für den Glauben und für die Gemeinde brennt, der möchte gern mehr erreichen, mehr bewegen, weiter kommen.

Auch unter Christen gibt es ja Ziele, Streben nach Erfolg, nach Verbesserung, nach Wachstum. So könnte man den Wunsch des jungen Franzosen verstehen. „Ich möchte ein Heiliger werden."

Bonhoeffer hat darauf geantwortet: „Ich möchte ein Glaubender werden." Das klingt zunächst seltsam für jemanden, der promovierter Theologe und Vikar ist. Doch wer genau darüber nachdenkt, erkennt, dass darin, ein Glaubender zu werden, vielleicht die schwerste Aufgabe liegt. Es ist schwer, so zu vertrauen wie ein Kind sich Vater und Mutter anvertraut. Es ist nicht immer leicht,  zu glauben und zu vertrauen auf den, der unser Leben geschaffen hat. Es verlangt von uns Erwachsenen vielleicht eine lebenslange Übung, wieder  Quasimodogeniti zu werden und wie ein Kind nach Milch begierig zu sein nach Gottes Wort. Wie die kleinen Kinder zu werden und Gott zu suchen und zu vertrauen, Neues entdecken zu wollen, aber auch Grenzen kennen zu lernen.  Und doch ist das ist die erste und auch schwerste Aufgabe für einen Christen.

Doch keine Angst: Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug. Gott gibt genug, also ausreichend, aber eben auch nicht zu viel.

Gott gibt die Kraft, die wir brauchen, um eine Situation zu durchstehen. Diese Erfahrung haben Menschen immer wieder gemacht und sich oft gewundert, wie sie das geschafft haben, was sie in dem Moment kaum für möglich gehalten hätten. Auch die müden Männer Israels mussten erleben, dass Gott das Babylobnische Exil nicht einfach beseitigt hat oder ihnen die Kraft gegeben hat, die Feinde zu besiegen. Und trotzdem: Das babylonische Exil wurde zu einer Schatzkammer biblischer Poesie und brachte ganz neue Erfahrungen mit sich, nämlich die, dass auch ohne Tempel Gott mitgeht und sein Volk nicht verlässt.


Gott gibt uns genug Kraft, und zwar gerade so viel, dass wir nicht wieder zurückfallen in die Illusion, alles aus eigener Kraft zu schaffen und wieder überheblich und vermessen allein auf unsere Fähigkeiten zu sehen, die wir ja zweifellos haben. Gott gibt soviel Kraft, dass wir etwas bewegen können, ohne zugleich zu stolz zu werden. Das bewahrt vor Ausbrennen und lässt uns doch Feuer und Flamme sein. Gottes Kraft ist die Milch, die müde Männer und Frauen zu munteren Adlern macht.


Und so möchte ich schließen mit einem Gebet von Dietrich Bonhoeffer:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."


Predigttext: Jesaja 40, 26-31

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: «Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber»? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden

 

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