logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerkl
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow "Wo soll das noch hinführen?"
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png

 

"Wo soll das noch hinführen?" Drucken
Von Lars Kunkel (18.02.2008)

bruecke.jpg?Wo soll das noch hinführen?" Von älteren Menschen hört man manchmal diese Frage, die vielen Menschen durch den Kopf geht. In der Frage liegt Besorgnis und Ratlosigkeit. Und das, obwohl wir eigentlich heute mehr wissen denn je. Wir haben das Weltall erforscht, Computer berechnen das Wetter, wir wissen, warum wir eine Grippe bekommen und was man dagegen tun kann.
Wissen ist Macht, Wissen ist Kontrolle, und trotzdem fühlen sich viele ohnmächtig. Da wird einfach das Nokia-Werk in Bochum geschlossen. Da wird geredet von Globalisierung und geänderten Produktionsbedingungen, und wir ahnen, dass hinter dieser faktischen Existenzvernichtung keine Naturkatastrophe, sondern irgendeine Logik steckt. Die wir aber leider nicht begreifen. Und dass und wie  steinreiche Manager ihre Millionen in Lichtenstein verstecken, kann sich nicht einmal ein sehr phantasiebegabter Normalverdiener auch nur vorstellen. Keiner, der immer nur Nullrunden kriegt. Keiner, der brav seine Steuern zahlt, wie Millionen. Manchmal ist man ratlos. Manchmal wütend.


?Wo soll das alles noch hinführen?" Das gesellschaftliche Klima prägt das persönliche Leben eines Menschen. Es geht ja nicht allein um eine gesellschaftliche Ratlosigkeit und eine generelle Ohnmacht. Und deshalb muss die Frage für heute eigentlich heißen: ?Wo führt mein Leben hin?" Wohin geht die Reise? Woher kommt die Kraft, überhaupt noch etwas zu wagen? Weiterzumachen? Etwas Neues anzufangen, statt einfach alles hinzuwerfen? Woran soll ich mich orientieren? Wie schaffe ich es, meinen Glauben zu behalten? Meinen Glauben an das Leben, an die Zukunft, an Gott?


Der Predigttext aus dem Hebräerbrief spricht genau diese Situation an. Er richtet sich an Christen, die verunsichert sind. Die fragen, wie es weitergeht. Wer nach vorne gehen will, muss etwas im Rücken haben. Deshalb erinnert der Hebräerbrief an Abraham, den Urvater des Glaubens. Abraham ist deshalb so berühmt geworden, weil er vorlebt, was Glauben im Kern bedeutet. Glauben heißt: Ich weiß, worauf ich vertrauen kann. Und ich wage es deshalb, mich auf den Weg zu machen.


Abraham weiß viel weniger über die Welt als jedes Grundschulkind heute. Er weiß nichts über einen Kompass oder dass die Erde eine Kugel ist. Er kennt keine Landkarten und kein GPS. Er kennt kein Antibiotika gegen gefährliche Infektionen und kein Internet, in dem er sich über Reiseziele informieren kann und vor Gefahren gewarnt wird. Er weiß nicht einmal, wo er genau hingehen wird. Abraham ist noch viel ohnmächtiger als die meisten Menschen heute. Aber etwas macht ihn stark, und das ist sein Glaube, sein Vertrauen auf Gott, der ihm sagt: ?Zieh los! Mache Dich auf in ein Land, das ich Dir zeigen werde."


Bitte glauben Sie nicht, der alte Wüstenvater Abraham hätte nichts zu verlieren. Er verlässt seine Familie, die ihm einiges an Halt und Sicherheit gab. Während die Menschen sich heute eher in die Familie, in die eigenen vier Wände zurückziehen und dort die letzte Schutzburg vor der rauen Wirklichkeit zu finden hoffen, gibt Abraham diesen vertrauten Raum auf. Und Abraham ist nicht einmal jung und dynamisch oder zumindest jung und unbedarft. Er ist ein ziemlich alter Mann, der nicht mehr allzu viel zu erwarten hat. Doch er folgt der Verheißung Gottes.


Die Bibel nennt das Glaubensgehorsam. Richtiger müsste man heute vielleicht sagen: Abraham hat Urvertrauen. Er trägt etwas in sich, das ihm die Kraft und den Mut gibt, Vertrauen zu können. Das ist eine große Gabe. Er traut Gott. Er traut ihm etwas zu und vertraut darauf, dass Gott ihn nicht in die Irre führt. Dass Vertrauen ein hohes Gut ist, wissen wir heute noch genau so gut. Wem vertrauen wir? Und ist unser Vertrauen nicht oft erschüttert worden? Und liegt in diesem Vertrauensverlust nicht der Ursprung der Frage danach, wohin das alles noch führen soll?


Abraham hat Urvertrauen und er glaubt an die Macht der Veränderung. Er glaubt daran, dass noch etwas Gutes passieren kann, er hat den Glauben an die Zukunft nicht aufgegeben.


Ein Mensch kann nur aufbrechen, wenn er überhaupt noch etwas erwartet. Wenn er sieht, dass sein bisheriges Leben besser werden könnte. Wenn er noch etwas von der Sehnsucht in sich trägt, nach etwas anderem, etwas Neuem, etwas Gewagtem.


Ein Mensch, der aufbrechen will, wird aber immer auch hin und her gerissen sein. Er denkt an die Zukunft, an das Neue. Der Gedanke prickelt und macht ihn aufgeregt. Aber er hat auch Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten. Und oft ist die Angst vor dem Unbekannten größer als die Unzufriedenheit über das gegenwärtige und Momentane. Viele Menschen bleiben deshalb lieber sitzen. Sind unzufrieden, nörgeln oder lenken sich einfach ab. Man kann sich nämlich sehr gut ablenken von der Sehnsucht, aufzubrechen. Dann guckt man lieber Fernsehen und träumt von einem anderen Leben. Oder man findet viele Gründe dafür, warum es lohnender ist, dass alles beim Alten bleibt. Dass ich selbst der Alte bleibe. Man wagt keinen Schritt nach vorne und fragt nur, wohin das alles führt, weil man sich immer nur getrieben und geführt und vorgeführt fühlt, statt selbst mal einen Schritt zu gehen nach vorne und etwas zu wagen. Wer sich keinen Schritt bewegt, sondern nur treiben lässt, kann am Ende nur resignieren. Und jede neue Schlagzeile in den Nachrichten wird Öl in das Feuer der Resignation gießen, die am Ende alles Leben zur Asche macht.


Wer jedoch etwas wagen will, wer aufbrechen will, der braucht Sicherheit. Jedes Kind, das laufen lernt, braucht die haltende Hand. Das Gefühl, Vater oder Mutter gehen mit. So vertraut Abraham auf Gott. Das gibt im Bestand und Sicherheit. Im Vertrauen auf die Konstante kann er sich bewegen. Psychologen sagen heute, dass jede Veränderung auch Kontinuität erfordert. Ich brauche Identität und Selbstbewusstsein, um mit neuen Situationen fertig zu werden. Und jeder Unternehmer weiß, dass Innovation immer auch Tradition braucht. 


So vertraut Abraham und lässt sich führen von jemandem, dem man vertrauen kann. Das ist wichtig. Denn immer wieder drängen sich Ratgeber und Seelenführer auf, die ganz anderes als das Wohl des Menschen im Blick haben. Gott meint es gut. Er führt Menschen in die Liebe und in die Freiheit. Er wirbt um Menschen, er lockt, aber er zwingt nicht. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er aufbricht oder nicht.


Allerdings, auch das muss noch gesagt werden, gibt es unzählige Menschen, die keine Wahl haben. In deren Leben sich etwas ändert und die aufbrechen müssen. Aber wenn ein Aufbruch schon sein muss, wird dieser Schritt mit Gottes Hilfe sicher leichter fallen und Manches erst ermöglicht werden.


Abraham war der erste, der aufbrach. Mit einem vagen Ziel vor Augen. Aber immerhin mit dem Versprechen, dass es ein Ziel gäbe. Und mit der Verheißung, dass Gott ihn führen wird. Zukunft und Verheißung, diese beiden Worte fallen zusammen in dem, was wir Segen nennen. Im Alten Testament heißt es über Abraham, er sei gesegnet. Denn Gott geht mit. Und er soll ein Segen sein. Denn Menschen, glaubende Menschen im Aufbruch, können für andere Hilfe und manchmal sogar Rettung sein.


Abraham war der erste. Doch unzählige sind ihm gefolgt und haben immer die gleiche gute Erfahrung gemacht. Gott geht mit.


?Wohin soll das alles noch führen?" Diese Frage kann ich Ihnen auch nicht genau beantworten. Oft genug bin ich auch ratlos, ängstlich oder wütend. Doch in einem bin ich mir ganz sicher. Gott gibt unserem Leben ein Ziel. Er verändert uns. Er bringt uns auf den Weg heraus aus dem Stillstand zum Leben. Er zeigt uns Wege, vielleicht immer nur bis zur nächsten Ecke. Dann erst kommt der nächste Wegweiser. Und Gott gibt unserem Leben einen Sinn und eine Richtung. Und immer, immer und in jedem Moment geht Gott mit. Nicht nur mit Vätern des Glaubens, sondern mit seinen geliebten Kindern.


Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.



  

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2019 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.