Wir leben mittendrin | Gemeinschaft - Kultur - Versöhnung
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerklärung
Auferstehungskirche am Kurpark in Bad Oeynhausen
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Die drei Nüsse
         
Home
Unsere Gemeinde
Gottesdienst
Kirchenmusik
Kindergärten
Familienzentrum
Auferstehungskirche
Café
Service
facebook_button.jpg

 

Die drei Nüsse
Von (03.12.2007)

Predigt zum ersten Advent.

In Kern spannend: Der Advent.Kennen Sie das auch? Man nimmt sich eine Nuss vom Teller und freut sich schon auf den leckeren Kern. Vielleicht drückt man erst etwas mit der Hand. Dann sucht man einen Nussknacker und versucht sich damit. Aber Vorsicht.

Nüsse knacken ist eine Kunst. Mit Gewalt geht gar nichts.
Dann bekommt man nur gemahlene Nüsse vermischt mit Schalen. Das macht keinen Spaß. Einige Nüsse sind besonders lecker, aber so furchtbar hart, dass man alles Mögliche anstellen muss, um sie zu öffnen.

Eine harte Nuss ist übrigens auch der Predigttext für den 1. Advent.
Er steht im Brief an die Hebräer. Hebr 10, 19-25

Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, 20 den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, 21 und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes,

22 so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. 23 Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; 24 und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken, 25 und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht:


Das alles klingt spannend und interessant im Kern, die Wortschalen drum herum sind allerdings ziemlich hart. Doch diese Nuss kann man knacken. Das ist nicht einmal schwer.


Wir müssen uns dazu den Tempel in Jerusalem vorstellen, an den sich der Hebräerbrief erinnert. Dieser Tempel hat bildlich gesprochen mehrere Schalen. Im äußeren Bereich halten sich die Heiden auf. In der nächsten Schale dürfen sich die gläubigen Juden aufhalten; und im innersten Kern ist das Allerheiligste. Ein dunkler Raum, der das ganz Heilige ist. Dieser Raum ist das Symbol für die Gegenwart Gottes auf Erden.

Ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Durch einen Vorhang ist dieser Bereich abgetrennt. Er darf nur von dem Hohepriester betreten werden. Und das auch nur einmal im Jahr. Er muss sich reinigen, von allem Unheiligen waschen.  Für alle anderen bleibt er jedoch tabu.


Und das ist der Kern des Predigttextes, umgeben von etwas sperrigen Worten. Nämlich, dass der Vorgang zwischen Mensch und Gott, zwischen dem normal Sterblichen und dem Heiligen beiseite geschoben worden ist. Der Zugang zu Gott ist jetzt für jeden Menschen frei. Weil Jesus ihn für uns frei gemacht hat. Um sich das vielleicht noch besser vorzustellen, könnte man noch etwas über den Hebräerbrief hinausblicken. In Jesus Christus zeigt sich Gott uns Menschen. Und wir sehen: Gott nimmt die Menschen an. Und das wörtlich: Er wartet nicht mehr irgendwo und empfängt nur die Auserwählten. Er kommt zu uns Menschen. Und bringt uns Gott nahe.


Liebe Gemeinde, diese Nuss wäre geknackt. Ein wenig sind wir vielleicht auf den Geschmack dieser Nüsse gekommen, die es in sich haben.

Doch weil Advent Vorbereitung bedeutet, möchte ich Ihnen noch drei Nüsse mit auf den Weg geben.


Die erste Nuss aus dem Predigttext heißt: So lasst uns hinzutreten. Die Frage ist: Wie finden wir Gott? Wo entdecken wir ihn? In den Tempel konnte man damals gehen, blickte auf das Innerste und wusste sich Gott dort nahe.


Wo suchen Sie Gott? Viele Menschen besuchen die Auferstehungskirche, nicht nur am Sonntag, sondern auch zwischendurch. Sie blicken auf das Fenster mit dem auferstandenen Christus. Und wer diese Menschen in den Bänken sieht, der kann ahnen, dass sie mit Gott reden.


Gott findet man längst nicht nur in den Kirchen. Gott ist ja nicht an einen Ort gebunden. Gotteserlebnisse kann man überall erfahren. Die spannende Frage ist jedoch, ob ich überhaupt bereit bin hinzuzutreten. Ob ich Gott wirklich suche, tief in meinem Herzen. Ob ich diese Begegnung mit dem Heiligen überhaupt ersehne?



Und für andere die Frage, ob ich mich traue, zu Gott zu kommen, obwohl ich vielleicht nicht viel vorzuweisen habe an Glauben, an Kraft, an Liebe, an Leistungen und mich schäme, weil ich Gott schon so lange nicht mehr gesucht habe. Diese erste Nuss will ich Ihnen als symbolisch mitgeben. Sie hat den Namen: Lasst uns hinzutreten zu Gott. Was steckt für Sie im Kern dahinter?


Die zweite Nuss trägt den Namen: Lasst uns festhalten an der Hoffnung. Die Frage an Sie ist: Hoffen Sie auf etwas? Und wenn ja, auf was? Gerade jetzt am Wochenende haben unzählige Menschen auf den riesigen Jackpot gehofft und sind enttäuscht worden. Das lässt sich wohl verschmerzen.


Doch wer zu oft im Leben in wichtigen Bereichen enttäuscht wurde, verlernt das Hoffen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt!", höre ich oft und finde diesen Satz alles andere als hoffnungsvoll. Er klingt eher verzweifelt für mich.


Und doch kann auch aus Verzweiflung Hoffnung erwachsen. „Jetzt hilft nur noch hoffen!", sagt man dann.

Und wer Hoffnung hat, der glaubt ja noch daran, dass sich etwas bewegen kann. Dass es noch Leben gibt. Oder dass Gott Leben schafft. Worauf hoffen Sie tief in Ihrem Herzen? Haben Sie eine Hoffnung, eine Sehnsucht, einen Herzenswunsch? Sich damit zu beschäftigen wäre die zweite Nuss, die Sie in der Adventszeit einmal versuchen können zu knacken.


Und dann noch die dritte und letzte Nuss. Sie heißt: Lasst uns aufeinander acht haben. Auch das ist eine harte Nuss. Nicht nur, weil das Klima in unserer Gesellschaft immer härter wird. Weil die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht. Und weil die Zeitungen voll sind von Menschen, die so lange übersehen wurden, bis sie einmal mit ihrem Elend im Rampenlicht in der Zeitung oder einer Fernsehshow sind.


Wir alle spüren etwas davon. Nicht jede Missachtung ist bösartig. Oft übersehen wir aus Zeitnot, Hektik oder Unwissenheit den anderen. Und manchmal, weil wir einfach niemandem etwas geschenkt gönnen. Nicht einmal uns selbst.


Die dritte harte Nuss zu knacken, heißt also, sich mit der Frage zu beschäftigen: Auf wen möchte ich acht geben? Wem möchte ich mehr Aufmerksamkeit schenken? Mit wem möchte ich mich mehr auseinandersetzen, auch wenn es unbequem wird?


Drei Nüsse gibt uns der Predigttext mit auf den Weg.


Nr.1: Lasst uns hinzutreten. Wie und wo will ich Gott finden?


Nr.2: Lasst uns an der Hoffnung festhalten. Worauf hoffe ich?


Nr.3: Lasst uns aufeinander acht haben.

Auf wen will ich mehr achten?


Mein Vorschlag für die kommende Zeit ist: Suchen Sie sich zunächst eine Frage aus. Dann nehmen Sie sich eine Nuss und stecken Sie sie in die Tasche. Und nehmen Sie die Nuss möglichst oft in die Hand und versuchen Sie, eine dieser Nüsse zu knacken, die der Predigttext uns mit auf den Weg gibt.



Ich finde, das könnte eine schöne und sinnvolle Beschäftigung für die Adventszeit sein. Für die Zeit der Ankunft und der Vorbereitung. Wenn Sie es alleine nicht schaffen, lassen Sie sich doch vielleicht von jemand anderem helfen. Im Gespräch kommen Sie der Antwort vielleicht näher. Oder Sie bitten Gott im Gebet um eine Antwort.


Und wenn Sie dann beim Nüsseknacken sind, denken Sie noch mal an den Anfang der Predigt: Nüsse muss man kräftig, aber mit Gefühl knacken. Und man braucht Geduld. Und die können wir haben, weil Gott schon zu uns gekommen ist. Jesus hat den Vorhang beiseite geschoben. Er geht uns entgegen und kommt zu uns. Machen wir die Tür hoch und die Tore weit, dass er auch zu uns kommt.


Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

 

 

:: Tipps ::
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2019 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.