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Was bleibt? Drucken
Von Lars Kunkel (04.10.2007)
Predigt zur Ausstellung "Gräber von Dichtern und Denkern"
Das Grab von Chateaubriandam liegt direkt Meer bei St. Malo in der Bretagne
Das Grab von Chateaubriand
(C) Schirmer / Mosel
Jedes Grab erzählt eine Geschichte. Auf dem Grab von Chateaubriand, es liegt direkt am Meer bei St. Malo in der Bretagne, steht kein Name. Nur ein Schild in der Nähe mit folgender Inschrift: „Ein großer französischer Schriftsteller wollte hier liegen und nichts anderes hören als den Wind und das Meer." Das spricht Bände und zeigt: Eitelkeit, Ironie und die Sehnsucht nach der Weite des Meeres kennzeichnen den, der da liegt.
Ich stelle mir vor, dass es ein schöner Ort für die letzte Ruhe sein muss.
Dort am Meer das Rauschen der Wellen anhören und Weite und Ruhe zu haben. Und doch ist es seltsam. Denn glauben Sie ernsthaft, das Chateaubriand davon etwas mitbekommt in seinem Grabe? Es ist schon merkwürdig: Manchmal überlegen wir uns, wo wir einmal liegen wollen. Spätestens aber, wenn es um die Auswahl einer Bestattungsform für einen verstorbenen Angehörigen geht, machen wir uns viele Gedanken. Wo soll der Sarg beerdigt werden? Ich höre manchmal einen Satz wie diesen: „Hier wird es meinem Mann gefallen." Schön im Grünen oder auf einem Hügel oder mit Ausblick. Ein bisschen klingt das immer wehmütig. Man möchte noch etwas Gutes tun für den Verstorbenen.  Manchmal sagt man es auch mit einem Lächeln. Weil man ahnt, dass es so ganz genau nicht sein kann, aber vielleicht ein bisschen wünscht, dass der Verstorbene etwas von seinem gut gewählten Grab mitbekommt. So als ob er da im Grab anwesend ist. „Ich bringe ihr Blumen", sagt jemand, der einen Strauß auf das Grab stellt.
Natürlich gibt es sehr rationale Gründe für die überlegte Gestaltung eines Grabes. Es ist ein Gedenkort, ein Ort des Erinnerns, ein Ort für ein stilles Gebet oder ein Gespräch mit dem geliebten Menschen. Und dieser Ort sollte angemessen sein. So dass es für den Trauernden passt und er eine Verbindung zu dem Verstorbenen aufbauen kann.
Dabei spielt es übrigens auch eine große Rolle, ob ein Name auf dem Grab steht. Beim Grabe von Chateaubriand ist das nicht wichtig. Touristen suchen das Grab und finden es. Es sind Fremde. Bei den Gräbern von Menschen, um die wir wirklich trauern, spielt der Name auf dem Grab eine große Rolle. Denn wir Menschen brauchen einen Ort, an den wir kommen können, an dem wir uns sammeln können. Eben das fehlt zum Beispiel den Menschen, deren Verstorbene in einem Krieg gefallen sind. Deren sterbliche Reste vielleicht nie gefunden wurden oder fern in einem Grab liegen. Diese Sorgen teilen aber auch oft die Menschen, die sich aus pragmatischen Gründen haben anonym bestatten lassen. Wenn es keinen Ort gibt, an dem ein Gedenken möglich ist, wird es für die Trauernden oft schwer.
Es ist damit endgültig an der Zeit, unseren Beziehungen zu den Gräbern weiter auf den Grund zu gehen. Gräber sind ein Ort des Gedenkens, sie sind ein Ort der Stille und der Einkehr, aber was sind sie noch? Das ist die eigentliche Frage, an der nun kein Weg mehr vorbeiführt.
Ist in ihnen etwas, das uns wirklich etwas bedeutet? Man mag sich das ja kaum vorstellen, aber was in einem Grab liegt, vergeht oder ist schon längst vergangen. Was aus der Erde genommen wird, wird wieder zu Erde. So sagt es schon die Bibel. Heute würde man eher formulieren: Unsere Moleküle oder Atome, die Elemente, die unseren Körper bauen, finden sich in der Entstehung des Lebens zusammen, werden im Laufe des Lebens im Stoffwechsel auf und umgebaut und dann am Ende abgebaut. Das ist bitter, aber natürlich. Was bleibt denn in einem Grab? Höchstens ein Rest, von dem wir uns selbst zum Troste sagen, dass das nicht der eigentliche Mensch ist.
Ist in den Gräbern also etwas, das uns etwas bedeutet? Oder vielleicht wenigstens eine zukünftige Bedeutung hat?
Wir haben das Bild vor Augen von der Auferstehung der Toten, die am Jüngsten Tage aus den Gräbern steigen und dann auferstehen. Ich persönlich kann mir das kaum vorstellen. Dann müsste es zugehen wie in der Erzählung des Propheten Ezechiel. Der Staub wird zusammengefügt und mit Fleisch und Sehnen überzogen und dann mit Geist behaucht. Ganz ehrlich: Das klingt mir zu phantastisch. Wenn es eine Auferstehung der Toten gibt, wird Gott wohl nicht die Baumasse dieser Toten benötigen.
Was in dem Grab ist, vergeht. Auch die Asche in einer Urne vergeht. Darin liegt nicht der Mensch, den wir kannten. Nicht der Mensch, um den wir trauern. Und auch nicht der Mensch, den Gott zu sich ruft. Das spüren Menschen ganz deutlich an den Gräbern.
Wo ist der Mensch aber nun? Die vielen Aussagen der Bibel könnte man vielleicht ganz einfach so zusammenfassen: Der Mensch ist bei Gott oder wird bei Gott sein und zwar als ganzer Mensch. Nicht nur die Seele. Wir können uns nicht aufteilen in Körper und Seele und Geist. Zwar mag im Gehirn vermutlich unser Bewusstsein körperlich verankert sein.
 Aber das, was wir sind, sind wir als Ganzes. Unser Innerstes prägt unseren Körper und unser Körper prägt unser Bewusstsein. Vielleicht könnte man sich das Ganze heute wie eine Datei vorstellen, in der der ganze Mensch abgespeichert ist. Und diese Datei war schon immer bei Gott gespeichert und wird dort immer sein. Diese Datei ist Bild und Plan des ganzen Menschen.
Zugegeben - das klingt etwas technisch, und die Bibel spricht ohnehin eine andere Sprache. Eine viel dynamischere. Nach biblischer Vorstellung ist der Mensch lebendig durch den Odem Gottes, durch den Geist Gottes in ihm. Aber wie kann man sich diesen Geist vorstellen? Er ist sicher nichts Stoffliches, wie es manchmal in Filmen gezeigt wird. Auch der Begriff Seele trifft es nicht wirklich.
Der Geist ist am ehesten die Beziehung zu Gott, die Verbindung, die zwischen Gott und Mensch besteht. Ich merke, wie schwer das in Worte zu fassen ist. Deshalb sagt man vielleicht gern einfach Seele oder Energie, aber das trifft es nicht ganz.
Wenn das Leben aus einem Menschen entweicht, wenn er seinen Lebensodem aushaucht, verflüchtig sich dieser Geist. Was noch da liegt, ist die alte Hülle. Sie hat keinen Bezug mehr zu Gott und dem Leben. Manchmal geht die Loslösung schnell, mal dauert sie. Der eigentliche Körper, die organische Substanz ist jedoch irgendwann tot.
Die Beziehung zu Gott, oder sagen wir jetzt doch lieber einfach mal seine Liebe zu uns, bleibt bestehen. Unser Name und unsere Erinnerung und alles, was wir sind, bleiben erhalten und bleiben bestehen. Die Verbindung besteht zwischen uns als ganzem Menschen, als Person und Gott. Sie ist aber nicht mehr gebunden an einen festen Körper.
Im Psalm haben wir gehört: Gott kannte uns schon, bevor wir geboren waren und er kennt uns noch, wenn wir nicht mehr auf der Erde sind. Dieses Kennen, die lebendige Beziehung zwischen Gott und Mensch, diese Liebe ist es, die aus der Ewigkeit kommt und in sie hinein geht. Das bleibt bestehen. So werden wir leben.
Und das Grab? Das bleibt Gedenkort. Es ist voll und irgendwann leer. Das ist zweitrangig, denn unser Glaube lenkt unseren Blick weg vom Grab. Übrigens auch weg vom Grab Jesu. Ob das nun voll oder leer war, ist letztlich vollkommen egal. Denn Jesus war der Sohn Gottes und er ist der Sohn Gottes geblieben. Die Beziehung Vater und Sohn war vor aller Zeit und ist durch den Tod hindurch bestehen geblieben. Geliebter Sohn in alle Ewigkeit ist Jesus Christus. Geliebtes Kind Gottes durch alle Zeit und über das Grab hinaus sind wir. Du und ich.
 

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