logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerkl
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow Auf dass wir klug werden ...
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png

 

Auf dass wir klug werden ... Drucken
Von Lars Kunkel (04.10.2007)
Predigt zur Ausstellung "Gräber von Dichtern und Denkern".

Die Zeit verrinnt
Die Zeit verrinnt
Quelle: Pixelquelle.de
Der Mensch ist vergänglich. Wir machen Spaziergang über einen Friedhof oder lesen morgens beim Frühstück eine Todesanzeige, und kommen schon mit dem Tod in Berührung.
Mal fast beiläufig bei einer Tasse Kaffee und einem Honigbrötchen, im flüchtigen Blick einen Namen, ein Geburtsjahr und ein Todesdatum, mal sehr konzentriert und nah beim Tod eines lieben Menschen. Der Mensch ist sterblich. So ist das. In Psalm 103 lesen wir: ?Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr." Unser Leben ist vorübergehend.
Den meisten Menschen macht der Gedanke an die Endlichkeit des Lebens Angst. Sie denken lieber nicht an den Tod und versuchen, ihn aus dem Leben auszublenden. Sie leben, als ob es den Tod nicht gäbe. Und dabei versickert das Leben im Sand der Alltäglichkeiten. Die Tage zerrinnen zwischen den Fingern.
Es ist doch erstaunlich, wie oft wir uns in Details verstricken und Kleinigkeiten zur Chefsache machen. Man ärgert sich darüber, dass die Schlange an der Kasse so lang ist. Wir quälen uns damit, was andere über uns denken, wenn im Vorgarten mal wieder das Unkraut sprießt. Wir verschwenden unsere Zeit mit sinnlosem Gedaddel am Computer oder der Suche nach dem Fernsehsender, der uns die größte Entspannung verschaffen soll.
Das alles sind noch harmlose Arten, die Lebenszeit zu verschwenden und zu belasten. Es gibt Schlimmeres: Was macht es für einen Sinn, um jeden Preis nach oben zu kommen und den ganzen Tag zu arbeiten, um etwas zu erreichen? Und warum verbiegen wir uns so oft, um es anderen recht zu machen? Warum haben wir eigentlich so oft Angst, dass wir nicht gemocht werden oder nicht dazugehören? Und warum sagen wir so selten unsere wahre Meinung? Warum lassen wir uns verbiegen oder besänftigen?
Und warum fehlt uns so oft die innere Mitte? Es gibt sehr viele Menschen, die nicht mehr ganz jung sind und immer noch nicht wissen, wer sie sind und was sie wollen. Wieviel Zeit haben wir wohl, um das alles noch herauszufinden?
Leben, als ob es den Tod nicht gäbe. Was für ein Luxus. Wir tun so, als ob wir alle Zeit der Welt hätten. Oder wir versuchen, aus unserem Leben krampfhaft alles rauszuholen. Leben, als ob es den Tod nicht gäbe wird dann zu einem: Leben, als ob es das Leben nicht gäbe. Wer ohne den Tod lebt und wer die Endlichkeit aus dem Leben zu verdrängen versucht, verliert den Blick für die Kostbarkeit des Lebens.
?Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Das ist für mich eine der klügsten Aussagen der Bibel. Sie steht in Psalm 90.
Normalerweise würde man denken: Ich weiß, dass ich sterben muss, davor habe ich Angst, also verdränge ich diesen Gedanken lieber. Doch diese Haltung nennt die Bibel dumm. Klug hingegen ist es, sich damit zu beschäftigen, dass wir sterben müssen, weil wir dadurch klug werden.
Worin besteht aber nun diese Klugheit? Ganz einfach. Wer weiß, dass sein Leben endlich ist, für den wird eben dieses Leben unendlich kostbar. Jeder weiß, dass der Mensch sterblich ist. Wer diesen Gedanken aber ganz konkret auf sich bezieht, der entdeckt sein Leben ganz neu. Jede Minute ist kostbar. Und jeder Moment ist einmalig. Wer so lebt, verschwendet seine Zeit nicht mehr, sondern lebt sie.
Dazu mal ein Beispiel: Gestern haben wir mit der neuen Besuchsdienstausbildung begonnen. Wir fragten eine Frau nach den Gründen für ihre ehrenamtliche Teilnahme und sie sagte: ?Ich bin jetzt Rentnerin und ich habe Zeit. Und diese Zeit möchte ich schenken."
Diese Frau hat jetzt Zeit. Aber sie verplempert sie nicht, lässt sie ungenutzt verstreichen oder setzt sich unter neuen Druck, wie es vielleicht im Beruf war. Sie verschenkt ihre Zeit. Sie ist es, die bestimmt und die am Zuge ist. Das ist kluger Umgang mit Leben.
Klug ist es aber auch, die schönen Momente im Leben wirklich zu genießen. Die Zeit, in der sich unsere kleinen Kinder an uns kuscheln, das gute Gespräch mit einem interessanten Menschen, auf das ich mich voll und ganz konzentrieren kann, ohne schon wieder an den nächsten Termin zu denken. Und vielleicht auch die persönliche Krise bewusst zu erleben, ist klug.
Wir Menschen haben nicht alle Zeit der Welt, aber die Zeit, die wir haben, sollten wir doch so leben, dass wir sie bejahen können und zufrieden darin sind. In dem Wort zufrieden steckt doch auch Frieden. Bewusst leben heißt auch in Frieden zu leben. Im Einklang mit sich selbst und auch mit Gott. Ja gerade mit Gott.
Dies geschieht, indem wir das Leben aus seiner Hand nehmen und als ein Geschenk begreifen. Wieso glauben wir eigentlich immer, dass wir den Anspruch haben, ganz alt zu werden? Wieso denken wir eigentlich, dass alles immer so weitergehen wird wie im Moment? Leben zu dürfen und am Leben zu bleiben ist keine Selbstverständlichkeit. Das begreifen wir aber erst wirklich, wenn wir auch begreifen, dass das Leben etwas Endliches und Kostbares ist. Das ist klug. Und doch muss noch etwas Wichtiges ergänzt werden:
Es reicht natürlich nicht, einem Menschen zu sagen: ?Dein Leben kann bald zu Ende sein, also genieße es lieber." Das wäre fast schon zynisch. Auf jeden Fall nicht positiv, sondern Angst machend, weil es uns doch nur wieder unter einen schrecklichen Druck setzt. ?Dann muss ich jetzt also alles ausprobieren und ganz schnell leben und alles mitnehmen, weil ich ja bald sterben könnte", ist sicher kein Mut machender Gedanke. Die Bibel warnt uns davor, sich ganz und gar diesem Leben zu verschreiben, das haben wir im Evangelium gehört: Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren.
Mitten im Leben etwas über den Tod zu lernen und doch mutig zu bleiben geht nur, wenn ich auch weiß, dass ich von Gott geliebt werde und mein Leben in seiner Hand liegt. Wenn ich glauben kann, dass mein Leben aus Gottes Hand kommt und in seine Ewigkeit zurückgeht. Dann kann ich leben mit der Zuversicht, dass auch der Tod nicht das Ende ist und meine Beziehung zu Gott und seine Liebe zu mir auch den Tod überdauert.
Ich stelle mir vor, ich könnte für einen kurzen Moment von oben auf mein Leben sehen. Ganz aus der Ferne. Der Streifen Leben, der mir von hier unten so lang vorkommt, ist aus der Ferne gesehen nur ein Punkt.  Mein Leben ist im Weltzeitalter nicht mehr als ein Wimpernschlag.
Nur ein Atemzug im Universum. Und das alles ist von Gott umfangen, es kommt aus der Ewigkeit und geht in sie hinein. Ich brauche keine Angst zu haben. Wenn mein Leben hier zu Ende ist, wird Gott mich weiterführen. Seine Liebe zu mir bleibt bestehen, und deshalb werde ich Bestand haben. Das gibt Gelassenheit, und so fühlt es sich an, wenn ich von oben auf mein Leben blicke, sozusagen aus der göttlichen Perspektive.
Aber dann muss ich wieder auf den Teppich kommen, um nicht abgehoben zu sein oder dem Leben hier auf der Erde gleichgültig gegenüber zu stehen. Denn dazu hat Gott mir mein Leben nicht geschenkt.
Ja, mein Leben ist endlich. Und das macht es kostbar. Und mein Leben hier ist nicht alles, das nimmt dem Tod seinen Schrecken. Seine Lebenszeit zu nutzen und dabei gelassen zu sein, bewusst zu leben und Hoffnung im Herzen zu haben. Das ist klug. Denn dann lebe ich wirklich mein Leben.
Als etwas Wunderbares und Kostbares, das ich genießen und gestalten kann. Ohne Angst vor allem und jedem, ohne Zögerlichkeiten und Bedenken. Ich erkenne:
Dieses Leben lebe ich. Mutig, frech, mitfühlend, leidenschaftlich, fallend und sich wieder aufrappelnd, geliebt und kämpfend, als Sünder und Gerechter, aber immer als mein Leben. Und das ist klug. Sehr sogar. Amen!
 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2019 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.