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Tatort Bibel: Ehebruch Drucken
Von Lars Kunkel (05.07.2007)

tatort_bibel.jpgAuch in der Bibel gibt es Kriminalstücke. Kleine Begebenheiten, aus denen man ein Drehbuch für einen Tatort schreiben könnte. Eine davon lesen Sie hier.

Männer schleifen eine Frau hinter sich her. Sie kommen aus einem kleinen Dorf nahe bei Jerusalem. Widerwillig lässt sie sich mitziehen. Später werden sich Männerphantasien diese Frau genau ausmalen. Halbnackt soll sie gewesen sein. Und sehr schön. Im Dorf ist sie vielen aufgefallen. Vor allem den Männern. Aufreizend soll sie zum Brunnen stolziert sein.

Aber keiner kam an sie ´ran. Sie lächelte nur und ging weiter. Die Männer redeten über sie. Jeder hätte gern einen Abend mit ihr verbracht. Und die Frauen redeten auch. Ein leichtes Mädchen ist das. Sie hat doch einen Mann. Ja, das ist ein alter Säufer. Er soll seine junge Frau schlagen. Manch einer der Männer hätte sie gern da ´raus geholt. Man tut ja, was man kann. Nicht ganz uneigennützig, versteht sich. Aber sie weicht aus. Man verfolgt sie mit Blicken. Man schleicht ihr nach. Und dann, ein Skandal. Man hat sie erwischt. Mit einem ganz jungen Kerl.

Einem Wanderarbeiter aus Syrien. Die ehrbaren Bauern hat sie abgewiesen und jetzt das. Das ist ihr Todesurteil.

Sie reißen die Frau aus den Armen ihres Liebhabers. Die Meute tobt. Die Frau muss gesteinigt werden. Sie, die Abgewiesenen und Empörten, schnappen sich die Frau und bringen sie zu den Schriftgelehrten und Pharisäern.

Die hätten sich vielleicht weniger um den Fall gekümmert, wenn da nicht Jesus in der Stadt wäre. Ihm könnte man jetzt eine Falle stellen. Er kennt doch auch das Gesetz des Mose: Wer die Ehe bricht, Mann und Frau, sollen beide des Todes sterben. Und er, dieser Jesus, will Sünden vergeben. Jetzt haben wir ihn. Jetzt können wir Jesus in die Pfanne hauen. Entweder stellt er sich gegen das Gesetz. Dann haben wir etwas gegen ihn in der Hand. Oder er stimmt der Todesstrafe zu. Dann ist es aus mit seiner Menschenfreundlichkeit. Dann hat er verloren.

Und so steht der Mob vor Jesus. Geifernde Männer, die wütend sind, weil abgewiesen. Blutrünstige Gestalten, die das Blut einer schönen jungen Frau fließen sehen wollen.

Dummköpfe, die aus Langeweile in einer Steinigung etwas Abwechslung in ihrem Alltag sehen. Moralisten, die auf Recht und Ordnung pochen, gnadenlos. Und hoch gebildete Schriftgelehrte, die ihre Chance gegen Jesus gekommen sehen.

Soll er doch der Richter sein. Vielleicht kann man Jesus und die Frau in einem Streich über den Jordan schicken. Das wäre teuflisch genial.

Jesus malt mit den Fingern im Staub. Ist er gelassen? Oder ist er ratlos? Will er Zeit gewinnen? Es muss etwas passieren, sonst wird nicht nur er angeklagt, sondern auch die Frau qualvoll sterben. Jeder hält den Atem an. Kein Geräusch ist zu hören. In der Ferne schreit ein Kind, das hektisch von seiner Mutter beruhigt wird. Jesus malt mit den Fingern im Staub. Er schaut sich die feinen Körnchen auf der Erde genau an und denkt: Genau so seid ihr alle. Staub. Und auch Dreck. Ihr macht euch so wichtig. Ihr spielt euch so auf. Ihr haltet euch für etwas Besseres und glaubt, dass ihr über allem steht. Weit gefehlt. Staub seid ihr, weiter nichts. Die Einen regen sich auf, weil sie nicht zum Zuge gekommen sind. Man kennt das ja. Sie wären liebend gern mit der Frau gegangen.

Die Nächsten haben sich diesen Gedanken verboten. Aus Angst. Lieber leiden in einer rettungslosen Beziehung als etwas ändern. Und die Dritten betonen das mosaische Gesetz, weil sie eine klare Linie brauchen. Wo kämen wir denn sonst hin?

Und Jesus malt im Staub. Er schaut kurz auf und sagt: „Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Sein." Nur ein Satz. Und jedes Wort trifft.

Jesus malt weiter im Sand, doch währenddessen beginnt das Nachdenken. Bei den Männern, die vielleicht doch nicht aus ganz so ehrbaren Motiven Steine werfen sollten. Und auch bei den Frauen, die aus Neid und Angst das Todesurteil wollten. Das ist der große Moment, in dem ein Mensch in den Spiegel schaut und sich fragen muss, wo er Dreck am Stecken hat. Jeder hat etwas damit zu tun. Jeder hat etwas getan. Und jeder hat etwas zu verbergen. Wer ist schon ohne Sünde?

Wir kennen das übrigens auch aus den vielen gescheiterten Beziehungen: Einer mag sich vom anderen trennen. Einer geht.

Er steht im Rampenlicht. Aber es ist doch wohl selten nur einer schuld. Man braucht zwei Menschen, um einen Tango zu tanzen, sagt ein amerikanisches Sprichwort. Und es gehören immer zwei dazu, wenn eine Ehe zerbricht. Mag sein, dass eine Ehe manchmal etwas zu blauäugig geschlossen wird. Es gibt aber viele andere Gründe, warum Beziehungen auch nach Jahren scheitern. Manchmal entwickelt sich einer einfach weiter.

Mal fehlt die Zeit oder der Wille, wirklich miteinander zu reden. Manchmal ist ein Lebensschnitt einfach beendet. Schön ist das alles nicht. Aber menschlich. Es ist selten so, dass einer einfach aus Lust und Laune und Böswilligkeit den anderen verlässt und damit die Ehe zerbricht. Oft ist schon vorher vieles zerbrochen und viel Porzellan zerschlagen.

Nicht selten spielt sich der, der nach außen hin als der Verlassene gilt, dann als Richter auf. Klagt aus gekränktem Stolz, zieht sich zurück oder schreit nach Rache. Aber selbst wenn er im Recht wäre, eine zornige Forderung nach Bestrafung des anderen bringt keinen wirklichen Gewinn, keine Wiedergutmachung.


Und selbst für den ganz, ganz seltenen Fall, dass der Verlassenen wirklich ein Opfer sein sollte und von seinem Ehepartner mutwillig verlassen wird: Es gibt keinen Menschen, der nicht in irgendeinem Bereich seines Lebens gegen Gottes Willen verstoßen hat. Es gibt niemanden, der ohne Sünde ist. Jeder von uns verstößt gegen den Willen Gottes, indem er viel zu oft mehr auf sich selbst vertraut als auf Gott. Wir nehmen uns doch alle viel zu sehr wichtig. Wir halten uns ganz oft für höher stehend als die anderen. Wir halten uns für unangreifbar.

Manch einer erstickt seine verbotenen Wünsche im Keim und stülpt ihnen die Maske des Saubermanns oder der Sauberfrau über. Der Nächste ereifert sich über den Splitter im Auge des Anderen und sieht seine eigenen Balken nicht. Diese Erkenntnis ist nicht abgegriffen, sondern die bittere Wahrheit unseres Menschseins. Meistens wollen wir diese Seite nicht wahrhaben.

Jeder von uns ist auf die eine oder andere Art ein Sünder. Wir leben in einer Gemeinschaft von schwachen Menschen, die sich lieber in Mitgefühl und Barmherzigkeit über sollten, statt in gegenseitiger Verurteilung.

Wie gut täte es uns, ein kleines wenig bescheidener zu sein und uns als eine Gemeinschaft von Sündern zu begreifen. Ein lausiges Häuflein Gescheiterter, deren einzige Größe in dem Maul besteht, dass wir gern aufreißen, um andere an den Pranger zu stellen. Das zu erkennen ist bitter und beschämend.

Und damit bin ich wieder bei dem Tatort aus dem Johannesevangelium. Jesus geht nicht zum Angriff über. Er klagt nicht an, weder die Frau noch die Masse. Er will keinen Streit mit den Angreifern. Er sagt nur diesen einen Satz, der der ganzen empörten Gesellschaft zum  Verhängnis wird:

Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Aber da ist keiner, der ohne Sünde ist.  Es reicht ja, sich nur einen ganz kurzen Moment den Spiegel vorzuhalten und dann ziemlich zügig zu erkennen: Ich bin doch auch ein Sünder. Ich bin zwar hier und da über die Fehler meines Mitmenschen erhaben, dafür habe ich an anderen Stellen versagt. Es gibt Keinen, der ohne Sünde ist. Das zu erkennen, könnte Freiheit und Leichtigkeit bedeuten.

Es wäre der Anfang der Erlösung, wenn wir uns mit Barmherzigkeit und Gnade begegnen könnten.

Und ist es nicht wirklich seltsam? Sie gehen alle nach Hause. Sie kamen lautstark und im Brustton der Überzeugung. Jetzt schleichen sie sich davon. Sie verkrümeln sich einer nach dem anderen. Gerade waren wir noch so viele, denkt einer dieser Männer. Und jetzt geht der und der andere auch. Und bevor ich hier so ganz alleine stehe, werde ich auch besser nach Hause gehen. Und schon sind sie alle weg.     

Es ist vorbei. Sie Situation ist entschärft. Jesus und die Sünderin bleiben zurück. Wie nach einem großen Sturm kommt jetzt die Zeit, aufzuräumen. Jesus ist mir der Sünderin allein.

Jetzt sind sie weg, diese Hitzköpfe und Effekthascher. Es ist keiner mehr da von denen, die im Grunde genug mit sich selbst zu tun haben. Jetzt stehen sich nur noch Jesus und die Frau gegenüber. Und was Jesus jetzt sagen muss, steht nicht mehr in der Gefahr, falsch verstanden zu werden. Jetzt ist nur noch er da, der Menschen nicht verurteilt und sie über die Klinge springen lässt.

Und sie, die sich jetzt nicht mehr verteidigen muss, nicht mehr angegriffen wird und nichts mehr erklären muss. Was Jesus nun sagt, kann nicht mehr missverstanden und für die eigenen Zwecke missbraucht werden.

„Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!". Auch die Frau hat etwas zu bedenken. Auch sie ist nicht ausgenommen aus dem Kreis der Sünder. Jesus erkennt damit die Schuld dieser Frau an. Schuld und Sünde muss benannt werden. Aber das geht nur in einem Kontext aus Liebe und Annahme. Jesus nimmt die Sünder an. Deshalb können wir zu ihm kommen mit allem, was uns drückt. Er weist uns nicht ab. Wer so bedingungslos angenommen wird, der kann auch neuen Mut fassen und umkehren. Ein Anderer werden. Die Begegnung mit Jesus verwandelt. Wir wissen nicht, was aus der Frau geworden ist.

Ob sie zu ihrem Mann zurückkehrt oder ein neues Leben beginnt. Viel wichtiger ist aber auch die Frage, was aus uns wird, wenn wir zu Jesus gehen und ihm alles sagen. Und er uns in seine Arme schließt. Weil er uns liebt. Wir werden uns verändern. Mit Gottes Hilfe.

Und im festen Vertrauen auf seine Gnade, die uns Leben schenkt. Mitten im Leben.

Damit ist der Krimi beendet. Es gab keine Leiche, keine Toten. Und trotzdem einen Tatort. Später wird das alles in einem Bericht stehen. Und den lesen wir heute noch im Johannesevangelium, Kapitel 8:


3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.

5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6 Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? 11 Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr


Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

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