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Kinder brauchen Vorbilder Drucken
Von Lars Kunkel (15.04.2007)
Popstars sind Vorbilder. Auch der Glaube braucht Gesichter.
Popstars sind Vorbilder. Auch der Glaube braucht Gesichter.
„Papa, wenn ich groß bin, werde ich auch mal Spießer!", sagt die kleine Tochter, und der Vater verschluckt sich am Kaffee. Bestimmt kennen Sie diese pfiffige Werbung für eine Bausparkasse. Ein Vater sitzt mit seiner Tochter in einer Bauwagensiedlung, ein Motorrad, Wohnwagen, Wäsche auf der Leine, alles irgendwie schmuddelig, aber mit dem Lebensgefühl von Freiheit. Der Vater trinkt seinen Kaffee mit der Tochter, und die sagt: „Papa, ich kenn' da ein Mädchen aus meiner Klasse, die hat ein Haus, und jeder hat ein Zimmer und einen Garten", und der Vater sagt verächtlich: „Spießer!"

Dann erzählt sie von einer schönen Wohnung, und der Vater wieder: „Auch Spießer!" Da sagt das Mädchen dann eben diesen Satz: „Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!". Und der Vater prustet in seinen Kaffee. Lustig ist diese Werbung, weil sie sympathisch zeigt, dass Kinder ihre eigenen Vorstellungen entwickeln, und die passen manchmal so gar nicht in das Lebenskonzept der Eltern.

 

Und trotzdem: Gerade Eltern stehen bei den Kindern als Vorbild an erster Stelle. Kinder brauchen Orientierung, und sie brauchen Werte. Sie wollen lernen, was richtig ist und was falsch. Sie wollen lernen, wie man mit Konflikten umgeht. Ob man sagt: „Du darfst nicht hauen!", oder ob man dem Kind sagt: „Wenn Dir einer was tut, dann schlag' zurück."

Kinder lernen auch von Eltern, Emotionen zu leben. Können die Eltern Freude und Liebe zeigen? Und trauen sie sich auch, Kindern Trauer zu zeigen und Wut? Erleben Kinder dann auch, dass ein Vater und eine Mutter mit Gefühlen umgehen können? Auch hier sind Kinder auf Vorbilder angewiesen.

Neben den Eltern als Vorbilder kommen dann andere hinzu. Oft Popsänger oder Sportler. Ich sage ihnen lieber nicht, welche Poster damals in den 80er Jahren in meinem Jugendzimmer hingen, das wäre vielleicht doch etwas peinlich, doch mich tröstet, dass das jeder erlebt hat.

Auch schon früher. Da gab es noch keine Superstars, sondern da war eben die ganze Klasse in den Lehrer verliebt. Auch Sportler können Vorbilder sein, doch da gibt es leider manchmal einige böse Überraschungen. So wie zuletzt bei Jan Ullrich. Erinnern Sie sich noch, dass der Radsport durch den netten Jungen mit dem frischen Erscheinen in Deutschland beliebt wurde und Jan Ullrich dann durch seine vermutlichen Lügen und Ausflüchte nur noch peinlich wurde? Unsere große Bewunderung für ein Idol schlägt in umso größeren Hass und Verachtung um, wenn wir uns getäuscht fühlen. Zwar wissen wir alle, dass ein Vorbild vielleicht etwas zu einseitig positiv gesehen wird. Im Großen und Ganzen muss ein Mensch aber vor allem glaubwürdig sein, um Vorbild zu sein.

Haben Sie so ein glaubwürdiges Vorbild gehabt oder haben Sie es noch? Einige ältere Damen erzählten mir, dass für sie Albert Schweitzer ein Vorbild war. Ein Mann, der als Arzt im Dienst für andere gelebt hat.

Und der doch noch Zeit fand, dem Mädchenclub einen persönlichen Brief zu schreiben. Lernen konnte man von ihm auch, bescheiden zu bleiben. Und Bescheidenheit kann man eben auch nur von jemandem lernen, der selbst bescheiden ist.

Seltsam, wenn man älter wird, werden die Vorbilder weniger. Vielleicht, weil man wenig hinter die Kulissen schaut. Vielleicht auch, weil die eigene Persönlichkeit weiter entwickelt ist. Doch dass sie sich entwickelt hat und wir zu dem geworden sind, was wir sind, verdanken wir eben auch den Vorbildern. Und das betrifft auch unseren Glauben. Natürlich kommt der Glaube aus Gnade und ist ein Geschenk Gottes. Und doch wird er immer auch vermittelt durch Menschen, die diesen Glauben vorleben. Die überzeugend sind. Niemand von uns kann den Auferstandenen Jesus anfassen, auch wenn wir uns das wünschen. Wir begreifen Glauben nur, indem wir mit Menschen zu tun haben, durch die Glaube ganz wörtlich Hand und Fuß bekommt.

Davon erzählt uns der Predigttext aus Markus 16, 9-14:

Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. 10 Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. 11 Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. 12 Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen.

13 Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht.
14 Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.

Jesus ist Maria von Magdala und auch den Emmausjüngern erschienen, und sie haben erfahren, dass Jesus lebt. Sie haben den anderen Jüngern eine Erfahrung voraus. Sie haben erlebt, dass Trauer sich in neue Hoffnung wandeln kann. Dass Jesus sich als Lebendiger zu erkennen gibt, wenn auch verwandelt. Und sie haben auch begreifen müssen, dass Jesus jetzt ein anderer ist.

Davon erzählen Sie den anderen, doch die wollen lieber selbst sehen, dass Jesus lebt. Mit eigenen Augen sehen und mit den eigenen Händen anfassen. Ich finde diesen Wunsch verständlich. Und doch mahnt Jesus die elf Jünger, dass sie gerade diesen Zeugen glauben und ihr Herz öffnen sollen. Er hat damit schon vorweggenommen, auf was es für uns heute ankommt.

Wir haben überhaupt keine Chance, Jesus von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Wir stehen nicht vor der Wahl, ob wir Jesus selbst sehen und anfassen wollen oder uns auf das Wort der Zeugen beschränken. Wir sind angewiesen auf Vorbilder im Glauben. Auf die Zeugnisse der ersten Christen, die dem Auferstandenen begegnet sind. Genauso sind wir auch auf Vorbilder, die dem christlichen Glauben eine nachvollziehbare Gestalt geben, angewiesen. Menschen also, durch die dem Glauben ein Gesicht gegeben wird.

Wir allen brauchen Vorbilder im Glauben und zwar glaubwürdige Vorbilder. Nichts ist schlimmer als Christen, die Wasser predigen und Wein trinken. Die von christlicher Freiheit reden und dann wieder ganz genau wissen, wie der andere sich zu verhalten hat. Nicht ist lächerlicher als Christen, die von göttlicher Gnade reden und andere nur nach ihrem Wert beurteilen. Nichts grotesker als Christen, die von Gottes schöpferischem Geist schwärmen und kein bisschen Veränderung wagen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Auch ein Christ kann innere Widersprüche haben. Und kein Christ ist perfekt. Bloß das nicht! Schon Paulus wusste um den Unterschied dessen, was ein Mensch beabsichtigt und was er dann wirklich tut. Zum Christsein gehört aber gerade dieser selbstkritische Umgang mit sich selbst. Ich sollte wissen, wo meine Stärken liegen und ich sollte auch meine Grenzen kennen. Ich sollte wissen, wo Gott mich mit Gaben beschenkt und wovon ich lieber die Finger lasse. Ich sollte wissen, dass Gutes in meinem Leben Geschenk ist und hoffen, dass Gott mich durch Schweres trägt.

Zugegeben, es ist nicht ganz leicht zu sagen, was ein Vorbild im Glauben ausmacht. Vielleicht, weil wir Menschen eben unterschiedlich sind und jeder einen anderen Zugang zu Christus findet. Aber in einem bin ich mir sicher: Ein Vorbild im Glauben und ein Vorbild im Leben muss echt oder authentisch sein.

Und dafür haben Menschen ein sicheres Gespür.

Deshalb sind in der Bibel die Vorbilder im Glauben auch keine Superchristen, sondern oft Menschen mit Rissen und Fehlern. Menschen, die oft einen langen Weg gehen müssen durch Irrtümer und Schuld, bis sie zum Vertrauen auf Gott finden.

Ich persönlich habe in meinem Leben einige Vorbilder im Glauben kennengelernt. Dazu gehörten sich auch große Theologen und Denker, die mir einen Weg gezeigt haben, vom Kopf her einen Zugang zu Gott zu finden. Dazu gehören aber auch einige ältere Menschen, die in schwerer Zeit die Hoffnung behalten haben. Und die auch im Alter nicht hart und bitter geworden sind, sondern Wärme und Großherzigkeit verkörpern. Weil sie glauben.

Der Sonntag heute trägt den Namen Quasimodogeniti: „Wie die kleinen Kinder", heißt das übersetzt:  Wie die kleinen Kinder nach Milch schreien, so sollt ihr nach dem unverfälschten Wort Gottes verlangen, um im Glauben zu wachsen und das Ziel, eure Rettung, zu erreichen.

Und unsere Kinder schreien nicht nur nach Milch. Sie verlangen danach, dass wir ihnen etwas mitgeben vom Wort Gottes, damit sie wachsen können. Dass wir ihnen etwas sagen und zeigen von unseren Hoffnungen und Träumen, von unserem Glauben und Denken. Und dass wir glaubwürdig bleiben.

Und solche Vorbilder brauchen ganz gewiss nicht nur Kinder. Auch wir selbst müssen Ausschau halten nach Menschen, die uns zum Glauben geleiten.

Die uns besonders dann beistehen, wenn wir in Krisen stecken. Mal mit einem guten Gedanken, mal mit eigener Glaubenskraft, mal im Gebet, im Gespräch oder im Schweigen.

Und wir selbst können Vorbilder sein. Nicht eingebildet, sondern gebildet! Nicht frömmelnd, sondern fromm! Nicht abgeklärt, sondern aufgeklärt.  Nicht todesmutig, sondern lebensfroh. Und ohne jemanden an uns zu binden, der selbst seinen Weg finden muss. Im Glauben und im Leben.

Und immer mit Gottes Hilfe. Amen.

 

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