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Predigt im Festgottesdienst Drucken
Von Alfred Buß (19.12.2006)

Predigt im Festgottesdienst zur Überreichung des Nagelkreuzes von Coventry am 3.Advent - 17.12.2006 in der Auferstehungskirche (Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen)

Text: Römer 15,4-13

bu Liebe Festgemeinde, Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zu Gottes Lob. Ein großer Theologe hat einmal gesagt: Mir machen nicht die Bibelstellen Kopfzerbrechen, die ich nur schwer verstehe, sondern die, die ich gut verstehe. Und er meinte damit: Gerade mit den scheinbar so einfachen Wahrheiten der Bibel tun wir uns am schwersten. Nehmt einander an - ja klar, was ist denn dazu die Alternative? Jede und jeder braucht Menschen um sich herum, und hat sie hoffentlich auch.


Aber: Einträchtig gesinnt sein, einander annehmen, wenn das so einfach wäre! Je näher wir zusammenleben und je enger der Raum, desto schwerer ist es, sich zu ertragen. Die kleinen Zwirnsfäden der Alltagskonflikte können tiefer ins Fleisch schneiden als die dicken Taue richtiger Probleme. Dauerhafte Nähe ist nur schwer zu auszuhalten. Wir sehen es an der Weise von Katzen, die sich zutraulich schnurrend ganz eng anschmiegen können, um souverän das Weite zu suchen, wenn´s ihnen zu viel wird. So souverän sind wir selten.

Ich kenne eine Redensart - die passt auch ganz gut nach Ostwestfalen -, sie geht so: "Es gibt vier Sprachen: Hochdeutsch, Plattdeutsch, durch die Nase und über andere Leute". Welche davon die beliebteste ist, ahnt jeder: Über andere Leute reden natürlich. Wir hören: Nehmt einander an! Ja, aber wo bleiben die Schiefen und Krummen, die Kleinkarierten und die Unausstehlichen? Sollen wir alle Kreide fressen?

Es gibt einen berühmten Bibelausleger mit dem vielsagenden Namen Bengel, der zur Sache bemerkt: "Richtet nicht - ohne Einsicht und Liebe und ohne Not." Da haben wir's, Ausweg versperrt. Doch er fügt seinem edlen Satz einen weiteren auf lateinisch an, und der macht seinem Namen Bengel alle Ehre: "Dennoch wir einen Hund für einen Hund und ein Schwein für ein Schwein halten." Das ist deutlich. Es besagt: Dinge schön reden ist falsch. Es muss ausgesprochen werden, was nicht in Ordnung ist. Aber eben an die richtige Adresse. Nicht hinten herum. Und, was noch wichtiger ist: Kein abschließendes Urteil fällen. Das letzte Wort steht uns nicht zu.

Weil es schwer ist, mit Konflikten zu leben und weil es weitere Gründe dafür gibt, gehen Menschen heute zunehmend ihrer eigenen Wege. Jeder lebt sein eigenes Leben, sein schönes oder schreckliches. Jede kämpft für sich, um einen Platz an der Sonne zu ergattern, oder auch, um zu sich selbst zu kommen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, heißt die Devise - nehmt einander an; was stimmt denn nun?

Hier in Bad Oeynhausen wird die Frage nicht theoretisch erörtert, sie wird praktisch beantwortet. Ein Ort, eine Gemeinde begeht ein Fest und dies gleich eine ganze Woche lang. Da werden Menschen in Scharen auf die Beine gebracht, sie erleben viel und können auch selber mitmachen. Lecker, besinnlich und fröhlich haben Sie den 2. Advent begangen, das Weihnachtsoratorium ist erklungen, adventliches Blasen vom Turm und eine klangvolle szenische Lesung standen auf dem Programm. Wir sehen und wir erleben es: Wer ein Fest feiert, braucht andere Menschen, am besten in Fülle. Feier ist das Gegenteil von Einsamkeit.

Die Festwoche gilt jedoch zuvörderst nicht den Menschen, sondern dreht sich um ein Gemäuer, um diese Auferstehungskirche, die nun 50 Jahre alt wird. In dieser Woche ist die Kirche voll, sonst wird das Gebäude wahrscheinlich mehr geschont, links liegen gelassen. Aber wer auch nur an einer Kirche vorbeigeht, wird daran erinnert: Wir führen unser Leben vor Gott. Wer sie betritt, lässt sich auf Gott ein. Gewiss, man kann auch draußen beten. Aber hier beten wir gemeinsam. In diesem Haus sind Kinder getauft und konfirmiert und die Namen Verstorbener verlesen worden. Hier haben sich Brautpaare das Ja-Wort gegeben. Hier ist auch über manche Predigt, die nicht enden wollte, gestöhnt worden, und von hier sind Menschen in ihrem Glauben gestärkt nach Hause gegangen. Hier haben Menschen mit Gott gehadert, weil ihnen genommen wurde, was ihnen lieb war; hier sind Loblieder zum Himmel aufgestiegen, z.B. von Menschen, deren Krankheit endlich ausheilte.

50 Jahre ist die Auferstehungskirche alt. Das ist für eine Kirche eigentlich kein Alter. Und doch ist es ein besonderes Haus. Es steht auf den Fundamenten ihrer Vorgängerkirche, der bis auf die Grundmauern abgebrannten Auerstehungskirche. Sie war 1872 im aufstrebenden Kur- und Badeort errichtet und 1907 auf 1200 Plätze erweitert worden.

So ist dieses Gemäuer ein lebendiges Haus. Es kann zu uns sprechen. Als atmete es. Als könnte es erzählen, viele Geschichten von Tod und Leben, von Zerstörung und Neubeginn, von Verrat und Hoffnung und von Versöhnung. Was Menschen erlebt und erlitten haben, mit diesem Gebäude wird es erinnert.

Mit Beginn der Naziherrschaft ab 1933 wurde diese Gemeinde zu einem Zentrum der Bekennenden Kirche. In dieser Zeit wirkte Präses Karl Koch als Pfarrer in der Altstadtgemeinde. Gleichzeitig nahm er als Superintendent und Präses der preußischen Provinzialsynode großen Einfluss auf die Geschicke der Bekennenden Kirche und wandte sich aktiv gegen den Einfluss der nazitreuen „Deutschen Christen". Er stand in Kontakt mit Dietrich Bonhoeffer und rief die 4. Bekenntnissynode 1936 nach Bad Oeynhausen ein. Sein Wahlspruch in dieser Zeit lautete: „Die Zeit des Bekennens ist gekommen!"

Das Kriegsende 1945 hat die Gemeinde Bad Oeynhausen fast unbeschadet überstanden, wenn man an die vielen anderen zerstörten Städte in ganz Europa denkt.

Aber sehr bald wurde für die Menschen der Altstadtgemeinde klar, dass sich das Leben nicht einfach wieder normalisieren würde: Das Stadtzentrum wurde Hauptquartier der britischen Rheinarmee. Die Auferstehungskirche diente nun als Garnisonskirche. Die Bewohner hatten innerhalb von Tagen den Sperrbezirk der Innenstadt zu verlassen. Präses Koch machte in einer letzten Predigt seiner Gemeinde Mut, indem er an das babylonische Exil des Volkes Israel erinnerte: Wie die Israeliten einst, verließ eine ganze Gemeinde ihr Zuhause gestärkt von der Verheißung Gottes mit der Hoffnung auf Rückkehr.

9 Jahre lang bis 1954 sollte dieses Exil dauern. Aber schon 1947 brannte die altvertraute Auferstehungskirche bis auf die Grundmauern nieder.

Nun stand wie in vielen Städten der Nachkriegsjahre auch in Bad Oeynhausen eine Kirchenruine.

So wie z. B. ein Coventry in Mittelengland. Bereits am 14. November 1940 wurde dort die aus dem 14. Jahrhundert stammende St. Michaelskathedrale von deutschen Bomben zerstört. Es starben 550 Menschen, die Stadt wurde verwüstet. Bei den Aufräumarbeiten ließ der damalige Dompropst Richard Howard Vater vergib an die stehengebliebende Chorwand schreiben und ein großes Kreuz aus zwei verkohlten Holzbalken zusammensetzen. Zu Weihnachten 1940 wurde der Gottesdienst aus der Ruine der Kathedrale im BBC übertragen. Propst Howard sagte: Früh an diesem Weihnachtsmorgen, hier inmitten der Ruinen der schönen Steinkapelle, die vor 600 Jahren gebaut wurde, haben wir den Tag mit unserer Weihnachtskommunion begonnen. Dabei haben wir Christus lobgepriesen, glaubt mir, so fröhlich wie immer. Was wir der Welt mitteilen wollen, ist dies: Mit Christus im Herzen versuchen wir, so schwer es auch sein möge, alle Rachegedanken zu verbannen...

Überraschenderweise wurde der Gedanke der Versöhnung von einigen Menschen in Coventry aufgenommen. Sogar solche, die bei der Bombardierung geliebte Menschen verloren hatten, beschlossen Deutsch zu lernen, um am Ende des Krieges mit den Deutschen reden zu können.

Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob. Plötzlich bekommt der Satz eine grandiose Dimension. Es geht nicht mehr nur um unseren kleinen Alltag und Konflikte im Gemeindeleben sondern um eine weltumspannende Botschaft.

Als die Kathedrale in Coventry in Schutt und Asche fiel, war sie über 600 Jahre alt. Schon 1400 Jahre zuvor hat der Apostel Paulus seine große Hoffnung für alle Welt in seinem Brief nach Rom gesandt. Paulus machte sich nicht nur Gedanken über die Hoffnung, in ihm brannte die Hoffnung. Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes. Der Gott der Hoffnung. Ob Hoffnung einen wahren Grund hat, das erweist sich dann, wenn alles in Schutt und Asche liegt. Wenn es eigentlich nichts mehr zu hoffen gibt. Paulus brennt vor Hoffnung. Den Grund seiner Hoffnung findet er in den Verheißungen an Israel, in den Schriften des Alten Testaments. Von dort bekommt er Trost und Geduld.

Seit ihm in Damaskus Christus begegnete, als er vom Saulus zum Paulus wurde, ist er davon überzeugt: Die Verheißungen, die den Vätern gegeben wurden,  sind erfüllt in Jesus Christus. Und nicht nur das: In Christus wendet sich Gott allen Völkern zu. In Christus sind wir von Gott Angenommene; er schenkt uns Zukunft: Gott wird bei den Menschen wohnen und sie werden ein Volk sein. Die Welt ist nicht mehr mit Brettern vernagelt und das Leben des einzelnen ebenso wenig.

Von Beruf war Paulus Zeltmacher. Als wollte er sagen: vierfach genäht hält besser, untermalt er seine in ihm brennende Hoffnung gleich mit vier Bibelzitaten, so auch aus Jesaja 11: Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen. Die Menschen in Coventry brauchten 1940 schon eine solch' gewaltige Hoffnung, um Versöhnung predigen und leben zu können. Denn der Feind in Deutschland war kein harmloser Papiertiger; dort lebten Herrenmenschen ihre Gewaltphantasien aus: Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt. Der Gott der Hoffnung, der das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Doch nicht auslöscht sollte mit dem jüdischen Volk für immer vernichtet werden. Angebetet wurde ein Gott der Stärke, der Herrenrasse, der Überlegenheit und der Gewalt.

Woher haben die Christen in Coventry den Trost genommen und die Geduld gehabt, 1940 Deutsch zu lernen, um sich irgendwann mit diesem Gegner zu versöhnen. Nur vom Gott der Hoffnung. Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Mit Christus im Herzen versuchen wir, so schwer es auch sein möge, alle Rachegedanken zu verbannen..., sagte Propst Howard.

Weil wir angenommen sind, können wir einander selbst bei schmerzenden Unterschieden und feindseligen Gegensätzen ertragen. So loben wir Gott. Denn ins uns brennt die Hoffnung, dass Gott die Welt mit sich versöhnt hat und Christus uns bittet: lasst euch versöhnen mit Gott.

Diese Botschaft erzählen uns die Steine und das große Chorfenster der Auferstehungskirche, diese Botschaft verkündet der afrikanische Christus von Gerhard Marcks. Und wenn wir den Gedenkbrunnen für die verschleppten und ermordeten Juden Bad Oeynhausens auf dem Kirchplatz anschauen, dann hören wir Paulus sagen an die Römer, wie wir es im Predigttext gehört haben: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind. Es ist ein Adventslicht brennender Hoffnung für Israel und die Völker, wenn in diesem Gottesdienst das Nagelkreuz an die Gemeinde in der Auferstehungskirche überreicht wird.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes. Amen
 

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