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Der Kampf mit Gott
Predigten (07.10.2006)

machtkampf_80x110 Predigt zum 17. Sonntag nach Trinitatis.

Predigttext 1. Mose 32, 23-32 
Es ist ein Kampf mit Gott auf Leben und Tod. Eine ungeheuerliche und unheimliche Geschichte. Aber auch eine unheimlich spannende Geschichte, die die Bibel uns heute Morgen erzählt. Spannend vor allem auch deshalb, weil sie ein ganz anderes Bild von der Begegnung zwischen Gott und Mensch erzählt. Gott selbst begegnet einem Menschen hautnah und dann auch noch so handgreiflich. Gott kämpft, statt dem Menschen mit Liebe und Gnade entgegenzutreten. Das macht diese Geschichte so aufregend.


 

Der Kamp am Jabbok ist die ein Höhepunkt und ein Wendepunkt in der Geschichte Jakobs. Dieser Jakob ist ein listiger Lügner und Betrüger und ein außerordentlich zielstrebiger junger Mann. Schon im Mutterleibe rangelt er mit seinem Bruder Esau, der zuerst geboren wird. Dann nutzt er eine kurze Schwäche seines Bruders aus und kauft ihm das Erstgeburtsrecht ab. Und zu guter letzt betrügt er seinen Bruder um den Segen des Vaters. Jakob ist raffiniert und gewissenlos. Doch er hat Angst vor der Rache seines Bruders und flieht.

Jakob ist ein Betrüger, aber er wird auch selbst betrogen von seinem eigenen Onkel. Sieben Jahre dient er um seine angebetete Rahel. Doch Laban tauscht in der Hochzeitnacht die Frauen aus, und Jakob muss noch einmal sieben Jahre für Rahel arbeiten.

Viel Zeit ist inzwischen vergangen, doch der Konflikt mit Esau schwelt weiterhin. Eines Tages wir es zur Begegnung kommen, zum großen Tag der Abrechnung.

An diesem Abend kommt Jakob zum Fluss Jabbok. Seine Familie überquert den Strom, er bleibt zurück. Ahnt er schon etwas? Dann tritt ihm eine Gestalt entgegen. Jetzt hilft kein Trick, keine List, kein Winkelzug, kein Ausweichen. Er, der auf der Flucht ist, muss sich dem Kampf stellen. Jakob hat Angst, er weiß nicht, gegen wen er da kämpft. Ist es sein Bruder, ein Fremder oder ein Dämon? Was er weiß ist, dass dieser Kampf um Leben und Tod geht. Der Ausgang ist ungewiss.

Beide Kontrahenten scheinen gleich stark zu sein. Keiner kann den anderen besiegen. Jakob bekommt einen Schlag auf die Hüfte, lebenslang wird er hinken. Er taumelt und der andere will gehen.

Aber Jakob spürt, dass sein Gegner jemand ganz besonderes ein muss. Er mag erschöpft sein, aufgewühlt, verzweifelt, aber er bleibt zielstrebig. Von diesem starken Gegner will er einen Segen. Sonst lässt er den anderen nicht los. Sonst wird er weiterkämpfen.

Und Jakob bekommt diesen Segen. Ein Segen, der noch viel größer und mächtiger ist, als der Segen, den er sich ergaunert hat. Diesen Segen heute Nacht am Jabbok hat er sich erkämpft. Aus Jakob, dem listigen Lügner, wird Israel, der Stammvater eines großen Volkes. Denn er hat mit Gott gekämpft und gewonnen.

Dieser Kamp am Jabbok ist rätselhaft und geheimnisvoll. Und er hat sehr viel mit dem Leben zu tun. Lassen Sie uns darüber einmal genauer nachdenken:

Ich stelle mir einen Menschen vor, der vor etwas wegläuft. Vielleicht, weil er anderen etwas angetan hat. Vielleicht, weil ihm selbst etwas angetan wurde. Es hört in sich hinein und erkennt in sich etwas, dass ihn tief beschäftigt. Ein Lebenskonflikt. Sein innerstes Problem, seine größte Frage, seine Unzufriedenheit, sein Lebensthema.

Dieser Mensch hat gelernt, damit zu leben. Mit List und Raffinesse verfolgt er seine Ziele. Er laviert sich durch. Er hat auch Erfolge. Er lebt nach außen hin ganz normal. Aber innen drin ist er auf der Flucht. Er läuft vor seinem Problem weg. Er verdrängt, er steht scheinbar darüber.

Nur in ganz stillen Momenten, meistens wenn es Abend wird, steigen die Gedanken in ihm hoch. Er will sie verscheuchen, aber sie kriechen jede Nacht an seinem Bett hoch und drängen sich in seine Gedanken und Träume. Sie werden zu seinen Nachtgeschichten, die immer drängender und quälender in ihm hochsteigen. Und eines Nachts merkt er, dass es kein Ausweichen mehr gibt. Mit allen Argumenten und Teilgedanken hat er schon gekämpft und gesiegt, aber jetzt tritt ihm eine Macht entgegen, die sich nicht so leicht wegschieben lässt.

Jetzt berührt ihn der Punkt, der in sein tiefstes Lebensthema eingreift. Und dieser Mensch steht einer Macht gegenüber, die so unendlich groß ist. Und er erkennt, dass diese Macht Gott ist, denn seine kreisenden Gedanken haben sich längst in ein Gebet verwandelt. Nicht in ein frommes Dankgebet oder eine Formel aus der Kindheit, sondern in Worte die aus dem Herzen kommen und die an den Schöpfer allen Lebens gehen.

Jetzt in diesem Moment spürt der Mensch, dass er nicht mehr weglaufen kann. Dass er seine Gedanken nicht mehr verscheuchen kann. Gott fordert zum Kampf. Und der Mensch weiß, jetzt muss er kämpfen und mit Gott ringen. Was habe ich getan und was ist mir angetan worden? Gibt es eine Rettung und gibt es ein neues Leben? Kann ich frei werden?

Dieser Mensch beginnt den Kampf und ringt mit Gott in seiner Nachtgeschichte. Er weiß nicht, wie diese Geschichte ausgehen wird, aber er weiß, dass er leben will. Endlich frei werden, von dem was ihn drückt. Und er kämpft weiter. Dieser Kampf geht nicht ohne Blessuren ab. Er muss ein anderer werden, er sieht wie er war und was war, und das tut weh. Doch er fühlt tief in seinem innersten, dass er entweder anders leben will oder sterben muss.

Und das Wunder geschieht. Er verändert sich, er wird ein neuer Mensch. Wie aus dem listigen und fliehenden „Jakob" ein „Israel" wird, ein Vater eines großen Volkes, wird aus ihm ein neuer Mensch. Der Namenswechsel deutet eine neue Identität an, und das bedeutet: Dieser Mensch bekommt ein neues Bewusstsein, ein neues Selbstbewusstsein. „Ich habe Gott alles gesagt, ich habe geklagt und geschrieen, ich habe geweint und geschwiegen und gezweifelt, aber Gott segnet mich. Ich habe gekämpft, ich habe alles vorgebracht und jetzt bin ich neuer Mensch. Ich bin frei, ich bin erleichtert, aus mir kann noch etwas werden."

So etwas spielt sich in einer Nacht ab. Doch am nächsten Morgen ist nicht alles vergessen. Dieser Kampf in der Nacht mit Gott hat das Leben dieses Menschen von Grund auf erneuert.

Gehen wir noch einmal zurück zu Jakob. Die Begegnung mit Gott in der Nacht am Jabbok hat ihn verändert. Er weiß jetzt, dass er kämpfen musste, dass er mit Gott kämpfen musste, um sich selbst zu besiegen und darin zu gewinnen. Besiegt ist die Lüge und Lavieren und das Verdrängen, der Sieg ist der Segen. Das mag paradox klingen, hat aber ganz praktische Folgen.

Jakob zieht seinem Bruder entgegen. Er lässt seine Knechte mit Geschenken voran gehen, dann stellt er seine Familie und seine Kinder hinter sich und tritt seinem Bruder entgegen. Es kommt zum großen Showdown, doch der fällt ganz unerwartet aus. Esau hat es selbst zu etwas gebracht und er vergibt seinem Bruder und nimmt ihn an.

In der Geschichte von Jakob gibt es also ein Happyend. Ich weiß nicht, ob das immer so sein muss. Doch wenn ich nicht kämpfe, werde ich immer verlieren. Nur wer kämpft hat überhaupt die Möglichkeit, zu siegen. Ich kann mit Gott kämpfen. Und manchmal muss ich mit Gott kämpfen. Das kann zwar Weh tun, aber es wird mich nie umbringen, denn ich kann darauf vertrauen, dass Gott mein Leben will. Nicht um es mir zu nehmen, sondern um es in seiner ganzen Fülle für mich erfahrbar zu machen.

Ich weiß nicht, ob Sie mit diesem Menschen, den wir uns vorgestellt haben, etwas anfangen können. Ich weiß nicht, ob Sie so einen Menschen kennen. Ich weiß auch nicht, ob Sie vielleicht so ein Mensch sind.

Ich weiß aber, dass Kämpfe mit Gott unausweichlich sind und uns verändern. Und ich weiß, dass Menschen wie Jakob von Gott gesegnet und auserwählt werden. Lebenslügner, Verdränger, Fehlerhafte, Unfertige. Solche Menschen mit einer unbezwingbaren Lebenssehnsucht können zu Gott kommen. Und er wird sie segnen. Er wird sie mit seinem reichen Segen zu neuen Menschen machen, die sich ihrem Leben stellen. Die nicht mehr ausweichen. Gott segnet Menschen, die in ihren Nachtgeschichten sagen: Ich lassen Dich nicht eher los, bis Du mich gesegnet hast.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

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Der Predigttext: 

Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok, 24 nahm sie und führte sie über das Wasser, so dass hinüberkam, was er hatte, 25
Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 26 Und als er sah, dass er ihn nicht besiegen konnte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 27 Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 28 Er sprach: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob. 29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißest du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen,* und doch wurde mein Leben gerettet. 32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte und blieb allein zurück.

 

 

 

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