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Dankbar genießen Drucken
Von Lars Kunkel (01.10.2006)
praline

Predigt zum Erntedankfest 

Danken ist „in". Denn Danken ist der Schlüssel zum Glück. So habe ich kürzlich in der Zeitschrift „Go longlife - ab 50 erst jung" gelesen. Dankbarkeit wird als eine andere Sicht auf die Dinge empfohlen. Die schönen Dinge des Lebens zu beachten und sie bewusst wahrzunehmen, dürfe nicht vergessen werden, und der Blick solle sich nicht auf das richten was uns fehle, sondern auf das, was wir haben. Dankbarkeit macht glücklich, und Glück verändert das Gehirn, indem dort neue Verbindungen aufgebaut werden.

In vielen Zeitschriften finden sich zur Zeit ähnliche Artikel. Warum ist das Danken ein Modethema geworden? Vielleicht weil wir das Bewusstsein für das Schöne und Gute verloren haben? Lieber jammern statt zu danken?

Ich finde den Ton dieser Zeitschriften jedenfalls sehr geschickt. Hier wird nicht mit erhobenem Zeigefinder das Danken eingeklagt. Hier wird die positive Seite des Dankens für mein eigenes Lebensglück betont. Wer Dankbarkeit empfindet, ist nicht einfach nur höflich oder pflichtbewusst, er hat selbst etwas davon in seinem Leben.

Dabei müsste uns eigentlich keine Zeitschrift etwas über Dankbarkeit erzählen. Denn wir Christen stehen in einer langen Tradition des Dankens. Unzählige Bibelstellen haben das Danken zum Inhalt. Und in fast jeder Bibelstelle geht es um den Dank an Gott. Um das Lob des Schöpfers und den Dank an Gott den Herrn. Dahinter steckt die uralte Erfahrung, dass letztlich alles von Gott kommt.

Ich gebe zu: Wir Menschen machen auch andere Erfahrungen. Viele rackern sich ab in der Familie, im Beruf, in den Beziehungen. Wir versuchen, unser Bestes zu geben. Aber darin liegt auch eine Kehrseite mit vielen Facetten. Diese heißen Überheblichkeit, weil wir uns für allmächtig halten. Und Angst, wenn uns etwas nicht gelingt.

Es tut uns gut, in unser Bewusstsein dem Gedanken Raum zu lassen, dass Gott es ist, der uns Gutes schenkt. Der uns nicht nur die Grundlagen schafft in Ressourcen wie Wasser, Licht und Erde, sondern dass er es ist, der überhaupt etwas wachsen lässt. Selbst unser Tun braucht den Segen Gottes, damit etwas Gutes dabei entsteht.  Und es gibt viele Bereiche des Lebens, in denen unser Zutun eine geringe oder keine Rolle spielt: Frieden, Freundschaft, Liebe und Glück wachsen vor allem durch Gott. Den Blick darauf zu lenken, schenkt uns das Gefühl von Dankbarkeit.

Aber wie sieht es nun konkret aus mit der Dankbarkeit? Der kurze Predigttext mit seinen zwei Versen, hält sehr spannende Gedanken für uns bereit:

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird;  denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. (1. Tim. 4,4-5)

Wer diese Verse liest, kommt nicht sofort darauf, dass Paulus sich hier gegen eine falsche Enthaltsamkeit wehrt. Es scheint damals Leute gegeben zu haben, die neue Vorschriften aufstellen wollten. Bestimmtes Fleisch soll nicht gegessen werden und der Ehe soll man sich enthalten. Sie halten das für schädlich und gottlos.

Vielleicht kann man hier von Moralaposteln sprechen, und dagegen tritt Paulus als Apostel christlicher Wahrheit auf. Diese Wahrheit ist ganz kurz und knapp:

Was mit Danksagung empfangen wird, ist nicht verwerflich. In diesem kurzen Satz steckt eine komplette christliche Ethik.

Nichts ist an sich schlecht und verwerflich. Was Gott geschaffen hat, ist in sich gut. Das einzige Kriterium dafür, ob etwas für uns gut oder schlecht ist, ist der dankbare Empfang. Das lohnt sich näher zu bedenken.

Bleiben wir heute am Erntedanktag mal beim Essen, obwohl sich diese Ethik auf alle Lebensbereiche ausdehnen ließe.

Nehmen wir ein schönes dickes Nutellabrot, einen knusprigen Schweinebraten und einen saftigen Hamburger von McDonalds als Beispiel. Wer so was isst, kriegt oft zu hören: „Das ist ungesund, lass das, das macht dick und krank. Das gehört sich nicht!"

So reden die Moralapostel, denen Paulus entgegen halten würde: „Wenn Du das mit Dankbarkeit isst, ist es gut." Und hier liegt der feine Unterschied: Wenn ich etwas mit Dankbarkeit und bewusst esse, dann genieße ich es auch. Dann wird die Fettkruste nicht zu einer kleinen Sünde, sondern zu einem großen Fest, für das ich dankbar bin. Allerdings kann ich all diese Dinge auch ohne jede Empfindung essen.

Sozusagen bewusstlos in mich ´reinstopfen und das auch noch jeden Tag. Ich esse dann gedankenlos, und das Essen ist kein Genuss.

Vielleicht versuche ich damit, etwas anderes zu erreichen. Eine Leere zu füllen, meine Traurigkeit oder meinen Stress zu vertilgen.

Es spricht auch nichts dagegen, mit Genuss und Bewusstsein und Dankbarkeit einen guten Döner zu essen. Wo ich die Dankbarkeit und damit das Bewusstsein für das Gute im Leben verliere, nicht mehr genau hingucke und rieche und schmecke, brauche ich mich vielleicht nicht so sehr empören, wenn mir am Ende Gammelfleisch auf dem Teller entgegenmodert. Es hilft doch nichts, darüber zu jammern, dass die Qualität des Essens nicht mehr stimmt. Hätte ich mit Dankbarkeit, also bewusst und genießend gekauft und gegessen, wäre mein Imbiss vermutlich appetitlicher ausgefallen. Aber es geht mir heute nicht ums Kritisieren. Es geht heute darum, Auswege zu finden und das Gute, das Gott mir schenkt, in den Blick zu nehmen.

Deshalb will ich Ihnen heute Morgen auch keine Horrorgeschichten über den Kaffeeanbau erzählen, sondern ihnen etwas Schönes und Konstruktives zeigen. Ab heute gibt es diesen Kaffee aus fairem Handel im Kirchcafé. Genießen Sie doch im Anschluss an den Gottesdienst eine gute Tasse Kaffee, ganz in Ruhe und Dankbarkeit. Der Kaffee schmeckt gut, und er tut gut. Er wird nach ökologischen Kriterien angebaut und zu einem fairen Preis gehandelt. Fair heißt: Die Menschen und Genossenschaften können von den Preisen leben und sich sogar etwas aufbauen. Jede Tasse Kaffee ist ein kleiner Beitrag zur nachhaltigen Entwicklungshilfe. Durch den Kaffee werden Existenzen gesichert und neu gegründet, Geld fließt auch in Schulungen und Kleinkredite für Menschen, die endlich eine wirtschaftliche Perspektive finden können.

Es ist ein Unterschied, Kaffee einfach nur zu trinken oder ihn dankbar und bewusst als ein wunderbares Gut zu genießen. In diesem Kaffee fließt sprichwörtlich zusammen, was Erntedank im Kern bedeutet: Gottes gute Schöpfung und des Menschen tätige Kraft vereinen sich zu einem wirklichen Geschenk für uns.

Den Dank an Gott in den Mittelpunkt zu stellen ist eine wirkliche Hilfe zum Leben. Gott füllt mit seiner Liebe meine Leere aus. Und er ist bei mir in meinem Leben, wenn ich einsam bin. Wenn ich an dieser Stelle suche, finde ich etwas, das mich nicht voll macht, sondern erfüllt.

Dankbarkeit ist eine Haltung des Bewusstseins und ein Gefühl, das unser Leben verändern kann. Und wenn wir uns verändern, dann verändert sich die Welt mit. Die Ethik der Dankbarkeit hat ihren Ursprung im Evangelium und nicht im Gesetz.

Deshalb kann man Dankbarkeit auch nicht verordnen. Manchmal höre ich: Eigentlich müssten wir doch dankbar sein, weil wir genug haben. Denkt doch mal an die, denen alles fehlt. Da musst Du dankbar sein (und wenn nicht, bist du undankbar.)

Für mich gehen solche Aussagen am Kern des Dankens vorbei. Danken kann ich nur freiwillig, und es muss aus mir selbst heraus kommen. Wir sind vor Gott keine kleinen Kinder, denen er Höflichkeit abfordert. Gott fordert nicht den Dank, um uns auf die Knie zu zwingen. Wir stehen als Gottes Geschöpfe aufrecht vor Gott, und wenn wir danken, dann weil wir diesen Dank aus tiefstem Herzen  empfinden, weil der Dank wirklich aus uns heraus kommt. Dankbar sein kann ich nicht aus einem Mangel heraus, aus Angst oder Zwang, sondern nur aus freiem Herzen. Echter Dank braucht Größe, und Gott macht uns groß.

Entweder bin ich also dankbar oder ich bin es nicht. Daran misst sich, wie es um mich steht. Wenn ich im Moment nicht danken kann, dann wird daran ein Mangel in meinem Leben deutlich, und das soll mir ruhig bewusst werden. Ich spüre dann ganz genau, was mir im Moment fehlt, und das kann ich dann als Bitte oder Klage vor Gott bringen. Ich muss damit nicht alleine fertig werden, Gott sei Dank. Doch wenn ich dankbar bin, dann spüre ich den Reichtum in meinen Leben und alles Gute darin.

Der Dankbarkeit steht also nicht die Undankbarkeit gegenüber, sondern die Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit verdeckt, was mir fehlt und lässt mich diese Leere verzweifelt ausfüllen. Oder die Gleichgültigkeit lässt mich das Gute als zu selbstverständlich hinnehmen. Kurz könnte man es so auf den Punkt bringen: Die Gleichgültigkeit macht unglücklich, die Dankbarkeit deckt Fülle und Mangel in meinem Leben auf, und das macht mich lebendig. Und beides, Fülle und Mangel, bringe ich vor Gott. Ihm danke ich für alles Gute, und ihn bitte ich um Erfüllung. Nicht nur am Erntedankfest. Sondern an jedem Tag meines Lebens.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

(Bild: www.pixelquelle.de) 

 

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