logo_06-05x_web_640px
 
KontaktLoginImpressumDatenschutzerkl
  Home arrow Gottesdienst arrow Predigten arrow In Bewegung setzen - Predigt zum 12. Sonntag n. Trinitatis
         
Home
Unsere Gemeinde
Auferstehungskirche
Gottesdienst
Café
Familienzentrum
Kirchenmusik
Service

Altstadtgemeinde twittert title=

facebook_button.jpg

youtube-small-square-3220586.png

 

In Bewegung setzen - Predigt zum 12. Sonntag n. Trinitatis Drucken
Von Lars Kunkel (02.09.2006)

maraton88

Gott kann Menschen heilen, Gott kann Menschen in Bewegung setzen. Die Bibel erzählt uns oft davon, dass Menschen geheilt werden. Aber wie kann das geschehen? In fünf Schritten nimmt die Predigt zum Sonntag der Diakonie diese Frage in den Blick.

Liebe Gemeinde, Gold und Silber haben wir nicht, aber dem Gelähmten kann geholfen werden. So könnte man das 2000 Jahre alte Wunder auf den Punkt bringen. Gold und Silber haben wir nie und auch heute auch nicht mehr viele Euros, aber den Lahmen können wir etwas geben. So könnte es heute heißen. Aber schauen wir erst mal zurück:

 

Vor dem Tempel sitzt ein Mann, der von Geburt an lahm ist. Er wird dort hingebracht, damit er betteln kann. Die Menschen, die den Tempel betreten, werfen ein paar Münzen in seine Schale. Ein kleines Almosen, das dem Invaliden zum Überleben hilft. Aber sie sehen ihn nicht mehr an. Er hat keine Namen, er ist einfach nur der Gelähmte an der Tempeltür. Ein Mann ohne Gesicht.

 

Doch eines Tages verändert sich etwas. Petrus und Johannes kommen zum Tempel, der Gelähmte streckt die Hand aus. Petrus sieht ihn an und sagt: „Sieh uns an!" Und der Lahme, der bisher nur die Füße der vorbeigehenden gesehen hat, hebt den Blick, den er sonst demütig gesenkt hatte.

Und er blickt in die Gesichter von zwei Männern, die eine ganz besondere Kraft ausstrahlen. Gerade war Jesus gestorben und auferstanden und sie hatten selbst erfahren, was es bedeutet, Hoffnung zu haben, die sich nicht abfindet mit Leid, Krankheit und Tod. Sie strahlen einen Willen zum Aufbruch aus, der sich nicht bremsen lässt. Sie sind erfüllt von der Gewissheit, dass Jesus mit Ihnen geht, dass er sie liebt und ihnen einen wichtigen Auftrag gegeben hat. Die Botschaft Christi in die Welt zu tragen.

 

Schon in diesem kleinen Moment verändert sich viel für den Lahmen. Er wird angesehen, und er sieht Menschen, die nicht gleichgültig sind, sondern es aushalten, das Elend anzusehen und sich nicht damit abfinden wollen. 

 

Gold und Silber haben sie nicht. Das enttäuscht den Lahmen sicher sehr. Er ist noch ganz gefangen in dem üblichen Muster aus „Almosen geben und weitergehen".

 

„Aber was ich habe, gebe ich Dir.", sagt Petrus. Und während sich der Lahme noch fragt, was das sein mag hört er die Worte: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth: Steh auf und geh".

 

Inzwischen sind sicher einige Pilger stehen geblieben, denen jetzt der Atem stockt.

Einen Lahmen kann man übersehen, aber sich über ihn lustig zu machen, das geht zu weit. Petrus reicht dem Lahmen die Hand und der steht auf.

 

Liebe Gemeinde,

was damals passiert ist, ist ein Wunder. Wir können es nicht genau erklären. Die Bibel berichtet immer wieder davon, dass Menschen durch die Kraft Jesu geheilt wurden. Doch es lohnt sehr, diesem Wunder am Tempel weiter nachzuspüren. Denn vielleicht ist dieses Wunder für uns erzählt worden.

 

Es gibt so vieles, was uns lähmt und so viele Menschen, die sich wie gelähmt fühlen. Das betrifft Menschen, die das Gefühl haben, nicht mehr gebraucht zu werden. Vielleicht weil sie alt sind. „Was können wir Alten denn schon noch beitragen?", höre ich öfters von älteren Menschen.

 

Die Lähmung betrifft auch Menschen, die keine Arbeit finden, junge Menschen, die ohne Perspektive am Leben vorbeigehen müssen. Lähmend kann auch ein Verlust sein, den wir erleben. Wenn ein Freund sich trennt, eine Ehe zerbricht. Aber auch ein Zuviel an Stress und Überforderung kann lähmend sein.

Es gibt Menschen, die mitten im Leben stehen, die in Beruf und Familie extrem gefordert werden und die sich innerlich leer und ausgebrannt fühlen. Die äußerlich betriebsam sind und innen gelähmt.

 

Und manchmal fühlen sich Menschen auch in der Kirche wie gelähmt, weil so vieles im Umbruch ist und sie nicht wissen, wie die Zukunft der Kirche und Gemeinden aussieht und welchen Beitrag sie leisten können, damit etwas in Bewegung kommt. Und ob sie überhaupt etwas tun können. Alle Menschen können von Lähmungen betroffen werden, depressiv und ausgebrannt werden.

 

Und das allerschlimmste ist, wenn diese Menschen auch übersehen werden und höchstens mit Almosen abgespeist werden. Ein bisschen Geld hier, ein paar Floskeln da. Das reicht zum Überleben, aber es verstärkt die Lähmung in Wirklichkeit noch viel mehr.

 

Ich erinnere noch einmal an den Satz vom Anfang: Gold und Silber haben wir nicht, aber dem Lahmen kann geholfen werden.

 

Es wäre weltfremd zu behaupten, dass Gold und Silber und Geld nicht wichtig sind. Manche Lähmung eines Menschen braucht harte Euros, um geheilt zu werden.

Doch im ganzen Klagen darüber, dass Gold und Silber fehlen, wird oft der zweite Satz von Petrus übersehen. „Was ich habe, das gebe ich Dir!". Das klingt so, als hätten wir nichts und das ist ein schwerer Irrtum.

 

Petrus und Johannes helfen dem Lahmen auf eine ganz andere Weise auf.  Wie das heute konkret aussehen könnte, zeigen und die fünf Schritte aus der Szene vor dem Tempel.

 

Schritt eins ist: den eigenen Reichtum entdecken. Petrus und Johannes kommen nicht mit leeren Händen auch wenn das Portemonnaie leer ist. Sie haben unmittelbar erfahren, dass Jesus lebt. Dass Gott fest zu ihnen steht und dass er sie liebt und ihnen Kraft gibt.

 

Diese Erfahrung füllt sie so sehr mit Energie an, dass sie der Welt davon erzählen müssen. Und diese Voraussetzung bringen wir eigentlich alle mit. Wir sind Gottes geliebte Kinder, er schenkt uns seinen Heiligen Geist, der uns verwandelt. Der uns wach macht und Begabungen schenkt. Der mit uns geht in jeder Sekunde unseres Lebens. Und dieser Gott will die Not wandeln und Leben schaffen, wo Trostlosigkeit und Leid herrschen.

 

Schritt zwei ist: Wir Christen haben die Kraft, Not und Leid beim Namen zu nennen und genau hinzusehen. Wir halten das aus, weil wir glauben, dass sich etwas ändern kann. Dass Gott etwas ändern kann und dass Gott niemanden aufgibt. Wir müssen nicht die Welt retten, das kann nur Gott. Aber wir können den Menschen ansehen, der den Blick traurig und resigniert zu Boden richten und sagen: Ich sehe Dich und sieh Du mich an. Und der, der dann aufblickt, wird einen Menschen sehen, der Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt, die Gott uns schenkt.

 

Und dann kommt der dritte Schritt: Wir müssen dem anderen Menschen etwas zutrauen. Petrus traut dem Lahmen zu, aufzustehen, weil er weiß, dass jeder Mensch von Gott auch mit Kräften ausgestattet ist. Hoffentlich trauen wir auch den Elenden und Lahmen etwas zu und sehen in ihnen ein Geschöpf Gottes, das nicht nur arm und elend ist, sondern auch von Gott begabt ist.

 

Kürzlich habe ich im Kreis von Senioren einmal gefragt, wer ihnen vom Glauben erzählt hat und wie Sie vom Glauben erzählen. Herauskam: Es sind ganz oft die Omas, die ihren Enkelkindern von Gott erzählen und mit Ihnen beten. Das ist eine einzigartige Begabung und eine wichtige Aufgabe.

 

Alle Menschen haben etwas zu geben, aber das kommt erst zu Geltung, wenn ich sie ansehe und Ihnen etwas zutrauen. Wenn ich in Ihnen nur die armen Alten oder die Opfer oder die Verlieren sehen, werden sie immer gelähmter.

 

Doch manchmal reicht das Zutrauen nicht. Und damit bin ich bei Schritt vier. Manchmal muss ich jemandem wirklich auf die Beine Helfen und ihn an die Hand nehmen. Das tut übrigens gerade auch den Menschen gut, die eigentlich stark sind, aber die einfach nicht mehr können. Gerade einem Menschen, der sich ausgebrannt fühlt tut es gut, selbst einmal an die Hand genommen zu werden, damit er sich ein wenig ausruhen kann und darüber reden kann, was alles von ihm erwartet wird. Ihm vielleicht auch zu sagen, dass er nicht alles aus eigener Kraft schaffen muss, sondern das Gott ihn lieb hat, ohne dass er um Anerkennung und Erfolge kämpfen muss.

 

Und es gibt noch einen fünften Schritt. Das ist der Dank. Der ehemals Gelähmte geht mit Petrus und Johannes, um Gott zu danken.

 

Liebe Gemeinde,

verstehen Sie die ersten vier Schritte aus den eigenen Reichtum entdecken, hinsehen, zutrauen und aufhelfen bitte nicht als ein Patentrezept,

das man einfach nur anwenden muss, um anderen zu helfen.

 

Als der Gelähmte aufsteht, schauen die Zuschauer voller Bewunderung auf Petrus und Johannes. Doch Petrus sagt: was wundert ihr euch darüber, oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? Petrus hält seinen Zuhörer im Folgenden vor Augen, wie sehr sie auf der einen Seite Jesus verachtet haben. Genau so sehr, wie sie jetzt auf das Wunder glotzen. Wir sind einen Schritt weiter. Wir kennen Jesus und wissen, dass es Gott ist, der heilt. Wir können Petrus und Johannes nicht kopieren um zu beweisen, was wir können. Aber wir können der Kraft, dem Mut und der Hoffnung in uns nachspüren, die Gott uns gibt.

 

Vielleicht gibt es im Moment zwei Gruppen von Menschen in diesem Gottesdienst. Die Lahmen, die sich müde und kraftlos fühlen und die Gruppe der anderen, die Gott um Kraft bitten kann und zu der ersten Gruppe sagt: „Sieh mich an!" Mal mag ich zu der einen Gruppe gehören und schon morgen zu der anderen. Nur dazwischen kann es nichts geben. Gleichgültigkeit gegenüber meiner Schwäche ist genauso elend wie Gleichgültigkeit gegenüber der Kraft, die Gott mir schenkt.

 

Ich glaube, dass das Wunder geschehen kann, das Lahme wieder beweglich werden. Wenn wir erkennen, was Gott uns gibt, und wenn wir das weitergeben. Wenn das geschieht, tritt ein Wunder ein und dann bleibt die Geschichte vom Lahmen vor dem Tempel keine hübsche Anekdote, sondern wird wahr für unser Leben. Bitten wir Gott darum, dass er uns in Bewegung setzt. Für die Menschen, die uns brauchen.

Und der Friede Gottes, der höher steht als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. AMEN.

 

Für Sie ausgewählt

 

 

Tipps
mehr Tipps
#c8f4f7 #F1F4F7  
© 2019 Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.