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Wir alle sind Suchende
Wir leben mittendrin (13.04.2020)

Gedanken zu Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostern

200413_foto_burquin.jpgGestern Abend gab es im Fernsehen einen Bericht über eine Frau, die sieben Tage lang in einem Kloster der Dominikanerinnen verbracht hat.In einem Gespräch mit einer Schwester, die schon im hohen Alter ist, ging es um die Frage, wie wir als Menschen "echt" sind oder mit anderen Worten "authentisch". Die Schwester sagte, wir alle sind Suchende und bleiben das auch ein Leben lang. Aber als Suchende sind wir "echt"!

Wie entlastend, das zu hören in diesen Tagen, die davon bestimmt sind, wie wir mit dem Corona-Virus so umgehen, dass wir andere und uns vor einer Ansteckung schützen:Ich darf ein suchender Mensch sein und muss nicht auf alles eine Antwort finden. Suchend und fragend tasten wir uns durch diese Tage, versuchen, was wir können, an Verantwortung zu leisten, im beruflichen wie im privaten Leben.

Noch wissen wir nicht, wie sich die Corona-Krise weiter entwickeln wird. Sicherheiten sind weggebrochen. Nicht einmal eine verlässliche Planungen von Besuchen in der Familie, unter Freunden oder des nächsten Urlaubs sind zum jetzigen Zeitpunkt möglich. Gleichzeitig erleben wir in einer ganz neuen Weise, wie sehr wir in unserem Leben auf andere Menschen angewiesen und auch weltweit untereinander vernetzt und voneinander abhängig sind.

Wir erleben auch, dass die Unterschiede, die sonst unser Miteinander als Menschen so sehr zu bestimmen scheinen, schwinden. Das Corona-Virus erinnert jede und jeden von uns daran, dass unsere Gesundheit gefährdet ist, dass es jeden treffen kann und es zeigt uns, wie verletzlich wir sind, wie schutzlos, aber auch wie ratlos im Umgang mit einer globalen Krise, die wir uns in dieser Weise kaum haben vorstellen können.

Wenn wir heute Abend den Gründonnerstag feiern und wie auch an allen weiteren Tagen Gottesdienste nur digital oder im Fernsehen mitfeiern können, dann bekommen die Tage der Karwoche und das bald beginnende Osterfest eine ganz neue Bedeutung.

Heute am Gründonnerstag erinnern wir uns daran, dass Jesus immer für uns da ist. Anselm Grün hat in einem Gebet formuliert (Anselm Grün, Schenk mir ein weites Herz, Gebete, Herder-Verlag, S.88):

"Herr Jesus Christus...Du hast mit deinen Jüngern Abendmahl gehalten und hast dich selbst ihnen gegeben in Brot und Wein. Du hast das Brot gebrochen als Zeichen deines Todes, in dem du für uns zerbrochen wurdest, um all das Gebrochene und Zerbrochene in uns zu heilen und zu verbinden. Und du hast uns den Kelch gereicht als Bild dafür, dass deine Liebe im Tod zur Vollendung kommt, dass du dein Herzblut für uns gibst. "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Johannesevangelium 15,13).

Wir gehen durch diese Tage, symbolisch gesprochen mit ziemlich leeren Händen, vielen inneren Sorgen, wie wir diese Zeit nicht nur gesundheitlich, sondern auch beruflich, finanziell und ökonomisch durchstehen werden.

Karfreitag und Karsamstag sind stille Tage. Wir denken an den Leidensweg Jesu, an seinen Tod. In beidem spiegeln sich die Erfahrungen unserer Tage: Das Leiden und Sterben von Menschen: Einsamkeit und Isolation in Pflegeeinrichtungen, weil Besuche nicht mehr möglich sind. Das Ringen auf Intensivstationen, Menschen mit allen medizinisch verfügbaren Möglichkeiten zu retten, aber auch die Erfahrung des Sterbens und des Todes.

Die Stille dieser beiden Tage kann uns helfen, einfach vor Gott im Gebet da zu sein und an andere Menschen zu denken und für sie zu beten. Das ist schon viel und das kann auch trösten. Es kann uns helfen, der inneren Hilflosigkeit zu begegnen und sie zuzulassen, ohne sie zu bewerten.

Aber auch in diesem Jahr feiern wir Ostern! Die Zeit wird ja nicht am Karsamstag angehalten oder stehen bleiben. Das Osterfest erinnert uns daran, dass wir sehr viel Hoffnung haben dürfen, dass wir mit Gottes Hilfe diese Krise durchstehen werden. Eine Krise, die unser Leben vermutlich tiefgreifend verändern wird. Wir werden neue Wege beschreiten, auch im Blick auf unser Miteinander, das in diesen Wochen wieder so wichtig geworden ist und uns zeigt, dass wir als Einzelne auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen sind

Auch unsere Solidarität weltweit wird in den kommenden Wochen immer wichtiger werden. Gestern erfuhren wir aus Nordsumatra/Indonesien, dass sich dort die Evangelische Karo-Batak-Kirche mit einigen Freiwilligen engagiert, indem sie die Menschen aufklären, wie sie mit dem Corona-Virus umgehen müssen und indem sie auf den wichtigsten fünf Straßen, die in das Karo-Hochland führen, die Autos desinfizieren, den Fiebertest bei den Insassen durchführen, ihnen Masken und Desinfektionsmittel geben. Eigentlich sind das Aufgaben des Staates, die jetzt die Kirche übernommen hat. Aber auf Dauer werden sie das nicht alleine mit eigenen Mitteln schaffen, und sie haben auch schon erste Sterbefälle infolge des Virus zu beklagen.

Aus den Philippinen hören wir, dass die Regierung einzelnen Gruppen in der Bevölkerung (älteren Menschen ab 60, den Familien der Ureinwohner und allen Regierungsangestellten) etwas Hilfe zukommen lässt, aber die vielen Menschen, die von ihren kleinen Geschäften täglich leben, werden dadurch nicht erreicht. Was machen sie, wenn sie nichts mehr verdienen können und kein Geld mehr haben, sich Lebensmittel zu kaufen? Große Sorge bereitet auch die Lage in dem überfüllten Flüchtlingslager in Moria auf der Insel Lesbos.

In diesen Tagen erreichen uns immer wieder Bitten um Hilfe von den verschiedenen Hilfs-organisationen, um Menschen beizustehen, die ihre Probleme der Gesundheitsversorgung, der Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht mehr alleine schultern und tragen können. Wir werden in ganz neuer Weise teilen lernen müssen und füreinander da sein.

Als Internationale Gemeinde haben wir das in den letzten Jahren schon miteinander prakti-ziert, in dem wir uns immer wieder gegenseitig oder auch anderen zu helfen versuchen, wenn es nötig ist, wenn jemand Hilfe und Unterstützung braucht. Auf diesen Erfahrungen dürfen wir jetzt aufbauen. Gott lässt uns dabei nicht im Stich, im Gegenteil, er bringt uns Menschen ganz neu zusammen.

Mit ähnlichen Erfahrungen hat sich in einer ganz anderen Zeit, nämlich in der Zeit des Widerstandes gegen das Nazi-Regime der Pfarrer und Theologe Dietrich Bonhoeffer aus Berlin befasst. Heute vor 75 Jahren wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg hinge-richtet. Nach ihm ist unser Gemeindehaus in der Altstadtgemeinde benannt. Dort habt Ihr sicher die Fotos gesehen, die sein Leben dokumentieren. Für ihn ist es damals sehr wichtig geworden, ganz in der Gegenwart zu leben und sich mit allen Sorgen und Angst, allen Zweifeln und Ungewissheiten, die jede und jeder von uns kennt, in die Arme Gottes zu begeben. Aus dieser Erfahrung stammt ein Text, den wir in unserem Gesangbuch (EG 813) haben und wie ein Bekenntnis sprechen oder beten können:

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Wir wünschen Euch eine gute Zeit in diesen Tagen und sind mit Euch verbunden.

Ein gesegnetes Osterfest und bleibt gesund und behütet,

Dr. Christian Hohmann
Regionalpfarrer des Amtes für Mission,
Ökumene und kirchliche Weltverantwortung
 

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