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Mut zum Brückenbauen Drucken
Von Bernhard Silaschi (30.07.2006)

bruecke.jpgLiebe Schwestern und Brüder!

 

„Streitet Euch nicht!", das ist so eine Standartermahnung, die wir unseren Kindern mitgeben, wenn wir unterwegs sind. Da wird noch einmal das Wesentliche für gelingendes Zusammenleben nach Meinung von uns Eltern in Kurzform zusammengefasst, damit die Geschwister die elternlose Zeit miteinander gut überstehen. Vielleicht kennen Sie das ja auch aus eigener Erfahrung: Da steht dann manches auf der innerfamilären Betriebsanleitung:

Räumt das Haus mal zwischendurch auf, vergesst die Blumen nicht zu gießen, schließt alles gut ab, wenn ihr rausgeht. Ach ja, übrigens: „Streitet Euch bitte nicht! Achtet aufeinander, kümmert Euch!" Kommt Ihnen das bekannt vor - kleine Tipps vor der Urlaubsfahrt an die fast erwachsenen Kinder. „Frieden fängt beim Frühstück an!", so hat das Hans-Dieter Hüsch mal auf den Punkt gebracht - eben auch in der Familie. Übungsfeld für den Ernstfall des Lebens. Tja und dann kommen die Eltern nach Hause, so gut zwei Wochen später: Aha, das Haus steht noch, auch die Wohnung ist noch in einem passablen Zustand und nach Austausch der ersten Ferienerlebnisse wird interessiert gefragt: Wie ist es denn so gelaufen? Und es dauert nicht lang, da kommt auch die erste Beschwerde auf den Tisch: „Stellt Euch vor", sagt der eine, „ich hab den ganzen Tag hart in der Sonne gearbeitet, komme kaputt und müde nach hause vom Ferienjob und meine liebe Schwester kommt kurz danach vom Stadtbummel mit Freundinnen und fragt mich, warum das Essen noch nicht auf dem Tisch steht?" - Und man spürt noch die Empörung in seiner Stimme beben - ein Stück Familienalltag.

Familienalltag gibt es auch in einer Gemeinde. Das wusste vielleicht keiner besser als der Apostel Paulus als geistlicher Vater vieler erster christlicher Gemeinden in ganz Kleinasien bis Europa. Mit allen diesen Gemeinden hat er in einem regen Gedankenaustausch gestanden, da er jeweils nur eine begrenzte Zeit dort sein konnte, bevor er weiter zog. So schreibt er Ihnen Briefe um den Glauben, der ersten Gemeinden zu stärken, ihren Mut und ihre Hoffnung aufzurichten, ihre Einheit zu festigen und auch das zu benennen, wo er kritische Punkte sieht. Und so hatte jeder Brief fast standardmäßig den Abschnitt Ermahnungen. Ein solcher Abschnitt aus dem Philipperbrief ist der heutige Predigttext:

Phil 2, 1-5

Leben in der Gemeinschaft mit Christus

Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit,

2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.

3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst,

4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:[A]

A) Luther übersetzte: »Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war.«

 

Liebe Schwestern und Brüder! Die Gemeinde in Philippi war für Paulus schon etwas ganz Besonderes. Er macht es deutlich in diesem Brief, den er aus dem Gefängnis schreibt und in dem immer wieder die Freude über diese Gemeinde und die herzliche Verbundenheit mit ihr zum Ausdruck kommt. Es wird klar: In Philippi läuft alles rund; kein Anlass zur Besorgnis oder die Gemeinde zurechtzuweisen und mit zum Teil scharfen Worten an die Grundsätze des christlichen Glaubens zu erinnern. Anders als in den Briefen an die Korinther und Galater, wo wir förmlich spüren können, wie bei Paulus die Alarmglocken schrillten. Philippi war die erste Gemeindegründung des Paulus in Europa - von dieser Gemeinde wurde er auch mit Geldmitteln unterstützt und nahm wohl nur von dieser Gemeinde die Unterstützung seiner Arbeit an. Als der Brief geschrieben wird, ist Paulus ein Gefangener - vielleicht sogar in Rom - in Erwartung seines Prozesses. Dennoch ist die Stimmungslage in diesem Brief nicht resignativ oder düster. Die Worte der Freude und Dankbarkeit durchziehen den ganzen Brief und man merkt: Mit dieser Gemeinde ist der Apostel ganz im Reinen. So sind auch die Ermahnungen in unserem Abschnitt ganz und gar nicht als Nörgelei oder als das berühmte Haar in der Suppe zu verstehen. Das griechische Wort für Ermahnung „Parakläsis" erinnert uns sogar an die Bezeichnung des Evangelisten Johannes für den Heiligen Geist und dessen Wirken als Parakleten, als einer der tröstet, ermahnt, ermutigt und bestärkt. In dieser Weise will Paulus den Familienalltag Gemeindeleben anregen und bestärken ganz praktisch und sehr nahe liegend. Und es ist ein Stück bester Gemeindepädagogik, wenn der Apostel dabei die Menschen in den Gemeinden so auch uns an ihren Stärken festmacht und nicht auf die Schwächen festnagelt. Wie oft gehen wir im Gemeindealltag auch manchmal ganz anders miteinander um, wenn wir uns unsere Schwächen vorwerfen und was es alles auszusetzen gibt: Warum macht der Pastor nicht mehr Besuche? Warum engagieren sich nicht mehr Leute ehrenamtlich? Muss der Kantor immer so schnell oder so langsam spielen? Nein, die Lieder sind mir heute zu neu gewesen. Wissen sie was, Herr Pastor, nächstens suchen Sie mal nicht so alte Lieder aus - Mehr Schwung bitte. Und die Konfirmanden könnten auch mal mehr in den Gottesdienst kommen, und wenn sie kommen, dann sollen sie mal bitte schön ruhig sein. Die Familien, die Familien gehören rein in das Gemeindeleben, aber die Kinder, die Kinder waren wieder so unruhig - wo bleibt da die Besinnung. Und auch zwischen Gemeinden gibt es das, wenn gezählt wird wie oft einer in der Zeitung war oder manche Pfarrer die Geduld ganzer Synoden und Pfarrkonferenzen mit egogestärkten Schaufensterreden auf die Geduldsprobe stellen.  Auch das, liebe Gemeinde, ist ein Stück alltägliches Familienleben Gemeinde. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht schnell dabei ist, sich übereinander aufzuregen. Da tut es gut, in der Weise des Paulus sich auf vorhandene Gaben und Stärken zu besinnen: Bei Euch ist Ermahnung in Christus, Trost, Liebe Gemeinschaft des Geistes, herzliche Liebe und Barmherzigkeit. Das ist schon mal zu konstatieren in Philippi - das ist schon geistliche Tagesordnung der Christen damals und keineswegs Ausnahmezustand. Nur damals und heute nicht mehr? Würden wir das Gütesiegel dieses ersten Verses, diesen Iststand von Gemeindeleben auch so freudig zugesprochen bekommen? Bei der Beantwortung dieser Frage gehen meine Gedanken zurück auf das Wochenende der Perspektivberatung mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern unserer Gemeinde im Mai letzten Jahres. Da haben wir Bestandsaufnahme gemacht und uns ist dabei auch klar geworden, wie engagiert und lebendig auch bei uns Christen ihren Glauben leben und wie wichtig ganz konkret, praktisch alltäglich es ihnen ist, als Christen glaubwürdig zu leben. „Wir leben mittendrin: Gemeinschaft - Kultur - Versöhnung", war das Wort, das uns inspiriert hat. Wir haben gelernt und versucht von unseren Gaben und Stärken her zu denken, haben uns kurz vor den Ferien vor einigen Wochen noch einmal getroffen, um nach einem Jahr wieder zu fragen und zu schauen. Da geht es auch gar nicht um Selbstbeweihräucherung und Lobhudelei, aber darum die Schwungkraft guter Erfahrung und Ermutigung zu nutzen. Zu wachsen an dem der das Haupt ist Christus. Also ich bin überzeugt: Auch Paulus würde uns mit Sicherheit nicht klein machen, sondern ganz im Sinn dieser Verse den Finger auf unsere Stärken legen, um uns auf allen Wegen der christlichen Existenz, die wir gemeinsam und auch jeder für sich als Nachfolge Christi gehen zu motivieren und zu bestärken. Und ich bin fest davon überzeugt: Diese Zeit, unsere Welt braucht diesen engagierten Beitrag von Christinnen und Christen gegen Nörgelei und Kleingeistigkeit, als Engagement zum Frieden und zur Verständigung, als Mut der Gleichgesinnten, die sich nicht abfinden wollen, das auf Kosten der Schwächsten wie in diesen Tagen wie im Libanon und Israel die Positionen der Stärke durchgebombt werden sollen. Wer für den Schutz der Menschen im eigenen Land eintritt, kann dies glaubwürdig nur, wenn ihm auch der Schutz und das Wohl Menschen anderer Länder, Kulturen und Religionen am Herzen liegen und diese Konsequenz  Mäßigung und Ausgleich zur Folge hat. Das Trauma der eigenen erlittenen Vergangenheit kann und darf nicht dazu führen, die Vertreibung, Traumatisierung und Tötung von zehntausenden auch unschuldiger Menschen rücksichtslos und billigend in Kauf zu nehmen. In einer globalisierten Welt, die vielfältig durch Medien und Verkehrsmittel vernetzt ist, gibt es auch keine Unbeteiligten mehr. In Konflikten, welcher Art auch immer, brauchen wir die Feuerpause, das Schweigen der Waffen, um Möglichkeiten des Ausgleichs und der friedlichen Verständigung zu entwickeln. Sind wir nicht weiter nach 1945, nach Vietnam nach dem 11. September 2001? Haben wir immer noch nicht gelernt, dass Gerechtigkeit und Frieden unmittelbar zusammenhängen. Ich übersetze den Aufruf des Paulus zur Einmütigkeit, gegen den Eigennutz, die Einübung in die Demut als die besondere Form des Mutes nicht das eigene Ich in den Mittelpunkt zu stellen - ich übersetze dies als  Mut vom anderen her zu denken, als Mut zur Hingabe, als Mut zur Aufgabe aller Selbstgerechtigkeit; ich übersetze dies als Mut sich in die Gesinnung Jesu einzuleben. Diesen Mut, darauf ist Paulus selbst in dieser schwierigen Situation seiner Gefangenschaft bedacht, den möchte er stärken damals und heute bei uns, weil sich Gemeinschaft und das Christsein und Kirche für andere sein eben an diesem Kreuzesmut des auferstandenen Herrn entscheidet.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Dieser Mut ist im Familienalltag christlichen Zusammenlebens gefragt, heute mehr denn je. Zu diesem Dienemut kann und muss jeder seinen ganz persönlichen unverwechselbaren Beitrag leisten - wenn wir so wollen ist das unsere geistliche Kirchensteuer ohne die unsere Gemeinden wirklich ganz arm dran wären. Und in Anlehnung an das zu Anfang zitierte Hüschwort liese sich sagen: Auch solcher Mut fängt beim Frühstück an. Paulus macht Mut unseren Glauben, unsere Hoffnung und Liebe in Beteiligung an der Gemeinde umzusetzen, Brücken zu bauen, die Gemeinschaft und Barmherzigkeit stärken, wo die Freude an der Taufe erfahren wird und wir Christus als lebendigen Herrn gegenwärtig erleben - vielleicht so wie in der Geschichte vom alten Brückenbauer:

 

Die anderen Brücken

Anne Steinwand

Du hast einen schönen Beruf,
sagte das Kind zum alten Brückenbauer,
es muss schwer sein, Brücken zu bauen.

Wenn man es gelernt hat, ist es leicht, sagte der alte Brückenbauer,
es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen.
Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger, sagte er,
die baue ich in meinem Träumen.

Welche anderen Brücken? fragte das Kind.

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an.
Er wusste nicht, ob es verstehen würde.
Dann sagte er:
Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft.
Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen,
von der Dunkelheit in das Licht,
von der Traurigkeit zur Freude.
ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit zur Ewigkeit
über alles Vergängliche hinweg.

Das Kind hatte aufmerksam zugehört.
Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber,
dass der alte Brückenbauer traurig war.
Weil es ihm eine Freude machen wollte, sagte das Kind:
Ich schenke Dir meine Brücke.

Und das Kind malte für den Brückenbauer
einen bunten Regenbogen.

 

Amen

 

 

Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis am 30. Juli 2006 in der Auferstehungskirche

 

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